Selbstvertrauen

Hallo Anja,

das Problem, das Du schilderst, haben mehr Menschen, als Du Dir vielleicht vorstellst. Psychologen sprechen von sozialer Ängstlichkeit. Unter Selbstvertrauen versteht man in diesem Zusammenhang folgendes:

„Selbstvertrauen bezeichnet die subjektive Sicherheit einer Person, mit einer die Person betreffenden sozialen Situation umgehen zu können.“

Selbstvertrauen hat man dann, wenn man über Selbstsicherheit verfügt. Selbstsicherheit ist

„die Verfügbarkeit sozialer Verhaltensweisen […], die sich sowohl in kognitiven als auch motorischen Aspekten unterteilen läßt. So ist zum einen das Wissen um die sozialen Regeln wesentlich und zum anderen auch die motorische Fähigkeit zur Ausführung der entsprechenden Verhaltensweisen („skills“).“

Das bedeutet: Jemand, der weiß (kognitiv), wie er/sie sich in bestimmten sozialen Situation am günstigsten verhält, und auch über die Fertigkeiten verfügt, sich so verhalten zu können (Motorik), der/die ist selbstsicher und verfügt (meistens) über Selbstvertrauen.

Wichtig ist daher, daß Du selbstsicher wirst, also die notwendigen Kenntnisse erwirbst (Wissen) und aneignest (Fertigkeiten), die Dir in den von Dir geschilderten Problembereichen fehlen. Das kannst Du in sogenannten Trainings sozialer Kompetenzen / Selbstsicherheitstrainings tun. Bei diesen Trainings handelt es sich um bewährte Übungsprogramme, in denen Menschen sozialen Fertigkeiten lernen und üben können, z.B. auch solche Fertigkeiten, die man braucht, um Freunde zu gewinnen.

Wenn Du mehr über solche Trainings wissen möchtest, dann kannst Du Dir mein [FAQ:1079] ansehen. Obwohl das FAQ in Bezug auf das berufliche Umfeld / Mobbing eingeleitet ist, sind die darin enthaltenen Informationen auch in Deinem Fall geeignet, wie Du vielleicht schnell merken wirst. Bei (Nach-)Fragen kannst mich auch direkt ansprechen (auch per Mail). Auf diesem Gebiet habe ich als ehem. Trainer für soziale Kompetenzen nicht nur theoretische Kenntnisse.

Viel Erfolg!

Freundlichen Gruß,

Dipl. Psych. Oliver Walter

Hallo, Anja,
ich hoffe, Du hast Olivers Beitrag gut durchgelesen. Ich denke er hat Dir da etliches Beachtenswertes geschrieben.

Was ich Dir raten möchte ist vielleicht nicht ganz so wissenschaftlich, sondern beruht einfach auf Lebenserfahrung.
Setze Dich einfach einmal hin und überlege, auf welchen Gebieten Du ziemlich gut bist. Und dann mache Dir klar, dass es viele, viele Menschen gibt, die von dem, was Du gut kannst, kaum Ahnung haben. Da gibt es doch ganz gewiß einiges, worauf Du eigentlich ganz schön stolz sein kannst. Und einiges, an dem es sich lohnt noch ein bisschen zu arbeiten.

Und dann solltest Du Dir klar machen, dass das, was andere Menschen von Dir halten, eigentlich gar nicht sooo wichtig ist. Die haben nämlich alle auch so ihre kleinen Macken und kochen auch nur mit Wasser.
Und weil ja der einzige Mensch, auf den Du Dich wirklich immer voll und ganz verlassen kannst, der ist, der Dir aus dem Spiegel entgegenschaut, solltest Du zusehen, dass dieser Mensch Dich mag, so wie Du bist. Sag diesem Spiegelbild immer wieder, wie gut er ist, wie nett Du ihn findest. Aber sei ehrlich, denn niemand kennt Dich besser :smile:

Übrigens zeigt auch Deine Homepage, dass es wirklich einiges gibt, worauf Du ganz schön stolz sein kannst!

Grüße
Eckard.

Hallihallöle!

Mal eine ganz „einfache“ Frage: Wie komme ich zu mehr
Selbstvertrauen?

