Frage der Konsequenz

Von: , Frage gestellt am Do, 4. Sep 2003

Hallo Experten

vor kurzem wurde in einer Diskussion hier gesagt, jedes Verhalten wäre von seinen Konsequenzen abhängig. Das konnte ich aber nicht verstehen, weil mir jede Menge Beispiele einfallen, wo das nicht der Fall ist.

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...

Ich habe dann noch mal den User per email gefragt, wie das zu verstehen sei, aber seine Antwort möchte ich hier aus Gründen der Höflichkeit nicht erwähnen. Ich verspreche jedenfalls, Indianerehrenwort, demnächst immer fleißig Sternchen zu geben, bevor ich noch mal eine Frage stelle, obwohl ich mich lieber mit Worten für eine Antwort bedanke. Ich wußte nicht, daß man gestandenen Wissenschaftlern erst die Füße lecken muß, bevor man sie zu fragen wagt. In dem Betrieb, wo ich tätig bin, nimmt man das alles viel lockerer. Die Frage bleibt also immer noch offen.

Da ich jetzt gesehen habe, wie man als Wissenschaftler anständig Schlagabtausch macht, wenn man seine Fragen geklärt haben will, und ich gerne für mich neues ausprobiere, versuch ich es jetzt mal nachzuahmen.

Wenn die These "Verhalten ist Konsequenzabhängig" für jedes Beispiel von Verhalten richtig ist, wie erklärt man dann das Verhalten in diesen zwei Fällen

a) einer klemmt sich mit einem gesternten Auto mit 230 auf der Autobahn 2 Meter hinter einen Kleinwagen und blinkt und hupt ihn von der Strecke: Mutter und 2-jähriges Kind sind tot (Haben wir ja alle in den Nachrichten mitgekriegt)

b) ein User beschrieb hier vor Kurzem ein Lebensproblem, wo er sich selbst immer wieder Chancen vermasselt, obwohl er das weiß und seine Beziehung zerstört, obwohl er es eigentlich nicht will
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...

Ich verstehe das jetzt so, daß doch beides Verhalten ist, oder?

Nun möchte ich gerne, daß man mir erklärt, wie man verstehen kann, daß auch diese Verhalten der beiden Beispiele konsequenzabhängig genannt werden kann.

Kommt das so besser rüber?

Danke für eure Mühe und ich verspreche auch, jedem ein Sternchen zu geben, der eine befriedigende Antwort postet

Zam

47 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden 1 hilfreich
    Re: Frage der Konsequenz

    Hallo Zamioc, Wenn die These "Verhalten ist Konsequenzabhängig" für jedes
    Beispiel von Verhalten richtig ist, wie erklärt man dann das
    Verhalten in diesen zwei Fällen
    a) einer klemmt sich mit einem gesternten Auto mit 230 auf der
    Autobahn 2 Meter hinter einen Kleinwagen und blinkt und hupt
    ihn von der Strecke: Mutter und 2-jähriges Kind sind tot
    (Haben wir ja alle in den Nachrichten mitgekriegt)
    das Von-der-Strecke-Hupen hat zwar als Konsequenz den Unfall, aber das Verhalten des Autofahrers ist einer anderen Konsequenz geschuldet, nämlich der Konsequenz, schnell weiterkommen zu wollen bzw. sich einfach gut zu fühlen, wenn man jemanden überholt hat. Bei seiner Verhaltenswahl berücksichtigt der Fahrer eben nicht alle möglichen Konsequenzen. b) ein User beschrieb hier vor Kurzem ein Lebensproblem, wo er
    sich selbst immer wieder Chancen vermasselt, obwohl er das
    weiß und seine Beziehung zerstört, obwohl er es eigentlich
    nicht will
    http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...
    Auch bei diesem Beispiel liegt eine Fehlkalkulation des Verhaltens vor, denn die falschen Konsequenzen sind ja langfristiger Natur, das Verhalten desjenigen richtet sich aber nach kurzfristigen Folgen (etwa: "Jetzt habe ich das Bedürfnis das oder das zu tun - dann fühle ich mich gut" = kurzfristige Konsequenz).

    Die These, dass Verhalten von Konsequenzen abhängt, ist also eine teleologische Form der Erklärung. Hiernach richtet sich das Verhalten eben nach Zielen (Telos = das Ziel). Welches der möglichen Ziele eines Verhaltens bewusst angesteuert wird und welches lediglich in Kauf genommen wird, ist eine andere Frage.

    Ist deine Frage damit beantwortet? Falls ja, bitte ich aber, vom Füße-Küssen Abstand zu nehmen - auch im eigenen Interesse ... :-)

    Herzliche Grüße

    Thomas Miller

    • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
      Fehlkalkulation

      Hallo Thomas Miller aber das Verhalten des Autofahrers ist einer anderen
      Konsequenz geschuldet, nämlich der Konsequenz, schnell
      weiterkommen zu wollen bzw. sich einfach gut zu fühlen, wenn
      man jemanden überholt hat. Bei seiner Verhaltenswahl
      berücksichtigt der Fahrer eben nicht alle möglichen
      Konsequenzen.
      Darauf hat mich ja gerade mein Ableger gebracht, ob es meine Absicht war, sie traurig zu machen, als ich ihr was verboten hab. Deshalb ja die Frage. Sowas ist doch dann die Absicht und nicht die Konsequenz? Ich glaube schon, daß ich alles, was ich mache, mit einer Absicht mach, aber trotzdem kann die Konsequenz von dem was ich mach eine andere sein als meine Absicht.

      Ich verstehe unter Konsequenz das, was später Sache ist. Aber was ich mache, ist dann früher als das, was später Sache ist. Wenn mein Verhalten konsequenzabhängig wäre, würde ja das frühere von dem späteren abhängen und wir hätten die Kausalität umgedreht.

      Verhalten ist absichtsabhängig, das ist klar, aber konsequenzabhängig, das muß man mir weiter erklären.

