Focussierung bei Autisten

Hallo,

vor etwa einem halben Jahr (?) gab es im Spiegel einen Artikel über Autismus, in dem darauf abgehoben wurde, dass in der Wahrnehmung von Autisten die Focussierung des Einzelnen (etwa eines einzelnen Puzzle-Teils) betont sei, während es bei „Normalen“ genau umgekehrt um die Gesamtstruktur (also das fertige Puzzle-Bild) angestrebt werde.

Meine Frage: Weiß jemand, wo ich diesen Artikel bekommen kann bzw. wo ich seriöse Literatur gerade zu diesem speziellen Punkt - also den
„Bezugsebenen“ - finden kann?

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo,

unter www.spiegel.de findest Du links das Archiv. Dort kannst Du unter Eingabe des Zeitraums Spiegel-Artikel suchen und abrufen.

Es gab im Frühjahr einen Artikel über Einstein und Autismus, möglicherweise meinst Du den: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,246…

Ein anderer Artikel hierzu:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,240321,00.html

Falls der Artikel nicht dabei ist, gibt es die Möglichkeit, eine e-mail an die Redaktion des Archivs zu senden:
[email protected]

Viel Glück bei der Suche,
Simone.

vor etwa einem halben Jahr (?) gab es im Spiegel einen Artikel
über Autismus, in dem darauf abgehoben wurde, dass in der
Wahrnehmung von Autisten die Focussierung des Einzelnen (etwa
eines einzelnen Puzzle-Teils) betont sei, während es bei
„Normalen“ genau umgekehrt um die Gesamtstruktur (also das
fertige Puzzle-Bild) angestrebt werde.

Meine Frage: Weiß jemand, wo ich diesen Artikel bekommen kann
bzw. wo ich seriöse Literatur gerade zu diesem speziellen
Punkt - also den
„Bezugsebenen“ - finden kann?

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Thomas,

vielleicht war in dem Spiegel-Artikel der perzeptuell-kognitive Erklärungsansatz des Psychiaters Ivar Lovaas gemeint. Lovaas meint, daß der Autismus auf einer Stimulusüberselektivität beruhe, was die Bezeichnung dafür ist, daß Aufmerksamkeit nur für eine Dimension eines Reizes bestünde. Eine Zitrone ist z.B. durch Form, Farbe, Oberflächenbeschaffenheit, Geruch und Geschmack identifizierbar. Autisten sollen nach Lovaas nur auf eine Dimension achten, z.B die Farbe, wodurch sie Schwierigkeiten haben, die Zitrone von einer Banane, der Sonne oder anderen gelben Gegenständen zu unterscheiden. Durch diese Stimulusüberselektivität sollen Autisten Schwierigkeiten haben, Menschen mit allen ihren Eigenschaften zu verbunden und daher keine angemessene Bindung und keinen Wunsch nach sozialen Interaktionen entwickeln.

Literatur:

Lovaas, O.I., Koegel, R.L. & Schreibman, L. (1979). Stimulus overselectivity in autism: a review of research. Psychological Bulletin, 86(6), 1236-1254.
Lovaas, O.I., Schreibman, L., Koegel, R.L. & Rehm, R. (1971). Selective responding by autistic children to multiple sensory input. Journal of Abnormal Psychology, 77, 211-222.

Bei den Journals handelt es sich um seriöse psychologische Fachzeitschriften.

Lovaas´ Therapieansatz ist verhaltenstherapeutisch. Sein Therapieansatz scheint recht große positive Effekte zu haben, wie ein Blick in google zeigt:

http://www.verhalten.org/autismus.html

http://www.earlyautismprojekt.de/Forschung/forschung…

Wegen neuerer Literatur zu dem Thema mußt Du selbst suchen bzw. findest Du auf den verlinkten Seiten etwas.

Gruß,

Oliver Walter

Danke schön!
Hallo Simone,

ich werde mal auf die Suche gehen.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Oliver,

vielleicht war in dem Spiegel-Artikel der perzeptuell-kognitive :Erklärungsansatz des Psychiaters Ivar Lovaas gemeint.

kann sein. Ich werde mir die von dir genannten Artikel besorgen (wenn unsere UB wieder geöffnet ist *seufz*), das klingt vielversprechend.

Literatur:
Lovaas, O.I., Koegel, R.L. & Schreibman, L. (1979). Stimulus
overselectivity in autism: a review of research.
Psychological Bulletin, 86(6), 1236-1254.
Lovaas, O.I., Schreibman, L., Koegel, R.L. & Rehm, R. (1971).
Selective responding by autistic children to multiple sensory
input. Journal of Abnormal Psychology, 77, 211-222.
Bei den Journals handelt es sich um seriöse psychologische
Fachzeitschriften.

