Hallo Heiko!
Ich habe Dir ´mal den Abschnitt aus dem von mir verfaßten Skript zur Arbeits- und Organisationspsychologie gecopypastet. Ich denke, dann kannst Du Dir selbst die Frage beantworten.
Gruß,
Oliver Walter
Streß und Belastung: Faktoren, Prozesse und Folgen
Begriffliches
Begriffsbestimmungen:
· Belastung als Summe der von außen auf den Körper einwirkenden Faktoren
· Beanspruchung als Auswirkungen der Belastungen auf den Organismus
Die Konsequenz dieser beiden unterschiedlichen Begriffe ist, daß trotz gleicher Belastungen bei unterschiedlichen Personen in der Regel unterschiedliche Beanspruchungen auftreten. Beanspruchung hängt nämlich nicht nur von der Höhe der Belastung ab, sondern auch von den Ressourcen, die der belastende Mensch zur Verfügung hat:
- Ressourcen struktureller Art: z.B. Kenntnisse, allgemeine Leistungsfähigkeit,
- Ressourcen aktueller Art: z.B. momentaner Gesundheitszustand, Ermüdungsgrad, durch Tagesrhythmik bestimmte Leistungsvoraussetzungen.
Beanspruchung ist ein Prozeß, den Menschen durch ihr Handeln z.T. selbst regulieren können. Bei zunehmender Beanspruchung wird eine Tendenz zu aufwandsärmeren Strategien sichtbar. Diese können u.a. den Verzicht auf Kontrolloperationen oder Beachtung von Sicherheitsvorschriften beinhalten.
Das Belastungs-Beanspruchungs-Konzept ist wertneutral, da Belastungen sowohl positiv als auch negativ sein können und jede Belastung zu Beanspruchung von Körperfunktionen führt.
Als Streß bezeichnet man es dagegen, wenn die Beanspruchung als aversiv erlebt und von negativen Emotionen begleitet wird. Im Modell von Lazarus und Folkman (1984) wird Streß folgendermaßen definiert:
_ Streß ist ein als unangenehm erlebter Spannungszustand, der durch eine negative Einschätzung der Situation und der Fertigkeiten, mit ihr umzugehen, ausgelöst wird_.
Eine andere Richtung in der Streßforschung definiert Streß dagegen als eine unspezifische Reaktion des Körpers auf jede Anforderung (Selye, 1981). Diese medizinische Auffassung von Streß differenziert dann zwischen Eustreß (positive Erregung) und Disstreß (negative Erregung).
Der breiten Definition von Streß als unspezifischer Erregung setzen andere Autoren entgegen, daß z.B. Unkontrollierbarkeit als notwendige Bedingung anzusehen ist. Ein kleinster gemeinsamer Nenner in der Streßforscher besteht wohl darin, Streß als ein Ungleichgewicht zwischen Zielen und Möglich-keiten, Bedürfnissen und Angeboten anzusehen. Ob jede Art des Ungleichgewichts oder nur bestimm-te Qualitäten als Streß bezeichnet werden, ist umstritten.
Stressoren sind Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit von Streßzuständen in einer Population erhöhen.
Terminologie:
Deutsch Englisch
Stressor stress
Streß strain
Beanspruchung strain
Belastung load