      Dann das mit dem anderen User. Auch bei diesem Beispiel liegt eine Fehlkalkulation des
      Verhaltens vor, denn die falschen Konsequenzen sind ja
      langfristiger Natur, das Verhalten desjenigen richtet sich
      aber nach kurzfristigen Folgen (etwa: "Jetzt habe ich das
      Bedürfnis das oder das zu tun - dann fühle ich mich gut" =
      kurzfristige Konsequenz).
      Fehlkalkulation, Bedürfnis, kurzfristig, alles ok.
      Aber das Bedürfnis, ist das eine Konsequenz? Und wenn er kurzfristig seine Frau zur Schnecke macht, die er eigentlich liebt, oder wenn er kurzfristig seinen Chef anpöbelt (jetzt mal Fantasie, er hat das ja nicht so gesagt), obwohl er sich in seinem Job gut fühlt, was ist denn dann sein Bedürfnis dabei, wenn er sich so verhält?

      Bei dem Autofahrer kannst du sagen, daß die Konsequenz (Auto am Baum, Mutter tot) nicht seine Absicht ist, wenn die Absicht ist, ein gutes Gefühl beim Kleinwagenfahrererschrecken zu haben. Aber bei busy, was kann da das Bedürfnis sein und was kann seine Absicht sein? Ich seh da eher ein Verhalten, das nicht mal eine Absicht erkennen läßt, von der es abhängen könnte.

      Er schreibt nämlich auch selbst, daß er sein Verhalten ja gar nicht versteht, deshalb hat er doch das Posting geschrieben! Wie kann es dann eine Fehlkalkulation sein?

      Vielen Dank jedenfalls für deine schnelle Antwort. Ich versteh es zwar immer noch nicht (du ja?), aber jetzt weiß ich besser, was ich nicht verstehe :-) Ist deine Frage damit beantwortet? Falls ja, bitte ich aber,
      vom Füße-Küssen Abstand zu nehmen - auch im eigenen Interesse
      ... :-)
      Klasse, dann bin ich aus dem Schneider :-)

      Zam

      • Antwort von nach 17 Stunden 2 hilfreich
        Gründe

        Hallo,

        dein Problem hängt meiner Ansicht nach damit zusammen, dass du zwei verschiedene Fragestellungen vermischt. Das Wort "warum" ist nämlich mehrdeutig.

        Wenn ich frage, warum jemand etwas tut, dann kann ich die Frage einmal nach den Gründen in der Vergangenheit und einmal nach den Gründen in der Zukunft befragen. Letztere sind zielgerichtet und heißen teleologisch, erstere sind erklärend und heißen Ursachen.

        Beispiel: Heute gehe ich ins Kino. Warum? Weil ich mir einen Film ansehen möchte (teleologisch)? Oder weil ich zu müde bin, um tanzen zu gehen (erklärend)?

        Wenn jemand nun behauptet, Verhalten sei konsequenzabhängig, dann meint er in der Regel das Lernverhalten und das erklärend und nicht teleologisch: Ich habe z. B. durch Erfahrung gelernt, dass ich den Film nicht genießen kann, wenn ich zu müde bin. Also gehe ich nicht ins Kino, weil die Konsequenz, dass ich einschlafe, sehr wahrscheinlich ist (es lohnt sich also nicht, ins Kino zu gehen). In diesem Fall ist mein Verhalten von der (möglichen) Konsequenz einzuschlafen bestimmt.

        Wenn der von dir erwähnte Autofahrer die Frau von der Fahrbahn drängt, hat er möglicherweise ein schlechtes Gewissen. Er hätte dann gelernt, dass drängeln ein schlechtes Gewissen verursacht und würde daher das Drängeln in Zukunft vermeiden. Er hätte aus den Konsequenzen gelernt. Die Konsequenzen würden sein Handeln bestimmen, also seine zukünftigen Absichten beeinflussen.

        Wenn dein Kind nun eine Absicht verfolgt, dann ist diese Absicht (nach der in Frage stehenden Theorie) davon geprägt, dass das Kind gelernt hat, von diesem seinem Verhalten gewisse Vorteile zu haben, die es dann zu seiner Absicht macht. Seine Absicht ist also durch die Konsequenz gelenkt. Ist die Konsequenz dann trotzdem eine andere, wird das Kind das in sein "Programm" aufnehmen (aha, also ich bekomme nicht in jedem Fall, was ich will) und sein späteres Verhalten danach abstimmen. Aber das Bedürfnis, ist das eine Konsequenz?
        Nein, aber das Handeln richtet sich (nach dieser Theorie!) danach, welchem Bedürfnis ich nachgebe, und somit bestimmt (nach dieser Theorie!) die mögliche Konsequenz mein Verhalten. Er schreibt nämlich auch selbst, daß er sein Verhalten ja gar
        nicht versteht, deshalb hat er doch das Posting geschrieben!
        Wie kann es dann eine Fehlkalkulation sein?
        Verhalten das man selbst nicht versteht,ist nach dieser Theorie irgendwann durch irgendwelche Konsequenzen entstanden bzw. muss so entstanden sein. Hier wird es jetzt für mich schwierig, weil ich die Theorie ja nicht selbst vertrete, sondern nur darstelle. Der Autofahrer hat beispielsweise gelernt, dass rücksichtsloses Verhalten nicht geahndet wird, also verhält er sich weiter so. Die in diesem Fall fehlende Konsequenz bestimmt sein Verhalten.

        Ist das Ganze jetzt einsichtiger?

        Herzliche Grüße

        Thomas Miller

        • Antwort von nach 19 Stunden 1 hilfreich
          Das war das, was ich meinte

          Hallo Thomas, dein Problem hängt meiner Ansicht nach damit zusammen, dass du
          zwei verschiedene Fragestellungen vermischt. Das Wort "warum"
          ist nämlich mehrdeutig.
          Genau. Wenn ich frage, warum jemand etwas tut, dann kann ich die
          Frage einmal nach den Gründen in der Vergangenheit und einmal
          nach den Gründen in der Zukunft befragen. Letztere sind
          zielgerichtet und heißen teleologisch, erstere sind erklärend
          und heißen Ursachen.
          Genau. Im Behaviorismus gibt es jetzt beide Erklärungsansätze. Der erste subsumiert sich unter den teleologischen Behaviorismus Howard Rachlins (State University of New York at Stony Brook), der andere findet sich in verschiedenen behavioristischen Strömungen, z.B. im radikalen Behaviorismus Skinners. Beispiel: Heute gehe ich ins Kino. Warum? Weil ich mir einen
          Film ansehen möchte (teleologisch)? Oder weil ich zu müde bin,
          um tanzen zu gehen (erklärend)?
          Eher so:

          Ich gehe ins Kino, weil, wenn ich früher ins Kino gegangen bin, regelmäßig ein Film kam.

