Hi Claudi,
ich habe extra keine der anderen Antworten gelesen, damit ich in aller Ruhe das schreiben kann, was ich schreiben will… 
Neid und Mißgunst im Sinne von ‚er hat mehr Geld/längeren Schwanz/die größere Yacht als ich‘ oder ‚sie sieht besser aus/hat eine schönere Nase/hat längere Beine als ich‘ kenne ich nicht. Was ich allerdings sehr wohl kenne, ist ein gesundes Konkurrenzdenken, das mir meine Mom eingepflanzt hat. Sie sagte auch immer: ‚Wenn Du nicht übst (Klavier) bzw. trainierst (Ballett), dann kommst Du eben nicht weiter‘; sie sagte aber gleichzeitig ‚Es wird immer Bessere als Dich geben‘.
Klingt vielleicht hart, aber just diese Sätze hielten mich als Kind auf dem Boden der Tatsachen. Ich spielte gut, aber ich bin nicht Elly Ney; ich tanzte auch gut, aber ich bin nicht Plissetzkaja (nur mal so ganz am Rande: die Frau ist als Tänzerin der Wahnsinn schlechthin und der beste sterbende Schwan, den man auf dieser Welt zu sehen bekommt! Und das mit siebzig!!! Da erstarrt man einfach nur in Ehrfurcht…)
In der Juli-Ausgabe der Geo habe ich
einen Artikel gelesen, der sich damit befaßt: „Menschen werden
vorallem dann neidisch, wenn sie ihre eignenen Stärken und
Schwächen falsch einschätzen.“
Glaubst Du, daß es stimmt? Ich denke nicht, zumal es auf dieser Welt viel Ungerechtigkeit gibt und manche eher durch Protektion denn druch Leistung zum ‚Erfolg‘ kommen. Nehmen wir die ganzen Superstar-, Starsearch-, Schießmichtot-Kandidaten… Hervorragende Beispiele, aber das würde hier den Rahmen sprengen.
Ich plage mich vorallem dann mit diesem Gefühlsgift, wenn ich
denjenigen gut leiden kann, auch wenn ich „beruhigender“ Weise
nachlesen konnte: „Am besten gedeiht die Missgunst dort, wo
sie am wenigsten zu suchen hat, nämlich im Freundeskreist“
Also das kenne ich überhaupt nicht. Das sind Freunde und nicht Missgunst- und Neid-Objekte… Wenn ihnen etwas gelingt, freue ich mich für sie.
Schwieriger wird es mit dem Neid, der von außen kommt. Da wird es zum Teil unsachlich und unfair. Es ist auch zum Teil sehr schwer, damit umzugehen. Kleines Beispiel:
XY: Du wolltest doch am WE einkaufen gehen. Hast Du was gefunden?
Tessa: Jaaaaha! Ich habe Dir doch das Kostüm von Mattiolo gezeigt. Das hatten die in der Boutique im Kempi gerade runtergesetzt.
XY: Na ja… Du kannst es Dir leisten. Ich muß mal eben Windeln kaufen und…
Tessa: …
Deswegen finde ich der Satz
oder „Neid lenkt die Wut über eigene Mängel nach außen - und
schützt uns damit vor Depressionen“.
gar nicht so blöde… Nur: es besteht die Gefahr, daß man andere damit in Depressionen treibt. Ich bin zwar in dieser Hinsicht recht umempfindlich, aber wenn Du ständig solche Sachen hörst, kann es einem schon gehörig auf den Keks gehen…
Beste Grüße
Renee