Danke für den Hinweis, bezieht sich deine Bemerkung auf den Titel „Abnormal Psychology“? *g*

http://www.verhalten.org/autismus.html
http://www.earlyautismprojekt.de/Forschung/forschung…

Sehr interessant, ich werde mir das mal genauer ansehen.

Wegen neuerer Literatur …

Vielleicht gar nicht nötig, ich hatte nur eine Idee, die sich aus einem Gespräch über Autismus ergab. Dieser Idee wollte ich nachgehen.

Schönen Dank für deine Mühe!

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Meine Frage: Weiß jemand, wo ich diesen Artikel bekommen kann
bzw. wo ich seriöse Literatur gerade zu diesem speziellen
Punkt - also den
„Bezugsebenen“ - finden kann?

Findest Du unter dem Stichwort „weak central coherence“; einschlägig sind insbesondere die Arbeiten von Uta Frith.

Gruß
MN

Schönen Dank für den Hinweis! owT.

Hallo Thomas,

Danke für den Hinweis, bezieht sich deine Bemerkung auf den
Titel „Abnormal Psychology“? *g*

Tja, englische Fachbegriffe sind halt nicht immer wörtlich zu übersetzen. Guckst Du hier:

„Abnormal Psychology or Deviance
This area is concerned with the extent to which the psyche or behaviour might depart from specified limits of experience and function, perhaps in the same way as the body does when under the influence of a clearly identifiable physical disorder. A major challenge in this field: what are the criteria for the establishment of the limits of normalcy for the psyche and behaviour?“
(entnommen: http://www.langara.bc.ca/psychology/whatpsy1.htm).

Bzgl. Uta Frith, der Ehefrau des bekannten Schizophrenieforschers Chris Frith: Stichwort „theory of mind“.

Gruß,

Oliver Walter

Hallo Thomas,

Denke dass Du genug Informationen zu der direkten Frage bekommen hast. Als Vater eines Kindes mit leichterem Autismus interessiert mich, wieso Du Dich für diesen Teilbereich des Autismuses so interessierst

Gruss
Beat

Hallo,

Als Vater eines Kindes mit leichterem Autismus
interessiert mich, wieso Du Dich für diesen Teilbereich des
Autismuses so interessierst

ach, ich denke, es würde zu weit führen, das im Einzelnen zu erläutern. Meine Frage ergab sich aus einem Gespräch über einen Film (den ich nicht selbst gesehen habe), in dem die selektive Wahrnehmung sehr positiv gewertet wurde. Es handelt sich also bei meiner Frage nicht um therapeutisches, sondern um erkenntnistheoretisches Interesse im Zusammenhang mit einer modernen Deutung antiker Philosophie. :smile:

Ich bin mir aber nicht wirklich klar über die Verbindungen im Einzelnen und weiß auch nicht, ob die Idee irgendwie weiterführt. Überprüfen kann ich das eh erst, wenn die UB hier wieder öffnet.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo Thomas,

manche Autisten haben das Problem, dass sie ausschließlich einzelne Geräusche wahrnehmen können. Sie können dann nicht wie andere Menschen nur die Summe der Geräusche als Gesamtkulisse wahrnehmen. Wenn viele Geräusche gleichzeitig auf ihn einstürmen, dann verursacht das Streß und ggfls. einen Wutausbruch bzw. Zusammenbruch. Das ist so wie bei einem Computer, der gleichzeitig zuviele Befehle erhält, diese aber nicht gleichzeitig verarbeiten kann und deswegen abstürzt. Wobei die Fähigkeit von Autisten, eine Geräuschkulisse angemessen zu verarbeiten, u.a. auch von der Tagesform abhängt.

Beispiel gefällig: Als mein Sohn (Asperger, damals 9 Jahre) sich gerade intensiv mit einer Computerprogrammierung beschäftigte, während ich im selben Raum gleichzeitig ein DFB-Pokalendspiel anschaute, bat er mich, doch den Ton auszuschalten, da er jedes Klatschen einzeln höre. Die WM konnte er aber doch teilweise anschauen, weil sie ihn etwas interessiert hat. Die Geräuschkulisse verursachte aber trotzdem Stress und er vermeidet sowas normalerweise. Er kann es auch absolut nicht ausstehen bzw. ertragen, wenn viele Leute gleichzeitig durcheinander reden. Er weiss dann nicht, auf welches der Gespräche, die er ja alle gleichzeitig hört, er sich dann konzentrieren soll. Deswegen kann er auch Ratschen im Unterricht absolut nicht ausstehen.

Gruß
Michael

Danke auch für deinen Beitrag! owT.

verstehe

Dazu nur folgendes:
Klar bringt es Vorteile, man nennt Autisten die so was sehr gut können auch speziell (name vergessen) beispiel ist der Film Rain Man. Sehr empfehlenswert, dort siehst Du die Vorteile, die die Nachteile aber nicht überwiegen, wenn man die zusammenhänge nicht sieht/versteht.