          Der Film (oder das Filmschauen) ist der positive Verstärker für das "ins Kino gehen".

          Absolut simpel, weil nur beschreibend. Deshalb auch: deskriptiver Behaviorismus. Wenn jemand nun behauptet, Verhalten sei konsequenzabhängig,
          dann meint er in der Regel das Lernverhalten und das erklärend
          und nicht teleologisch:
          Genau so meinte ich das. Ich habe z. B. durch Erfahrung
          gelernt, dass ich den Film nicht genießen kann, wenn ich zu
          müde bin.
          Ja, so ähnlich. Der Reizzustand "zu müde sein" (ein sogenannter diskriminativer Stimulus) "sets the occasion" dafür, daß die Reaktion "Filmschauen" mit geringerer Wahrscheinlichkeit auftritt, weil auf sie regelmäßig kein positiver Verstärker folgt. Dagegen ist ein anderer Reizzustand "nicht zu müde sein" ein diskriminativer Stimulus dafür, daß, wenn die Reaktion "Filmschauen" gezeigt wird, die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, daß ein positiver Verstärker folgt. Der positive Verstärker kann z.B. der Zustand "Gefühl des Entspanntseins" sein. Also gehe ich nicht ins Kino, weil die Konsequenz,
          dass ich einschlafe, sehr wahrscheinlich ist (es lohnt sich
          also nicht, ins Kino zu gehen). In diesem Fall ist mein
          Verhalten von der (möglichen) Konsequenz einzuschlafen
          bestimmt.
          Indeed. Wenn der von dir erwähnte Autofahrer die Frau von der Fahrbahn
          drängt, hat er möglicherweise ein schlechtes Gewissen. Er
          hätte dann gelernt, dass drängeln ein schlechtes Gewissen
          verursacht und würde daher das Drängeln in Zukunft vermeiden.
          Er hätte aus den Konsequenzen gelernt. Die Konsequenzen würden
          sein Handeln bestimmen, also seine zukünftigen Absichten
          beeinflussen.
          Warum er drängelt, läßt sich dann so beschreiben:

          Der Autofahrer rast, weil er z.B. in der Vergangenheit, wenn er raste regelmäßig gerade noch rechtzeitig an einen bestimmten Ort kam, obwohl er z.B. zu Hause gebummelt hat. Das "gerade noch rechtzeitige Ankommen" wäre der Verstärker, in diesem Beispiel des "Bummelns" läge IMHO eine negative Verstärkung vor, weil die regelmäßige negative Konsequenz des "Bummelns" (das Zuspätkommen) durch das Rasen aktiv vermieden wurde. Das geht dann so lange, bis es ins Auge geht. Wenn dein Kind nun eine Absicht verfolgt, dann ist diese
          Absicht (nach der in Frage stehenden Theorie) davon geprägt,
          dass das Kind gelernt hat, von diesem seinem Verhalten gewisse
          Vorteile zu haben, die es dann zu seiner Absicht macht.
          Wobei ich die ganzen mentalistischen Begriffe durch behavioristische ersetzen würde, sofern ich es denn könnte bzw. sofern es dann noch verständlich wäre. Seine Absicht ist also durch die Konsequenz gelenkt. Ist die
          Konsequenz dann trotzdem eine andere, wird das Kind das in
          sein "Programm" aufnehmen (aha, also ich bekomme nicht in
          jedem Fall, was ich will) und sein späteres Verhalten danach
          abstimmen.
          Programm = Verhaltensrepertoire Aber das Bedürfnis, ist das eine Konsequenz?
          Nein, aber das Handeln richtet sich (nach dieser Theorie!)
          danach, welchem Bedürfnis ich nachgebe, und somit bestimmt
          (nach dieser Theorie!) die mögliche Konsequenz mein Verhalten.
          Das lasse ich lieber so unkommentiert stehen. ;-) Verhalten das man selbst nicht versteht,ist nach dieser
          Theorie irgendwann durch irgendwelche Konsequenzen entstanden
          bzw. muss so entstanden sein.
          Indeed. Entweder in der Lebensgeschichte durch sogenannte Verstärkungskontingenzen wie die oben beschriebenen oder durch evolutionsgeschichtlich relevante Ereignisse, die zur Ausbildung von Instinkten oder respondentem Verhalten (aka Pawlowsche "Reflexe") geführt haben.

          Darauf beziehen sich die Aussagen "Selection by consequences" und "Verhalten ist von seinen Konsequenzen" (vergangenen Konsequenzen in der Lebensgeschichte oder der Evolutionsgeschichte) abhängig. Ist das Ganze jetzt einsichtiger?
          Einsicht? Was ist das? ;-)

          Nichts für ungut.

          Herzliche Grüße,

          Oliver Walter

        • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
          unbekannte Gründe

          Hallo Thomas Miller Wenn ich frage, warum jemand etwas tut, dann kann ich die
          Frage einmal nach den Gründen in der Vergangenheit und einmal
          nach den Gründen in der Zukunft befragen.
          Das mit den zweierlei Gründen weiß ich schon, das wurde hier schon mal erklärt, das ist klar, danke. Aber das meinte ich nicht. Wenn jemand nun behauptet, Verhalten sei konsequenzabhängig,
          dann meint er in der Regel das Lernverhalten und das erklärend
          und nicht teleologisch: Ich habe z. B. durch Erfahrung
          gelernt, dass ich den Film nicht genießen kann, wenn ich zu
          müde bin. Also gehe ich nicht ins Kino, weil die Konsequenz,
          dass ich einschlafe, sehr wahrscheinlich ist (es lohnt sich
          also nicht, ins Kino zu gehen). In diesem Fall ist mein
          Verhalten von der (möglichen) Konsequenz einzuschlafen
          bestimmt.
          Das seh ich nicht ein. Mein Verhalten ist dann nicht von der Konsequenz abhängig, denn die liegt ja in der Zukunft, sondern von der vorgestellten Konsequenz die ich mir jetzt im augenblick vorstelle. Du sagst ja selbst von der wahrscheinlichen. Ok, ich habe irgendein wenn .... dann gelernt, und daran denke ich. Dann ist immer noch falsch, daß Verhalten von Konsequenz abhängt, es muß heißen von gelernter Konsequenz oder von wahrscheinlicher Konsequenz oder von vorgestellter Konsequenz.

