Angst vor dem Tod

Hallo Marianne,
was mir spontan einfiel, als ich dein posting las, war: Mir geht’s (besser: ging’s) genauso!
Dass dir das nicht hilft, ist mir klar. Es wird noch viele andere geben, wir sind sicher nicht die einzigen, aber das löst unser Problem nicht.

Ich habe einen halbwegs passablen Weg für mich gefunden. Das ging nicht von heute auf morgen, sondern hat ziemlich lange gedauert.
Ich habe immer wieder versucht, das Lebewesen (den Menschen, das Tier) von dem zu trennen, was letzten Endes als totes Etwas übrigbleibt. Die Erinnerung an das lebendige Etwas siegen zu lassen über den Eindruck, den das Tote hinterlassen hat.
Bei einem anonymen Vögelchen, das ich zu Lebzeiten nicht gekannt habe, nehme ich mir ein beliebiges, lebendiges her.

Bei Menschen, die gestorben sind, versuche ich das, was sie hinterlassen haben, zu betrachten. Seien es Dinge, die sie erschaffen haben, verwendet haben, Geschichten, die sie erzählt haben, Weisheiten, die sie mir für mein Leben mitgegeben haben, gemeinsame Erlebnisse, die wir hatten, gemeinsame Gedanken…

Das alles ist das, was überdauert, wenn das „Werkzeug zum Leben“, der Körper, nicht mehr existiert.
Bei diesem Gedankengang ging ich dann einen Schritt weiter und betrachtete z.B. meinen Körper, den man, wie du schreibst, pflegt und parfumiert und trainiert und nährt.
Dies alles ist notwendig, um sich in ihm wohl zu fühlen und damit er seine Arbeit tun kann - als Werkzeug, damit wir leben, sehen, fühlen, erfahren, uns freuen, traurig sein, uns mitteilen, lieben können.

Ich gehe jetzt bewusst nicht auf die verschiedenen Religionen ein, auf die unsterbliche Seele, auf das „im Himmel sein“ - jeder hat selbst so seine Vorstellungen vom Ewigen Leben oder auch nicht.
Ich habe mir meine eigene Vorstellung davon zusammengebastelt und manchmal sehe ich wirklich alle, die ich einmal gekannt habe und die nicht mehr leben, wie sie mir von da oben irgendwo zuschauen und herunterlächeln.

Und manchmal bin ich auch ganz rigoros zu mir und streng und sage mir vor, wie auch du angemerkt hast: Der Tod gehört zum Leben und das ist etwas, womit wir uns abzufinden haben! Punkt!

Was mir hinsichtlich meines eigenen Todes auch noch geholfen hat, ist diese Überlegung: Der Tod ist mehr oder weniger die Bestätigung dafür, dass ich gelebt habe. Was nicht lebt, kann nicht sterben. Was nicht sterben kann, hat nicht gelebt. Und das Ende, das auf jeden von uns wartet ist auch die Voraussetzung dafür, dass wir in unserem Leben etwas tun. Wüsste ich, dass ich nie sterben werde, könnte ich alles, was ich tun möchte auf irgendwann verschieben…und vielleicht nie er-leben. Ich hätte ja endlos Zeit. Wozu also etwas schaffen, etwas sehen, jemanden lieben? Ich kann das ja auch morgen tun, oder irgendwann.

Zuletzt noch etwas aus der „Forschung“, wenn man das so bezeichnen kann: Menschen, die ein erfülltes Leben geführt haben, tun sich mit dem Sterben leichter als Menschen, die viel versäumt haben. Dies habe ich mir zu Herzen genommen und lebe danach - als Vorsorge für später und als Mahnung, mit allen und allem gut umzugehen.

Grüße
Irene

hmm… also ich hab nur angst vor schmerzhaftem oder sonstwie üblem sterben,
nicht vor dem tod…
denn wenn nach dem tod für einen gar nichts mehr kommt, man sich einfach
auflöst, dann kanns einem ja auch egal sein…
wenns aber sowas wie widergeburt gibt (ob nun als feststehende person oder als
zusammensetzung aus mehreren „geistern“) dann kann man doch einfach gespannt
aufs nächste leben sein…
man kann den tod natürlich auch als befreiung von diesem nervigen körper
sehen… wenn man herumschwebender geist werden sollte, dann braucht man sich
um so vieles nich mehr zu kümmern und ist einige sorgen des körperlichen lebens
los…

anstatt davor angst zu haben, wie das ende des lebens aussehen mag oder das,
was evtl danach kommt, sollte man lieber das leben genießen, sonst isses
einfach vergeudet… man wird als lebender eh nie erfahren was der tod genau
is, dazu muss man ihn erstmal selbst er"leben"… er ist halt ne weitere, evtl
die abschließende erfahrung im leben eines jeden lebewesens, sozusagen das
letzte kapitel (und wer liest schon ausgerechnet das letzte kapitel eines
buches nicht?)…

und was das trauern um einen anderen verstorbenen angeht… auch wenn ein
gewisser trauerprozess immer gut und auch notwendig ist, sollte man sich doch
einmal überlegen, worum man eigentlich trauert… denn die verstorbene person
existiert entweder nicht mehr und hat damit keine probleme mehr, oder aber lebt
auf ne wahrscheinlich nettere oder einfach andere art weiter… also kann man
sich eigentlich evtl sogar für die verstorbene person freuen, da sie ja
vielleicht sogar von krankheit oder so erlöst wurde…

