Verarbeiten durch Verdrängen?

Von: , Frage gestellt am Fr, 6. Feb 2004


Ich wurde im letzten Jahr das erste Mal in meinem Leben mit dem Tod eines geliebten Wesens konfrontiert. Ich hatte immer sehr, sehr große Angst davor und habe mich über mich selbst gewundert wie "gut" ich das alles überstanden habe. In der letzten Zeit merke ich aber immer und immer wieder daß ich eigentlich nichts verarbeitet sondern einfach nur verdrängt habe. Kann man solche Verluste nur durch das Verdrängen verabeiten oder kann man soetwas überhaupt verarbeiten?

Ich möchte natürlich keine allgemeingültigen Antworten von Euch. Klar, die gibt es nicht. Jeder Mensch denkt und verarbeitet anders aber ich wäre wirklich dankbar für jede Erfahrung von anderen "Betroffenen".

Liebe Grüße,
Sandra

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 22 Minuten 0 hilfreich
    Re: Verarbeiten durch Verdrängen?

    Hallo Sandra,
    meiner Meinung nach sind Verarbeiten und Verdrängen nicht ganz kompatibel. Sicher ist es für einen Menschen der eine belastende Sitaution erlebt hat in erster Linie leichter oder angenehmer dies zu Verdrängen. Ein gefühlter Schmerz, dieses "Etwas" was es uns so schwer macht ist nicht ganz so nah bei uns. Sicher haben wir alle schon mal etwas Verdrängt und es ist auch gut nach zu vollziehen.
    Aber ich glaube nicht, dass dies etwas mit Verarbeiten zu tun hat. Unter Verarbeiten verstehe ich, mich mit dieser Situation auseinander zu setzen, die gesamte Situation mit allen Details in mir nachzuspüren - anzuerkennen, das der Schmerz, welchen ich spüre da ist und dass es okay ist, dass er da ist, auch wenn es mir nicht angenehm ist, da es ein Teil von mir ist.
    Wenn dieser große Schritt getahn ist, kann ich glaube ich schauen, was ich für mich tun kann.
    Ich weiß, dass es jezt eine sehr subjektive Sichtweise ist, aber es ist meine.
    Liebe Grüße Andreas

  2. Antwort von nach 14 Stunden 1 hilfreich
    Trauern

    Hi Sandra In der letzten Zeit merke ich aber immer und immer wieder daß ich
    eigentlich nichts verarbeitet sondern einfach nur verdrängt habe.
    Du sagst, daß du trauerst um einen geliebten Menschen. Trauer ist der innere Kampf gegen die Tatsache des Verlustes. Niemand gibt Maßstäbe dafür, wielange man diesen Kampf kämpft. Manche Verluste werden nach einiger Zeit zu einer bloßen Tatsache, emotionslos. Man sagt dann, man habe sie "bewältigt". Aber für manche Menschen gibt es auch Verluste, die nicht "bewältigt" werden, von denen sie eines Tages nur wahrnehmen können, daß sie sie "überlebt" haben.

    Worum es beim "verarbeiten" eines tiefgreifenden Erlebnisses geht, dazu habe ich vor ein paar Tagen zu einer Frage von Anja etwas geschrieben:

    http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...

    Man kann nicht bewußt "verdrängen". Und wenn du bemerkst, daß du, wie du schreibst, "einfach nur verdrängt" hast, dann ist es nicht verdrängt, denn das würdest du gar nicht bemerken. Vermutlich versuchst du einfach, dir selbst gegenüber zu ignorieren, also so zu tun als ob es nicht eine Tatsache wäre (in der Psychoanalyse gibt es dafür den Ausdruck "leugnen").

    Das aber könnte dein Ziel sein: Der sogenannten Realität mit voller Klarheit ins Auge blicken. Such dir einen Gesprächspartner, der dir dabei eine Hand reicht. Erst in unserem Denken wird das Vergangene unsterblich. Oder, wie Hegel sagt: "Die Zeit ist das Grab dessen, was war, aber der Geist bewahrt das Vergangene auf und macht es unsterblich".