          Das Thema ist inzwischen an der Tagesordnung bei uns und mein Ableger nimmt inzwischen ihre rauchende Mutter auseinander mit diesem Trick: die gelernte Konsequenz deines Rauchens ist, daß du krank davon werden kannst, ist dein Verhalten also von dieser Konsequenz abhängig? Er
          hätte dann gelernt, dass drängeln ein schlechtes Gewissen
          verursacht und würde daher das Drängeln in Zukunft vermeiden.
          Er hätte aus den Konsequenzen gelernt. Die Konsequenzen würden
          sein Handeln bestimmen, also seine zukünftigen Absichten
          beeinflussen.
          Das ist aber wie es aussieht nicht der Fall, denn jeder Autofahrer hat schon mal Mist gebaut, weil er zu schnell gefahren ist. Er fährt also trotz der Konsequenz (nicht die tatsächliche sondern die gelernte) 2m hinter den Kleinwagen und macht Hupkonzert. Ich meine, daß er das macht, weil es im Vergnügen macht, Kleinwagen zu erschrecken trotz der gelernten wahrscheinlichen Konsequenz. Wenn du jetzt zugibst, daß die Konsequenz seines Verhaltens der Wunsch nach sadistischem Vergnügen ist, und davon hängt es ab, daß er so fährt, dann verstehe isch das. Aber es ist dann immer noch die vorgestellte Konsequenz und nicht die tatsächliche.

          Behauptung: der Satz "Verhalten ist von Konsequenz abhängig" ist schludrig, es muß heißen von vorgestellter Konsequenz abhängig.


          Seine
          Absicht ist also durch die Konsequenz gelenkt. Ist die
          Konsequenz dann trotzdem eine andere, wird das Kind das in
          sein "Programm" aufnehmen (aha, also ich bekomme nicht in
          jedem Fall, was ich will) und sein späteres Verhalten danach
          abstimmen.
          Ich bastel mir das mal so zurecht, daß das meinem bisherigen Verständnis entspricht, ist das ok?
          Seine Absicht jetzt ist durch die gelernte Konsequenz gelenkt. Ist die tatsächliche Konsequenz eine andere ..... und sein späteres Verhalten vielleicht danach abstimmen.

          Was ist aber, wenn einer was tut, obwohl er gelernt hat, daß es Schaden anrichtet. Ich meine, wenn er sein Verhalten nicht nach seiner Erfahrung "abstimmt" und Konsequenzen kommen, die er nicht wollte? Dann "verhält" er sich doch auch? Sagt dann der Herr, der das behauptet hat worüber wir diskutieren auch konsequent "sein verhalten ist von Konsequenzen abhängig, die immer wieder den gelernten Konsequenzen widersprechen"? Nein, aber das Handeln richtet sich (nach dieser Theorie!)
          danach, welchem Bedürfnis ich nachgebe, und somit bestimmt
          (nach dieser Theorie!) die mögliche Konsequenz mein Verhalten.
          Und wenn die mögliche Konsequenz Schaden anrichtet, wie er immer wieder erfahren hat? Dann auch? Verhalten das man selbst nicht versteht,ist nach dieser
          Theorie irgendwann durch irgendwelche Konsequenzen entstanden
          bzw. muss so entstanden sein. Hier wird es jetzt für mich
          schwierig, weil ich die Theorie ja nicht selbst vertrete,
          sondern nur darstelle.
          Ja, für mich auch schwierig. Gelernte Konsequenzen, die aber keiner kennt, sogar der der sich verhält, selbst nicht. Davon ist augenblickliches Verhalten abhängig? So eine Konsequenz, die keiner kennt, das nenn ich aber jetzt mal wüste Spekulation.

          Oder ist das dann die Stelle wo die Psychologen sagen, daß es auch unbewußte Absichten gibt?

          Immer noch uneinsichtig aber danke für deine Hilfe

          Zam

          PS: Deine Sternchen sind nicht von mir! Versprochen!

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            definitionssache?

            hallo zamioc,

            vielleicht liegt hinter dem ganzen unverständnis ja ein definitionsproblem. das wort "konsequenz" ist hier nie korrekt definiert worden. "konsequenz" im alltäglichen und im behavioristischen gebrauch kann ja unterschiedliche bedeutung haben - schließlich wird es im letzteren fall als fachausdruck gebraucht und solche werden doch für eine theorie erst mal grundsetzlich definiert.

            vielleicht bringt dich (und auch mich, der ich hier mitlese) das weiter. Das ist aber wie es aussieht nicht der Fall, denn jeder
            Autofahrer hat schon mal Mist gebaut, weil er zu schnell
            gefahren ist.
            ich möchte da nur auch noch anmerken, dass ein überschreiten von sicherheitsgrenzen überall beobachtet werden kann - also bspw. auch auf der arbeit an gefährlichen maschinen.
            die sicherheitsgrenzen sind so dimensioniert, dass ein "leichtes" überschreiten noch keinen oder keinen großen schaden anrichtet, aber eine arbeitserleichterung darstellt. (die grenze behindert mich ja, sobald ich sie überschreite, habe ich "vorteile".) wenn das also tag für tag immer wieder gemacht wird, sinkt auch die hemmung, die grenze zu überschreiten.
            für den autofahrer heißt das: wenn er mal einen fehler macht, wird er eine weile mit mehr abstand fahren, aber bald wieder dichter aufrücken, weil die erinnerung an den fehler langsam verblasst und er immer wieder aufs neue die grenze überschreitet.

