Reaktionszeit verbessern

hallo zusammen,

ab und an komme ich in situationen, die - von der kommunikationsseite her gesehen

  • nicht so laufen, wie ich das gern hätte. (um das ein bisschen konkreter zu
    machen, verwende ich mal die terminologie der transaktionsanalyse.)
    ein beispiel:
    ich unterhalte mich mit jemandem auf der erwachsenen-ich-ebene und stelle eine
    frage. plötzlich wechselt die person in die eltern-ich-ebene und lässt ein
    gewitter von ratschlägen und „musst“ und „sollst“ auf mich niederprasseln.
    in der situation selbst merke ich, dass der stil sich geändert hat. ich kann dann
    auch feststellen, dass die person auf die eltern-ich-ebene geschaltet hat. was
    ich aber nicht hinbekomme, ist es mir eine adäquate reaktion in diesem moment
    auszudenken. ich bin dann etwas überfordert damit, zuzuhören, mein kindheits-ich
    zu zügeln und mir eine reaktion zu überlegen, so dass ich erst später, wenn ich
    in ruhe darüber nachdenken kann, die situation vollständig analysieren und einen
    guten lösungsansatz finden kann.

kann mir einer von euch einen tipp geben, wie ich schneller, am besten also noch
IN der situation selbst, zu einer adäquate reaktion kommen kann?

lieben gruß
tobias

level x
Hi Tobias

Was für eine komunikative Erscheinung du andeutest, ist natürlich klar, aber wie du es beschreibst, mutet äußerst seltsam an: Bist du mit deinem Bewußtsein in irgendeinem Computerspiel hängengeblieben?

Was sind das für Faxen mit diesem xyz-ich-ebenen-schalten? und auch deine Fragestellung „Reaktionszeit verbessern“ läßt einen auf die Idee kommen, dir zu einen besseren Joystick zu raten … und „Lösungsansatz“, dir ein Lehrbuch über Differentialgleichungen zu empfehlen

ich kann dann auch feststellen, dass die person auf die eltern-ich-ebene geschaltet hat.
was ich aber nicht hinbekomme, ist es mir eine adäquate reaktion in diesem moment auszudenken. ich bin dann etwas überfordert damit, zuzuhören, mein kindheits-ich zu zügeln …

Also du willst damit sagen, daß du auch du dann schlagartig umschaltest auf „kindlich reagieren“, wenn ein x-beliebiger Erwachsener ein „Gewitter von Ratschlägen“ auf dich „niederprasseln“ läßt? Und daß dir dann spontan nichts anderes tun einfällt als zuzuhören? Und dies bezeichnest du dann als „kindheits-ich zügeln“?

Hab ich das richtig wiedergegeben? Wo um Himmels willen hast du diese Sprache her?

… wenn ich in ruhe darüber nachdenken kann, die situation vollständig analysieren und einen guten lösungsansatz finden kann.

Man ist spontan geneigt, zu antworten: „Menno, das sind inhomogene Differentialgleichungen 4.Grades mit 6 Variablen. Die lassen sich mit dem Verfahren der Lösungsansätze nicht bewältigen …“

kann mir einer von euch einen tipp geben

ja - klar - ein massives Problem des Erlebens einfachster kommunikativer Situationen und dann „mal grad nen Tip“ … :smile:

Gib mal bitte ein feedback, ob ich dich soweit erstmal richtig verstanden habe, ok?

Gruß

Metapher

einen Lösungsansatz …

… kann ich dir aber auch ohne dein Erstfeedback schon rüberbeamen:

Trainiere das Spiel „Schere Stein Papier“ (ich nehme an, du kennst es) oder rechne dir die Gewinnchancen dabei aus, wenn dir das lieber ist als praktische Erfahrung.

Du kannst dann vielleicht jeweils schneller entscheiden, auf welche Ebene von diesen drei dir denkbaren du umschaltest, falls der andere umschaltet.

Allerdings geht auch das nicht ohne eine interne Bewertungsskala deinerseits - sonst gibt es keine Gewinnstrategie für dich: Du mußt wissen, ob dir tatsächlich die Kindheits-ich-Reaktualisierung die angenehmste Reaktion auf eine Eltern-ich-Attacke des Gesprächspartners ist.

