Psychologen: Wie langweilig wird Euch?
Von: , Frage gestellt am Do, 5. Feb 2004
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hallo tino,
die ganz spezielle tristesse in meinem beruf ist, daß jeder meint, ein psychologe arbeitet nur therapeutisch.
die frage "wann darf ich mal auf deine couch?" wird gegenüber einem psychologen gern als gesprächsstarter verwenden, wenn man sonst nichts zu reden weiß. mittlerweile kommt sie mir schon zu den ohren raus.
aber nicht nur mir: in einer vorlesung sprach eine professorin sehr zum amüsement aller anwesenden über die gängige vorstellung vom psychologen --> "ich hab da ein problem..." vs. "ich mach das ja auch hobbymäßig" vs. "da muß ich vorsichtig sein, was ich zu dir sage". hatten wir alle schon mehrfach gehört.
couch ist also allgemein langweilig.
speziell in meinem job (forschung) ist dateneingabe, formatierungsarbeiten und literaturrecherche langweilig. und einen besonderen frustrationsanfall krieg ich, wenn ich mühsam etwas zusammengepuzzelt habe und dann zu hören kriege, daß wir es nun doch anders machen.
Hallo,
ich schließe mich Schokolinda an. Es ist langweilig immer wieder dieses Klischee zu hören und zu lesen, daß Psychologen generell Patienten auf der Couch analysieren (-> Psychoanalytiker nennt man Leute, die so etwas machen). Psychologen arbeiten in vielen Bereichen: Manche von uns sind tatsächlich Psychotherapeuten. Manche arbeiten in der Wirtschaft, manche haben führende Positionen in Gefängnissen inne, manche arbeiten in der Forschung, die auch viel umfassender ist als die meisten wissen.
Extrem nervig sind Leute, die meinen, daß sie in Psychologie kompetent sind, weil sie "das auch kennen". Dörner, ein Psychologe, sagte schon vor über 10 Jahren sinngemäß: "Ein Richter traut sich nicht zu, den Job seines Schlachters um die Ecke zu übernehmen, wenn dieser krank ist. Den seines forensischen Psychologen aber sofort."
Langweilig finde ich an meiner derzeitigen Arbeit grundsätzlich nichts. Die Mitarbeit an einer so großen Untersuchung wie PISA ist im Gegenteil ziemlich spannend.
Gruß,
Oliver Walter