            ein raucher weiß auch um die (langfristigen) konsequenzen von krankheit, aber leider sehen wir eher die kurzfristigen als die langfristigen dinge.


            was mich noch interessieren würde: thomas hat sich ja von der theorie abgegrenzt. ergo gibt es noch andere theorien zu diesem sachverhalt. ich - als unwissender - würde mich mal über eine neutrale (natürlich kurze) darstellung der theorien freuen, um mir selbst ein bild zu machen. könntest uns da jemand mal was zusammenfassen?

            gruß
            tobias

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Grundsätzliches

            Hallo,

            das ist ein Problem, das sich ganz einfach auflösen lässt. Die Behauptung, dass Verhalten konsequenzabhängig ist, ist eine wissenschaftliche Aussage. Und wissenschaftliche Aussagen sind prinzipiell allgemein gehalten, müssen also immer wieder auf den Einzelfall angewendet werden. Du hingegen gehst vom Einzelfall aus, und möchtest das Regelhafte darin erkennen.

            In der wissenschaftlichen Sprache ist diese Allgemeinheit immer mitgedacht. Dieses Vorgehen bezeichnet man mit dem Wort "prinzipiell". Wenn ich also allgemein (wissenschaftlich) behaupte, dass Verhalten konsequenzabhängig ist, dann ist das immer so gemeint, dass man im Einzelfall nach einer möglichen (oder vorgestellten) Konsequenz suchen muss, wenn man den Einzelfall nach einer Regel erklären will. Das ist aber wie es aussieht nicht der Fall, denn jeder
            Autofahrer hat schon mal Mist gebaut, weil er zu schnell
            gefahren ist. Er fährt also trotz der Konsequenz (nicht die
            tatsächliche sondern die gelernte) 2m hinter den Kleinwagen
            und macht Hupkonzert.
            Die angesprochene Theorie würde jetzt behaupten, dass die Konsequenzen, die der Mann zu befürchten hätte, eben nicht in einem Gleichgewicht zu seinem Verhalten stehen, dass also die Strafen verschärft werden müssen, um den Mann davon abzuhalten, damit er es endlich lernt. Sie würde behaupten, dass man den Anreiz, die Tat nicht zu begehen, höher machen muss bzw. die zu erwartende Strafe so hoch anzusetzen, dass die Freude über das Verhalten nicht mehr überwiegt. der Satz "Verhalten ist von Konsequenz abhängig" ist schludrig, es
            muß heißen von vorgestellter Konsequenz abhängig.
            Noch genauer wäre:
            "Mögliches Verhalten ist von möglicher Konsequenz abhängig."
            Aber so spricht kein Wissenschaftler, weil es in der Wissenschaft eben nie um die konkrete Situation, sondern immer um die dahinterstehende Regel geht. Sobald es um etwas Konkretes geht, ist es nicht mehr die Wissenschaft selbst, die in Frage steht, sondern die Anwendung der Wissenschaft.

            Das ist z. B. der Grund, warum hier im Psychologiebrett die Frage so oft auftaucht, warum hier so viel Wissenschaft betrieben, aber wenig geholfen werde. Dieser Frage liegt dasselbe Missverständnis zugrunde.
            Wissenschaft als solche kann nicht helfen, weil sie den Einzelfall nur als Material für eine allgemeine Theorie verwendet. Praktische Hilfe aber sieht sich immer genötigt, ein bestimmtes Konzept zu vertreten, kann aber dieses Konzept selbst nicht erstellen, weil der Überblick fehlt und nur die konkrete Situation vorliegt.

            Daher fühlen sich Menschen (wie z. B. Flora oben *wink*) von der Wissenschaft vernachlässigt und wollen sie gerne als praxisfern verbannen. Dem ist aber eben entgegenzuhalten, dass es ohne die wissenschaftlichen Konzepte keine stringente Hilfe geben kann. Ohne wissenschaftliche Unterstützung ist die konkrete Hilfe blind, wie man vielleicht sagen kann (ich würde es eher "zufällig helfend" nennen wollen). Wissenschaft ohne die Überprüfung am Einzelfall ist hingegen "leer".

            Beide Instanzen sind aufeinander angewiesen, allerdings in völlig verschiedener Weise. Das Problem in diesem Brett ist, dass hier beides gleichzeitig behandelt wird. Aus meiner Sicht ist das auch sinnvoll, weil sich die Sichtweisen ja ergänzen sollen. Ein Problem entsteht, wenn jemand versucht, eine der beiden Seiten zu verabsolutieren (und wir haben hier ja Vertreter beider Seiten im Brett). Es fehlt eben nur meistens an der Toleranz der anderen Seite gegenüber, eigentlich aber schon an der Einsicht, dass die jeweils eine Seite nicht ohne die andere Seite existieren kann.