Ggf. empfehlenswert ist, falls das Erwachsenen-ich-Niveau doch als optimaler Zielzustand wünschenswert erscheint, schlicht und einfach auf ebendiesem Niveau zu verharren, egal, was der andere für Switch-Strategien vornimmt.

Ist es eigentlich immer so für dich, daß du an „Eltern“ spontan „Gewitter von Ratschlägen“ und „herniederprasseln“ assoziierst? Und an „Kind“ dann „zuhören“?

Gruß

Metapher

o.k. - anders formuliert…
hallo metapher,

was ich mit eltern-ich, kindheits-ich und erwachsenen-ich beschrieben habe kommt
aus der transaktionsanalyse nach eric berne (dargestellt z.b. in
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499169169/ref…
510137 - „ich bin o.k., du bist o.k.“ oder sämtlichen werken von berne). aber
egal, wenn du die transaktionsanalyse nicht kennst, will ich es allgemeiner
umformulieren:

es war ein normales gespräch am telefon unter gleichberechtigen
gesprächspartnern. als ich eine simple frage stellte, wie mein gegenüber dies und
das so handhabe, ging schlagartig das gewitter von ratschlägen auf mich nieder,
mit vielen verallgemeinernden phrasen („da ist man nie drauf vorbereitet.“, „das
kann man nicht lösen.“ usw.) und einigen „muss“- und „soll“-sätzen. ich war davon
so überrascht, dass ich mich gar nicht dagegen wehren konnte von meinem gegenüber
„wie ein kind“ behandelt zu werden. erst als ich den hörer aufgelegt hatte, ist
mir eingefallen, wie ich gern reagiert hätte.
und meine frage lautet nun: habt ihr tipps, wie ich in einer solchen situation,
die mich so überrumpelt, zeit finden kann, um zu eine adäquaten antwort zu
finden?

ich hoffe, das war verständlicher.

lieben gruß
tobias

Trainiere das Spiel „Schere Stein Papier“ (ich nehme an, du
kennst es) oder rechne dir die Gewinnchancen dabei aus, wenn
dir das lieber ist als praktische Erfahrung.
Du kannst dann vielleicht jeweils schneller entscheiden, auf
welche Ebene von diesen drei dir denkbaren du umschaltest,
falls der andere umschaltet.

das habe ich nicht ganz verstanden. was soll mir das spiel bringen?

Allerdings geht auch das nicht ohne eine interne
Bewertungsskala deinerseits - sonst gibt es keine
Gewinnstrategie für dich: Du mußt wissen, ob dir tatsächlich
die Kindheits-ich-Reaktualisierung die angenehmste Reaktion
auf eine Eltern-ich-Attacke des Gesprächspartners ist.

nein, ist sie nicht. ich habe „zuhören“ als strategie nur eingeschlagen, weil ich
„trotz“ nicht nehmen wollte und mir keine bessere eingefallen ist. ich war, wie
gesagt, sehr überrascht von meinem gegenüber.

Ggf. empfehlenswert ist, falls das Erwachsenen-ich-Niveau doch
als optimaler Zielzustand wünschenswert erscheint, schlicht
und einfach auf ebendiesem Niveau zu verharren, egal, was der
andere für Switch-Strategien vornimmt.

wenn der mir allerdings nicht mal zeit zum verschnaufen lässt, wäre ich eher
geneigt, ihn irgendwie zu unterbrechen, ihn also darauf hinzuweisen, dass er so
nicht mit mir reden soll, sondern „erwachsener“ - wenn ich das mal so nennen
darf.

