Würgereiz psychologisch begründet - Lösung?

Von: , Frage gestellt am Fr, 28. Nov 2003

Hallo,

es geht um den Würgereiz, den ich immer wieder verspüre.
Angefangen hat es wohl an dem Tag, als ich erfuhr, mein Opa ist gestorben (das war vor 7 Jahren). Ich musste sofort aus Klo und mich übergeben.

Seit dem bekomme ich bei Ekelgefühlen einen Würgereiz. So ist es mir fast nicht mehr möglich auf eine öffentliche Toilette zu gehen, ohne Würgegefühle zu bekommen. Alleine die Vorstellung, dass es stinken könnte oder auch wenn es nur wenig unangenehm riecht löst das schon aus. Auch für mich eklige Szenen im Fernsehen können das auslösen (aber eher selten).
Manchmal glaube ich, es wird schlimmer, umso gestresster ich bin. Wie kann ich das kontrollieren, bzw. abstellen???

Vielleicht kennt ja einer von Euch das Problem und kann mir helfen.
Vielen Dank,
Sonja

23 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 2 hilfreich
    Evtl. Verhaltenstherapie

    Hallo Sonja,

    Du arme. Das hört sich im wahrsten Sinne *übel* an. Aber Du kennst wenigsten den Auslöser und bist Dir über die Situationen bewußt, *wann* das ekel Gefühl entsteht. Damit will ich sagen, daß Du Dir diesen Reiz irgendwann einmal antrainiert haben musst und daß sicher Chancen bestehen, dieses Verhalten wieder abzutrainieren. Es gibt eine Therapie, die sich Verhaltenstherapie nennt. Mit der sogenannten Extinktion des erlenten Verhaltens können angelernte und unerwünschte Verhaltensweisen wieder abtrainiert werden. Ich habe so eine Verhaltenstherapie vor einiger Zeit gegen eine Spinnenphobie durchgemacht. Mit bleibendem Erfolg. Meine Angst vor Spinnen ist verschwunden. Wie wäre es, wenn Du Dir einen Verhaltenstherapeuten suchst, der mit Dir übt, das erlernte Verhalten wieder aubzutrainieren? Viel Glück dabei wünscht Lara [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 21 Stunden 3 hilfreich
    Re: Möglicherweise Klassische Konditionierung

    Hallo Sonja,

    bei der Würgereaktion könnte es sich tatsächlich um ein durch Klassische Konditionierung gelerntes Verhalten handeln. Daß Du eine Klasse von Reizen nennst, die diese Reaktion auslöst, läßt diese Vermutung wahrscheinlich sein. Auch daß es schlimmer ist, wenn Du unter Streß stehst, deutet darauf hin. Manche Reflexe - wie z.B. der Schreckreflex - werden durch Stimmungen und Streß modifiziert, d.h. sie treten dann in veränderter Intensität auf. Genauer könnte man / ich es jedoch erst sagen, wenn man / ich zusammen mit Dir genauer die Situationen unter die Lupe genommen hätte, in denen die Würgereaktion auftritt. Falls die Würgereaktion klassisch konditioniert ist, dann besteht u.U. eine gute Möglichkeit, sie im Rahmen einer Verhaltenstherapie zu verlernen. Aber auch das müßte erst im persönlichen Gespräch zwischen Dir und einem Psychologen abgeklärt werden.

    Gruß,

    Oliver Walter

  3. Antwort von nach 23 Stunden 2 hilfreich
    Re: Würgereiz psychologisch begründet - Lösung?

    Sehr geehrte Sonja,

    Bei der "psychogenen Übelkeit", unter der Sie offenbar leiden,
    könnte Ihnen *kurzfristig* vielleicht das Medikament "Psyquil" etwas Erleichterung verschaffen. Sie müßten es mit Ihrem Arzt besprechen und schauen, ob es für Sie geeignet ist und Sie es gut vertragen.

    *Mittelfristig* haben Oliver Walter und Lara völlig recht, daß Ihnen am ehesten eine Psychotherapie z.B. in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie helfen könnte. Wenn Sie das rechtzeitig machen, ist die Prognose gut - wenn sie es sich hingegen weiter chronifizieren lassen, können die Heilungsaussichten schlechter werden.

    Ich weiß nicht, wo Sie wohnen, aber prinzipiell ist es in solchen Fällen manchmal ganz gut, sich (nach Rückprache mit Ihrem Hausarzt)
    ambulant an einer Psychosomatischen oder Psychiatrisch-psychotherapeutischen Universitätsklinik vorzustellen (gibt es in den meisten Universitätsstädten). Die dortigen Ärzte bzw. Psychologen könnten Ihnen dann auch helfen, einen geeigneten niedergelassenen Psychotherapeuten zu finden.

