Immer wieder derselbe Traum

Hat jemand eine Idee, was es bedeuten könnte, wenn ich immer wieder träume, daß
ich mir vertraute Menschen (Freunde, Eltern, Geschwister), aber auch wildfremde
„liebe“ Menschen (Babies) vor bösen Mächten (Monster, Nazis, Soldaten) retten
muß?
Besonders gehäuft treten diese Träume in Zeiten emotionaler Belastung auf
(Prüfungsstreß…)

Vielen Dank

Pp

Hi Anke,
ich bin zwar kein Psychologe, aber so aus dem Bauch heraus wuerde ich sagen, dass Du entweder das Gefuehl hast, Deine Umwelt nimmt Dich zu sehr in Anspruch bzw. braucht Dich zu sehr, oder Du hast den Eindruck Deine Umwelt sei unfaehig und Du MUSST allen unter die Arme greifen.
Wie gesagt: bin kein Psychologe.
Liebe Gruesse Martin S.

Im Gegensatz zu Martin (s.u.) bin ich zwar Psychologe, glaube aber nicht, daß es so etwas wie „richtige“ oder „falsche“ Traumdeutungen gibt.
Interessant fände ich in Deinem Fall, welche gefühlsmäßige Tönung diese Träume haben: sind es Angstträume, aus denen Du schweißgebadet aufwachst, und Dich nicht traust, wieder einzuschlafen? Oder sind sie eher neutral oder positiv getönt? Wenn es so ist, daß die Träume weniger angstvoll, sondern eher „abenteuerlich“ sind, wenn es Dir gelingt, Deine „Lieben“ zu retten - ist doch prima. Man könnte das dann vielleicht auf Psychosprech als „Bewältigungsthematik“ bezeichnen: die von ihrem Prüfungsstreß eingeschnürte Anke verschafft sich in ihren Träumen Luft, indem sie zu Superwoman wird, die ihre Lieben vor den Nazis rettet.

Gruß
Michael

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hier meine vollkommen spekulative Interpretation.

Meines Wissens stellt man sich für das Verstehen einer Geschichte (gelesen, erzählt, als Film gesehen, etc.) oder einer sozialen Situation vor, daß dies durch im Gedächtnis abgespeicherte sog. Skripts („Drehbücher“) erreicht wird. Solche Skripts umfassen die wichtigsten Handlungen und Ereignisse und deren wahrscheinliches aufeinanderfolgen einer Krimi,- Räuber-, Liebes-, Grusel, etc.-geschichte. Diese Skripts sind relativ allgemein gehalten, insbesondere sind die handelnden Personen nicht festgelegt, denn das Skript soll ja sowohl für Miss Marple als auch Inspektor Columbo als Detektiv gelten.

Ich könnte mir vorstellen, daß während des Träumens etwa folgendes geschieht. Aus welchen Gründen auch immer werden Erinnerungen an Personen, Ereignisse, Handlungen etc. aktiviert. Das ist an sich ziemlich chaotisch, was da passiert. Nach einiger Zeit wird auch ein Skript aktiviert, und zwar das, was zu dem Zeitpunkt am besten zu passen scheint. Dabei werden den „Rollen“ im Skript (z.B. der Detektiv) den geträumten Personen zugewiesen. Im weiteren Verlauf werden die Geschehnisse in Übereinstimmung mit dem Skript interpretiert.

Was in den Träumen vorkommt hängt wahrscheinlich mit aktuellen Erlebnissen, kürzlichen Erinnerungen, aber natürlich auch Wünschen, Befürchtungen etc. zusammen. Insofern haben Träume wohl schon etwas zu bedeuten. Andererseits ist vermutlich vieles in den Träumen einfach vom Zufall abhängig (welche Erinnerung wann wie gerade aktiviert wurde) und sollte wohl nicht überinterpretiert werden.

Aber wie gesagt, das ist alles völlige Spekulation meinerseits.

Hi Anke,

bin auch keine Psychologin, ich denke aber, dass Martin recht hat.

Ich habe selbst ganz ähnliche Träume, z.B. musste ich Menschen aus einem brennenden Haus retten, einen ganzen Freizeitpark vor einer Katastrophe bewahren, die Menschheit von einer tödlichen Seuche befreien (da konnte ich sogar fliegen, kam mir im Traum aber normal vor).

Das läuft ab, wie ein Actionfilm, also sehr spannend, kann also sein, dass ich auch schon mal schweißgebadet aufwache. Ich konnte meine „Missionen“ aber immer erfüllen, von daher seh ich das ganze eher positiv.

Ich denke, du bist ein Mensch, der alles gerne selbst in die Hand nimmt und nichts gerne dem Zufall (oder anderen) überlässt.

Insgesamt fühlst du dich wohl (zu sehr) verantwortlich für andere und hast immer den Anspruch, deiner Umwelt helfen zu müssen.

So lange du damit im real-life klarkommst ist doch alles ok. Ich denke, es gibt schlimmere Träume (und schlechtere Wesenszüge).

MfG Jeanny

Aus welchen Gründen auch immer werden
Erinnerungen an Personen, Ereignisse,
Handlungen etc. aktiviert. Das ist an
sich ziemlich chaotisch, was da passiert.
Nach einiger Zeit wird auch ein Skript
aktiviert, und zwar das, was zu dem
Zeitpunkt am besten zu passen scheint.

WEM zu passen scheint? Sollte man nicht annehmen, daß zu Ankes Freunden, Eltern und Geschwistern am besten solche Skripts passen, die einen autobiographischen Bezug aufweisen? Gemeinsames Frühstück mit den Eltern, Feiern mit den Freunden, Reisen mit den Geschwistern, oder was auch immer?