    Grüße

    Metapher

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re: Trauern

      Hallo Metapher,

      vielen Dank für Deine Antwort. Du sagst, daß du trauerst um einen geliebten Menschen.
      Ehrlich gesagt geht es hier um meinen Hund. Ich habe
      "Wesen" geschrieben weil viele Menschen es nicht ver-
      stehen daß ein Tier einem genauso nahe und wichtig sein
      kann wie ein Mensch und ich wollte nicht, daß mein Bei-
      trag von vornerein nicht ernst genommen wird... Man kann nicht bewußt "verdrängen". Und wenn du bemerkst, daß
      du, wie du schreibst, "einfach nur verdrängt" hast, dann ist
      es nicht verdrängt, denn das würdest du gar nicht bemerken.
      Vermutlich versuchst du einfach, dir selbst gegenüber zu
      ignorieren, also so zu tun als ob es nicht eine Tatsache wäre
      (in der Psychoanalyse gibt es dafür den Ausdruck "leugnen").
      Ja, vielleicht ist leugnen wirklich besser. Ich versuche
      einfach nicht über den Verlust nachzudenken weil es mir dann
      schlecht geht, das habe ich dann für mich "verdrängen" genannt. Das aber könnte dein Ziel sein: Der sogenannten Realität mit
      voller Klarheit ins Auge blicken. Such dir einen
      Gesprächspartner, der dir dabei eine Hand reicht. Erst in
      unserem Denken wird das Vergangene unsterblich. Oder, wie
      Hegel sagt: "Die Zeit ist das Grab dessen, was war, aber der
      Geist bewahrt das Vergangene auf und macht es unsterblich".
      Ich habe schon stundenlang mit Freunden und Verwandten darüber
      gesprochen aber ich habe das Gefühl, daß keiner wirklich nach-
      vollziehen kann wie schwer dieser Verlust für mich ist; er war
      ja eben "nur ein Hund" (für andere) Hinzu kommt noch, daß ich
      mich (ob begründet oder nicht, ich bin mir selbst nicht sicher)
      ein bisschen für seinen Tod verantwortlich fühle. Alle sagen
      mir "Du hast alles was Du konntest für ihn getan" aber ich bin
      mir nicht sicher ob ich wirklich ALLES getan habe.

      Vielleicht ist es auch einfach noch zu früh um von mir selbst
      zu erwarten daß ich darüber hinweg bin und eigentlich möchte
      ich auch gar nicht darüber hinweg sein.

      Vielen Dank noch mal!

      Sandra

      • Antwort von nach einem Tag 3 hilfreich
        Re^2: Trauern um Tiere

        Hi Sandra, Ehrlich gesagt geht es hier um meinen Hund. Ich habe
        "Wesen" geschrieben weil viele Menschen es nicht ver-
        stehen daß ein Tier einem genauso nahe und wichtig sein
        kann wie ein Mensch und ich wollte nicht, daß mein Bei-
        trag von vornerein nicht ernst genommen wird...
        ja, das beschreiben viele, die um ein Tier trauern. Ich habe dazu und allgemein zum Trauerprozeß ein paar Informationen - auch in Bezug auf Tiere - auf einer Internetseite mit meiner Co-Autorin Nena zusammengestellt:

        http://www.regenbogenreich.de/trauerprozess.shtml

        Vielleicht schaust Du einmal ´rein?

        Gruß,

        Oliver Walter

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^3: Trauern um Tiere

          Hallo Oliver, ja, das beschreiben viele, die um ein Tier trauern. Ich habe
          dazu und allgemein zum Trauerprozeß ein paar Informationen -
          auch in Bezug auf Tiere - auf einer Internetseite mit meiner
          Co-Autorin Nena zusammengestellt:

          http://www.regenbogenreich.de/trauerprozess.shtml

          Vielleicht schaust Du einmal ´rein?
          Vielen Dank! Die Seite ist sehr hilfreich und gibt mir
          irgendwie das Gefühl nicht die einzige mit solchen Problemen
          zu sein... Ich werde mir jetzt noch den Rest von der Seite
          anschauen.

          Viele Grüße und noch mal Dankeschön!

          Sandra

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