Ist es eigentlich immer so für dich, daß du an „Eltern“
spontan „Gewitter von Ratschlägen“ und „herniederprasseln“
assoziierst? Und an „Kind“ dann „zuhören“?

meine formulierung hängt - wie schon erwähnt - an der transaktionsanalyse. dort
betrachtet man sich das „reaktionsmuster“ (welche haltung nimmt das gegenüber
ein? welche betonung, intonation der sprache? welche formulierungen überwiegen?
usw.). die von dir genannten zusammenhänge aus meinem mail sind mögliche
eltern-kind-reaktionen. daraus folgt, dass sich der mit seinem eltern-ich und der
andere mit seinem kindheits-ich reagiert hat.
ich persönlich habe diese assoziation nur als klischeehafte assoziation. meine
erfahrungen sind da ganz anders (auch wenn wohl jeder mal ratschläge seiner
eltern hat erdulden müssen).

aber ich habe mittlerweile eine umformulierung gepostet. ich hoffe, die ist
verständlicher formuliert.

gruß
tobias

aber egal, wenn du die transaktionsanalyse nicht kennst, will ich es allgemeiner umformulieren:

aber selbstverständlich ist mir die bekannt, und meine Meinung dazu - sofern sie nicht bereits erkennbar war - tut hier nichts weiter zur Sache.

Bezgl deines angedeuteten Szenariums kann ich zur TA nur sagen: Man kann sich auch einen Ring durch die Nase zeihen und ein Klavier dran hängen …

Metapher

Trainiere das Spiel „Schere Stein Papier“

das habe ich nicht ganz verstanden. was soll mir das spiel bringen?

ok - lassen wir das. Dachte mir beinahe schon, daß der Vergleich mit deinem Menschenbild, das aus drei „Ebenen“ besteht *g*, nicht rüberkommt …

nein, ist sie nicht. ich habe „zuhören“ als strategie nur eingeschlagen, weil ich „trotz“ nicht nehmen wollte und mir keine bessere eingefallen ist. ich war, wie gesagt, sehr überrascht von meinem gegenüber.

Menno - ist das dein Ernst? Denkst du bei jedem blabla, das zwischen dir und einem anderen ausgetauscht wird, derartig bombastisch an „Strategien einschlagen“? Und das auch nur aus einem minimalen Vorrat an ebensolchen? Hast du ein Notizbuch dabei, wo die drinstehen?Ist meine Assoziation an dein Computerspiel ebenfalls nicht rübergekommen?

wenn der mir allerdings nicht mal zeit zum verschnaufen lässt,

dir " läßt"?? Bist du bei jedem Gesprächspartner so devot?

wäre ich eher geneigt, ihn irgendwie zu unterbrechen

Ein genialer Einfall.

ihn also darauf hinzuweisen, dass er so nicht mit mir reden soll,

z.B. ja - und damit dein „höriges-Kind“-Schema mal für einen Augenblick hinter dir lassen.

sondern „erwachsener“ - wenn ich das mal so nennen darf.

ähem - ja. Aber sag ihm das nicht wörtlich so, sonst lacht er dich aus.

aber ich habe mittlerweile eine umformulierung gepostet. ich hoffe, die ist verständlicher formuliert.

ja - hab ich verstanden (und dort geantwortet), was nicht heißt, daß ich weniger verständnislos zu sein bereit bin. Tut dir TA gut?

Gruß

Metapher

aber selbstverständlich ist mir die TA bekannt, und meine Meinung
dazu - sofern sie nicht bereits erkennbar war - tut hier
nichts weiter zur Sache.

Bezgl deines angedeuteten Szenariums kann ich zur TA nur
sagen: Man kann sich auch einen Ring durch die Nase zeihen und
ein Klavier dran hängen …

o.k. da magst du recht haben, es war vielleicht nicht klug von mir das modell zu
benutzen. aber warum muss ich jetzt darunter leiden, dass du die ta nicht magst?
du hättest mir auch einfach auf meine frage antworten können oder eben nicht. ich
dachte, das wäre hilfreich, es so zu formulieren und meine frage war ernst
gemeint. mit deiner ersten antwort hatte ich sehr das gefühl verarscht und nicht
ernst genommen zu werden. deine zweite antwort war da schon hilfreicher, wenn ich
auch noch nicht alles verstanden habe.
und auf eine ernst gemeinte frage kann ich auf lustige vergleiche genauso
verzichten, wie du auf die transaktionsanalyse.

