Liebe Grilla!
Mir ist Marlas Intention vollkommen klar. Sie spürt bei
jemanden ein Leiden, das ihr sehr nahe geht, und vermutet
darin eine Hilfsbedürftigkeit. Gut ist es, wenn die Person
dann auch nach Hilfe fragt und annimmt.
Zumindest hat er selbst schon in einer sms geschrieben: Meine Depressionen müßten glaub ich auch ärztlich behandelt werden.
Er sieht also schon grundsätzlich die Problematik und spürt zumindest zeitweilig, dass er alleine damit überfordert ist.
Wenn nicht, dann wird
das Leiden zu ihrer Sache, was gar nicht in ihrer Absicht
liegt.
Natürlich nicht.
Davon abgesehen verbessert sich dadurch sein Problem
nicht, wenn sie zugibt ihn so nicht ertragen zu können.
Im Gegenteil, wenn ich auch leide, wird es seinen Zustand ehr verschlimmern.
Wenn ich wüsste, ob seine Haltung mir gegenüber tatsächlich von der Depression herrührt, könnte ich damit umgehen, aber ich habe manchmal die Befürchtung, dass das eine mit dem anderen vielleicht gar nichts zu tun hat.
Kenne mich mit Depressionen zu wenig aus. Nehmen sie wirklich einen so starken Einfluss auf die Emotionen einem (eigentlich) geliebten Menschen gegenüber?
Bitte, es sind nur Mutmaßungen von mir. Ich bin mir im Klaren
darüber, dass ich auch schief gewickelt sein kann.
Nein, bist Du nicht. Im Grunde hast Du recht mit dem was Du sagst.
Ich denke, dass einem als Nahestehender eines Betroffenden
manchmal nichts weiter übrig bleibt als zu akzeptieren, wenn
Hilfsangebote und Vor-/Ratschläge lediglich zur Kenntnis
genommen werden. Da sehe ich eine Aufgabe darin es zu
akzeptieren und lediglich noch Nähe anzubieten. Mir imponieren
da Tiere, die sich einfach neben einem kranken Kameraden legen
und da ganz ruhig liegen bleiben.
Ja, wahrscheinlich wird es das beste sein, wenn ich ihn darin bekräftige, wenn er selbst wieder den Gedanken aufgreift, sich behandeln zu lassen und ihm ansonsten gelegentlich mal wieder Hilfe anzubieten bzw. ihm zu sagen, dass er immer mit meiner Hilfe rechnen könne, wenn er sie wünscht und ihn ansonsten einfach nur zu begleiten.
Ich weiss, eigentlich müsste es mir egal sein, ob er mich liebt oder nicht, ich müsste die Entscheidung, ob ich ihn begleite, nicht von ihm sondern ausschließlich von mir selbst abhängig machen, aber falls er mich nicht liebt und womöglich nur mit mir zusammen ist, weil ihm die Kraft fehlt, die Beziehung zu beenden, dann tue ich uns beiden ja keinen Gefallen damit, sie fortzuführen. Wenn er mich aber doch liebt und es tatsächlich an seiner Depression liegt, dass er sich so distanziert verhält, dann wäre es sicher auch nicht gut, ihn vor ein Ultimatum zu stellen oder gar selbst Schluss zu machen.
Greetings,
Marla