seltsames Verhalten der Tochter

Von: , Frage gestellt am Fr, 21. Jul 2000

Seit einiger Zeit verunsichert mich das Verhalten meiner Tochter, die damit begonnen hat, sich die Arme aufzuritzen. Ich hab mit ihr darüber geredet und mit ihr vereinbart, dass sie damit aufhört.

Allerdings benimmt sie sich immer seltsamer, wirkt sehr oft geistesabwesend und regt sich wegen der geringsten Kleinigkeiten riesig auf. Vor ein paar Tagen konnten wir nicht einkaufen gehen, weil sie das Muster am Kaufhausboden so verwirrt und entsetzt hat, dass sie sich geweigert hat, reinzugehen.

Was ist nur mit ihr los? Ich fange langsam an, mir wirkliche Sorgen zu machen, vor allem, weil sie früher nie so war.
Gibt es vielleicht noch einen anderen Ausweg als ein Besuch beim Psychologen?

22 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 17 Minuten hilfreich
    Re: seltsames Verhalten der Tochter

    Hallo Sabine,
    ein Besuch bei einer PsychologIn ist doch nichts anrüchiges. Ich denke, wenn dieses Verhalten andauert, wirst Du nicht daran vorbeikommen, Hilfe zu suchen. Sollten das bspw. Panikattacken sein (Kaufhaus), müssen die doch auch eine Ursache haben. Selbstverletzungen sind auch Symptome für bestimmte Belastungen - warte nicht zu lange Deiner Tochter Hilfe zu suchen!
    Du kannst mich gerne anmailen, falls Bedarf besteht.
    Gruß Heike

  2. Antwort von nach 37 Minuten hilfreich
    Re: seltsames Verhalten der Tochter

    Hallo Sabine,



    Es gibt natürlich mehrere mögliche Ursachen für ein solches Verhaltensmuster. Eine mögliche Ursache die auf dieses Verhaltensmuster passen könnte ist Drogenkonsum.
    - Desorientierung
    - Halluzinationen
    - Zorn bei bestimmten Gelegnheiten
    Letzteres ist ein besonders wichtiges Element, weil das Aufregen aus den Schuldgefühlen erwächst und in Verbindung mit der Gefahr erwischt zu werden besteht.

    Regt sich deine Tochter besonders dann auf, wenn du ihre Sachen unangekündigt wäschst oder ihr Zimmer aufräumst. Wenn du sie irgentwo abholst oder ihre Freunde kennenlernen möchtest.

    Die Autoaggression paßt nicht so in das Bild, es sei denn, man würde von besonders starken Schuldgefühlen ausgehen.

    Ich wünsche dir viel Kraft
    Carlos [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 23 Stunden hilfreich
      Re^2: seltsames Verhalten der Tochter

      Ich möchte mich bei allen bedanken, die so viele Ratschläge angeboten haben.

      Nachdem ich über alle Möglichkeiten nachgedacht habe und Drogenkonsum wirklich ausschließen kann, genauso wie sexuellen Missbrauch, wird ein Besuch beim Psychologen doch das einzige sein, was ich tun kann.

      Mir ist sehr unwohl bei dem Gedanken, dass mein Kind wirklich eine psychische Störung haben könnte, weil es Fälle von Schizophrenie in unsere Familie gibt und ich immer gehofft hatte, dass sich sowas nicht vererbt.

      Entsetzt hat mich allerdings jene Antwort, die eine Klinikeinweisung als sinnvoll bezeichnet hat. Wenn mich etwas davon abhält, mit meinem Kind zu einem Therapeuten zu gehen, dann die Angst, dass dieser so etwas vorschlagen und gewissermaßen verlangen kann.

      Auf jeden Fall... danke

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re^3: seltsames Verhalten der Tochter

        Hi Sabine, Entsetzt hat mich allerdings jene Antwort, die eine
        Klinikeinweisung als sinnvoll bezeichnet hat. Wenn mich etwas
        davon abhält, mit meinem Kind zu einem Therapeuten zu gehen,
        dann die Angst, dass dieser so etwas vorschlagen und
        gewissermaßen verlangen kann.
        Moooooooment mal. Hier wird aber von mehreren Seiten her einiges in einen Topf geschmissen und vermatscht. Wenn ich Schizzophrenie höre, dann ahne ich langsam, warum Du Dich so gegen Psychologen wehrst. Kann es sein, daß Du Psychiatrie und Psychosomatik verwechselst? Außer daß beides mit "psycho" anfängt, hat das eine mit dem anderen nicht arg viel gemeinsam.

