Befindlichkeiten

Von: , Frage gestellt am So, 26. Jun 2005

Hallo erstmal

Ich hab kurz überlegt, ob ich dies hier im Brett "deutsche Sprache" schreibe, aber es ging mir nicht um sprachlich-formale oder etymologische Begriffsbestimmung, sondern um Inhaltliches dabei.

Mir fällt in letzter Zeit auf, dass das Wort "BEFINDLICHKEITEN"
1. öfter gebraucht wird (auch von Politikern) und
2. immer polemisch, also im Sinne einer negativen Bedeutungs-Veränderung; so nach dem Motto: "Da stellt sich jemand an, weil ihm ein Furz quer sitzt" oder "Die sind da so verwöhnt, denen geht es nur um ihre Befindlichkeiten, die sollen doch mal in der Sahil-Zone tagelang nach Wasser suchen" o.ä.

Ich habe also den Eindruck, dass es sich mit dem polemischen Gebrauch von "Befindlichkeiten" um eine Abqualifizierung des subjektiven menschlichen Empfindens handelt, insbesondere, was die seelischen Empfindungen betrifft.
Und hier sitzt meines Erachtens der Stachel: Der "kleine Mann" soll (weiter) verunsichert werden, was seine Gefühle und seine Bedürfnisse betrifft. Er soll sich "nicht so anstellen", soll Verzicht leisten.
Die ganze Geschichte hat also eine psychisch-politische Dimension, nach meinem Dafürhalten.
Was denkt Ihr arüber?
fragt
Branden

22 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 44 Minuten 1 hilfreich
    Re: genau erkannt

    Guten Morgen, Branden!
    Du sprichst mir aus der Seele. Wenn ich beispielsweise eine einfache Frage im Forum stelle, bekomme ich keine einzige richtige Antwort, sondern werde als psychisch krank bezeichnet. Dabei will ich nur nicht von Betrügerbanden abgezockt werden, die Unterstützung von Anwälten und Richtern erhalten. Obwohl ich alle Betrüger und Helfer bereits überführen konnte, wollen Richter nichts von meinen Beweisen wissen. Das schlägt natürlich aufs Gemüt, wenn ich allein gegen die Mafia kämpfen muss.
    Grüße
    Benedikt d. Ä.

    • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
      Befindlichkeitsrunde

      Moin, Du sprichst mir aus der Seele. Wenn ich beispielsweise eine
      einfache Frage im Forum stelle, bekomme ich keine einzige
      richtige Antwort, sondern werde als psychisch krank
      bezeichnet. Dabei will ich nur nicht von Betrügerbanden
      abgezockt werden, die Unterstützung von Anwälten und Richtern
      erhalten. Obwohl ich alle Betrüger und Helfer bereits
      überführen konnte, wollen Richter nichts von meinen Beweisen
      wissen. Das schlägt natürlich aufs Gemüt, wenn ich allein
      gegen die Mafia kämpfen muss.
      Du Ärmster. Wollen wir eine Befindlichkeitsrunde machen? Uns alle an den Händen fassen und dann darf jeder erstmal sagen, wie's ihm so gerade geht?

      Gruß,

      Malte.

      PS: Wenn das nicht mal ein anschauliches Beispiel ist...

      • Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
        Re: Befindlichkeitsrunde

        Hi Malte, PS: Wenn das nicht mal ein anschauliches Beispiel ist...
        ... auch noch, nachdem Du Dir mal den Namen des Beispielgebers (bzw. neuerdings die Email-Adresse unseres Schatten-Rambos) angeschaut hast?...

        Viele Grüße
        franz

        • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
          Re^2: Befindlichkeitsrunde

          Hi, PS: Wenn das nicht mal ein anschauliches Beispiel ist...
          ... auch noch, nachdem Du Dir mal den Namen des Beispielgebers
          (bzw. neuerdings die Email-Adresse unseres Schatten-Rambos)
          angeschaut hast?...
          GERADE nachdem ich das getan habe (vor dem Verfassen meines Artikels).
          Es zeigt nämlich, daß das Relativieren von Befindlichkeitsgedöns mitunter einen Grund hat.

          Gruß,

          Malte.

          • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
            Re^3: So gesehen...

            GERADE nachdem ich das getan habe (vor dem Verfassen meines
            Artikels).
            Es zeigt nämlich, daß das Relativieren von
            Befindlichkeitsgedöns mitunter einen Grund hat.
            ... hast Du dann natürlich Recht (aber ich glaube nicht, dass Branden solche Befindlichkeiten in erster Linie gemeint hat).

            • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
              Re^4: So gesehen...

              ..(aber ich glaube nicht, dass
              Branden solche Befindlichkeiten in erster Linie gemeint hat).
              Et voilà - ich kann mich der Antwort meines Anwaltes nur anschließen ;-)
              Gruß,
              Branden

            • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
              Re^5: So gesehen...

