Hilfe annehmen

Von: , Frage gestellt am Mi, 14. Jan 2004

Hallo!

Im Grunde ist doch jeder Mensch auch mal auf Hilfe angewiesen. Mir ist klar, dass es für viele nicht einfach ist, Hilfe anzunehmen, denn es schmälert das Selbstwertgefühl und mir ist es auch lieber, wenn ich etwas aus eigener Kraft und Anstrengung schaffe, aber man kommt eben leider nicht immer umhin.
Wie kann man Leuten, die ganz offensichtlich hilfsbedürftig sind, sich aber nicht helfen lassen wollen, dazu animieren, doch Hilfe anzunehmen?

Greetings,
Marla

101 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Hilfe annehmen

    Hallo Marla,

    allein das schon kann im Grunde genommen nur ein Profi, nämlich jemanden davon zu überzeugen, wenn er ohne Hilfe von außen aus seiner Situation nicht mehr herauskommt, vorausgesetzt und in Hoffnung, dass dies auch so ist.
    Der Grad zwischen Überreden und Überzeugen ist umso dünner, je leichter sich jemand beeinflussen läßt.
    Wer an seelischen Verletzungen leidet, hat Wundgefühle, und meidet Gespräche, die diese Gefühle verstärken. Erst wenn der Leidensdruck zu groß wird, kann es sein, dass der Einsicht sich professionelle Hilfe zu suchen ein entsprechender Entschluß folgt.
    Wer sich aus eigenem Antrieb Hilfe sucht, nimmt sie an und zieht Nutzen daraus.
    So ist meine persönliche Erfahrung als Patientin.

    viele Grüße
    grilla

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Hilfe annehmen

      Hallo Marla, hallo Grilla,

      ich bin neu hier, aber die Frage und die Antwort treffen genau mein Problem: Warum wird immer wieder behauptet, dass Laien nicht helfen können? Ich bin lebenslang erfolgreich mit Hilfsangeboten und ich behaupte, daß nur Menschen "abstürzen", die auf "öffentliche" Hilfen angewiesen sind.

      @Marla: Aufklären, aufklären, aufklären. Man hilft den Menschen, inden sie die Konsequenzen ihres eigneen Tuns 1. kennenlernen und 2. anerkennen. Dies funktioniert aber IMHO nur, indem man nicht müde wird, sie liebevoll anzuleiten was sie jetzt wieder für einen Mist gebaut haben und indem man sie konstruktiv anleitet, wie man alternativ reagieren kann.

      Es ist aber ein langer Weg, also versuche eine intensive Bindung aufzubauen und erwarte keine Wunder. Fehl am Platz sind Belehrungen, Ermahnungen, Enttäuschung.

      Soweit die bescheidene Meinung eines Ingenieurs, der immer wieder entsetzt ist über die öffentlichen Hilfsangebote ("Ja, in diesem Fall kann ich Ihnen auch nicht weiter helfen....")

      Gruß, Kürbiskopf [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Hilfe annehmen

        Hallo Kürbiskopf, Marla & grilla! @Marla: Aufklären, aufklären, aufklären. Man hilft den
        Menschen, inden sie die Konsequenzen ihres eigneen Tuns 1.
        kennenlernen und 2. anerkennen. Dies funktioniert aber IMHO
        nur, indem man nicht müde wird, sie liebevoll anzuleiten was
        sie jetzt wieder für einen Mist gebaut haben und indem man sie
        konstruktiv anleitet, wie man alternativ reagieren kann.
        Das kann aber auch gehörig falsch ankommen, wenn jemand sich anmaßt, genau zu wissen, wann und wieso ich Mist gebaut habe. - Kann denn jemand anders wissen, was meine Seele erfahren möchte? - Das heißt zwar nicht, dass man keine Hilfe anbieten sollte - und das Wort "liebevoll" gefällt mir hierbei sehr, aber zwei bekannte Sätze sollten auch zu denken geben:
        1. Was ist das Gegenteil von "gut"? - "Gut gemeint" und
        2. auch Ratschläge sind Schläge
        -Also "Hilfe aufdrängen halte ich persönlich nicht für aussichtsreich...

        Liebe Grüße, Kathrin

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^4: Hilfe annehmen

          Hallo Kathrin,

          1. eine Hilfestellung, die in die von Dir geschilderten Richtung geht, ist IMO nicht konstruktiv. Der Hilfespendende sollte sich immer im Klaren darüber sein, daß viele Wege nach Rom führen, unter Umständen auch der vermeintlich falsche. Der dann vermeintlich Hilfesuchende geht den Weg ja, weil er die Erfahrung gemacht hat, daß er auf diesem Weg erfolgreich ist. geht er neue Wege, wir er zunächst scheitern, weil er auf dem Weg ja dauernd stolpert.