        Niemand hat behauptet, daß Deine Tochter in eine "Irrenanstalt" soll. Ich glaube, genau das aus Deiner Angst herauszulesen, kann da was dran sein? Psychosomatik ist GANZ was anderes als Psychiatrie!!! Ist das eine mehr oder weniger eine Verwahranstalt mit ein bißchen Behandlung (die sich nicht selten auf das Verabreichen von dämpfenden Medikamenten reduziert) so ist es bei der Psychosomatik genau das Gegenteil. Dort wird nicht "Irrsimn" behandelt, sondern seelische Erkrankungen behandelt. Und wenn es eine gute Klinik ist, dann auch absolut ohne jegliche Form von Medikamenten.

        greetings, Nena
        Auf jeden Fall... danke

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Peng, peng, Expertenstreit!!!

          Hi Nena!

          Psychosomatik ist GANZ was anderes als Psychiatrie!!! Ist das eine mehr oder weniger
          eine Verwahranstalt mit ein bißchen Behandlung (die sich nicht
          selten auf das Verabreichen von dämpfenden Medikamenten
          reduziert) so ist es bei der Psychosomatik genau das
          Gegenteil. Dort wird nicht "Irrsimn" behandelt, sondern
          seelische Erkrankungen behandelt. Und wenn es eine gute
          Klinik ist, dann auch absolut ohne jegliche Form von
          Medikamenten.
          Jetzt haben wir mal wieder einen Anlaß für einen prima "Expertenstreit"! Ich halte das, was Du hier über die Psychiatrie (allgemein) sagst für ein Zerrbild und für wenig hilfreich, für eine Fragestellerin, der unter Umständen die Unterbringung ihrer Tochter in einer psychiatrischen Klinik empfohlen werden könnte. Das jetzt mal ganz unabhängig davon, was eigentlich das Problem von Sabines Tochter ist: Deine Gegenüberstellung von der psychosomatischen Klinik, die ohne Medikamente arbeitet und der psychiatrischen Klinik als Verwahranstalt, in der "irrsinnige" Patienten mit Medikamenten gedämpft werden ist eine Karikatur. Auch scheinst Du nahelegen zu wollen, daß die Klientel dieser Einrichtungen dieselbe ist.

          Gehen wir mal vom Fall eines akut psychotischen Person aus (wie gesagt, das muß jetzt nicht Sabines Tochter sein) Die Ansicht, eine psychosomatische Klinik sei hier ebenso geeignet wie eine psychiatrische Klinik erscheint mir bizarr. Hast Du Erfahrung mit akut psychotischen Personen? In einer psychosomatischen Klinik? Ohne Medikamente?

          Da ich weder klinischer Psychologe noch Psychiater bin, halte ich mich da für (relativ) unvoreingenommen. Meine Einschätzung beruht weitgehend auf meinen persönlichen Erfahrungen mit Psychiatrieerfahrenen aus meinem Bekanntenkreis; ich kann also nur über konkrete Personen in einem konkreten psychiatrischen Setting etwas sagen.

          Bitte jetzt nicht antworten, daß es aber auch schlechte psychiatrische Kliniken gibt. Es mag ganz, ganz fürchterliche psychiatrische Kliniken geben, aber es gibt auch ganz, ganz fürchterlich schlechte Zahnärzte und ich würde Leuten mit Zahnschmerzen trotzdem eher zum Besuch eines Zahnarztes, als zum Besuch eines Geburtshelfers raten.

          Gruß
          Michael

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Zustimmung

            Hi Michael,

            ich kann mich dem, was Du schreibst, nur anschließen.
            Ich kenne den Unterschied zwischen Psychiatrie und Psychosomatik aus eigener Erfahrung.
            Es ist nicht so, daß in Psychosomatik ausschließlich ohne Medi's gearbeitet wird. Ebenso falsch ist es, daß in der Psychiatrie nur gedämpft wird.
            Es ist ein Zerrbild. In einer Phase, in der jemand völlig abgedreht ist, ist er in der Psychosomatik überhaupt nicht richtig, denn es geht in erster Linie darum, überhaupt wieder zu stabilisieren, einen Realitätsbezug herzustellen. In einer Psychosomatik gibt es völlig andere Inhalte.
            Nena, ich denke wirklich, daß daß, was Du schreibst, die alten Vorurteile unterstützt. Es ist nicht mehr so. Und genau weil solche Vorurteile immer noch untermauert werden, könnte es passieren, daß Sabine einen Riesenschreck kriegt, wenn ein Therapeut einen Aufenthalt in einer Psychiatrie für richtig hält. Peng - schon sagt sie "nein" und die Hilfe, die ihre Tochter dringend braucht - in welcher Klinik auch immer! - wird ihr nicht zuteil.