Hallo Anja,

Ich für mich kann sagen das ich leider auch des öfteren Probleme habe mit meinem Selbstvertrauen.
Ich denke man muß einfach lernen sich selbst zu lieben und zwar erst mal auch unabhängig davon, was man kann.
Selbstvertrauen heißt ja auch das man sich selbst nicht richtig bewußt ist.Man ist nicht richtig bei sich.
Ich für mich versuche z.B. einen Ansatzpunkt zu finden,in dem ich mein Körpergefühl stärke.
Z.B. richte ich meine Aufmerksamkeit auf meine Haut.Unsere Abgrenzung nach außen.
Ich beobachte meinen Atem und stelle mir vor ich esse etwas Saures und dadurch kräuslelt sich ja meine Haut.Infolgedessen kann ich sie besser wahrnehmen.
Desweiteren kann man auch gut Kontakt zu sich herstellen über die Atmung.Sie sollte tief sein und auf Bauchatmung beruhen.
Desweiteren kann man seine Energiezentren(es gibt über den ganzen Körper verteilt gibt es mehrere) in verschiedenen Körperzonen wahrnehmen und stärken.
Die meisten Menschen achten auf solche Dinge nicht.Jedoch stellen sie(die Atmung,die Energiezonen) einen Schlüssel zur Seele dar und helfen sich mehr zu vertrauen und auch Kontakt zu seiner inneren Stimme(Intuition) zu bekommen.
Ich kann jetzt noch nicht sagen das dies alles bei mir schon total gefruchtet hat,aber ich spüre,das es mir hilft mit mir selbst in Kontakt zu kommen und auch zu bleiben.

Wichtig bei der tiefen Atmung ist der Ausatem.Der sollte lang und tief sein(allerdings nicht manipulieren,durch Beobachtung des Atems vertieft er sich von selbst.Durch diese starke Ausatmung entsteht dann ein Sog der die Einatmung von selbst tief und lang werden lässt.

All dies habe ich z.B. bei einer Körpertherapeutin und über Bücher gelernt.
Ich kann mir vorstellen,das alles klingt für dich neu und fremd.
Aber für mich ist das ein Ansatz.

Gruß
Matthew

Hallo Oliver,

danke für Deine Antwort. Hätte eigentlich nicht gedacht, dass es allzu viele Menschen mit meinem Problem gibt, aber allein das Wissen darum beruhigt irgendwie. :wink:

Auch die Definitionen, die Du in Deinem Posting gebracht hast, sind interessant und irgendwie einleuchtend. Das stimmt, weil ich nicht genau weiß, wie ich mich in einer Situation angemessen zu verhalten habe, dann habe ich Angst, mich eben unangemessen zu verhalten. :smile:

Ich habe mir auch das FAQ durchgelesen. Hm, das mit diesem Training klingt interessant. Kennst Du vielleicht eine gute Website dazu, wo man evtl. nähere Infos und/oder entsprechende Adressen bekommt? Und wie lange dauert normalerweise solch ein Training?

Und noch eine weitere Frage - meinst Du, es ist notwendig, sich solch einem Training zu unterziehen, oder kann man das auch allein schaffen? Ich denke dann immer, nun habe ich doch schon eine ganze Menge geschafft (ich erinnere mich noch, dass mich meine Klassenlehrerin in der 7. Klasse am liebsten zum Psychologen geschickt hätte und zu meinen Eltern meinte, ich könne ja noch asozial werden, wenn das so weitergeht) und es war wahrlich nicht einfach, die Angst zu überwinden, überhaupt erst auf andere zuzugehen und mit ihnen zu sprechen. Das ist eigentlich auch eine der wenigen Sachen, bei denen ich mit gutem Gewissen sagen kann, dass ich stolz auf mich bin, diese Hürde überwunden zu haben. Wäre es da nicht möglich, dass ich - zum Beispiel anhand von entsprechender Literatur (gibt es da überhaupt empfehlenswerte Bücher dazu?) o.ä. - es auch ohne solch ein Training schaffen könnte, die mir noch fehlenden sozialen Kompetenzen zu erwerben bzw. die soziale Ängstlichkeit zu überwinden?

Grüße,
Anja

Hallo Eckard,

danke auch für Deinen Beitrag.

Setze Dich einfach einmal hin und überlege, auf welchen
Gebieten Du ziemlich gut bist. Und dann mache Dir klar, dass
es viele, viele Menschen gibt, die von dem, was Du gut kannst,
kaum Ahnung haben. Da gibt es doch ganz gewiß einiges, worauf
Du eigentlich ganz schön stolz sein kannst. Und einiges, an
dem es sich lohnt noch ein bisschen zu arbeiten.

