taubstumme

Von: , Frage gestellt am Mi, 19. Jul 2000

kann mir jemand erklären warum taubstumme, neben ihrer "Zeichensprache" meist die Wörter zusätzlich noch mit dem Mund formen???
Machen das nur die, die noch etwas hören, oder erst später ihr gehör verloren haben?
ist rein interesse halber, weil ich das schon ziemlich oft in bussen und bahnen beobachten konnte

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 27 Minuten hilfreich
    Gehörlose!!

    Hi,

    erstmal möchte ich mich gegen den Begriff "Taubstumme" verwehren, weil nämlich Menschen, die nicht hören können, trotzdem ein Sprachvermögen haben. Nur leider können sie es meistens nicht einsetzen, weil sie ihre Stimme nicht kontrollieren können. Aber "Taubstumme" ist diskriminierend.

    Die Mundbewegungen kann ich Dir erklären: zum Einen gibt es bei der Gebärdensprache ebenso Dialekte wie bei der gesprochenen Sprache, d.h. ein Gehörloser aus Süddeutschland benutzt vielleicht andere Gebärden für dasselbe Wort wie einer aus Norddeutschland. Weiterhin ist es so, daß für ein und dieselbe Gebärde verschiedene Bedeutungen gelten und dafür wird halt die Mundbewegung benutzt, um die Gebärde zu unterstreichen. Auch ist die Gebärdensprache eine sehr lebendige Sprache, die nicht nur von den Handbewegungen, sondern sehr von der Mimik lebt. Deshalb werden viele Gebärden damit unterstrichen.

    Gruß, Fabienne [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
    Re: taubstumme

    Ich habe immer gedacht, das liegt daran, daß in den Gehörlosenschulen die Vermittlung der Gebärdensprache lange Zeit (immer noch?) verpönt war, und die Kinder gezwungen wurden, Sprache grundsätzlich vom Mund abzulesen. Und damit das Gegenüber auch was zum Ablesen hat, muß man dann natürlich auch selbst Laute formen. Vielleicht liege ich damit aber auch ziemlich daneben...

    In dem Zusammenhang vielleicht von Interesse: http://www.taubenschlag.de/

    "Der Taubenschlag ist eine Website für Taube und Schwerhörige, aber auch für Hörende. Der Taubenschlag bietet Informationen und Einblicke in die Welt der Hörgeschädgten, die Sie nirgendwo sonst finden, aber auch eine Vielzahl von Querverbindungen (links) zu anderen Websites für Hörgeschädigte. Unsere Absicht ist es, Informationen für Hörgeschädigte zugänglicher zu machen"

    Gruß
    Michael [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Gehörlose

      Hallo Michael,

      es stimmt, daß in den Gehörlosenschulen nicht in DGS unterrichtet werden durfte (ich weiß nicht, in welchen Bundesländern das mittlerweile eine anerkannte Sprache ist), sondern die Kinder nicht nur gezwungen wurden, vom Mund abzulesen, sondern auch, die Sprache zu erlernen. Aber die Mundbewegungen begleitend zu den Gebärden sind, wie ich schon geschrieben hatte, auch wichtig, um die Gebärden erkennen zu können und den Kontext, in dem sie gebärdet werden, z.B. die Stimmung etc.

      Gruß, Fabienne Ich habe immer gedacht, das liegt daran, daß in den
      Gehörlosenschulen die Vermittlung der Gebärdensprache lange
      Zeit (immer noch?) verpönt war, und die Kinder gezwungen
      wurden, Sprache grundsätzlich vom Mund abzulesen. Und damit
      das Gegenüber auch was zum Ablesen hat, muß man dann natürlich
      auch selbst Laute formen. Vielleicht liege ich damit aber auch
      ziemlich daneben...

      In dem Zusammenhang vielleicht von Interesse:
      http://www.taubenschlag.de/

      "Der Taubenschlag ist eine Website für Taube und Schwerhörige,
      aber auch für Hörende. Der Taubenschlag bietet Informationen
      und Einblicke in die Welt der Hörgeschädgten, die Sie
      nirgendwo sonst finden, aber auch eine Vielzahl von
      Querverbindungen (links) zu anderen Websites für
      Hörgeschädigte. Unsere Absicht ist es, Informationen für
      Hörgeschädigte zugänglicher zu machen"

      Gruß
      Michael

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: taubstumme

      Du stellst da eine Frage, die genau ins Zentrum der Problematik abzielt. Gehörlose werden - von Ausnahmen abgesehen auch heute noch - oral unterrichtet, d.h. auf Artikulation (die sie selbst nicht wahrnehmen können) und das Absehen vom Munde (nur bei ca. 30% der Wörter möglich) gedrillt. Die Gebärdensprache ist dagegen seit ca. 120 Jahren systematisch unterdrückt worden. Aus diesem Grunde hat sich eine Mischform in der Kommunikation Gehörloser gebildet. Der Streit um Gebärden, "hörgerichtete" oder bilinguale Erziehung Gehörloser ist auch heute noch voll im Gange. Aber da die Bildung Gehörloser in den Händen Hörender liegt (gehörlose Lehrer gibt es kaum, sie wurden vor 120 Jahren gezielt abgeschafft) - rate mal, welche Tendenz die stärkere ist! Die Gehörlosen setzen ihre Hoffnung jetzt in die Anerkennung der Gebärdensprache auf politischer Ebene. Wird hoffentlich bald geschehen. Weitere Infos findest Du im www.taubenschlag.de oder von dort aus unter vielfältigen links.

      Gruß

      Bernd
      ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
      [E-Mail-Adresse entfernt]
      http://www.taubenschlag.de/bernd
      Fax 04251 7406
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      ICQ UIN: 1152654

  3. Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
    Re: taubstumme

    Es gibt seit diesem Schuljahr ein Bilinguales Unterrichtsprojekt in Hamburg. Dort wird mittels Lautsprache und Gebärdensprache unterrichtet.
    In Schweden gibt es ein bilinguales Projekt schon seit ein paar Jahren. So weit ich weiß mit Erfolg.
    Auch in den anderen Bundesländern gibt es immer wieder Versuche.
    Jetzt versucht man 2001 mit einem neuen Grundschullehrplan die Gebärde verstärkt an die Schulen zu bringen. Viel bekannt ist darüber allerdings noch nicht.

    Gruß kerstin

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