            Gruß,
            Fabienne Jetzt haben wir mal wieder einen Anlaß für einen prima
            "Expertenstreit"! Ich halte das, was Du hier über die
            Psychiatrie (allgemein) sagst für ein Zerrbild und für wenig
            hilfreich, für eine Fragestellerin, der unter Umständen die
            Unterbringung ihrer Tochter in einer psychiatrischen Klinik
            empfohlen werden könnte. Das jetzt mal ganz unabhängig davon,
            was eigentlich das Problem von Sabines Tochter ist: Deine
            Gegenüberstellung von der psychosomatischen Klinik, die ohne
            Medikamente arbeitet und der psychiatrischen Klinik als
            Verwahranstalt, in der "irrsinnige" Patienten mit Medikamenten
            gedämpft werden ist eine Karikatur. Auch scheinst Du nahelegen
            zu wollen, daß die Klientel dieser Einrichtungen dieselbe ist.

            Gehen wir mal vom Fall eines akut psychotischen Person aus
            (wie gesagt, das muß jetzt nicht Sabines Tochter sein) Die
            Ansicht, eine psychosomatische Klinik sei hier ebenso geeignet
            wie eine psychiatrische Klinik erscheint mir bizarr. Hast Du
            Erfahrung mit akut psychotischen Personen? In einer
            psychosomatischen Klinik? Ohne Medikamente?

            Da ich weder klinischer Psychologe noch Psychiater bin, halte
            ich mich da für (relativ) unvoreingenommen. Meine Einschätzung
            beruht weitgehend auf meinen persönlichen Erfahrungen mit
            Psychiatrieerfahrenen aus meinem Bekanntenkreis; ich kann also
            nur über konkrete Personen in einem konkreten psychiatrischen
            Setting etwas sagen.

            Bitte jetzt nicht antworten, daß es aber auch schlechte
            psychiatrische Kliniken gibt. Es mag ganz, ganz fürchterliche
            psychiatrische Kliniken geben, aber es gibt auch ganz, ganz
            fürchterlich schlechte Zahnärzte und ich würde Leuten mit
            Zahnschmerzen trotzdem eher zum Besuch eines Zahnarztes, als
            zum Besuch eines Geburtshelfers raten.

            Gruß
            Michael

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              Nochmals Zustimmung

              Ich war zwar nie in einer Klinik und möchte daher nur auf meine Erfahrung mit Medikamenten eingehen:
              Gezielte Einstellung auf Medikamente kann einen soweit in die Realität zurückholen, daß der/die Kranke dan auch für andere Behandlungsmethoden wie z. B. eine Gesprächstherapie wieder zugänglich wird. Wenn man völlig den Realitätsbezug verloren hat ist das eventuell gar nicht mehr möglich/wieder eigene Erfahrung :(
              Also Medikamente von vornherein abzulehnen halte ich aus meiner heutigen Erfahrung für falsch. Leider für Dich (und zum Glück für mich) habe ich keinerlei Klinikerfahrungen.
              Naja, und daß es immer darauf ankommt einen *guten* Arzt zu finden gilt hier genauso wie für den Zahnarzt (ein bisserl hinkt der Vergleich aber im Prinzip gilt er).
              Ich wünsche Euch beiden alles Gute [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              Re: Nochmals Zustimmung

              Hi :-))

              okay okay, Ihr habt mich überzeugt. Was ich geschrieben habe ist zwar hautnahe Erfahrung im engsten Familienkreis, wo jemand wiederholt monatelang so mit Medikamenten vollgepumpt wurde, daß diejenige wie der Duracell-Hase durch die Gegend wackelte und ansonsten völlig umnebelt und unansprechbar war, aber das ist nun doch schon an die 20 Jahre her. Mag sein, daß die auch in der Psychiatrie inzwischen dazugelernt haben und mit dem Einsatz von Medikamenten vorsichtiger und mehr zum Wohle der Patienten arbeiten, als das früher der Fall war.

              Sollte ich jemanden Angst mit meinem Posting eingejagt haben, so tuts mir leid. Sorry.

              greetings, Nena

            • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
              Re^2: Nochmals Zustimmung

              Hi. jemand wiederholt monatelang so mit Medikamenten vollgepumpt
              wurde, daß diejenige wie der Duracell-Hase durch die Gegend
              wackelte und ansonsten völlig umnebelt und unansprechbar war,
              So war's bei meiner Ex-Frau - aber sie lebt heute immerhin noch und hat sich mittlerweile, etwa 10 Jahre nach Beginn des Leidens, gut erholt, was bei dem totalen Realitätsverlust verbunden mit einer hohen Suizidalgefährdung ohne Dämpfung am Anfang mit recht hoher Wahrscheinlichkeit nicht so wäre .....

              Psychiatrie erscheint vielen, die es nicht kennen, vielen, die es kennen und vielen, die gerade im Moment die Erfahrung machen (auch mir seinerzeit!), als Horror - möglicherweise weil man es nicht verstehen kann, zu welchen Verhaltensänderungen manche Medi's führen.

              Ulli



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