Re: Extraversion - Introversion
Hallo Marsi,
in der Psychologie gibt´s einige Vorstellungen über Persönlichkeitsmerkmale, wie Du sie mit Kopf- und Bauchmensch anspricht. Da ist z.B. das Merkmal Extraversion - Introversion, mit dem man recht gut das beschreiben kannst, was Du meinst:
"Der typisch Extravertierte ist gesellig, mag Veranstaltungen gern, hat viele Freunde, braucht Menschen, mit denen er sprechen kann, und ist nur ungern allein. Er sehnt sich nach Anregung, nutzt günstige Gelegenheiten stets aus, agiert oft spontan, wagt viel und ist allgemein impulsiv. Er mag handfeste Späße, hat immer eine schnelle Antwort und liebt allgemein Veränderungen; er ist sorglos, leichtmütig, optimistisch, lacht gern und ist gern fröhlich. Er neigt dazu, sich andauernd zu bewegen und Dinge zu tun, aggressiv zu sein und seine Geduld schnell zu verlieren; zusammengefaßt sind seine Gefühle nicht immer unter enger Kontrolle, und er kann nicht immer als zuverlässige Person gekennzeichnet werden.
Der typisch Introvertierte ist ruhig, eine eher zurückhaltende Person, introspektiv, liebt Bücher mehr als Menschen; er ist reserviert und distanziert, außer bei sehr engen Freunden. Er neigt dazu, Pläne im voraus zu machen, ist behutsam und mißtraut den Impulsen des Moments. Er liebt die Erregung nicht, nimmt die Dinge des täglichen Lebens mit gewisser Ernsthaftigkeit auf und schätzt einen gut geordneten Lebensstil. Er hält seine Gefühle unter enger Kontrolle, verhält sich selten aggressiv und verliert seine Geduld nicht leicht. Er ist zuverlässig, eher pessimistisch und legt großen Wert auf ethische Normen" (Eysenck & Eysenck, 1968; zit. in Eggert, 1974).
Der Psychologe und Persönlichkeitsforscher Eysenck hat sich die Begriffe Extraversion und Introversion von C.G. Jung geborgt (aber nicht die Theorie) und mit bestimmten, gegensätzlichen Aktivitätsmustern des Nervensystems in Verbindung gebracht. Das Nervensystem von Extravertieren soll weniger, das von Introvertierten stärker aktiv sein. Deshalb ziehen sich Introvertierte tendenziell zurück, wenn´s aufregend wird (weil ihr Nervensystem sonst überaktiv ist), und Extravertierte suchen die Aufregung (weil ihr Nervensystem sonst unteraktiv ist). Eysenck nahm auch an, daß Extraversion und Introversion zu einem großen Teil erblich bedingt sind. Zwillingsstudien liefern dafür auch einige Belege.
Heute ist vieles von Eysencks Erklärung der beiden Persönlichkeitstypen zwar nicht mehr aktuell, dennoch spielen Extraversion und Introversion weiterhin eine große Rolle bei der Beschreibung der Persönlichkeit.
Grüße,
Oliver Walter