Psychatrie-ein Skandal!

Ich selbst bin ein Betroffener der Psychatrie, d.h. ich war insgesamt dreimal in meinem Leben eingeliefert, und bei anderen Gelegenheiten wäre ich wohl eingeliefert worden, hätte ich mich nicht zu verbergen gewußt. Man sieht schon, ich bin nicht gerade ein Fan dieser Einrichtung.
Meiner Beobachtung nach wird die Psychatrie der Öffentlichkeit gegenüber auf zwei völlig unterschiedliche Weisen dargestellt:
Die Medien berichten eigentlich immer politisch korrekt, daß Psychosen zwar eine schlimme Sache seien und ,ja, die Nebenwirkungen der verabreichten Psychopharmaka sei zwar zugegebenermaßen in der Vergangenheit und vielleicht in Einzelfällen noch Heute kaum zu ertragen, doch mit den neuesten Medikamenten sei es möglich ganz erstaunliche Heilungsergebnisse zu erzielen.
In der Kunst scheint mir das genaue Gegenteil der Fall zu sein. Wenn ich mein Gedächtnis durchforste, so fällt mir einfach kein Film oder Buch ein, das die herausragende Leistung eines Psychaters feiert.
Meine persönliche Erfahrung ist: Die Psychatrie ist weniger eine medizinische als eine sozialhygienische Einrichtung. Es wird erst gar nicht der Versuch gemacht, auf die Anliegen der Patienten einzugehen. Alles, was zählt, ist die Bearbeitung der Insassen dahingehend, daß die Umgebung draußen diese wieder akzeptiern kann- umbringen darf man sie seit Weltkrieg II nicht mehr, also betreibt man Lobotomie: früher mittels Skalpell, heutzutage mit Hilfe der Chemie.
Ich würde mich freuen, wenn ein paar Meinungen zu diesem Thema zusammenkommen würden.
Vielen Dank im Voraus, Karl

ich denke, das problem ist bei allen sozialen randgruppen ähnlich:
sie passen nicht ins gesellschaftsbild, stellen dies sogar in frage. also werden sie weggeräumt und versorgt. aber das verursacht kosten, die möglichst gering gehalten werden sollen.
die situation in der psychatrie beruht m.e. zum einen auf mangelnder aufklärung der bevölkerung und auch der betroffenen (was ist eine „psychose“, wer hat sie, wie äußert sie sich, wie kann damit umgegangen werden, und v.a. es sind menschen wie du und ich, die davon betroffen sind), daraus resultiert eine angst vor dem unbekannten und unberechenbaren.
die menschen werden abgeschoben. aus geldmangel (der davon kommt, dass man lieber nicht daran denkt) fehlen auch die möglichkeiten, die betroffenen entsprechend zu behandeln und zu integrieren. die chemo-keule ist da noch am billigsten, sichersten und braucht am wenigsten personal - und die pharaindustrie verdient auch noch daran.
das ist tragisch. aufklärung und die entwicklung alternativer modelle sind gefragt. das geschieht ja auch in ansätzen. aber noch nicht ausreichend.
cordula

Persönliche, subjektive Meinung (keine Fachfrau)

Ich selbst bin ein Betroffener der Psychatrie, d.h. ich war
insgesamt dreimal in meinem Leben eingeliefert, und bei
anderen Gelegenheiten wäre ich wohl eingeliefert worden, hätte
ich mich nicht zu verbergen gewußt. Man sieht schon, ich bin
nicht gerade ein Fan dieser Einrichtung.

Ich war eine Nacht in einer Psychiatrischen Einrichtung (nachdem ich in einer Kurzschlußaktion eine Packung Schlaftabletten ‚gefuttert‘ hatte) und kann nur sagen: Zum Glück war dort ein Arzt der dafür sorgte, daß ich sofort wieder rauskam (der ist heute noch mein Arzt).

Meiner Beobachtung nach wird die Psychatrie der Öffentlichkeit
gegenüber auf zwei völlig unterschiedliche Weisen dargestellt:
Die Medien berichten eigentlich immer politisch korrekt, daß
Psychosen zwar eine schlimme Sache seien und ,ja, die
Nebenwirkungen der verabreichten Psychopharmaka sei zwar
zugegebenermaßen in der Vergangenheit und vielleicht in
Einzelfällen noch Heute kaum zu ertragen, doch mit den
neuesten Medikamenten sei es möglich ganz erstaunliche
Heilungsergebnisse zu erzielen.

Ich glaube hier kommt es noch vielmehr als bei anderen medizinischen Fachrichtungen darauf an einen guten Arzt zu finden, vor allem weil es noch viel weniger gute Ärzte gibt (das ist meine ganz persönliche Meinung/Erfahrung und durchunddurch subjektiv)!

In der Kunst scheint mir das genaue Gegenteil der Fall zu
sein. Wenn ich mein Gedächtnis durchforste, so fällt mir
einfach kein Film oder Buch ein, das die herausragende
Leistung eines Psychaters feiert.
Meine persönliche Erfahrung ist: Die Psychatrie ist weniger
eine medizinische als eine sozialhygienische Einrichtung. Es
wird erst gar nicht der Versuch gemacht, auf die Anliegen der
Patienten einzugehen. Alles, was zählt, ist die Bearbeitung
der Insassen dahingehend, daß die Umgebung draußen diese
wieder akzeptiern kann- umbringen darf man sie seit Weltkrieg
II nicht mehr, also betreibt man Lobotomie: früher mittels
Skalpell, heutzutage mit Hilfe der Chemie.