Ja, das habe ich schon mehrmals versucht. Das Problem ist, dass mir durchaus klar ist, dass es Gebiete gibt, auf denen ich vielen anderen etwas voraus habe und da bin ich teilweise auch stolz darauf. Aber andererseits wird mir auch jedes Mal wieder bewusst, dass es auf diesen Gebieten ganz viele Menschen gibt, die noch besser sind als ich und dass ich zudem meine Fehler kenne (ich sitze heute schon den ganzen Tag lang sinnlos herum, obwohl ich jetzt fürs Abi lernen müsste…), ärgere ich mich dann wieder über mich, weil ich weiß, ich könnte jetzt besser sein, wenn ich nicht so faul wäre etc. Und ohne mich würde die Welt ja auch nicht untergehen. Na ja, da kommt mir halt dazwischen, dass ich zu allem Übel auch noch Perfektionistin bin, die sich über jeden Fehler tausendmal ärgert. *smile*

Und dann solltest Du Dir klar machen, dass das, was andere
Menschen von Dir halten, eigentlich gar nicht sooo wichtig
ist. Die haben nämlich alle auch so ihre kleinen Macken und
kochen auch nur mit Wasser.

Das habe ich schon festgestellt. :smile: Dennoch wirken die anderen immer so überzeugt von sich selbst (sogar, wenn sich nachher herausstellt, die haben Quatsch geredet) und ich denke dann immer, sie MÜSSTEN einfach Recht haben. Und wenn es auch noch um eine Person geht, die ich bewundere und die ich für klüger halte als mich selbst, dann wird’s schwierig, sich einzureden, diese Person habe auch Macken… Ich kenne sie ja nicht näher, aber von außen wirkt sie vielleicht so perfekt.

Und weil ja der einzige Mensch, auf den Du Dich wirklich immer
voll und ganz verlassen kannst, der ist, der Dir aus dem
Spiegel entgegenschaut, solltest Du zusehen, dass dieser
Mensch Dich mag, so wie Du bist. Sag diesem Spiegelbild immer
wieder, wie gut er ist, wie nett Du ihn findest. Aber sei
ehrlich, denn niemand kennt Dich besser :smile:

Stimmt, irgendwie hast Du Recht. :smile:)

Übrigens zeigt auch Deine Homepage, dass es wirklich einiges
gibt, worauf Du ganz schön stolz sein kannst!

Danke. :smile: Aber da meldet sich schon wieder mein schlechtes Gewissen - seit mindestens einem Jahr will ich sie umfassend aktualisieren (weil sie wirklich schon recht veraltet ist) und bis jetzt habe ich es nicht geschafft… *seufz*

Gruß,
Anja

Hallo Anja,

ich denke, dieses ist ein sehr grosses Problem vieler Auswanderer. Vermutlich bist du in Russland in einer Umgebung aufgewachsen, die der Umgebung in Deutschland vor 100 Jahren ähnelte. Dort war Anpassung und Nichtauffallen gefragt, bei Frauen zusätzlich Schüchternheit und Bescheidenheit. Die Erziehungsmuster deiner Eltern wirken hier und in der heutigen Zeit überholt, wo Stärke und Selbstbewusstsein gefragt sind.

Selbstvertrauen lernt man meines Erachtens nur durch das Meistern der verschiedenen Situationen. Je mehr du begreifst, was du kannst, umso mehr wird die Ängstlichkeit verschwinden. Wichtig ist also, sich den Ängsten zu stellen.

Alles Gute
BM

Hallo Bitter Moon!

ich denke, dieses ist ein sehr grosses Problem vieler
Auswanderer.

Das kann ich mir gut vorstellen.

Vermutlich bist du in Russland in einer Umgebung
aufgewachsen, die der Umgebung in Deutschland vor 100 Jahren
ähnelte.

Eigentlich nicht. :smile: Ich komme zwar aus der Gegend (Ukraine), gehöre aber nicht zu den Aussiedlern und entstamme einer Großstadt, die durchaus ihre Eigendynamik hat(te), welche nichts mit Deutschland zu tun hat.

Dort war Anpassung und Nichtauffallen gefragt, bei
Frauen zusätzlich Schüchternheit und Bescheidenheit.

