Mein Leben ist so traurig und oft wünsche ich, ich würde einfach morgens nicht mehr aufwachen. Das wäre schön…
Meine Kinder hätten es besser, denn niemand würde sie mehr anschreien. Sie hätten die Chance, aufzuwachsen ohne Angst vor Mama’s schlechter Laune. Vielleicht würden sie sogar zu Persönlichkeiten heranwachsen, die Spass am Leben haben, wenn ich nicht schon alles zerstört habe. Sie sollen nicht werden wie ich, ein seelischeer Krüppel, unfähig eine gute Mutter zu sein oder eine Beziehung zu haben. Ich hoffe, ich habe sie noch nicht zu so lebens- und beziehungunfähigen Wracks erzogen, wie ich eines bin.
Allerdings denke ich, es ist höchste Zeit, denn meine Tochter (13) war mittlerweile in Behandlung wegen Depressionen (seit sie 10 ist) und mein Sohn (5) platzte letztens heraus „ich mag nicht mehr leben“ nachdem ich ihn geschimpft habe. Ich frage mich woher er sowas hat, ich habe das noch nie gesagt, gedacht allerdings schon so oft.
Ich liege oft im Bett und denke nach. Wann ich das letzte mal glücklich war. Wann ich zum letzen Mal richtigen Spass am Leben hatte. Ich denke über Einsamkeit nach und weiß, ich bin nicht allein, ich habe meine Kinder, aber ich bin unsagbar einsam. Schon so lange… Obwohl ich mir, wenn ich merke, ich gleite ab in Selbstmitleid sage, es gibt andere, denen geht es so viel schlechter - ich kann es nicht stoppen. Ich kann die Tränen und die Traurigkeit nicht stoppen. Ich weine so viel. Täglich, mehrmals. Ich kann nichts dagegen tun. Meine Tochter nervt mein ewiges geheule.
Ich bin immer Traurig. Und ich bin immer müde. Ich tue nichts mehr. Einfachste Tätigkeiten wie Wäsche waschen, den Müll rausbringen oder den Geschirrspüler befüllen türmen sich…sie werden ein grosser Berg …ich sehe den Berg und bin gelähmt. Ich schlafe viel. Wenn ich es tatsächlich mal schaffe, etwas zu tun, muß ich mich danach hinlegen. Es klingt lächerlich aber es ist so. Ich bin stolz wenn ich eine Arbeit von meinem „Berg“ abgearbeitet habe, dann aber zu müde um weiter zu machen.
Mein Vater ruft an. Erinnert mich an Dinge, die ich vergessen habe. Ich vergesse Rechnungen zu zahlen. Ich vergesse Erledigungen und Besorgungen. Ich habe ein mulmiges Gefühl wenn mein Vater anruft. Er ist nett und erinnert mich immer wieder, aber ich weiß, er wundert sich und ist verstimmt weil ich nichts gebacken kriege. Er versteht nicht wenn ich sage, es ist so viel…die Liste ist so lang und ich schaue auf die Liste und bin überfordert und lege die Liste wieder weg.
Täglich kommen neue Probleme hinzu. Rechnungen…nur Rechnungen. Das kranke Haustier. Die kaputte Waschmaschine. Der schwierige Sohn und die pubertierende Tochter die mich hoffnunglos überfordern. Krankheiten die mich beinträchtigen. Schmerzhafte Abszesse die überall an meinem Körper sind, die an manchen Tagen so zahlreich sind daß ich mich nur mit Mühe bewegen kann und die nach dem abheilen hässliche Narben hinterlassen. Fettablagerungen an den Augen die nach Behandlung wieder an der selben Stelle erscheinen. Übergewicht das mehr wird mit jedem Tag. Und so viel mehr…Zipperlein als wäre ich 60 und nicht 37.
Alles um mich herum ist schwarz. Manchmal grau. Ich schaffe es noch, anderen vorzuspielen, es ginge mir gut. Aber ich verliere immer öfter die Kontrolle. Wenn ich andeute es geht mir nicht gut, merke ich wie sich die Leute winden. Sie wollen sowas nicht hören. Sie sagen es ginge ihnen auch schlecht. Oder noch viel schlechter. „Stell dich nicht so an, dir geht es doch gut“ sagen sie. Sie hören die leisen Töne nicht. Was soll ich tun? Mich auf ein Brückengeländer stellen und auf die Feuerwehr warten damit sie merken hier stimmt was nicht? Ich war bei meiner Ärztin. Aber ich schäme mich, zuzugeben wie schlecht es mir wirklich geht. Sie hat mich nun zur Kur geschickt. Mal sehen…
