man hört immer wieder von dem Zusammenhang zwischen Hormonveränderungen und
psychischer Befindlichkeit.
Als Beispiele seien hier nur mal „Schwangerschaftspsychose“, Wechseljahresbeschwerden,
mögliche Nebenwirkung „Depression“ bei Einnahme der Pille, post-natale Depression oder die berühmte allmonatliche
„Zickigkeit“ genannt.
Meine Frage:
Wie hängt das eigentlich zusammen ?
Was bewirken Hormone bzw. Hormonveränderungen in der Psyche und wie funktioniert das ?
Haben Erkenntnisse über Einfluss von Hormonen Eingang in irgendeine Form der Therapie
gefunden ?
Hi „pendragon“
Die Frage ist gut, sie würde ein Lehrbuch als Antwort verdienen. Nur kurz: Abgesehen davon, dass es unterschiedliche Klassen von Hormonen und hormonähnlichen Botenstoffen gibt: Einige davon werden in bestimmten Regionen des Gehirns gebildet, erreichen ein erstes „Erfolgsorgan“ und bewirken dort Aktivität. Ist das Erfolgsorgan z.B. eine Drüse, die selbst wieder fähig ist Botenstoffe zu bilden (z.B. Hirnanhangdrüse, Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse, Nebennieren) so werden diese besonderen Hormone dort freigesetzt. So entstehen Steuer-Hormone für untergeordnete Zentren, Drüsen, den Verdauungstrakt, und können das „Verhalten“ steuern (Stress, Sexualität). Einige Hormone werden über äussere Reize, z.B. Lichtreize, gebildet und helfen dann im Zusammenspiel mit anderen unsere inneren Uhren zu steuern (Tag-Nacht-Rhythmus). Stress-Hormone wirken auf den Kreislauf, das Atemzentrum zurück und sollen am besten durch Bewegung (Muskelarbeit) abgebaut werden, da sie im Zustand erzwungener Ruhe unangenehme Nebenwirkungen auslösen (Herzfunktion, Blutfette, etc.). - Immer wenn es um Botenstoffe geht, ist das Blut mit beteiligt. So gelangen die Stoffe auch wieder direkt zurück an den Ausgangspunkt und wird bei einer gewissen Sättigung die Hormonproduktion dort gedrosselt. Manche Erfolgsorgane, z.B. die Schilddrüse, schütten auch andere Botenstoffe aus, sogenannte Inhibitoren, die ihrerseits ein Regel-Gleichgewicht bestimmen. Deshalb ist es auch so schwierig, bei Überfunktion der Schilddrüse einfach deren Produktion zu drosseln (z.B. durch Medikamente oder Operation). Denn dadurch kommt der Rückkoppelungs-Regelkreis ausser Tritt, d.h. die Hirnanhangdrüse bekommt gemeldet: Unterfunktion! und erhöht ihre Produktion von TSH, was wieder die Schilddrüse anregt, die ja gedämpft werden sollte.
Man muss sich also die Welt der Botenstoffe als ein sehr sensibles chemisches Informationsnetz vorstellen, an dem das gehirn und einzelne Organe maßgeblich beteiligt sind, und in dem blinde Eingriffe gröbere Störungen des gesamten Systems auslösen können.
Gut für’s Erste?
Gruß
Volkmar
Hallo „pendragon“
Eben lese ich meine Antwort auf Deine Frage durch und bin wohl zu allgemein geblieben. Die weiblichen Sexualhormone sind - genau wie in der 1. Antwort skizziert - Teil des komplexen Systems von Botenstoffen. Sie sind allerdings nicht nur dem Circadian-Rhythmus unterworfen, sondern bilden zusammen mit bestimmten Zentren im gehirn auch den Monats- oder Lunarrhythmus. Das Wechselspiel zwischen weiblichen und männlichen Hormonen bildet in jedem Mondmonat eine Sättigungskurve, wobei wiederum Regelsysteme den Ablauf steuern. Am Ende steht die Abstoßung der Schleimhaut im Uterus. Solche massiven Veränderungen des Körpers, die noch dazu im engen Zusammenhang mit Hirnzentren stehen, können sich natürlich auf die „Psyche“ auswirken. Wir haben es in der Region der Mandelkerne im sogenannten Limbischen System mit einem zentralen Koordinations- und Schaltsystem zu tun, in das von vielen Richtungen informationen einfließen und in viele Regionen ausgesendet werden. Hier ist auch eine enge Nachbarschaft zum Riechzentrum gegeben, hier werden Eindrücke emotional gefärbt und anschließend an der Großhirnrinde „erlebt“. Siehe auch den diesbezüglichen Artikel weiter unten.
Wie kann das in deine „Therapie“ einfließen?
Nun gibt es (schul- und alternativ-) medizinische oder Psychotherapie. In jedem Fall muss zu Beginn gefragt werden: Ist „Therapie“ überhaupt erforderlich? Wenn ja, dann werden vermutlich diese Erkenntnisse in das jeweilige Konzept bzw. den Therapieplan einfließen - je nachdem, was das Ziel einer Therapie sein soll.
Gruß,
V.