            Damit meine ich jetzt übrigens nicht den Streit zwischen Verhaltenstherapie und Psychoanalyse, wie er gerade hier wieder aufflammte. Dieser Streit ist ein wissenschaftsinterner Streit. Allerdings ist es für den wissenschaftliche Unkundigen nicht einsichtig, worin der Wert der Wissenschaft liegt, denn er sieht nur die beiden sich streitenden Positionen. Was er nicht sieht, ist, das die Entscheidung für Positionen der einen oder anderen Seite enorme Auswirkungen auf die Praxis (und das ist der Einzelfall!) haben. Und wenn die mögliche Konsequenz Schaden anrichtet, wie er
            immer wieder erfahren hat? Dann auch?
            Es kommt darauf an, wo der Schaden auftritt, beim Handelnden oder beim "Opfer". Die angesprochene Theorie würde behaupten, dass je nachdem welches Verhalten man unterstützt (verstärkt, belohnt, bestraft) die eine oder andere Handlungsform wieder herauskommt. Ja, für mich auch schwierig. Gelernte Konsequenzen, die aber
            keiner kennt, sogar der der sich verhält, selbst
            nicht
            . Davon ist augenblickliches Verhalten abhängig? So
            eine Konsequenz, die keiner kennt, das nenn ich aber jetzt mal
            wüste Spekulation.
            Die Messlatte der angesprochenen Theorie ist eigentlich ganz einfach zu fassen: Sie behauptet, dass sich das Verhalten nach Lust und Unlust richtet, je nachdem also, welche der Wagschalen höher bzw. niedriger hängt, das entsprechende Verhalten nach einer Regel auftritt. Die Konsequenz ist, dass alles Verhalten in letzter Instanz selbstbezüglich sein muss. Märtyrer wird man dann eben nur oberflächlich betrachtet aus Überzeugung, genauer betrachtet wäre die Vorfreude auf das Jenseits (das Lusterlebnis, die vorgestellte Lust) das eigentliche Motiv (nach dieser Theorie!). Oder ist das dann die Stelle wo die Psychologen sagen, daß es
            auch unbewußte Absichten gibt?
            Sehr gut beobachtet! Allerdings würden die verhaltensorientierten Psychologen (die Behaviouristen, behaviour = Verhalten) den Begriff des Unbewussten meiden, weil sie behaupten würden, dass es sich einfach um eine mathematisch festmachbare Reiz-Reaktions-Formel handelt (wenn der Anreiz groß genug ist ...). Immer noch uneinsichtig aber danke für deine Hilfe
            Ist das jetzt einleuchtender geworden? Ich entschuldige mich übrigens dafür, dass ich dieses Posting jetzt hier für eine wissenschaftstheoretische Stellungnahme missbraucht habe. Das habe ich aber nicht nur im Hinblick auf Dritte gemacht, die vielleicht mitlesen, sondern weil ich meine, dass auch dir diese Zeilen ein besseres Verständnis ermöglichen können. PS: Deine Sternchen sind nicht von mir! Versprochen!
            Ich habe mich schon gefragt, wer der Verursacher war. Aber solange die Sternchen nicht missbraucht werden, können sie ganz nützlich sein - zur Selbstkontrolle. Besser ist natürlich ein ausgesprochener Dank.

            Herzliche Grüße

            Thomas Miller

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re: Einschränkende Zustimmung

              Hallo Thomas,

              danke für Deine klärenden Worte. Damit es zu keiner Verwechslung mit der von mir vorgestellten Position kommt, noch eine Anmerkung dazu: Die Messlatte der angesprochenen Theorie ist eigentlich ganz
              einfach zu fassen: Sie behauptet, dass sich das Verhalten nach
              Lust und Unlust richtet, je nachdem also, welche der
              Wagschalen höher bzw. niedriger hängt, das entsprechende
              Verhalten nach einer Regel auftritt.
              Einspruch: Die Triebreduktionstheorie ist in den 50er Jahren ad acta gelegt worden. Man kann nicht behaupten, daß die Theorie, aus deren Sicht ich hier des öfteren argumentiere, behauptet, daß sich das Verhalten nach Lust und Unlust richtet. Skinners Theorie des operanten Konditionierens tut es EXPLIZIT nicht. Das, was Du meinst, ist die neobehavioristische S-R-Psychologie Clark Hulls und die ist quasi falsifiziert. Skinners Verhaltenstheorie ist keine S-R-Psychologie. Im Gegenteil: Sie hat die S-R-Psychologie beerdigt. Märtyrer wird man dann eben nur oberflächlich betrachtet aus
              Überzeugung, genauer betrachtet wäre die Vorfreude auf das
              Jenseits (das Lusterlebnis, die vorgestellte Lust) das
              eigentliche Motiv (nach dieser Theorie!).
              Auch hier ein Einspruch: Verhalten ist aus Sicht der Theorie, die ich hier des öfteren vertrete, nicht von den zukünftigen Konsequenzen abhängig, sondern von den vergangenen. Deshalb sind die Verstärker, die zu Märtyrertum führen, in der Vergangenheit des Märtyrers zu suchen. Der Tod kann nicht verstärkt werden. Sehr gut beobachtet! Allerdings würden die
              verhaltensorientierten Psychologen (die Behaviouristen,
              behaviour = Verhalten) den Begriff des Unbewussten meiden,
              weil sie behaupten würden, dass es sich einfach um eine
              mathematisch festmachbare Reiz-Reaktions-Formel handelt (wenn
              der Anreiz groß genug ist ...).
              Eigentlich ist der Begriff des Unbewußten nur zu meiden, weil er an die Psychoanalyse gekettet ist und zu mentalistischem Mißbrauch führt, der z.B. so aussieht: "Ich mache es, weil mein Unbewußtes es so will". Verhalten ist nach der Verhaltenstheorie nicht von inneren Zuständen abhängig, sondern von äußeren Faktoren. Denn es läßt sich mit Skinner argumentieren:

              Wenn der Reiz zu einem Gefühl führt und das Gefühl zu einer Reaktion, dann führt der Reiz indirekt zu der Reaktion.

              Diese sogenannte "middle link"-Argumentation zeigt nach Ansicht Skinners, daß, wenn es interne Zustände gibt und sie möglicherweise das Verhalten beeinflussen, dann das Verhalten letztendlich immer noch von äußeren Bedingungen abhängt.