    Alles Gute!

    Dr. Stefan Müschenich

  4. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: Würgereiz psychologisch begründet - Lösung?

    Hallo sonja, natürlich ist dir zu helfen, den weg dahin haben die Autoren der
    anderen Artikel ja aufgezeigt. Ich möchte nur noch der Vollständigkeit halber
    anmerken daß deine Symptomatik natürlich auch von einem Psychotherapeuten mit
    einer analytischen oder tiefenpsychologischen Ausrichtung behandelt werden
    kann.Die anderen Antworten scheinen mir etwas verhaltenstherapielastig. Es
    kommt auch wesentlich darauf an ob du zu dem Therapeuten einen "Draht" findest,
    ob ihr zusammenpaßt, die Methode die er dann anwendet ist dann meiner Meinung
    zweitrangig.
    viele Grüße.........nashorn [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
      methodische Nachfrage

      Hallo, Ich möchte nur noch der Vollständigkeit halber anmerken daß deine
      Symptomatik natürlich auch von einem Psychotherapeuten mit
      einer analytischen oder tiefenpsychologischen Ausrichtung
      behandelt werden kann.Die anderen Antworten scheinen mir etwas
      verhaltenstherapielastig.
      soweit mir im Moment geläufig ist (bitte mich zu korrigieren, wenn es nicht stimmen sollte), ist die Psychoanalyse hauptsächlich auf unbewusste Reaktionen spezialisiert, also auf Phänomene gerichtet, deren Ursachen man sich nicht bewusst macht. Nun ist bei der Fragerin aber ja die Ursache zwar nicht der Reaktion, wohl aber des Phänomens bekannt, nämlich der Tod eines Angehörigen - so scheint es wenigstens.

      Da ich kein Psychoanalytiker bin, würde es mich interessieren, welchen Beitrag denn die Psychoanalyse in diesem Fall leisten könnte. Bei der Verhaltenstherapie scheint es mir klar zu sein, denn man möchte ja die Reaktion als Reaktion abstellen. Wenn psychoanalytisch betrachtet nach der Grund der Reaktion bekannt ist, dürfte doch diese Methode erschöpft sein, oder sehe ich das falsch? Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass man psychoanalytisch vermutet, dass mit dem bekannten Grund der wahre Grund noch nicht gefunden sei, aber dafür scheint es mir in der Beschreibung keine Hinweise zu geben, es sei denn, man würde annehmen, dass es immer so sei, dass der bekannte Grund nicht der richtige Grund sei.

      Wie sieht das die heutige Psychoanalyse?

      Herzliche Grüße

      Thomas Miller

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re: methodische Nachfrage

        Hallo Thomas Miller, erstmal danke für deine nachfrage, die wie ich sehen kann
        wirklich das Bedürfnis signalisiert etwas zu erfahren.
        Die Psychoanalyse hat zwei wesentliche Vorausannahmen, die erste ist, daß
        Symptome, Impulse und Handlungen unbewußt motiviert sind, die zweite ist: daß
        unser bisheriges Leben einfluß auf unsere jetzigen Impulse , Symptome und
        Handlungen hat. Bei einer Psychoanalytischen aber auch in einer
        tiefenpsychologischen Behandlung gilt es nun zusammen mit dem Therapeuten die
        unbewußte Motivation zu ergründen und in einen sinnvollen und nachvollziehbaren
        Zusammenhang mit der Lebensgeschichte zu setzen. Dieses Verstehen, das nichts
        mit einem nur intellektuellen Erklären zu tun hat sondern mit einem tiefen sich
        akzeptieren oder Annehmen entspricht macht dann das Symptom überflüssig, es muß
        nicht mehr eingesetzt werden, es hat seinen Sinn verloren.
        Ich will damit aber nicht sagen, daß es nur , in diesem Speziellem Fall über
        diesen Weg klappt, daß nur über diese Methode das Symptom dauerhaft beseitigt
        werden kann,glaube aber, daß hier eine tiefenpsychologische Therapie durchaus
        erfolgversprechend ist.

        viele Grüße........nashorn [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

        • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
          Re^2: Zu den Vorausannahmen