Die ersten 4 Ärzte, die ich hatte haben nach dieser Methode gearbeitet. Ich bekam Medikamente, die mich körperlich ruhigstellten, und mich selbst aber (geistig/gefühlsmäßig) überhaupt nicht. Damit war vorerst nur die Umgebung (sprich Familie/Bekannte) beruhigt.

Jetzt bin ich in einem anspruchsvollen Beruf wieder einsatzfähig, nehme immer noch Medikamente, habe noch immer extreme Höhen und Tiefen, aber ich fühle mich - meine Umgebung - DAS LEBEN - und freue mich an Dingen die ‚Gesunde‘ (=niemals SO krank Gewesene) ganz ganz anders sehen bzw. als selbstverständlich nehmen.

Ich würde mich freuen, wenn ein paar Meinungen zu diesem Thema
zusammenkommen würden.
Vielen Dank im Voraus, Karl

Zum Thema Bücher und Pschiatrie: ich habe mal von Hannah Green das Buch ‚Ich hab Dir nie eine Rosengarten versprochen‘ gelesen und sehr gut gefunden (wieder eine persönliche, subjektive Meinung).

Alles Gute
bj67

Jo jo!

Wenn einer „aus der Rolle fällt“ ist das immer schlimm, denn in der Gesellschaft spielen wir alle „eine Rolle“, sonst ist die Akzeptanz dahin. Man kann es sich nun mal nicht erlauben, während einer Konferenz aufzustehen und sich herzhaft am Sack zu kratzen - obwohl es zwickt wie Hölle (nur EIN Beispiel).

Die Frage ist, ob der/die Betroffene einer psychotischen Attacke zur Gefahr für sich selbst oder seine Umgebung wird - dann, denke ich, ist eine chemische Dämpfung allemal besser als „es laufen zu lassen“. Problematisch ist nur: Wer will das in so einer Situation beurteilen - der/die Betroffene kann es nicht, weil der Realitätsbezug ausgefallen ist, die unmittelbare Umgebung steht unter Schock - „Scheisse was ist denn mit dem/der los, Hilfe!“ - bleibt nur noch ein Psych… und die Hoffnung, dass der seinen Job ernst nimmt.

In der Tat entwickeln sich daraus oft regelrechte Horrorgeschichten. Es müsste noch mehr Forschung auf diesem Gebiet geben, um die Missstände (sch… neue Rechtschreibung) zu beseitigen.

Ulli

Gerade gestern wieder:

Verzweifelter Vater (37) tötet Ehefrau (36) und beide gemeinsamen Kinder, anschliessend sich selbst. Er litt an Depressionen.

Das wusste man doch nicht erst seit gestern … zwischen den Zeilen geht hervor, dass er wohl schon länger an depressiven Verstimmungen litt. Es wäre wirklich interessant, solche Fälle sehr genau zu untersuchen und dabei auch die Behandlungsmethoden zu beleuchten.

Ulli

Wie kann man es besser machen?
Hallo Karl,

zum Glück gehöre ich nicht zu denjenigen, die eine psychiatrische Klinik (aus irgendeiner Perspektive) schon von innen kennengelernt haben. Ich kann also das, was du schreibst nicht beurteilen. Beim Lesen deines Artikels sind mir aber ein paar Fragen gekommen, die du mir vielleicht beantworten kannst.

  1. Was glaubst du, wäre passiert, wenn man dich in dieser Situation nicht eingeliefert hätte. Hätte das Probleme gegeben (die berühmte Selbstgefährdung oder sowas), oder war diese Entscheidung übertrieben, weil du auch gut allein zurecht gekommen wärst?

  2. Wie könnte man dir, deiner Meinung nach, bessser helfen als mit Medikamenten und Zwangseinweisung? Oder brauchst du gar keine Hilfe?

Viele Grüsse,
Lisa

da kann ich nur aplaus klatschen…

als betroffener (nach aufenhalt in 2 fachkliniken und insgesamt 3 Jahren konnte eine endgültge diagnose gestellt werden (Psychose aus dem schizoidem Formenkreis)


Hallo zusammen,

wir haben uns doch ernsthaft zu fragen, warum z.B. in Italien die Psychiatrie komplett abgeschafft wurde.

Wer definiert, wann wer in welcher Situation aus der „gesellschaftlichen“ Rolle fällt? Wäre sein Verhalten in anderen Ländern/Kulturen nicht ggf normal?

Von Deutschlands Ärzten ist ja bekannt - da es zu viele von dieser Spezies gibt - daß sie Patienten abkochen, so lange die Kasse mitspielt. Und von psychiatrischen Anstalten als Handlanger der Justiz sollte man erst gar nicht reden. Nein, Detuschland ist kein Land für Aus-der-Art-Geschlagene, die sollten vor Einlieferung in die Psychiatrie besser das Land verlassen.

Richard

p.s.: Besser machen bedingt zunächst einmal eine höhere Transparenz der Anstalten, sprich Kontrolle durch neutrale Betroffenenvertreter. Aber davor steht garantiert die ärztliche Schweigepflicht.

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