Hallo Daniel,
danke erst einmal für das nette Feedback.
Viele der Fragen, die Du mir stellst, erfordern vor einer Beantwortung eine diagnostische Untersuchung, in der Informationen zusammengetragen werden müssen, auf deren Grundlage eine sinnvolle Empfehlung gegeben kann. So etwas kostet Zeit. Weil wir beide nicht zusammen im Detail besprechen können, was bei Dir los ist, kann ich Dir nicht sagen, welche Maßnahmen aus meiner Sicht ganz konkret für Dich empfehlenswert sind.
Ich will aber trotzdem versuchen, Dir ein paar Deiner Fragen auf allgemeiner Ebene zu beantworten.
Sollte ich zuerst eine kombinierte Therapie mit kognitiven und
verhaltenstherapeutischen Elementen machen und danach ein TSK oder
sogar beides parallel?
Die Trainings Sozialer Kompetenzen oder Selbstsicherheitstrainings stellen ein Verfahren innerhalb der kognitiven Verhaltenstherapie dar. Die kognitive Verhaltenstherapie darfst Du Dir nicht als etwas vorstellen, das man nur im ganzen Stück benutzen kann, sondern als Oberbegriff für eine ganze Reihe von Einzelverfahren, von denen man je nach Bedarf des Patienten verschiedene auswählen kann. Bei Sozialen Phobien werden TSKs in der Regel kombiniert mit anderen Therapieelementen (z.B. kognitiven, aber auch anderen klassisch-verhaltenstherapeutischen) angewendet.
Habe heut mal in den Gelben Seiten nachgeschaut, es gibt
Psychologen, Psychiater, Verhaltenstherapeuten,
Psychotherapeuten… wie finde ich denn den richtigen der für mich
geeignet ist?
Das ist die schwierigste aller Fragen. Es gibt kein Patentrezept. Ich würde sagen: Wenn Du Vertrauen zu einem Psychotherapeuten gewonnen hast und das, was ihr zusammen in der Therapie macht, in Dir die Überzeugung wachsen läßt, daß Du auf dem richtigen Weg bist, daß Du wirklich Fortschritte gemessen an realen (nicht nur gefühlte) Ergebnissen machst, dann hast Du einen guten Therapeuten gefunden. Für den Erfolg spielen nicht nur die Verfahren, die ihr anwendet, eine Rolle, sondern auch die Person des Therapeuten.
Als ersten Schritt würde ich persönlich einen Besuch bei einem Psychiater (ich glaube, daß eine Überweisung von einem Allgemeinmediziner notwendig ist, weiß das aber nicht genau) oder in der Ambulanz einer psychiatrischen Klinik in Erwägung ziehen. Dabei würde ich dann dem Arzt sagen, nachdem Du Deine Probleme und Schwierigkeiten geschildert hast, daß Du über eine Psychotherapie nachdenkst und ob er Tipps hat, an wen Du Dich wenden solltest. Bei den Menschen, die ich kenne, hat es so jedenfalls funktioniert.
Werden TSK auch von Psychologen/Psychiatern gemacht
Ja. Ich habe selbst ca. ein halbes Jahr lang solche Trainingssitzungen geleitet.
genau das trifft auch mich zu, ich fühle mich irgendwo so, als
würde ich alle Kompetenzen (wobei man sagen muss dass ich schon
immer schüchtern war), die ich mit der Zeit „erlernt“ habe
plötzlich wieder vergessen habe bzw. ich mich
irgendwie „zurückentwickle“. Das macht mir ziemlich Angst…
Und Du hast eine gute Beschreibung gegeben. Solch differenzierte Beobachtungen solltest Du auch beschreiben, wenn Du Dich mit einem Arzt oder einem Psycho/Verhaltenstherapeuten unterhältst.
Ja, wie es scheint bin ich wirklich von beiden Problematiken
betroffen, das macht die Sache natürlich nicht gerade leichter ;-((
Vermutlich. Eine gut durchgeführte Untersuchung wird Aufschluß darüber geben, inwieweit depressive und sozialängstliche Probleme zusammenhängen und wie schwer Deine Probleme sind. Vielleicht ist es gar nicht so schlimm.
Wie hoch sind die Chancen eine soz.Phobie mit Hilfe einer
Verhaltenstherapie und Training sozialer Kompetenzen
zu „beseitigen“?
Ziemlich gut. Selbstverständlich gibt es keine Garantie, aber im allgemeinen sind die Erfolgschancen gut. Der Erfolg hat natürlich viele Väter und der Mißerfolg auch: die Fähigkeiten des Therapeuten, die angewendeten Verfahren, die Schwere des Problems, die Mitarbeit des Patienten.
Was ist von Hypnose zur Behandlung der soz.Phobie zu halten?
Ich denk mal da werden nur die Symptome beseitigt aber die Ursache
der Angst bleibt weiterhin bestehen oder?
Hypnose ist ein Verfahren, bei dem Du eigentlich nichts lernst. Du lernst zumindest keine sozialen Fertigkeiten. Verhaltenstherapeutische Verfahren zielen darauf ab, daß Du aktiv neue positive Erfahrungen machst und dadurch lernst, daß Du aktiv erfolgreich handeln kannst. Eine Kritik an der Hypnose ist, daß sie das nicht tut, sondern daß dem Hypnotisierten etwas eingeredet (suggeriert) wird, z.B. daß er keine Angst hat und erfolgreich ist. Ich präferiere den Weg, erst einmal selbst aktiv erfolgreich zu sein, dann kann ich mir selbst offen sagen, daß ich aktiv erfolgreich bin, und brauche keinen, der mir das einredet.
Ich haben nun auf jeden Fall beschlossen etwas zu tun und nicht
weiterhin zu Hause rumzusitzen. Ich weiß dass es nicht leicht
werden wird, es wird mich sehr viel Mut und Kraft kosten, aber ich
versuchs!! 
Das ist eine gute Entscheidung und der erste wichtige Schritt. Ich wünsche Dir Erfolg dabei.
Gruß,
Oliver Walter