Antwort von
nach 2 Tagen
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Re^3: Immer wieder derselbe Traum
Aus welchen Gründen auch immer werden
Erinnerungen an Personen, Ereignisse,
Handlungen etc. aktiviert. Das ist an
sich ziemlich chaotisch, was da passiert.
Nach einiger Zeit wird auch ein Skript
aktiviert, und zwar das, was zu dem
Zeitpunkt am besten zu passen scheint.
WEM zu passen scheint? Sollte man nicht
annehmen, daß zu Ankes Freunden, Eltern
und Geschwistern am besten solche Skripts
passen, die einen autobiographischen
Bezug aufweisen? Gemeinsames Frühstück
mit den Eltern, Feiern mit den Freunden,
Reisen mit den Geschwistern, oder was
auch immer?
Na ja, so etwas ist ja auch häufig Trauminhalt. Ich hatte gemeint, daß solche Skripts aktiviert werden, die einen Bezug zu den Ereignissen und Handlungen, meinetwegen auch Motivationen und Emotionen haben, während die Personen eher zufällig auf bestimmte Rollen verteilt.
Dabei werden den "Rollen" im Skript (z.B.
der Detektiv) den geträumten Personen
zugewiesen. Im weiteren Verlauf werden
die Geschehnisse in Übereinstimmung mit
dem Skript interpretiert.
Von WEM?
Das das richtige Skript automatisch zugewiesen wird ist eine Eigenschaft des Systems (Verstehen alltäglicher Situationen ist schließlich fast immer mühelos)
Wenn ich mich an meine eigenen
Träume erinnere, dann ist der "rote
Faden" (das Skript) in der Regel nur
scheinbar vorhanden.
Sicher, ich habe ja auch nicht behauptet, das Skript würde den Abruf weiterer Erinnerungen diktieren. Irgendwann passt das Skript nicht mehr, und dann wird ein anderes aktiviert (man hat ja auch keine Schwierigkeiten bei einem Einkauf zwischen Käse und Wursttheke zu unterscheiden)
Landschaften
verändern sich während ich sie durchfahre
oder durchwandere, Personen wechseln ihre
Identität oder ihr Aussehen, physikalisch
mögliches und unmögliches geschieht in
bunter Mischung.
Eben, Personen, Ereignisse, Handlungen etc. werden fortlaufend zufällig aktiviert, deren Interpretation erfolgt durch Skripts, immer solange sie auf die Personen, Ereignisse, Handlungen etc. noch einigermaßen sinnvoll angewendet werden können. Anschließend wird ein neues Skript aktiviert, das besser passt.
Könnte es sein, daß der
Mechanismus des Träumens (ich meine jetzt
der Trauminhalte) in erster Linie so
etwas wie "spreading activation" (also
rein assoziativ) ist, und daß die
Interpretation erst im Nachhinein, durch
den zwischenzeitlich erwachten Träumer
erfolgt?
Da der Traum etwas ist, über das wir erst
im Nachhinein berichten können, und das
wir erst im Wachzustand analysieren
können, sprechen wir ja ohnehin immer nur
von unserer Erinnerung an Träume. Und
wenn wir jetzt mal von Deinen Skripts
ganz elegant zu Bartletts Schemata
überwechseln, dann sind wir beim Erinnern
unserer Träume vielleicht in einer ganz
ähnlichen Situation, wie Bartletts
Probanden, wenn sie den Krieg der Geister
nacherzählen sollen. Erinnert wird nur
das, was sich in irgendeiner Weise
stimmig machen läßt - ob das aber das
ist, was wir WIRKLICH geträumt haben?
MN
Möglich, keine Ahnung, habe ja schon gesagt, ist alles total spekulativ. Ich bin übrigens noch einmal in mich gegangen, und mir ist dann eingefallen, daß die vorgetragene Traumtheorie ziemlich genau mit der von George Mandler übereinstimmt.
Gernot