          2. Enttäuschungen sind fehl am Platz. Wenn man aber als Hilfespendender enttäuscht ist, weil der Ratschalg nicht angenommen wurde, trägt man selber die Schuld daran.

          Deswegen bracht man natürlich Geduld und Einfühlsamkeit. Und natürlich Standfestigkeit. Man sollte sich als Hilfespendender nicht einreden lassen, daß durch das Hilfsangebot alles schlimmer geworden ist, ohne rücksichtslos und unreflektiert darauf zu bestehen, daß man ja nur "helfen" wollte (Da sind wir wieder bei der Enttäuschung).

          Kürbiskopf [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach 20 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Hilfe annehmen

        Hallo Kürbiskopf, ich bin neu hier, aber die Frage und die Antwort treffen genau
        mein Problem: Warum wird immer wieder behauptet, dass Laien
        nicht helfen können? Ich bin lebenslang erfolgreich mit
        Hilfsangeboten und ich behaupte, daß nur Menschen "abstürzen",
        die auf "öffentliche" Hilfen angewiesen sind.
        Gegen Hilfe von Laien habe ich nichts, sie kann genauso wertvoll sein wie von einem Profi.
        Mir ist Marlas Intention vollkommen klar. Sie spürt bei jemanden ein Leiden, das ihr sehr nahe geht, und vermutet darin eine Hilfsbedürftigkeit. Gut ist es, wenn die Person dann auch nach Hilfe fragt und annimmt. Wenn nicht, dann wird das Leiden zu ihrer Sache, was gar nicht in ihrer Absicht liegt. Davon abgesehen verbessert sich dadurch sein Problem nicht, wenn sie zugibt ihn so nicht ertragen zu können.
        Bitte, es sind nur Mutmaßungen von mir. Ich bin mir im Klaren darüber, dass ich auch schief gewickelt sein kann. Es ist aber ein langer Weg, also versuche eine intensive
        Bindung aufzubauen und erwarte keine Wunder. Fehl am Platz
        sind Belehrungen, Ermahnungen, Enttäuschung.
        Das habe ich eben in meinem Ausgangsposting gemeint. Wenn jemand (mal angenommen) psychotherapeutische Hilfe braucht, was geradezu aus allen seinen Knopflöchern zu erkennen ist, dann macht es keinen Sinn mit einem "tu es mir zuliebe und gehe zum Therapeuten" Verbundenheit zu bemühen, weil der Therapeut mit sojemand nicht die notwendigen Intensivgespräche führen kann. Und der Therapeut wird bestimmt nicht den Satz "tu es mir zuliebe..." wiederholen.
        Ich denke, dass einem als Nahestehender eines Betroffenden manchmal nichts weiter übrig bleibt als zu akzeptieren, wenn Hilfsangebote und Vor-/Ratschläge lediglich zur Kenntnis genommen werden. Da sehe ich eine Aufgabe darin es zu akzeptieren und lediglich noch Nähe anzubieten. Mir imponieren da Tiere, die sich einfach neben einem kranken Kameraden legen und da ganz ruhig liegen bleiben. Soweit die bescheidene Meinung eines Ingenieurs, der immer
        wieder entsetzt ist über die öffentlichen Hilfsangebote ("Ja,
        in diesem Fall kann ich Ihnen auch nicht weiter helfen....")
        Es ist interessant über das Thema nachzudenken, und dafür ist deine Bescheidenheit nicht nötig :-)

        findet
        grilla

        • Antwort von nach 23 Stunden 0 hilfreich
          mein Dilemma

          Liebe Grilla! Mir ist Marlas Intention vollkommen klar. Sie spürt bei
          jemanden ein Leiden, das ihr sehr nahe geht, und vermutet
          darin eine Hilfsbedürftigkeit. Gut ist es, wenn die Person
          dann auch nach Hilfe fragt und annimmt.
          Zumindest hat er selbst schon in einer sms geschrieben: Meine Depressionen müßten glaub ich auch ärztlich behandelt werden.
          Er sieht also schon grundsätzlich die Problematik und spürt zumindest zeitweilig, dass er alleine damit überfordert ist. Wenn nicht, dann wird
          das Leiden zu ihrer Sache, was gar nicht in ihrer Absicht
          liegt.
          Natürlich nicht. Davon abgesehen verbessert sich dadurch sein Problem
          nicht, wenn sie zugibt ihn so nicht ertragen zu können.
          Im Gegenteil, wenn ich auch leide, wird es seinen Zustand ehr verschlimmern.