wir trauern daher wohl eher darum dass diese person in unserem weiteren leben
fehlen wird (man kanns dann auch leicht egoistisch nennen)… wir sollten uns
aber lieber freuen eine gewisse zeit mit dieser person verbracht zu haben und
alles was wir daraus bezogen haben für unser weiteres leben nutzen (wenn der
verstorbene ein geist sein sollte, der einem zuschaut, dann wird der sich
darüber garantiert mehr freuen, als wenn man in trauer versinkt und das eigene
leben verpasst)… und mal ganz blöde gesagt: es gibt noch mehr als genug
andere menschen auf der erde, die einem das leben bereichern können… man
sollte besser aufhören, sich an vergangenes zu klammern, und auf das schauen,
was noch alles vor einem liegt…

manchmal gibt der tod einer geliebten person dem eigenen leben auch eine neue
richtung über die man sich einfach freuen und die man neugierig gehen sollte…
manch gegangene person macht platz für neue verbindungen… scheinbar schlechte
dinge führen allzu oft zu wunderbaren neuen dingen…

vielleicht geht es auch um bestimmung… jemand hat im leben die erfahrungen
gemacht, die er machen wollte/sollte und kann deshalb sterben um sich dann
wieder auf ins nächste leben zu machen… und die hinterbliebene person
brauchte vielleicht genau diese erfahrung in ihrem leben um selbst weiter zu
kommen…

so oder so… es kommt immer wieder darauf zurück, dass der tod bestandteil des
lebens ist, unumgänglich ist und evtl neue möglichkeiten bietet (dem
verstorbenen wie den angehörigen) die man nutzen sollte (und das leben vorher
auch)…

hmmm trotzdem irgendwie schwer über so ein kompliziertes thema zu schreiben…
bisher hab ich immer nur lange mündliche diskussionen darüber geführt… sorry
wenn ich evtl an deinem persönlichen thema vorbeigerauscht bin…

jedenfalls wünsch ich dir alles gute, dass du dein leben genießt und lernst dem
tod mehr mit neugier als mit angst gegenüber zu stehen…

mfg
jj

ach und noch mal zum thema „schlechtes bringt gutes“… das is auch gesetz der
natur… jedes sterbende tier macht platz für ein anderes und ernährt auch so
einige, und somit wird der tod wieder zu leben… man freue sich für jeden
fuchs und wurm der was vom verstorbenen vogel abbekommt…

Hallo Marianne,

ich glaube auch, dass der Tod vielen Menschen Angst einflößt oder zumindest unheimlich ist. - Ganz besonders in unserer Kultur wird ja im allgemeinen alles versteckt, was damit zu tun hat. - Hähnchen kommen beispielsweise aus der Gefriertruhe, mit dem Schlachten haben wir nichts mehr zu tun, ich glaube z.T. wird das sogar von Maschinen erledigt…

Dass der Anblick Deiner Schwester Dich getroffen und erschüttert haben muss, finde ich mehr als verständlich! - Eine geliebte Person „tot“ zu sehen - bedeutet ja, das etwas ganz Entscheidendes nicht mehr da ist. Man sieht nur die Hülle aber das Leben, die Seele oder wie man es auch immer bezeichnen mag, ist nicht mehr im Körper. Das macht den Anblick so fremd und verstörend - besonders, wenn bereits Verwesungsprozesse eingesetzt haben.

Ich bin keine Psychologin und kann nur meinen Senf als Laie dazugeben, jedoch setze ich mich immer wieder mal mit dem Thema Tod auseinander. Ich finde ihn immernoch schwer fassbar aber nicht mehr ganz so unheimlich wie vor einigen Jahren.
Das liegt zum Teil daran, dass ich in Afrika (Ghana) war und dort einen ganz anderen Umgang damit erlebt habe. - Danach habe ich bewusst entschieden, mir eine verstorbene Freundin vor der Beisetzung noch einmal anzusehen, und es hat mir geholfen zu realisieren, dass sie tot ist. Glücklicherweise sah sie glücklich und entspannt aus…
Weiterhin hat mir die Lektüre verschiedener Bücher geholfen. Vielleicht kannst Du da auch Hilfreiches finden, z.B. Bücher von Kübler-Ross. Sie ist Sterbeforscherin und hat jede Menge sehr interessante Dinge herausgefunden und beschrieben. Welches Buch speziell zu empfehlen ist, weiß ich nicht, am besten stöberst Du selbst einmal, was Dich am ehesten anspricht. - Oder es kommt auch einiges vor in „Gespräche mit Gott“ von Neale Walsch. - Allerdings geht es da auch viel um andere Dinge.

Ich weiß nicht, ob ich Dir helfen konnte, denn letztlich ist jeder Mensch anders und verarbeitet Dinge anders. Ich wünsche Dir auf jeden Fall Mut und Kraft, Dich mit dem Thema weiter auseinander zu setzen.

Alles Liebe von Matuja

Hi,

vielleicht ist es ja tröstlich, zu wissen, daß wir alle bereits einmal tot waren. Nämlich, bevor wir gezeugt worden sind. Und das macht mir eigentlich nicht wirklich etwas aus.

Die Bewältigung des Todes anderer Menschen ist ein schwieriger Prozess. Der Tod ist uns nicht begreiflich. Bei Deinem speziellen Erlebnis wurdest Du vermutlich regelrecht traumatisiert: In einem solchen Fall ist es durchaus legitim, sich professionell helfen zu lassen.

Gruß
Moriarty

Vielen Dank :smile: oT

)