ich als laie finde diese ich-ebenen ganz praktisch, um schnell zu erkennen, wer
gerade wie drauf ist. als therapieform ist das ding vielleicht nicht besonders,
davon versteh ich auch nix.
was empfiehlst du denn stattdessen, um sein gegenüber schnell einzuschätzen?

gruß
tobias

Tut dir TA gut?

was soll mir daran gut tun? ich benutze dieses modell nur, um mir ein paar
reaktionen zu erklären (siehe
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
53413), weil ich es ganz einleuchtend und schön einfach in der handhabung fand.
wie wäre denn dein ansatz für sowas?

gruß
tobias

nochmal anders gesagt
Hi Tobias

was empfiehlst du denn stattdessen, um sein gegenüber schnell einzuschätzen?

Diese Frage kommt besser rüber :wink:
Nun, es ist so, daß ein schnelleres Einschätzungsvermögen einer Persönlichkeit oder - wie hier - eines miserablen dialogischen Verhaltens (wie du es von deinem Gespräöchspartner schilderst) nur gewonnen werden kann durch Gespräche, Gespräche, Gespräche und natürlich aufmerkasame Beobachtung dabei - vor allem auch Beobachtung der Wirkungen, die das Verhalten auf einen selbst ausübt und auch der eigenen Reaktionen daraufhin. Insofern tust du ja das richtige.

Es ist genauso, wie man andere Bewegungsformen erlernt, bei denen es u.a. auch auf Schnelligkeit ankommt - Schlagfertigkeit, Klavierspielen, Karate, um mal Beispiele aus sehr verschiedenen Katgorien zu nennen.

Man lernt zunächst in Zeitlupe die Bewegungen. Bei sprachlichen Angelegenheiten kommt noch die sorgfältige Reflektion über den gesprochen Ausdruck (Inhalt, Sprachstil, Tonfall usw.) dazu, die in der Regel im erinnernden Nachspielen der Szene geschieht. Ebenso wie beim Klavierspiel die Reflektion über den musikalischen Inhalt und die möglichen Ausdrucksformen zu den mechanischen Fingerübungen dazukommen.

Es gilt aber - und daher meine Kritik an der Weise, wie du deine Frage dargestellt hast - auf jedenfall, daß stereotype Deutungsmuster (und erst recht solche - ähm - „elementaren“, wie es die TA macht) jede wirkliche Menschenkenntnis regelrecht verhindern.

Statt sensibel wahrzunehmen und auf Töne, Stimmungen zu lauschen - verzeih, daß auch das wieder eine Metapher ist, aber es entspricht meinem screenname :smile: - wird man dadurch dazu verleitet, in einem auswendiggelernten Register nachzuschlagen, das notwendigerweise viel zu grob ist, um das Wahrgenommene abzubilden. Und dadurch kommt es zu solchen Reaktionen, wie du sie von dir beschreibst, wo man in Zweifelsfragen steckenbleibt … Verzögerungen und Unsicherheiten in deiner Reaktion, die jeder geschulte Redner ausnutzen kann, um dich rhetorisch über den Tisch zu ziehen.

Also, um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Sorgfältige (erinnernde) Analyse des Geschehen, Gesprochenen - und zwar unter der Lupe (= eine Metapher) - ist durchaus eine Stufe der Übung, insofern lagst du mit deinem Begriff „Analyse“ durchaus richtig. Ein gesprochener Text enthält nämlich viel viel mehr Informationen (und damit Reaktionsmöglichkeiten), als sich mancher Sprechende zunächst träumen mag - geschriebene Texte ebenfalls, wie du ja durch meine „Attacke“ am eigenen Leib erfahren hast :wink:

Ein radikales Hinterfragen eigener Reaktionsmuster, falls solche vorliegen (wie bei dir in deinem Beispiel, wenn ich dich recht verstanden habe) ist dann das nächste.

Danach kommt eine Einübung möglichst vieler reaktiver (verbaler, textlicher) Varianten. Aber das Spektrum solcher Varianten ist kontinuierlich (d.h. es gibt unendlich viele), daher ist ein im Hinterkopf vorhandenes „primitives“ Muster wie die drei von dir erwähnten „Ebenen“ für eine Weiterentwicklung der eigenen Rhetorik tödlich.

