Hallo Thomas!
richtig, aber eben letztere auch ohne experimentellen Bezug,
und deshalb schien mir die Bezeichnung nicht zu deiner
Einstellung zu passen.
Spielt meine „Einstellung“ eine Rolle für historische Ereignisse? Wohl kaum, und da eines meiner nichtpsychologischen Interessengebiete die Geschichte ist, werde ich mich hüten, absichtlich Geschichtsklitterung zu betreiben. 
James hat nun gar nichts von dem, was
du immer als Spezifikum der Psychologie hervorhebst, keine
Statistik, keine Experimente.
Zum einen für die Mitelesenden: Ein großer Teil wissenschaftlich-akademischer Psychologie beruht auf statistischen Auswertungen experimentell gewonnener Daten. Weil das aber in der Öffentlichkeit oft nicht so durchkommt, muß es häufiger einmal gesagt werden.
Zum anderen für Thomas: Wundt und James sind Psychologen der ersten Stunde. Daß damals noch vieles nicht so war wie heute, dürfte klar sein. Die introspektive Vorgehensweise hatte sich Anfang des 20. Jahrhunderts selbst diskreditiert und ist mit der behavioristischen Revolution ad acta gelegt worden. Die Methodik der heutigen Psychologie ist Ergebnis des - wohlgemerkt! - methodologischen Behaviorismus.
Ich habe noch weiter recherchiert und gefunden, daß James ab 1880 „Psychologie“ gelehrt haben soll. Somit rücken Wundts Gründung des ersten psychologischen Laboratoriums 1879 und der Beginn der Jamesschen psychologischen Lehrtätigkeit zeitlich noch enger zusammen. Von James hört man heute während des Studiums im Zusammenhang mit Emotionspsychologie. Zeitgleich mit dem dänischen Physiologen Carl Lange hat James eine Theorie der Emotion entworfen, nach der Menschen nicht aufgrund von Emotionen (z.B. Angst) Verhalten (z.B. Wegrennnen) zeigen, sondern aufgrund von Verhalten (z.B. Wegrennen) Emotionen (z.B. Angst) entwickeln. Daß kein mentaler Zustand („Gefühl“), sondern Verhaltensweisen bzw. die sie auslösenden Reize zu psychischen Zuständen oder - radikal-behavioristisch ausgedrückt - zu „covert behavior“ führen, das kann also auch ein nichtbehavioristischer Psychologe wie James finden.
Ich bin also von der Berechtigung der Bezeichnung immer noch
nicht wirklich überzeugt, kann aber selbstverständlich damit
leben … 
Da Du Europäer bist, kannst Du Dich ohne schlechtes Gewissen der These anschließen, daß Wundt the one and only father of psychology ist.
)
Ich denke übrigens, dass man das natürlich trennen kann, aber
dazu nicht unbedingt gezwungen ist. Mir wird das Trennende
immer zu stark betont. Dabei könnte man doch gegenseitig
voneinander lernen.
Ich frage mich, was Du mit „das Trennende“ meinst. Dilthey unterschied zwischen verstehender und erklärender Psychologie. Die verstehende Psychologie - so einer unserer Prof.s - gebe es nicht mehr. Da dieser Prof. auch schon den Behaviorismus vorzeitig beerdigt hat, bin ich skeptisch und erinnere gern an die Worte des Behavioristen John Staddon („The new behaviorism“): „The corpse is still creeping out of its coffin.“ Wenn Du also auch eine Leiche im Keller hast, dann laß mich ´mal sehen, ob sie bei Tageslicht nicht in Flammen aufgeht. *g*
Genieß die mediterrane Küche. Essen und Trinken halten nicht nur Leib und Seele zusammen, sondern sind auch enorm positive Verstärker. Aber paß auf die antizipatorischen Zielreaktionen auf. Wirken uncool. *sabber*
Herzliche Grüße,
Oliver Walter