meine oma ist 75. aus einem ganz anderen grund musste sie vor wochen ins krankenhaus. dort stellten die aerzte fest, dass sie brustkrebs hat (im fortgeschrittenem stadium. der krebs hatte sich sogar schon durch die haut ‚durchgefressen‘! sie wusste es also selbst schon lange, konnte aber wohl ihre angst nicht ueberwinden…).
jetzt wurde ihr eine brust abgenommen. sie denkt, dass sich damit alles erledigt haette - doch ihr ganzer koerper ist voll von metastasen. die aerzte sagten es koennten wochen, monate, aber auch jahre sein, die sie noch erlebt.
der grund fuer mein posting jetzt: die verwandten haben entschieden, meiner grossmutter die wahrheit nicht zu sagen: ‚warum soll sie diese zeit noch in so grosser angst leben?‘ usw
ich tendiere auch eher zu dieser meinung. andererseits denke ich mir kann ich ihr fast nicht in die augen sehen, wenn ich sie so existentiell hintergehe…
uber meinungen oder tipps waere ich sehr dankbar.
uebrigens ist mein verhaeltnis zu meiner oma ein herzliches, aber nicht sehr inniges.
hallo, das ist eine sehr schwierige thematik mit der ich zum glück noch keine persönlicheren erfahrungen gemacht habe. Ich denke ihr solltet eure Oma nicht unbedingt verschonen den schließlich weiss sie wie es um sie steht und sie versucht es mit sicherheit zu verdrängen, so hab ich das zumindestes verstanden. Meine Meinung ist ihr solltet ihr helfen, sie unterstützen ihr das leben so schön wie möglich gestalten. Unternehmungen mit ihr machen, aber nicht zu aufdringlich sein. Vielleicht gibt es auch selbsthilfe gruppen (mit sicherheit gibt es diese) wo sie hingehen kann bzw. ihr vielleicht auch, wo betroffene sind die genau das gleiche durchmachen wie ihr mit denen ihr euch austauschen könnt. so das war es eigentlich schon von mir, gruss nicole
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hallo,
ich hatte gestern noch ein gespräch mit einer arbeitskollegin über die selbe thematik, nur dass es ihren vater betraf. zuerst hatte sie ihrem vater die ganze wahrheit verschwiegen, es ihm dann aber doch noch gesagt. dieser hatte, aufgrund des wahrscheinlich unbewussten verhaltens ihrerseits, schon eine ahnung und war ihr sehr dankbar die wahrheit zu erfahren. sie sagte auch, dass die zeit nach der offenen aussprache eine besonders schöne gewesen sei, in der sie die möglichkeit und zeit hatten, einen abschied zu gestalten und ungesagtes nochmal zur aussprache zu bringen.
ich könnte mir vorstellen, das euch nach dem tod deiner oma wahrscheinlich sehr lange schuldgefühle plagen werden, die die trauerverarbeitung umso schwieriger machen.
ausserdem denke ich, dass man einen menschen, „nur“ weil er todkrank ist nicht einfach so entmündigen sollte, der tod gehört zum leben dazu und wir müssen uns irgendwie alle damit auseinandersetzen, auch deine oma, so hart wie das auch klingen mag.
jemand, der weiss,dass er nicht mehr lange zu leben hat, wird sicherlich auch seine lebensplanung umstellen wollen und ich denke, dass ihr diese möglichkeit nicht genommen werden soll.
ich wünsche dir viel mut und kraft, um die richtige entscheidung zu fällen.
lea
ich möchte mich meinen Vorrednern anschließen. Vor Jahren erzählte mir eine Freundin höchst verärgert, daß sie einen Fall kenne, wo der betreffenden Person nichts gesagt worden ist. Sie, meine Freundin, reagierte fast panisch darauf. Sie möchte nie in so eine Situation kommen. Sie möchte wissen was los ist, damit sie alles regeln kann und sich von allen so wie sie es möchte, verabschieden kann, sagte sie.
Dem stimme ich voll und ganz zu. Selbst verstarb meine Oma Ende letzten Jahres. Und heute denke ich oft an meine Oma, träume von ihr, obwohl wir nie eine innige Beziehung miteinander hatten. Unsere Familie sprach auch nie über Gefühle. Das heißt, so gut ich konnte, versuchte ich mit ihr über den Tod zu sprechen. Ich konnte nicht glauben, daß sie mit 79 unbedingt sterben wollte. Sie hatte keinen Lebensinhalt mehr und sie konnte sich selbst keinen geben. Und nach meinen Anrufen / Besuchen fiel sie immer in ihren Wunsch zu sterben zurück. Doch weder ich noch andere konnten für sie rund um die Uhr da sein. Ja, das ist ein anderes Thema.
Doch dadurch daß ich das Thema angesprochen habe, weiß ich, daß sie schon lange gehen wollte. Es fällt mir schwer das anzunehmen, doch ich komme so heute besser mit ihrem Tod klar.
Ich finde jeder Mensch hat das Recht über seinen Tod selbst zu bestimmen, jeder ist ja auch für sein Leben selbst verantwortlich. Natürlich mag für viele Menschen das Thema unangenehm sein und sie verdrängen es. Doch letztendlich mag dann vielleicht in der Stunde oder in den Stunden des Todes die Qual viel größer sein, weil einem bewußt wird, was man alles nicht erledigt hat oder was man noch gerne erlebt hätte. Ich denke, wenn Ihr Euch in Selbsthilfegruppen informiert oder Bücher zum Tod Euch besorgt, z.B. von der Roswitha Kübler-Ross oder von Moody, dann kann das eine Hilfe für Dich, die Familie und auch natürlich für die Oma sein. Und immerhin ist 75 Jahre doch auch schon ein gutes Alter.
Viel Kraft und Mut wünsche ich Dir die für Euch richtige Entscheidung zu finden,
Romana
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