Dabei werden den „Rollen“ im Skript (z.B.
der Detektiv) den geträumten Personen
zugewiesen. Im weiteren Verlauf werden
die Geschehnisse in Übereinstimmung mit
dem Skript interpretiert.

Von WEM? Wenn ich mich an meine eigenen Träume erinnere, dann ist der „rote Faden“ (das Skript) in der Regel nur scheinbar vorhanden. Landschaften verändern sich während ich sie durchfahre oder durchwandere, Personen wechseln ihre Identität oder ihr Aussehen, physikalisch mögliches und unmögliches geschieht in bunter Mischung. Könnte es sein, daß der Mechanismus des Träumens (ich meine jetzt der Trauminhalte) in erster Linie so etwas wie „spreading activation“ (also rein assoziativ) ist, und daß die Interpretation erst im Nachhinein, durch den zwischenzeitlich erwachten Träumer erfolgt?
Da der Traum etwas ist, über das wir erst im Nachhinein berichten können, und das wir erst im Wachzustand analysieren können, sprechen wir ja ohnehin immer nur von unserer Erinnerung an Träume. Und wenn wir jetzt mal von Deinen Skripts ganz elegant zu Bartletts Schemata überwechseln, dann sind wir beim Erinnern unserer Träume vielleicht in einer ganz ähnlichen Situation, wie Bartletts Probanden, wenn sie den Krieg der Geister nacherzählen sollen. Erinnert wird nur das, was sich in irgendeiner Weise stimmig machen läßt - ob das aber das ist, was wir WIRKLICH geträumt haben?

MN

Aus welchen Gründen auch immer werden
Erinnerungen an Personen, Ereignisse,
Handlungen etc. aktiviert. Das ist an
sich ziemlich chaotisch, was da passiert.
Nach einiger Zeit wird auch ein Skript
aktiviert, und zwar das, was zu dem
Zeitpunkt am besten zu passen scheint.

WEM zu passen scheint? Sollte man nicht
annehmen, daß zu Ankes Freunden, Eltern
und Geschwistern am besten solche Skripts
passen, die einen autobiographischen
Bezug aufweisen? Gemeinsames Frühstück
mit den Eltern, Feiern mit den Freunden,
Reisen mit den Geschwistern, oder was
auch immer?

Na ja, so etwas ist ja auch häufig Trauminhalt. Ich hatte gemeint, daß solche Skripts aktiviert werden, die einen Bezug zu den Ereignissen und Handlungen, meinetwegen auch Motivationen und Emotionen haben, während die Personen eher zufällig auf bestimmte Rollen verteilt.

Dabei werden den „Rollen“ im Skript (z.B.
der Detektiv) den geträumten Personen
zugewiesen. Im weiteren Verlauf werden
die Geschehnisse in Übereinstimmung mit
dem Skript interpretiert.

Von WEM?

Das das richtige Skript automatisch zugewiesen wird ist eine Eigenschaft des Systems (Verstehen alltäglicher Situationen ist schließlich fast immer mühelos)

Wenn ich mich an meine eigenen
Träume erinnere, dann ist der „rote
Faden“ (das Skript) in der Regel nur
scheinbar vorhanden.

Sicher, ich habe ja auch nicht behauptet, das Skript würde den Abruf weiterer Erinnerungen diktieren. Irgendwann passt das Skript nicht mehr, und dann wird ein anderes aktiviert (man hat ja auch keine Schwierigkeiten bei einem Einkauf zwischen Käse und Wursttheke zu unterscheiden)

Landschaften
verändern sich während ich sie durchfahre
oder durchwandere, Personen wechseln ihre
Identität oder ihr Aussehen, physikalisch
mögliches und unmögliches geschieht in
bunter Mischung.

Eben, Personen, Ereignisse, Handlungen etc. werden fortlaufend zufällig aktiviert, deren Interpretation erfolgt durch Skripts, immer solange sie auf die Personen, Ereignisse, Handlungen etc. noch einigermaßen sinnvoll angewendet werden können. Anschließend wird ein neues Skript aktiviert, das besser passt.

Könnte es sein, daß der
Mechanismus des Träumens (ich meine jetzt
der Trauminhalte) in erster Linie so
etwas wie „spreading activation“ (also
rein assoziativ) ist, und daß die
Interpretation erst im Nachhinein, durch
den zwischenzeitlich erwachten Träumer
erfolgt?
Da der Traum etwas ist, über das wir erst
im Nachhinein berichten können, und das
wir erst im Wachzustand analysieren
können, sprechen wir ja ohnehin immer nur
von unserer Erinnerung an Träume. Und
wenn wir jetzt mal von Deinen Skripts
ganz elegant zu Bartletts Schemata
überwechseln, dann sind wir beim Erinnern
unserer Träume vielleicht in einer ganz
ähnlichen Situation, wie Bartletts
Probanden, wenn sie den Krieg der Geister
nacherzählen sollen. Erinnert wird nur
das, was sich in irgendeiner Weise
stimmig machen läßt - ob das aber das
ist, was wir WIRKLICH geträumt haben?

MN

Möglich, keine Ahnung, habe ja schon gesagt, ist alles total spekulativ. Ich bin übrigens noch einmal in mich gegangen, und mir ist dann eingefallen, daß die vorgetragene Traumtheorie ziemlich genau mit der von George Mandler übereinstimmt.

Gernot