Das würde ich so nicht sagen. Meine Eltern haben immer beide als Ingenieure gearbeitet, sehr auf meine Bildung geachtet und mich immer dazu ermutigt, positive Resultate zu zeigen und dadurch auch aufzufallen (und auch dazu, nicht so still zu sein und stolz auf die erbrachten Leistungen zu sein). Außerdem würde ich meine Familie nicht als „typisch“ für die dortigen Menschen einstufen und insofern erübrigt sich das mit dem Nichtauffallen.
Ich war aber schon als Kleinkind sehr ängstlich. Das zeigte sich z.B. darin, dass ich sehr spät anfing zu laufen - obwohl ich es laut meinen Eltern schon längst gekonnt hätte, hatte ich Angst vor dem Hinfallen und tat es nur, wenn ich mich an irgendetwas oder -jemandem festhalten konnte. Ähnliches galt fürs Erlernen des Fahrradfahrens. Und hinzu kommt, dass ich dort nie allein zum Spielen o.ä. raus durfte, weil die Kriminalitätsrate - auch, was Kindesentführungen etc. angeht - sehr hoch war und meine Mutter diesbezüglich auch heute noch (übertrieben?) ängstlich ist (z.B. bleibt sie immer wach, wenn ich abends weggehe, bis ich wieder zurück bin). Das äußerte sich darin, dass ich nicht nur von Eltern/Oma zur Schule gefahren und von dort abgeholt wurde, sondern auch immer nur mit jemandem von ihnen rausgehen durfte. Dadurch war ich ziemlich abgeschieden von dem, was unter den Gleichaltrigen sich tatsächlich so ereignete. Als ich dann hier im Aufnahmeheim, wo wir zuerst angesiedelt wurden, Kontakt zu Gleichaltrigen aufnahm, war das gewissermaßen ein Kulturschock für mich als braves, kleines Mädchen. :smile:)

Die
Erziehungsmuster deiner Eltern wirken hier und in der heutigen
Zeit überholt, wo Stärke und Selbstbewusstsein gefragt sind.

Meine Eltern ermutigen mich immer wieder und teilweise ist es meiner Mutter (die selbst recht viel Selbstvertrauen besitzt, jedenfalls wesentlich mehr als ich) auch nicht entgangen, dass ich dieses Problem habe. Aber eben nur teilweise. Auf jeden Fall ermutigt sie mich immer wieder, mich einzumischen und es z.B. klar und deutlich zu sagen, wenn mir etwas nicht passt (das traue ich mich oft nicht).

Selbstvertrauen lernt man meines Erachtens nur durch das
Meistern der verschiedenen Situationen. Je mehr du begreifst,
was du kannst, umso mehr wird die Ängstlichkeit verschwinden.
Wichtig ist also, sich den Ängsten zu stellen.

Ich konnte mich den Ängsten gut stellen, solange es darum ging, überhaupt erst den Mund aufzumachen, wenn ein Gespräch zugange war. Aber nun geht es darum, dass ich das Gefühl habe, die „Spielregeln“ nicht zu kennen. Ich habe wesentlich weniger Schwierigkeiten, mit anderen Russischsprachigen zu kommunizieren, da fühle ich mich wesentlich selbstsicherer und habe keine Angst, ins Fettnäpfchen zu treten, weil ich weiß, was „angebracht“ ist.

Grüße,
Anja

Hallo Matthew!

Ich für mich kann sagen das ich leider auch des öfteren
Probleme habe mit meinem Selbstvertrauen.
Ich denke man muß einfach lernen sich selbst zu lieben und
zwar erst mal auch unabhängig davon, was man kann.
Selbstvertrauen heißt ja auch das man sich selbst nicht
richtig bewußt ist.Man ist nicht richtig bei sich.

Na ja, man steht nicht mit sich selbst im Einklang, so würde ich das eher ausdrücken.

Ich für mich versuche z.B. einen Ansatzpunkt zu finden,in dem
ich mein Körpergefühl stärke.

Ja, ist sicherlich auch eine Möglichkeit, danke für den Vorschlag. Aber ich glaube, bei mir würde der Ansatz, direkt auf mein Verhalten den Augenmerk zu richten, etwas mehr fruchten, weil mein Problem ja vorrangig darin besteht, dass ich Angst habe, die „Spielregeln“ nicht zu kennen und dadurch entweder von vornherein unsicher bin oder leicht verunsichert werde (wenn mir z.B. jemand anders unpassendes Verhalten vorwirft).

Dennoch wünsche ich Dir mit Deiner Methode viel Erfolg dabei, Dich selbst zu finden und Selbstvertrauen zu gewinnen.