              ..(aber ich glaube nicht, dass
              Branden solche Befindlichkeiten in erster Linie gemeint hat).
              Et voilà - ich kann mich der Antwort meines Anwaltes nur
              anschließen ;-)
              Ich hab das schon verstanden, aber ich mag konkretere Diskussionen lieber als abstraktere :-)

              Was Du in Bezug auf das Große Ganze meinst, hat Ben weiter oben imho sehr schön beantwortet. Meine Antwort fügt sich in die seine ja als kleiner Unterpunkt auch hervorragend ein :-)

              Gruß,

              Malte.

  2. Antwort von nach 2 Stunden 3 hilfreich
    Re: Befindlichkeiten

    Hallo, Ich habe also den Eindruck, dass es sich mit dem polemischen
    Gebrauch von "Befindlichkeiten" um eine Abqualifizierung des
    subjektiven menschlichen Empfindens handelt, insbesondere, was
    die seelischen Empfindungen betrifft.
    Und hier sitzt meines Erachtens der Stachel: Der "kleine Mann"
    soll (weiter) verunsichert werden, was seine Gefühle und seine
    Bedürfnisse betrifft. Er soll sich "nicht so anstellen", soll
    Verzicht leisten.
    Ich denke, daß das eine Gegenreaktion ist, auf die zunehmende Weichspülerei. Allerorten kommt es immer häufiger vor, daß Leute ihre Befindlichkeit in den Vordergrund stellen und daraufhin irgendwelche Rücksichtnahme darauf erwarten. Globalgalaktisch gesehen nimmt das Gejammere einfach zu, und das auch in Situationen, in denen das persönliche Befinden des Einzelnen irrelevant ist.

    Ich hab den Eindruck, daß das echt zu einer Seuche geworden ist. "Hach, mir geht's psychisch so schlecht, da ist mir Arbeit grad echt nicht zuzumuten...", "Hach, ich bin psychisch so schlecht drauf, da muß man doch Rücksicht drauf nehmen...". NEIN, muß man nicht. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, und selbst für sein Befinden verantwortlich.

    Um als willkürliches Beispiel mal dieses Forum zu nehmen: Wenn hier jemand irgendetwas schreibt, was objektiv kritikwürdig ist, dann muß man das auch so sagen dürfen. Wenn jemand Scheiße schreibt, dann sagt man halt "Hör mal, das ist ganz großer Mist, und zwar aus diesem und jenem Grund.". Du kannst aber sicher sein, daß sich irgendjemand aus der Rosa-Wattebäuschen-Fraktion zu Wort meldet und das total unsensibel findet.

    Die Menschen sind so generell betrachtet einfach überhaupt nicht mehr kritikfähig und reden sich gegenseitig zuviel schön. Klar muß ich auch erstmal schlucken, wenn mir jemand ein "Du, das war jetzt aber nur Müll, was Du da fabriziert hast!" vor den Latz knallt. Aber so ist das eben, und nach dem Schlucken kann man sich dann der Sache zuwenden und was dran ändern. Das geht aber nur mit klaren Ansagen.

    Das private Befinden schleicht sich in alle Bereiche ein und wird thematisiert, auch dort, wo es unangebracht ist. Ich will damit nicht einer gefühllosen Gesellschaft das Wort reden, auch nicht das Einfühlungsvermögen als hohes Gut herabwürdigen und erst recht nicht psychische Krankheiten verharmlosen, aber ein bißchen mehr Eigenverantwortung schadet nicht, mein ich wohl.

    Gruß,

    Malte.

    • Antwort von nach 2 Stunden 2 hilfreich
      Re^2: Befindlichkeiten

      Hallo Malte Ich hab den Eindruck, daß das echt zu einer Seuche geworden
      ist. "Hach, mir geht's psychisch so schlecht, da ist mir
      Arbeit grad echt nicht zuzumuten...", "Hach, ich bin psychisch
      so schlecht drauf, da muß man doch Rücksicht drauf nehmen...".
      NEIN, muß man nicht. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied,
      und selbst für sein Befinden verantwortlich.
      Ja, das ist natürlich die andere Seite der Medaille. Damit hast Du auch recht, aber im Wesentlichen schafft es nicht meine Fragestellung aus der Welt.
      Mal abgesehen von dem "Jammern auf hohem Niveau" , was jetzt fast jedem Kritiker auch schon schnell mal so bescheinigt wird, obwohl er vielleicht nur Missstände aufzeigt, sehe ich eine Tendenz (wiegesagt insbesondere bei Politikern und höherem Management), das persönliche Befinden von vornherein zu diskriminieren. Hier ist möglicherweise eine Gegenbewegung im Spiel, wie Du auch schon annimmst, aber nicht nur eine Gegenbewegung zu den "Jamerern", sondern auch eine zu der "Hippie-Bewegung", die Emotionen und subjektives Erleben zum ersten Mal seit langer Zeit (seit den verkrusteten Bismarck- und Hitler-Zeiten) wieder ernst nahm.
      Gruß,
      Branden



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