Und alle diese Dinge kannst du entweder lernen im Tetrapack in einer guten Rhetorikschule, oder - viel besser - durch den Umgang mit 100ten, 1000en Menschen und ein Vielfaches an Gesprächssituationen …
Ich hoffe, das war jetzt etwas hilfreicher für dich?

Grüße

Metapher

6 „Gefällt mir“

siehe oben (o.w.T.)

wie wäre denn dein ansatz für sowas?

hi metapher,

wenn ich das mal etwas aus der ferne betrachten darf: im prinzip geht es ja um
den umgang mit einem komplexen system. die ta verwendet ein einfaches modell, um
das system abzubilden. und du schlägst vor, das system nach try-and-error, mit
beobachtung und trainig in den griff zu bekommen. es also zu erforschen, zu
erlernen, um entscheidungen dann aufgrund umfangreicher erfahrung zu treffen und
nicht aufgrund einfachster modelle.
du musst natürlich zugeben, dass die versuchung sehr nahe liegt, ein simples
modell, das ich sofort zur verfügung habe, zu benutzen, statt mich auf ein jahre
dauerndes erforschen einzulassen.
aber schließlich geht es hier um das elementarste komplexe system, das wir haben:
die zwischenmenschliche kommunikation. wenn wir in der technikwelt eine
modell-vereinfachung machen, ist das eine sache, aber in der kommunikation
sollten wir alle experten werden. und das durch training und erfahrung.
oder sehe ich das wieder falsch?

jedenfalls haben mir deine ausführungen nochmal deutlich vor augen gestellt, dass
der einfachste nicht der beste weg ist. vielen dank für deine „attacke“. das war
alles sehr hilfreich.

gruß
tobias

Spannend …
… finde ich diesen Austausch, Metapher.
Spannend insoweit, als Du hier genau so reagierst wie der Gesprächspartner im Beispiel. Du wechselst die Ebene auf der du kommunizierst. Erst als Tobias stur auf seiner Ebene beharrt, kehrst Du zurück und antwortest auf Augenhöhe. Und genau das ist die Reaktion, die Tobias von der (langsamen) schriftlichen Ebene auf die Gesprächsebene übertragen muß: sich nicht durch eine emotional gefärbte Reaktion verleiten lassen, die Vernunftsebene zu verlassen.
Du hast natürlich recht, die erforderliche Selbstkontrolle (und damit Kontrolle des Gegenübers und des Gesprächsverlaufes) lernt man erst im Laufe der Zeit und nach vielen Versuchen.

Tobias möchte ich vielleicht raten noch einmal „Games People Play“ zu lesen.
Ja, ich weiß, Metapher, Du hältst von Berne nicht viel (Wir hatten vor drei Jahren mal einen kurzen Austausch darüber), aber er bringt die Dinge so rüber, dass auch der psychologische Laie die Mechanismen begreift. Mir hat das einmal ziemlich weitergeholfen. Dass in der TA vieles verkürzt und zu simpel dargestellt ist, habe ich inzwischen auch gemerkt.

Grüße
Eckard.

1 „Gefällt mir“

Komplexität & Dialog

Hi Tobias

wenn ich das mal etwas aus der ferne betrachten darf: im prinzip geht es ja um den umgang mit einem komplexen system.

ja

du musst natürlich zugeben, dass die versuchung sehr nahe liegt, ein simples modell, das ich sofort zur verfügung habe, zu benutzen, statt mich auf ein jahre dauerndes erforschen einzulassen.