Grüße,
Anja

Liebe Anja,
wesentliches wurde hier schon gesagt. Ich möchte Dir nur eine Beobachtung mitteilen: Du bist ja noch nicht so lange hier im Forum unterwegs, aber ich habe immer den Eindruck, dass Du Dir im Grunde Deines Herzens sehr genau über Deine Wertvorstellungen im Klaren bist - das ist Stärke und damit Teil Deines Selbstbewusstseins. Vielleicht bedarf es nur etwas Mut, diese Wertvorstellungen umzusetzen, aber wenn Du diesen Schritt einmal ausprobiert und erfahren hast und dann erlebst, dass nichts „schlimmes“ passiert, dann wird Dir die Welt offenstehen.
LG,
Die „andere“ Anja

Hallo Anja,

leider habe ich kein Patentrezept dafür, wie du zu mehr Selbstvertrauen kommst, aber ich möchte dir mal ein paar Beobachtungen schildern, die mir geholfen haben, mein Selbstvertrauen auszubauen:

Viele Menschen fühlen sich wohl und damit auch selbstsicher, solange Sie sich selbst sicher fühlen. Das heisst sie in einer Sache tätig werden, die sie einfach gut beherrschen oder von guten Bekannten umgegeben sind, was zu einer Gruppensicherheit führt.

Sobald vielen diese äußere Sicherheit fehlt, kann man einigen auch zunehmend mehr Schwächen anmerken, die jeder sicher versucht zu kaschieren! Befrage doch mal flüchtigere Bekannte, wie du wirkst. Ich wette drauf, dass dich so schnell niemand als extrem unsicher beschreiben wird.

Man kann den Menschen halt erst mal nur vor den Kopf schauen! Wie es dadrin aussieht, ist eine ganz andere Sache.

Mein Tipp daher an Dich, stelle andere Menschen nicht auf einen Sockel. Stell dir einfach vor, dass auch sie total menschlich sind und auch ihre Fehler und Unsicherheiten haben. Denke auch nicht weiter über deine eigene Unsicherheit nach, sprich einfach grade heraus was du denkst und bleib ganz natürlich! Einfach nicht zu viel drüber nachdenken!

Vielleicht hilft dir das ein wenig weiter. Würde mich zumindest freuen :wink:

Viele Grüße

Kevin

Hallo Matthew!

Ich für mich kann sagen das ich leider auch des öfteren
Probleme habe mit meinem Selbstvertrauen.
Ich denke man muß einfach lernen sich selbst zu lieben und
zwar erst mal auch unabhängig davon, was man kann.
Selbstvertrauen heißt ja auch das man sich selbst nicht
richtig bewußt ist.Man ist nicht richtig bei sich.

Na ja, man steht nicht mit sich selbst im Einklang, so würde
ich das eher ausdrücken.

Okay, es ist halt mein Ansatzpunkt.Ich denke das du für dich schon den richtigen Ansatz findest.

Man ist aber tätsächlich nicht bei sich,sondern eher bei dem was andere von einem erwarten.Und außerdem,wenn man gelernt hat sich zu lieben,dann braucht es auch diesen Perfektionismus nicht.Man(Frau) liebt sich selbst und zwar bedingungslos.
Du brauchst dich auch nicht mit anderen zu vergleichen.Denn da findet ja schließlich jeder einen Meister und ist wieder unterlegen.

Soviel dazu
und viel Glück weiterhin.

Hallo Anja,

Hätte eigentlich nicht gedacht, dass
es allzu viele Menschen mit meinem Problem gibt, aber allein
das Wissen darum beruhigt irgendwie. :wink:

Ja, da kannst Du mir vertrauen. Nicht alle haben natürlich genau das gleiche Problem wie Du, aber es gibt recht viele Menschen, die Schwierigkeiten auf diesem großen Gebiet der sozialen Kompetenzen haben. Die wenigsten geben es bloß zu, weil das Thema tabuisiert ist. Heute wollen doch alle stark, schön und reich wirken und haben keine „Schwächen“.

Das stimmt, weil
ich nicht genau weiß, wie ich mich in einer Situation
angemessen zu verhalten habe, dann habe ich Angst, mich eben
unangemessen zu verhalten. :smile:

Genau. Deshalb ist es so wichtig, daß Du nicht nur Wissen um die Fertigkeiten erwirbst, sondern auch die Fertigkeiten selbst übst, die Dir jetzt noch fehlen. Du wirst sehen, daß Du relativ schnell kleine Erfolge (das Prinzip der kleinen Schritte) erzielen kannst und diese positiven Erfahrungen wirken sich dann quasi automatisch auf Dein Selbstvertrauen aus. Die Devise ist: Weniger reden, mehr handeln.

