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Hi Michael,
ich kann mich dem, was Du schreibst, nur anschließen.
Ich kenne den Unterschied zwischen Psychiatrie und Psychosomatik aus eigener Erfahrung.
Es ist nicht so, daß in Psychosomatik ausschließlich ohne Medi's gearbeitet wird. Ebenso falsch ist es, daß in der Psychiatrie nur gedämpft wird.
Es ist ein Zerrbild. In einer Phase, in der jemand völlig abgedreht ist, ist er in der Psychosomatik überhaupt nicht richtig, denn es geht in erster Linie darum, überhaupt wieder zu stabilisieren, einen Realitätsbezug herzustellen. In einer Psychosomatik gibt es völlig andere Inhalte.
Nena, ich denke wirklich, daß daß, was Du schreibst, die alten Vorurteile unterstützt. Es ist nicht mehr so. Und genau weil solche Vorurteile immer noch untermauert werden, könnte es passieren, daß Sabine einen Riesenschreck kriegt, wenn ein Therapeut einen Aufenthalt in einer Psychiatrie für richtig hält. Peng - schon sagt sie "nein" und die Hilfe, die ihre Tochter dringend braucht - in welcher Klinik auch immer! - wird ihr nicht zuteil.
Gruß,
Fabienne
Jetzt haben wir mal wieder einen Anlaß für einen prima
"Expertenstreit"! Ich halte das, was Du hier über die
Psychiatrie (allgemein) sagst für ein Zerrbild und für wenig
hilfreich, für eine Fragestellerin, der unter Umständen die
Unterbringung ihrer Tochter in einer psychiatrischen Klinik
empfohlen werden könnte. Das jetzt mal ganz unabhängig davon,
was eigentlich das Problem von Sabines Tochter ist: Deine
Gegenüberstellung von der psychosomatischen Klinik, die ohne
Medikamente arbeitet und der psychiatrischen Klinik als
Verwahranstalt, in der "irrsinnige" Patienten mit Medikamenten
gedämpft werden ist eine Karikatur. Auch scheinst Du nahelegen
zu wollen, daß die Klientel dieser Einrichtungen dieselbe ist.
Gehen wir mal vom Fall eines akut psychotischen Person aus
(wie gesagt, das muß jetzt nicht Sabines Tochter sein) Die
Ansicht, eine psychosomatische Klinik sei hier ebenso geeignet
wie eine psychiatrische Klinik erscheint mir bizarr. Hast Du
Erfahrung mit akut psychotischen Personen? In einer
psychosomatischen Klinik? Ohne Medikamente?
Da ich weder klinischer Psychologe noch Psychiater bin, halte
ich mich da für (relativ) unvoreingenommen. Meine Einschätzung
beruht weitgehend auf meinen persönlichen Erfahrungen mit
Psychiatrieerfahrenen aus meinem Bekanntenkreis; ich kann also
nur über konkrete Personen in einem konkreten psychiatrischen
Setting etwas sagen.
Bitte jetzt nicht antworten, daß es aber auch schlechte
psychiatrische Kliniken gibt. Es mag ganz, ganz fürchterliche
psychiatrische Kliniken geben, aber es gibt auch ganz, ganz
fürchterlich schlechte Zahnärzte und ich würde Leuten mit
Zahnschmerzen trotzdem eher zum Besuch eines Zahnarztes, als
zum Besuch eines Geburtshelfers raten.
Gruß
Michael