              Grüße,

              Oliver Walter

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re: Grundsätzliches

              Hallo Thomas,
              fühle mich als dritte Mitlesende von Dir auch angesprochen.
              das ist ein Problem, das sich ganz einfach auflösen lässt. Die
              Behauptung, dass Verhalten konsequenzabhängig ist, ist eine
              wissenschaftliche Aussage. Und wissenschaftliche Aussagen sind
              prinzipiell allgemein gehalten, müssen also immer wieder auf
              den Einzelfall angewendet werden. Du hingegen gehst vom
              Einzelfall aus, und möchtest das Regelhafte darin erkennen.
              Jaja, das ist wohl so, und auf der Ebene wissenschaftlicher, also allgemeiner Gespräche hat das ja auch alles seinen Platz und seinen Sinn, sich das klar zu machen.
              Kritikpunkt von mir, und so wie ich Zomiac verstehe (?) nicht nur von mir war aber nicht die Wissenschaft an und für sich, sondern die uneingefühlte, kalte Anwendung wissenschaftlicher Allgemeintheorien an individueller Stelle.
              Das ist Missbrauch.
              Was nicht meint, dass die Konzepte nicht nötig wären, wie Du weiter unten ja auch sagst,aber in der Begegnung haben sie nichts verloren, allerhöchstens im Hinterkopf,hier muss meiner Erfahrung nach das Spüren, oder wie auch immer man es nennen will leiten.
              In der wissenschaftlichen Sprache ist diese Allgemeinheit
              immer mitgedacht. Dieses Vorgehen bezeichnet man mit dem Wort
              "prinzipiell". Wenn ich also allgemein (wissenschaftlich)
              behaupte, dass Verhalten konsequenzabhängig ist, dann ist das
              immer so gemeint, dass man im Einzelfall nach einer
              möglichen (oder vorgestellten) Konsequenz suchen muss, wenn
              man den Einzelfall nach einer Regel erklären will.
              Das ist aber wie es aussieht nicht der Fall, denn jeder
              Autofahrer hat schon mal Mist gebaut, weil er zu schnell
              gefahren ist. Er fährt also trotz der Konsequenz (nicht die
              tatsächliche sondern die gelernte) 2m hinter den Kleinwagen
              und macht Hupkonzert.

              Die angesprochene Theorie würde jetzt behaupten, dass die
              Konsequenzen, die der Mann zu befürchten hätte, eben nicht in
              einem Gleichgewicht zu seinem Verhalten stehen, dass also die
              Strafen verschärft werden müssen, um den Mann davon
              abzuhalten, damit er es endlich lernt. Sie würde behaupten,
              dass man den Anreiz, die Tat nicht zu begehen, höher machen
              muss bzw. die zu erwartende Strafe so hoch anzusetzen, dass
              die Freude über das Verhalten nicht mehr überwiegt.
              Und da findet der missbruchende Sprung von der Theorie in die individuelle Praxis des Lebens statt, und muss sich hier messen lassen.
              Die Erfahrung zeigt, dass höhere Strafen zu wenig Erfolg führen, alöso hat die schöne Theorie wohl etwas vergessen.
              Womit wir wieder beim Unbewussten wären.
              Und die Wissenschaft ein wenig verlassen, und uns im Einzelfall von unserem Spürsinn leiten lassen müssen.
              Vielleicht hat der Fahrer einen Haufen unbearbeiteter, frei flottierender Aggressionen, scheint mir oft der Fall zu sein, wenn ich Autofahrer beobachte.
              Vielleicht hat dieser spezielle Autofahrer, von dem hier geredet wird, keinen Respekt vor dem Leben, keine Liebe in sich, die ihn davor bewahrt, fahrlässig das Sterben anderer Menschen in Kauf zu nehmen.
              Spätestens da muss ich als Praxispsychologe von meinem Spüren leiten lassen, und mein Mitgefühl mit zu Hilfe nehemn, sonst wird das nie was, mit langsamer fahren.
              Und in solchen Fällen stellt es sich meistens heraus, dass der Fahrer auch zu sich selber keinen wirklichen Kontakt, keine Liebe und keinen Respekt hat, in vielen Einzelfällen.
              Das gilt es zu heilen, und das zu heilen gelingt nicht mit Behaviorismus und Co, weil, wir haben hier ja Menschen, die warm sind, oder warm sein wollen, und keine Maschinen, die kalt sind. der Satz "Verhalten ist von Konsequenz abhängig" ist schludrig, es
              muß heißen von vorgestellter Konsequenz abhängig.
              Noch genauer wäre:
              "Mögliches Verhalten ist von möglicher Konsequenz abhängig."
              Aber so spricht kein Wissenschaftler, weil es in der
              Wissenschaft eben nie um die konkrete Situation, sondern immer
              um die dahinterstehende Regel geht. Sobald es um etwas
              Konkretes geht, ist es nicht mehr die Wissenschaft selbst, die
              in Frage steht, sondern die Anwendung der Wissenschaft.
              Genau, und wenn ich mit Menschen spreche, dann ist das doch Anwendung von Wissenschaft, ausser zwei Wissenschaftler unterhalten sich, beide im Bewusstsein, dass das hier jetzt die Theorie mit ihren Grenzen ist.
              Es ist letztendlich eine Frage auch der Prioritäten.
              So in dem Sinne, was ich bin, was Du bist,bist Du, bin ich mal vor aller Wissenschaft, und anderen Konzepten.
              In disem Bewusstsein kann ich dann auch Konzepte anwenden, sollte aber die Distanz zu ihnen besser nicht vergessen.
              Das ist sehr schwer auszudrücken, aber meines erachtens von grundlegender Bedeutung.
              Das ist z. B. der Grund, warum hier im Psychologiebrett die
              Frage so oft auftaucht, warum hier so viel Wissenschaft
              betrieben, aber wenig geholfen werde. Dieser Frage liegt
              dasselbe Missverständnis zugrunde.
              Wissenschaft als solche kann nicht helfen, weil sie den
              Einzelfall nur als Material für eine allgemeine Theorie
              verwendet. Praktische Hilfe aber sieht sich immer genötigt,
              ein bestimmtes Konzept zu vertreten, kann aber dieses Konzept
              selbst nicht erstellen, weil der Überblick fehlt und nur die
              konkrete Situation vorliegt.
              Ja, und die wissenschaftliche Ebene bewusst von der menschlichen zu trennen, und letzterer unbedingt die ihr natürlicherweise zugrundeliegende Priorität einzuräumen, das wäre die Lernaufgabe hier, für manche, möglicherweise...
              Daher fühlen sich Menschen (wie z. B. Flora oben *wink*) von
              der Wissenschaft vernachlässigt und wollen sie gerne als
              praxisfern verbannen.
              Nee, vernachlässigt fühle ich mich eben nicht, und habe auch kein Feindbild.
              Ich schätze sie sogar sehr, wie jedes gute Werkzeug, wenn es an der richtigen Stelle gebraucht wird.
              Und in der Praxis, da liegt das Werkzeug eben in der Hand dees Handwerkers, aber selbiger sollte eben nicht vergessen, dass das Werkzeug ohne eine Seele, die es nutzt im Bestfalle nichts ausrichten kann, im Schlimmstfalle üble Zerstörungen anrichten kann.