Kennst Du vielleicht eine gute
Website dazu, wo man evtl. nähere Infos und/oder entsprechende
Adressen bekommt?

Du wohnst ja in Berlin, wo es nicht schwer sein sollte, einen solchen Kurs ausfindig zu machen und zu besuchen. Ein solcher Kurs wird nämlich nicht nur im Rahmen von Psychotherapie angeboten, sondern z.B. auch an Volkshochschulen. Zum Psychologen oder Psychiater in die Praxis oder ins Krankenhaus mußt Du deshalb nicht.

Und wie lange dauert normalerweise solch ein Training?

Das kommt auf die Organisation des Trainings an. Manche Kurse werden als Blockseminar am Wochenende angeboten. Besser wäre es aber, wenn Du langfristig an Deinem Problem arbeitest, weil es Zeit brauchst, bis die erlernten Fertigkeiten zur Routine werden. Es ist nicht schwer, die Grundprinzipien am Wochenende zu lernen. Es ist aber schwer, in 2 Tagen Fertigkeiten zu erwerben und zur Routine werden zu lassen. Zum Einstieg ist ein solcher Kurs aber sicherlich empfehlenswert.

Ich habe, während ich das Posting schrieb, einen solchen Kurs für Dich an den Volkshochschulen in Berlin gesucht und bin fündig geworden. Ich schicke Dir die Infos dazu per Mail zu, damit ich hier keine unerlaubte Werbung machen muß.

Und noch eine weitere Frage - meinst Du, es ist notwendig,
sich solch einem Training zu unterziehen, oder kann man das
auch allein schaffen?

Allein ist es sehr viel schwieriger. Solche Kurse finden oft in der Gruppe statt, weil man in der Gruppe viel, viel bessere Chancen hat. Man kann beobachten, was die anderen machen, dabei lernen, was gut ist, was noch verbessert werden sollte, selbst etwas ausprobieren, mit anderen an seinen eigenen Schwierigkeiten arbeiten. Der positive Effekt ist tendenziell einfach viel größer, wenn man in der Gruppe lernt. Man ist dann auch gezwungen, etwas zu tun und kann sich nicht davor drücken. Dieses Drückenwollen („ach, das kann ich auch noch morgen machen“, „ach, das brauche ich nicht, das ist albern“) ist nämlich oftmals ein Zeichen der Unsicherheit. Du tätest Dir keinen Gefallen, wenn Du diesem Wunsch nachgeben würdest.

Wenn Du zu einem solchen Kurs gehst, hast Du schon einen wichtigen Schritt für mehr Selbstvertrauen getan.

Ich denke dann immer, nun habe ich doch
schon eine ganze Menge geschafft

Genau. Daran solltest Du immer denken. Du hast schon eine Menge geschafft und Du kannst wirklich stolz auf Dich sein. Aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen :wink:

ich erinnere mich noch, dass
mich meine Klassenlehrerin in der 7. Klasse am liebsten zum
Psychologen geschickt hätte und zu meinen Eltern meinte, ich
könne ja noch asozial werden, wenn das so weitergeht)

Asozial ist ein hartes Wort.

und es
war wahrlich nicht einfach, die Angst zu überwinden, überhaupt
erst auf andere zuzugehen und mit ihnen zu sprechen.

Natürlich nicht. Hast Du deshalb jetzt ein mulmiges Gefühl, einen solchen Kurs aufzusuchen, weil da andere Menschen sind, denen Du Dich „stellen“ müßtest? Ja, das wäre eine Schwierigkeit. Aber wegen dieser Schwierigkeit hättest Du Dich doch an das Forum hier gewendet und um Anregungen gebeten, oder? Ist es nicht diese Schwierigkeit, die Dir im Weg ist? Weißt Du, wenn Du nicht unter Leute gehst, um zu lernen, selbstbewußter zu werden, jetzt wo Du es noch freiwillig tun kannst, dann wird irgenwann eine Zeit kommen, in der Du mußt (z.B. im Berufsleben). Dann ist es oft sehr viel schwieriger, etwas dafür zu tun, selbstsicherer und selbstbewußter zu werden. Wenn Du jetzt zu einem solchen Kurs gingest, dann würdest Du auf Leute treffen, die ein ähnliches Problem wie Du haben und dann würdest Du nach einiger Zeit merken „Hey, ich bin nicht allein, vielen geht es ähnlich, manche haben sogar noch mehr Schwierigkeiten als ich, aber wir alle können etwas dagegen tun und können es schaffen“. Es geht wirklich.