          Hallo Herr Dr. Zeller, Die Psychoanalyse hat zwei wesentliche Vorausannahmen, die
          erste ist, daß Symptome, Impulse und Handlungen unbewußt motiviert
          sind, die zweite ist daß unser bisheriges Leben einfluß auf unsere
          jetzigen Impulse, Symptome und Handlungen hat.
          zu diesen Vorausannahmen, welche die Psychoanalyse auch meiner Kenntnis nach macht, habe ich eine Frage: Sind diese Annahmen Ihrer Meinung nach spezifisch für die Psychoanalyse oder machen auch andere Therapien / psychologische Strömungen diese Annahmen? Ich habe in Gedanken statt "Psychoanalyse" "Verhaltensanalyse" (die von Skinner begründete Verhaltenswissenschaft) eingesetzt und dann stimmt der Satz ebenfalls. Ich meine, daß es daran liegt, daß Ihr Satz etwas zu allgemein gehalten ist, so daß die tatsächlichen Unterschiede gar nicht hineinspielen. Besonders hinsichtlich der zweiten Vorausannahme ("Daß unser bisheriges Leben Einfluß auf" unser jetziges Verhalten hat) frage ich mich grübelnd, welche der großen Therapierichtungen (VT, Gesprächspsychotherapie, Psychoanalyse) diese Annahme nicht macht. Kennen Sie eine?

          Gruß,

          Oliver Walter

          • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
            Re^3: Zu den Vorausannahmen

            zu diesen Vorausannahmen, welche die Psychoanalyse auch meiner
            Kenntnis nach macht, habe ich eine Frage: Sind diese Annahmen
            Ihrer Meinung nach spezifisch für die Psychoanalyse oder
            machen auch andere Therapien / psychologische Strömungen diese
            Annahmen? Ich habe in Gedanken statt "Psychoanalyse"
            "Verhaltensanalyse" (die von Skinner begründete
            Verhaltenswissenschaft) eingesetzt und dann stimmt der Satz
            ebenfalls. Ich meine, daß es daran liegt, daß Ihr Satz etwas
            zu allgemein gehalten ist, so daß die tatsächlichen
            Unterschiede gar nicht hineinspielen. Besonders hinsichtlich
            der zweiten Vorausannahme ("Daß unser bisheriges Leben Einfluß
            auf" unser jetziges Verhalten hat) frage ich mich grübelnd,
            welche der großen Therapierichtungen (VT,
            Gesprächspsychotherapie, Psychoanalyse) diese Annahme nicht
            macht. Kennen Sie eine?
            hallo herr walter, ich kann hier wörtlich aus den Grundzügen der
            Psychoanalyse von Brenner Seite 18 zitieren:.........zwei solche
            fundamentale Hypothesen.....sind: das Prinzip der psychischen
            Determiniertheit oder die Kausalität, und der Satz, daß Bewußtheit
            eher ein außergewöhnliches als ein regelmäßiges Attribut psychischer
            Prozesse ist.
            Letztendlich sind ja wohl alle Therapierichtungen bis auf die
            Verhaltenstherapie aus den Vorstellungen der Psychoanalyse
            entstanden, deshalb ist es nicht verwunderlich wenn andere Therapien
            ähnliche Grundannahmen haben. wenn die Verhaltenstherapie ähnliche
            Annahmen hat freue ich mich , habe aber zweifel ob sie die annahme
            des Unbewußten wirklich teilen kann.
            Sie haben völlig recht wenn sie schreiben daß ich mich recht
            allgemein ausdrücke, ich bemühe mich sogar das zu tun, dies ist ein
            forum für alle, wir fachleute sollten uns davor hüten unserem
            Geltungsbedürfnis allzusehr zu erliegen.
            MfG..........nashorn

            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Re^4: Zu den Vorausannahmen

              Hallo Herr Dr. Zeller,

              daß Sie das Zitat gebracht haben, läßt vermuten, daß Sie meine Frage derart aufgefaßt haben, daß ich an ihre Darstellung der Annahmen zweifelte. Wie Sie meinem Posting sicherlich entnehmen werden, wenn sie es noch einmal lesen, dann werden Sie erkenenn, daß meine Frage nicht darauf abzielte.

              Wie ich Ihrem Satz wenn die Verhaltenstherapie ähnliche Annahmen hat freue ich mich ,
              habe aber zweifel ob sie die annahme des Unbewußten wirklich teilen
              kann.
              entnehmen kann, scheinen Sie über die VT weniger informiert zu sein als über die Psychoanalyse. Die VT nimmt nicht das "Unbewußte" an, wohl aber, daß viele Prozesse, die bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Verhalten und Verhaltensstörungen "unbewußt" sind. Bei Bedarf werde ich dies irgendwann später einmal ausführen. wir fachleute sollten uns davor hüten unserem Geltungsbedürfnis
              allzusehr zu erliegen.
              Gut, daß Sie es erwähnen.

              Gruß,

              Oliver Walter



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