Antwort von
nach 9 Stunden
hilfreich
Re: weibliche Hormone und Psyche
Hi "pendragon"
Die Frage ist gut, sie würde ein Lehrbuch als Antwort verdienen. Nur kurz: Abgesehen davon, dass es unterschiedliche Klassen von Hormonen und hormonähnlichen Botenstoffen gibt: Einige davon werden in bestimmten Regionen des Gehirns gebildet, erreichen ein erstes "Erfolgsorgan" und bewirken dort Aktivität. Ist das Erfolgsorgan z.B. eine Drüse, die selbst wieder fähig ist Botenstoffe zu bilden (z.B. Hirnanhangdrüse, Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse, Nebennieren) so werden diese besonderen Hormone dort freigesetzt. So entstehen Steuer-Hormone für untergeordnete Zentren, Drüsen, den Verdauungstrakt, und können das "Verhalten" steuern (Stress, Sexualität). Einige Hormone werden über äussere Reize, z.B. Lichtreize, gebildet und helfen dann im Zusammenspiel mit anderen unsere inneren Uhren zu steuern (Tag-Nacht-Rhythmus). Stress-Hormone wirken auf den Kreislauf, das Atemzentrum zurück und sollen am besten durch Bewegung (Muskelarbeit) abgebaut werden, da sie im Zustand erzwungener Ruhe unangenehme Nebenwirkungen auslösen (Herzfunktion, Blutfette, etc.). - Immer wenn es um Botenstoffe geht, ist das Blut mit beteiligt. So gelangen die Stoffe auch wieder direkt zurück an den Ausgangspunkt und wird bei einer gewissen Sättigung die Hormonproduktion dort gedrosselt. Manche Erfolgsorgane, z.B. die Schilddrüse, schütten auch andere Botenstoffe aus, sogenannte Inhibitoren, die ihrerseits ein Regel-Gleichgewicht bestimmen. Deshalb ist es auch so schwierig, bei Überfunktion der Schilddrüse einfach deren Produktion zu drosseln (z.B. durch Medikamente oder Operation). Denn dadurch kommt der Rückkoppelungs-Regelkreis ausser Tritt, d.h. die Hirnanhangdrüse bekommt gemeldet: Unterfunktion! und erhöht ihre Produktion von TSH, was wieder die Schilddrüse anregt, die ja gedämpft werden sollte.
Man muss sich also die Welt der Botenstoffe als ein sehr sensibles chemisches Informationsnetz vorstellen, an dem das gehirn und einzelne Organe maßgeblich beteiligt sind, und in dem blinde Eingriffe gröbere Störungen des gesamten Systems auslösen können.
Gut für's Erste?
Gruß
Volkmar