Viel Erfolg dabei!

Gruß,

Oliver Walter

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Hallihallöle!

Hi,

Mal eine ganz „einfache“ Frage: Wie komme ich zu mehr
Selbstvertrauen?

Ganz einfache Antwort: Indem du dran glaubst, es überhaupt zu haben.

Anstelle zu glauben

Ich bin von Natur aus recht ängstlich

Und ich glaube (…) meinem Mangel an Selbstvertrauen

mich falsch verhalten zu haben (ich glaube

wirke ich irgendwie abweisend

Habt ihr vielleicht irgendeine Idee/Anregung?

Wie wär´s, wenn du (allgemein) deine Glaubenssätze objektivierst (aufschreiben) und überprüfst?

Wenn du z.B. glaubst, kein Selbstvertrauen zu haben, wird sich das in deinem Erleben auch so spiegeln. Die bekannte 3-dimensionale Realität ist eine audiovisuelle Demonstration deiner Gedanken - Gedanken schaffen Realitäten und nicht umgekehrt.

Grüße,
Anja

Voy

Hallo Anja,

die GSK’s (Gruppentraining Sozialer Kompetenzen), die Oliver hier schon ansprach werden in nahezu allen Lebensbereichen angewandt und können für die Teilnehmer von großem Nutzen sein. Ich möchte auch noch etwas anfügen, an das was Oliver schrieb.

Und noch eine weitere Frage - meinst Du, es ist notwendig,
sich solch einem Training zu unterziehen, oder kann man das
auch allein schaffen?

Jeder Mensch hat ein bestimmtes Bild von sich selbst, von seinem Verhalten, wie er aber von anderen Menschen gesehen wird, wie diese ihn einschätzen, bleibt ihm oft verborgen. Ein Makel unserer Zeit scheint zu sein, dass wir uns selten gegenseitig Auskunft darüber geben, wir wir den anderen einschätzen.
Daher halte ich es für sehr sinnvoll zu erfahren, wie man auf andere wirkt, wie man bei ihnen „ankommt“

Viele Dinge, die wir gerne tun würden, lassen wir nach einer Zeit der Überlegung doch bleiben, weil wir mit unseren Gedanken fremde Wege gehen:
Was könnte der nur denken, wenn ich jetzt das und das mache?
Der denkt bestimmt ich hab ne Meise, wenn ich jetzt noch anrufe…
Wenn ich das jetzt mache, bin ich bei allen unten durch…
und so weiter.

Um in „spielerischer Form“ erkennen zu können, dass die anderen in den seltensten Fällen das denken, was wir uns ausmalen, sind diese Gruppentrainings sinnvoll. Keine Literatur und kein Buch kann Dir soviel geben. Die Erfahrung, die jeder Einzelne und die Erfahrung, die die Gruppe zusammen erlebt, sind wichtig.

Also nicht im stillen Kämmerlein mit einem Buch einschließen, sondern dahin, wo das Leben spielt.

Gruß

Frank

Hallo Anja,

hier ein paar Erfahrungswerte von mir:

Die Unsicherheit entsteht daraus, dass man sehr viel Wert darauf legt, was andere über einen denken und Angst hat etwas falsch zu machen, weil man befürchtet, der andere könne negativ reagieren oder eine negative Meinung haben.

Meiner Ansicht nach ist der wichtigste Schlüssel zu mehr Selbstvertrauen, sich klar zu machen: Die Meinung anderer über mich ist mir egal! Daraus ergibt sich schon eine Änderung der Sichtweise und damit des Verhaltens.

Selbstverständlich soll und kann einem die Meinung anderer nicht immer ganz egal sein – die Betonung liegt hier auf „ganz“ -, Ausnahmen sind z. B. nahestehende Menschen und Menschen, von denen man in irgendeiner Form abhängig ist, deren Meinung bis zu einem gewissen Grad wichtig ist. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass man sein Leben für sich selbst lebt und nicht für andere!!!

Ein Großteil von dem, was den Mangel an Selbstvertrauen auslöst, diese ständige Unsicherheit, das darüber Nachdenken (oft unbewusst), das einen psychisch zugrunde richtet und das daraus folgende Verhalten kann mit dieser Lebenseinstellung eliminiert werden.