              Dem ist aber eben entgegenzuhalten, dass es ohne die wissenschaftlichen Konzepte keine stringente Hilfe
              geben kann. Ohne wissenschaftliche Unterstützung ist
              die konkrete Hilfe blind, wie man vielleicht sagen kann (ich
              würde es eher "zufällig helfend" nennen wollen). Wissenschaft
              ohne die Überprüfung am Einzelfall ist hingegen "leer".
              Nee, solange da ein sehendes Herz ist, ist keine Unterstützung blind.
              Ich stimme Dir aber zu, dass das Konzept , besser noch ein klares Bewusstsein sehr hilfreich sein kann.
              Beide Instanzen sind aufeinander angewiesen, allerdings in
              völlig verschiedener Weise. Das Problem in diesem Brett ist,
              dass hier beides gleichzeitig behandelt wird.
              Nicht wirklich, "Herz" ohne Verstand richtet meist Gutes an, Verstand ohne Herz meist übles.
              Der Verstand ist aufs Herz angewiesen, das Herz nicht unbedingt auf den VerstandAber es kommt auf einer relativen Ebene weiter mit...

              Aus meiner Sicht ist das auch sinnvoll, weil sich die Sichtweisen ja
              ergänzen sollen. Ein Problem entsteht, wenn jemand versucht,
              eine der beiden Seiten zu verabsolutieren (und wir haben hier
              ja Vertreter beider Seiten im Brett). Es fehlt eben nur
              meistens an der Toleranz der anderen Seite gegenüber,
              eigentlich aber schon an der Einsicht, dass die jeweils eine
              Seite nicht ohne die andere Seite existieren kann.
              Jedes Tier kann ohne Verstand existieren, ohne destruktiv zu werden.
              Wir sind Menschen, klar, und wollen auch das Potential des Menschseins ausschöpfen, wenn wir denn also mehr wollen, als existieren, nutzen wir doch unseren Verstand um Bewusstsein zu schaffen...
              Damit meine ich jetzt übrigens nicht den Streit zwischen
              Verhaltenstherapie und Psychoanalyse, wie er gerade hier
              wieder aufflammte. Dieser Streit ist ein wissenschaftsinterner
              Streit.Allerdings ist es für den wissenschaftliche Unkundigen
              nicht einsichtig, worin der Wert der Wissenschaft liegt, denn
              er sieht nur die beiden sich streitenden Positionen. Was er
              nicht sieht, ist, das die Entscheidung für Positionen der
              einen oder anderen Seite enorme Auswirkungen auf die Praxis
              (und das ist der Einzelfall!) haben.
              Ja, es ist wohl gut, sich darüber im Klaren zu sein. Und wenn die mögliche Konsequenz Schaden anrichtet, wie er
              immer wieder erfahren hat? Dann auch?
              Es kommt darauf an, wo der Schaden auftritt, beim Handelnden
              oder beim "Opfer". Die angesprochene Theorie würde behaupten,
              dass je nachdem welches Verhalten man unterstützt (verstärkt,
              belohnt, bestraft) die eine oder andere Handlungsform
              wieder herauskommt. Ja, für mich auch schwierig. Gelernte Konsequenzen, die aber
              keiner kennt, sogar der der sich verhält, selbst
              nicht
              . Davon ist augenblickliches Verhalten abhängig? So
              eine Konsequenz, die keiner kennt, das nenn ich aber jetzt mal
              wüste Spekulation.
              Die Messlatte der angesprochenen Theorie ist eigentlich ganz
              einfach zu fassen: Sie behauptet, dass sich das Verhalten nach
              Lust und Unlust richtet, je nachdem also, welche der
              Wagschalen höher bzw. niedriger hängt, das entsprechende
              Verhalten nach einer Regel auftritt. Die Konsequenz ist, dass
              alles Verhalten in letzter Instanz selbstbezüglich sein muss.
              Märtyrer wird man dann eben nur oberflächlich betrachtet aus
              Überzeugung, genauer betrachtet wäre die Vorfreude auf das
              Jenseits (das Lusterlebnis, die vorgestellte Lust) das
              eigentliche Motiv (nach dieser Theorie!).
              Jaja, und darum glaube ich noch nicht mal auf wissenschaftlicher Ebene an den Wert dieser Theorie, weil meine Erfahrungen und Wahrnehmungen ihr widersprechen, sie als menschlich unreif erkennen. Oder ist das dann die Stelle wo die Psychologen sagen, daß es
              auch unbewußte Absichten gibt?
              Sehr gut beobachtet! Allerdings würden die
              verhaltensorientierten Psychologen (die Behaviouristen,
              behaviour = Verhalten) den Begriff des Unbewussten meiden,
              weil sie behaupten würden, dass es sich einfach um eine
              mathematisch festmachbare Reiz-Reaktions-Formel handelt (wenn
              der Anreiz groß genug ist ...).
              Ja, Maschinendenken eben.Was als intellektuelles Spiel reizvoll sein mag, wie so manch anderes Konzept, aber das mich leitende "Herz" sagt das ist krank und menschenunwürdig.
              Da ist der Mensch wohl in die Falle gerutscht, sich mit seinem Werkzeug, dem Verstand zu identifizieren.
              Eine Krankheit unserer Zeit allerdings, die hier nur ihren Gipfel findet auf psychologischer Ebene.
              Und darum muss man sich leider doch drum scheren, weil sie so sehr destruktiv ist für alle. Immer noch uneinsichtig aber danke für deine Hilfe
              Ist das jetzt einleuchtender geworden? Ich entschuldige mich
              übrigens dafür, dass ich dieses Posting jetzt hier für eine
              wissenschaftstheoretische Stellungnahme missbraucht habe. Das
              habe ich aber nicht nur im Hinblick auf Dritte gemacht, die
              vielleicht mitlesen, sondern weil ich meine, dass auch dir
              diese Zeilen ein besseres Verständnis ermöglichen können.
              Du schreibst immer herzliche Grüße, das ist schön, ja , einen herzlichen Gruss,
              Flora



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