Hallo an alle Diejenigne, die die Pubertät ihrer - oder die des Partners - Kinder überlebt haben!
Nun erbitte auch ich mal Eure fachkräftige Hilfe: Es geht um mein Verhältnis zum knapp vierzehnjährigen Sohn (superklug und entsetzlich faul, pubertierend, liebenswert, provozierend, albern, traurig, lachend, unselbständig, hochmotiviert, s ohne einzigen, gleichaltrigen Freund und noch dazu - nicht geplantes, weil die Beziehung eigentlich beendet war - Einzelkind) meines Partners. Mit dem Mann lebe ich inzwischen mehr als ein Jahr lang zusammen; es geht uns größtenteils gut miteinander. Viele Monate lang weigerte sich sein Sohn mich zu sehen, geschweige denn in die gemeinsame Wohnung zu kommen, wenn ich anwesend war. Vater und Sohn trafen sich also jedes Wochenende bei Wind und Wetter draußen oder unternahmen Kinobesuche, besichtigten Museen oder Dergleichen. Seit einem halben Jahr kommt der Junge nun auch her, wohnt dann in relativ gleichen Intervallen, nämlich möglichst ein um die andere Woche mal bei uns - er hat ein eigenes Zimmer -, die nächste Woche ist er dann wieder bei seiner Mutter usw. Diese Regelung ist so von den Eltern und auch vom Kind gewünscht. Anfangs verhielt sich der Junge mir gegenüber vorsichtig, abschätzend, auch mal motzend frech, jedoch nie ernsthaft beleidigend oder gar feindseelig. Im Gegenteil, wir konnten wunderbar miteinander lachen, spielen und uns auch streckenweise ernsthaft über Probleme des Alltags unterhalten. Das änderte sich jedoch schlagartig vor ca. zwei Wochen als er mit seiner Mutter einen riesigen Krach inszenierte und sie daraufhin anschrie, er will sie vor seinem achtzehnten Lebensjahr nicht mehr sehen. Um Mitternacht hat er sich von seinem Vater abholen gelassen. Auf dessen hilflose Frage, an mich gerichtet, was er denn jetzt am besten tun solle, antwortete ich: „Ich würde nicht seine Spiele „Gehts mir schlecht, flüchte ich und fahre zum anderen Elternteil“ mitmachen. Sondern ihm vertrauen, dass er seine und die der Mutter Stimmung schon irgendwie erträgt und am nächsten Morgen vieles ganz anders aussieht.“ Er fuhr ihn - aus meiner Sicht bedauerlicherweise - dennoch abholen. Die Aggression des Pubertierenden, die womöglich dem eigenen Verhalten gilt als auch gegen die Mutter gerichtet war (inzwischen haben sie sich glücklicherweise wieder vertragen), bekomme ich nun geballt ab. Egal, was ich für einen beiläufigen Satz, z.B. in kleiner Runde zu dritt am Küchentisch sitzend erzähle, wird der mit aggressivem Unterton kommentiert, auseinandergerupft, hinterfragt und mir dabei deutlich gezeigt, dass Alles, was ich sage, völliger Schwachsinn sei. Von keinem Mittagessen, das ich koche, wird gekostet, geschweige denn richtig gegessen. Sobald ich fröhlich vor mich hin summe, die Wohnung aufräume oder gar laut staubsauge, gerne hin und wieder über etwas lache, mit meinem Partner hörbar plaudere, wird das als blöd und störend dargestellt und am mich die ernstgemeinten Bitte gerichtet, ob ich es nicht sein lassen könne. Manches Mal konnte ich nicht anders als lauthals über derartige Forderungen zu lachen! Mein Partner sitzt derweil hoffnungslos „zwischen den Stühlen“, sieht das auf Krawall gerichtete Verhalten seines Sohnes gleichermaßen, möchte gerne - wie ich - einfach nur wieder Frieden haben und sieht - ebenfalls wie ich momentan - nicht, was wir dafür tun könnten. Dem Sohn „den Wind aus den Segeln zu nehmen“, indem ich auf seine spitzen Bemerkungen manchmal schweige und mich ausschließlich stumm von ihm beleidigen lasse, kann doch auch nicht die Lösung sein?!? Wütende, teilweise lächerlich klingende, doch mit Ernst gemeinte Sätze, wie z.B. der: „Wie kannst Du in Deinem Alter (ich bin 50 und recht schlank) noch in kurzen (keineswegs bauchfreien) Shirts rumlaufen und Dir obendrein Haarspay ins Haar sprühen, da kriege ich ja das Kotzen!“ lassen mich einerseits innerlich grinsen, andererseits fast an seinem Verstand zweifeln. Neuerdings versuchte er mir täglich über Gott und die Welt und tausend wichtige und unwichtige Ereignisse ausschließlich seine Weisheit der Dinge zu verklickern. Eine andere Meinung läßt er auf keinen Fall zählen. Manches Mal wurde es mir dann zu bunt, wenn er mich wieder einmal in meiner Arbeit unterbrach. Und so antwortete ich ihm schon mal genervt, dass doch schließlich er es war, der mir das Gespräch aufgedrängt hätte und nicht ich ihm von meiner Weltanschauung erzählen wolle und ihn im Spiel oder am PC sitzend, stören würde. Er dürfe gerne seine Version als die für ihn richtige behalten, weiterhin in dunkler Einheitskluft herum laufen und seinen Fotoapparat für den besten der Welt halten. („Schwarz ist die absolute Modefarbe und wenn Du was anderes trägst, bist Du doof und läufst unmodern herum!“ Oder: „Dein Fotoapparat ist doch Scheiße, so einen schweren kauft sich doch kein Mensch!“) Ich finde meine Version einschließlich meiner altertümlichen blauen Jeans und auch den ollen Apparat weiterhin als für mich passabel. Irgendwann knallen dann wütend die Türen und ich bleibe mit dem dummen Gefühl zurück, dass ein friedliches Miteinander mit ihm nur funktionieren kann, wenn ich zu Allem „Ja und Amen“ sage. Hinzufügen möchte ich noch, dass ich selber zwei, inzwischen erwachsene Söhne, großgezogen habe und daher mit den Tücken der Pubertät einigermaßen Bescheid weiß…
Nun möchte ich Euch freundlich um viele weise Ratschläge bitten und danke schon jetzt dafür,
Karin.