          Wenn ich wüsste, ob seine Haltung mir gegenüber tatsächlich von der Depression herrührt, könnte ich damit umgehen, aber ich habe manchmal die Befürchtung, dass das eine mit dem anderen vielleicht gar nichts zu tun hat.
          Kenne mich mit Depressionen zu wenig aus. Nehmen sie wirklich einen so starken Einfluss auf die Emotionen einem (eigentlich) geliebten Menschen gegenüber? Bitte, es sind nur Mutmaßungen von mir. Ich bin mir im Klaren
          darüber, dass ich auch schief gewickelt sein kann.
          Nein, bist Du nicht. Im Grunde hast Du recht mit dem was Du sagst. Ich denke, dass einem als Nahestehender eines Betroffenden
          manchmal nichts weiter übrig bleibt als zu akzeptieren, wenn
          Hilfsangebote und Vor-/Ratschläge lediglich zur Kenntnis
          genommen werden. Da sehe ich eine Aufgabe darin es zu
          akzeptieren und lediglich noch Nähe anzubieten. Mir imponieren
          da Tiere, die sich einfach neben einem kranken Kameraden legen
          und da ganz ruhig liegen bleiben.
          Ja, wahrscheinlich wird es das beste sein, wenn ich ihn darin bekräftige, wenn er selbst wieder den Gedanken aufgreift, sich behandeln zu lassen und ihm ansonsten gelegentlich mal wieder Hilfe anzubieten bzw. ihm zu sagen, dass er immer mit meiner Hilfe rechnen könne, wenn er sie wünscht und ihn ansonsten einfach nur zu begleiten.

          Ich weiss, eigentlich müsste es mir egal sein, ob er mich liebt oder nicht, ich müsste die Entscheidung, ob ich ihn begleite, nicht von ihm sondern ausschließlich von mir selbst abhängig machen, aber falls er mich nicht liebt und womöglich nur mit mir zusammen ist, weil ihm die Kraft fehlt, die Beziehung zu beenden, dann tue ich uns beiden ja keinen Gefallen damit, sie fortzuführen. Wenn er mich aber doch liebt und es tatsächlich an seiner Depression liegt, dass er sich so distanziert verhält, dann wäre es sicher auch nicht gut, ihn vor ein Ultimatum zu stellen oder gar selbst Schluss zu machen.

          Greetings,
          Marla

          • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
            Re: mein Dilemma

            [Dieser Artikel ist nicht fuer das Archiv freigegeben.]

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^2: mein Dilemma

              Das: Du hast genauso ein Recht auf Aufmerksamkeiten wie
              er, und die solltest du bei ihm einfordern. Du
              kannst es nicht erzwingen, aber ihm ehrlich
              deine Enttäuschung stante pede mitteilen.
              möchte ich nochmal unterstreichen. Du sollst nicht enttäuscht sein, wenn er Deine Hilfe ablehnt, aber Du sollst enttäuscht sein, wenn er Dich ablehnt oder verletzt. Ruhig auch mal schimpfen. Er muß ja merken, wie er auf andere wirkt. Kannst Dich ja hinterher entschuldigen, wenn er es Dir übel nimmt. Aber etwas bleibt hängen, ganz sicher.

              Zu differenzieren ist natürlich innerhalb einer Bezeihung schwierig, wie ich gerade lese dauert sie schon einige Jahre an?

              Andreas

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^3: mein Dilemma

              Hi Andy! Du sollst nicht enttäuscht
              sein, wenn er Deine Hilfe ablehnt, aber Du sollst enttäuscht
              sein, wenn er Dich ablehnt oder verletzt. Ruhig auch mal
              schimpfen. Er muß ja merken, wie er auf andere wirkt. Kannst
              Dich ja hinterher entschuldigen, wenn er es Dir übel nimmt.
              Aber etwas bleibt hängen, ganz sicher.
              Das habe ich auch schon festgestellt. Ich lasse mir auch längst nicht alles gefallen. Ich bin bereit Rücksicht zu nehmen und mit ihm gemeinsam an seinen Schwierigektien zu arbeiten, aber ich habe nicht vor, diesen Kampf alleine anzutreten. Zu differenzieren ist natürlich innerhalb einer Bezeihung
              schwierig, wie ich gerade lese dauert sie schon einige Jahre
              an?
              Die Kurzform: Wir haben uns vor 14 Jahren kennengelernt, waren dann nur schlappe 3 Wochen zusammen, dann ist er zu seiner Ex zurück, hat diesen überstürzten Entschluss dann allerdings auch bereut. Richtig kennen gelernt haben wir uns dann quasi erst, als wir schon nicht mehr zusammen waren. Vor 13 Jahren haben wir uns dann aus den Augen verloren und vor einem dreiviertel Jahr habe ich den Kontakt zu ihm wieder hergestellt, erst nur via Mail, im August dann die erste Begegnung. Er mit seiner Freundin schluss gemacht, ich mit meinem Freund. Seit Oktober sind wir nun zusammen.

              Greetings,
              Marla



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