Das gebe ich zu. Ich gebe sogar zu, daß für die meisten alltäglichen Gesprächsszenarien einfachste Modelle (wie die der TA oder die von Schultz v. Thun) völlig ausreichen - wobei man dann auch gleich sagen kann, daß sie dafür weitgehend überflüssig sind. Denn mit Stereotypen lassen sich z.B. Konflikte erkennen, aber nun mal nicht auflösen. Denn stereotpe Sorache erzeugt meist Aggressionen „ach du schon wieder mit deinem xyz-blabla! …“ :smile:

Aber es geht ja um Szenarien, die irgendeine Problemstruktur tragen: Dein Beispiel ist ein solches Szenarium, wo bestimmte Charaktere konfliktschwanger aufeinander treffen. Das kann aber auch eine Mißverständnisstruktur sein, oder eine politische Kampfsituation (wo ja Dialogstrategien verwendet werden), oder Szenarien, die dadurch entstehen, daß eine bestimmte psychische Disposition mindestens eines der Gesprächspartner hineinwirkt. So zeichnen sich z.B. die sog. Persönlichkeitsstörungen gerade dadurch aus, daß sie selbst einfachste Dialoganlässe unüberschaubar kompliziert machen (besonders bei der Narzißtischen PsT und bei Borderlinern kann das dramatisch werden).

Ein weiteres Beispiel ist die Krisenintervention (die vorherigen Beispiele sind da allerdings mit eingeschlossen): Wo z.B. jemand „durchdreht“ oder eine Interaktionsstruktur eskaliert ist. Da mußt du blitzschnell - in Ermagenlung vorheriger Kenntnisse über die betreffenden Personen - minimale Signale „auswerten“, Sensibilitäten erkennen, Spannungsdynamiken erkennen: Das heißt, du mußt in dem, was oberflächlich unscharf (aber dennoch eindeutig) als „Stimmung“, „Atmosphäre“ wahrnehmbar ist, Strukturen und Wechselwirkungen erkennen.

Da reichen dann extrem vereinfachte Modelle nicht mehr aus. Allerdings reicht dann auch rein akkumulative Erfahrung nicht mehr. Denn in solchen Szenarien (besonders beim Dialog mit dem Narzißten und dem Borderliner) werden „Strategien“ blitzschnell ad hoc, also ohne Anbahnung, erzeugt, erfunden. Und für diese Verläufe sind fertige einfache Modelle wenig geeignet, denn nach 5 Minuten können sie bereits wieder völlig daneben liegen.

aber schließlich geht es hier um das elementarste komplexe system, das wir haben

Ja, es ist sogar das komplexeste. Der Mathematiker Brower sagte einmal, daß der math. Punkt das komplexeste Objekt sei, das wir denken können. Ich denke, es ist der zwischenmenschliche Dialog. Denn aus den Erfahrungen obiger Beispiele resultiert die weitere Einsicht, daß in Wirklichkeit alle menschlichen Dialoge - auch eine Frage nach dem Weg zum Bahnhof - „an sich“ so komplex sind. Nur mit dem Unterschied, daß es normalerweise keine Problem gibt, wenn man diese Komplexität übersieht. Aber bei einem Menschen mit z.B. soziophoben Eigenschaften kann auch die Frage nach dem Bahnhof zu einem nicht zu bewältigenden Drama werden …

wenn wir in der technikwelt eine modell-vereinfachung machen, ist das eine sache, aber in der kommunikation sollten wir alle experten werden. und das durch training und erfahrung.
oder sehe ich das wieder falsch?

Das ist völlig richtig. Eigentlich sollten die Grundlagen bereits in der Schule gelernt werden (z.B. das noch relativ einfache Problem, wie ein Mißverständnis funktioniert und wie man es auflösen kann, falls man es erkennt) - aber es gehört ja nichteinmal als Spezialgebiet zu psychotherapeutischen Ausbildungen …

Grüße

Metapher

4 „Gefällt mir“

ein schönes

… und treffendes Feedback, Eckard. Ja, hat mir ja auch Spaß gemacht - von Anfang an. Ich hoffe, Tobias auch …

Ja, ich weiß, Metapher, Du hältst von Berne nicht viel aber er bringt die Dinge so rüber, dass auch der psychologische Laie die Mechanismen begreift.

Berne ist wirklich lehrreich - es gibt halt immer einen großen Abstand zwischen den Schulgründern und den Fortpflanzungen der Schulen
selbst. Ist ähnlich wie bei Rogers mit der Klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie.