Lernen kann man das nur indem man bewusst umdenkt und sich seine zerstörerischen Gedankengänge klar macht. Wenn man will, geht es, nicht immer, aber meistens – ich habe das auch geschafft, übrigens aus eigener Kraft. Ich bin heute so selbstbewusst, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte und habe immens viel Vertrauen in mich, was ich auch ausstrahle, wie man mir schon sagte.

Menschen, die eine eigene Meinung haben und diese vertreten werden eher respektiert, als solche, die sich immer nur unterordnen. Und Menschen, die sich leicht verunsichern lassen, werden automatisch Opfer von Leuten, die sich daraus einen Spaß machen. Sollte dir jemand „unpassendes Verhalten“ vorwerfen, muss der keineswegs automatisch Recht damit haben, es ist ja seine Definition davon. Ist der Vorwurf berechtigt (du warst z. B. sehr unhöflich, hast dich im Ton vergriffen), dann entschuldigst du dich und die Sache ist damit vergessen. Bei anderen – berechtigten – Gründen sollte es sich um konstruktive Kritik handeln, man sollte immer die Bereitschaft zeigen, etwas dazulernen zu wollen. Bei ungerechtfertigten Vorwürfen lässt du dir das nicht gefallen und sagst es. Der Ton ist immer wichtig. (Barbara Berckhan hat tolle Bücher zu diesen Themen geschrieben.)

Und wenn du mal selbstbewusst deine Meinung vertrittst und sich hinterher herausstellt du warst im Unrecht, so ist es wirklich keine große Sache dies zuzugeben. Es gibt eben niemanden, der immer im Recht ist (wobei Recht auch so eine Definitionssache ist). Beobachte es an dir selbst: Kannst du dich heute noch an alle falschen Ausssagen oder Taten anderer Leute erinnern? Nein? Also warum sollten es die anderen tun?! Deine Gedanken und die der anderen sind nicht identisch. Und was jemand für richtig oder falsch hält spiegelt zunächst einmal seine persönliche Meinung wider, die nicht mit der Meinung anderer übereinstimmen muss.

Ob du die „Spielregeln“ – wie du schreibst - kennst, halte ich nicht von Bedeutung, weil es meiner Ansicht nach bis auf gute Manieren im Allgemeinen keine gibt. Hast du dir schon mal überlegt, dass diese „Spielregeln“ nur für dich existieren, nach deiner EIGENEN Definition, die sonst keiner kennt und vielleicht auch nicht nachvollziehen kann?

Ich halte es auch für wichtig, sich vom „man tut/man sagt“ abzugrenzen. Man sollte pauschale Behauptungen, wie sie gerne durch z. B. Medien propagiert werden, nicht als gegeben hinnehmen, sondern ihnen immer kritisch bzw. mit Abstand gegenüberstehen. Und Dinge von mehreren Seiten betrachten.

Und abschließend: Du bist ganz sicher nicht weniger wert als andere! Sollten dich andere so sehen, dann nur, weil du es denkst und ausstrahlst. Was würde denn andere schon zu etwas Besserem machen als dich? Akzeptiere dich und mach dir klar, dass andere ebenso an sich zweifeln. Wenn du es diesen anderen nicht anmerkst, dann deshalb, weil sie nicht soviel Zeit darauf verwenden/verschwenden darüber nachzudenken wie du. Spring über deinen Schatten, geh Risiken ein und handle so, wie du es möchtest, denn du kannst es, wenn du willst! Versuche nicht allen alles recht zu machen, warum denn auch!? Vergiss nicht: Das Leben ist zu kurz, zerstöre es dir nicht selbst.

Sehr empfehlen kann ich übrigens die Bücher von Dale Carnegie. Gefallen hat mir auch „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick. Hoffe, ich bin nicht vom eigentlichen Thema abgeschweift.

Viele Grüße :smile:)
Kris

Hallo!

Ich danke allen, die hier auf mein Posting geantwortet haben. Aus manchen Beiträgen konnte ich auch durchaus interessante Schlüsse ziehen (Kris, die Sachen, die Du schreibst, sind mir größtenteils zwischendurch auch durch den Kopf gegangen, aber ich konnte sie nie alle auf einmal so deutlich ausformulieren wie Du).

Denen, die - wie ich - noch auf der Suche nach einer inneren Sicherheit (sprich: Selbstvertrauen) sind, wünsche ich ganz viel Erfolg beim Erreichen ihrer Ziele.

Grüße,
Anja