(Wir hatten vor drei Jahren mal einen kurzen Austausch darüber),

Boah - hast du ein Gedächtnis! Kannst du mir den Link dazu nochmal beamen? Im Archiv hat man schlechten Zugriff auf die eigenen Verbrechen der Vergangenheit *fg*

Es war damals gewiß bloß eine Ausgeburt meiner narzißtischen Kränkung darüber, daß andere ihre Bücher geschrieben haben, und meine Explikationen über meinen „Integralen Dialog“ noch immer nicht publiziert sind *grummelfeix* Du siehst: Die Motive der Argumentation sind vielfältig - und ich mime grad einen auf Selbstkritik - muß am Wetter liegen :smile:)

Grüße

Metapher

hat mir auch gefallen!

… und treffendes Feedback, Eckard. Ja, hat mir ja auch Spaß
gemacht - von Anfang an. Ich hoffe, Tobias auch …

der anfang war zwar hart für mich, aber letztendlich hat es nicht nur spaß
gemacht, sondern auch zu einer einsicht gebracht.

danke nochmal!

gruß
tobias

hallo metapher,

ich habe heute morgen nochmal ein bisschen über unseren dialog nachgedacht. es
gibt noch etwas, das ich dich gern fragen will:
diese einfachsten modelle (ta oder s.v.thun) - wie du sie nennest - geben mir als
laien noch etwas anderes als eine pseudo-sicherheit, dass interaktion nur aus
wenigen komponenten bestehe. und das ist ein vokabular, um mich mit interaktion
auseinandersetzen zu können. daraus jetzt die frage formuliert: wenn ich mir
während meiner interaktionen genau zuhöre und im nachhinein versuche zu
analysieren, wie kann ich meine gefühle, meine gedanken in worte packen, um sie
auch wirklich analysieren und in meinem kopf abspeichern zu können? was für ein
vokabular schlägst du vor?

und: wann kommt denn dein buch :o) das würde mich schon interessieren, denn ein
seminar bei dir kann ich mir sicherlich nicht leisten.

gruß
tobias

Metaphern und Bilder

wenn ich mir während meiner interaktionen genau zuhöre und im nachhinein versuche zu analysieren, wie kann ich meine gefühle, meine gedanken in worte packen, um sie auch wirklich analysieren und in meinem kopf abspeichern zu können?

was für ein vokabular schlägst du vor?

mein Vorschlag ist, gar nicht nach einem bestimmten Vokabular zu suchen. Das hast du ja auch nicht, wenn du z.B. jemandem ein Gemälde oder ein Musikstück beschreiben würdest, das er selbst nie gesehen bzw. gehört hat. Aber bei der Beschreibung sollte einem dann (wiederum reflektierend) auffallen, daß man gerade dabei ist, mit bestimmtem Vokabular zu sprechen … aus welchem Bereich die Sprache an sich kommt, welche Art von Bildern, Metaphern es sind. Und wenn dies erkannt ist, dann läßt du dieses Vokabular, diese Metaphern mal wieder weg und wählst andere … Ohne Begriffe, Bilder, Metaphern geht das natürlich gar nicht. Daher ist der Wechsel von einem Typus zu einem anderen höchst günstig.

Bei einem Selbstgespräch ist das nicht viel anders - obwohl sich das zunächst gar nicht sprachlich abspielt … aber das ist ein anderes Problem.

So hast du bei deiner Beschreibung ja bestimmte Begriffe gewählt: Analyse, Lösungsansatz, Ebenen, abspeichern usw. … das ist zunächst ok, aber versuch mal, diese speziellen (mathematischen) Vokabeln zu vermeiden und andere zu suchen … dann siehst du, wie das Vokabular die Wahrnehmung beeinflußt.

In einem geeigneten Dialog (über den Ablauf solcher Szenen) geht es dann auch im Wesentlichen darum, daß du durch Verständnis-Rückfragen des Gesprächspartners zu einer Reflexion deiner Beschreibung(s-Art) animiert wirst … dabei wird dir das von dir Erlebte, deine Reaktion usw. dann allmählich immer transparenter …

Gruß

Metapher