Wie entstehen Gedanken?

Von: , Frage gestellt am Di, 23. Aug 2005

Hallo,

mich interessiert brennend die Frage, wie Gedanken entstehen?
Sicher meist durch äußere Einflüsse, Emptionen etc. aber wo kommen die her und warum sind manche Menschen emotionaler, als andere?

Wie groß ist die Schnittmenge der Gedanken unserer Bevölkerung?

Viele Grüße exn.

6 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 59 Minuten 2 hilfreich
    Re: Wie entstehen Gedanken?

    Hallo exnunc,

    Du stellst vielleicht schwere Fragen ... mein alter Mathelehrer hat
    immer gesagt, es ist mathematisch ausgeschlossen, dass wir Menschen
    unser Gehirn jemals voll und ganz verstehen: man kann aus einer
    Teilmenge nicht die Gesamtmenge abbilden!

    Aber ich will mal versuchen, was ich noch an Wissen aus meinem
    Grundstudium zusammenkratzen kann.

    Gedanken entstehen, wenn im Gehirn ein Neuron nach dem anderen feuert
    ... Dabei sind die Verbindungen zwischen den einzelnen Neuronen umso
    stärker, je öfter sie benutzt werden. Deswegen ist es wohl so
    schwierig, ausserhalb der "bekannten Pfade" zu denken ... Auslöser
    kann dabei vieles sein: etwas, das man sieht / hört / riecht /
    schmeckt / fühlt, oder ein anderer Gedanke, oder ein Signal aus
    unserem Inneren (Schmerz, Hunger, Blase voll etc.). Frag mich jetzt
    nicht, warum wir träumen ...

    Zu den Emotionen muss erst mal geklärt werden: was ist eine Emotion
    eigentlich? Früher dachte man, "wir weinen, weil wir traurig sind".
    Bis ein kluger Kopf daherkam und frech behauptete "wir sind traurig,
    weil wir weinen!". Heute ist die allgemeine Auffassung, dass
    Emotionen entstehen, weil zwei Faktoren zusammenkommen. Eine
    bestimmte Situation (z.B. der Anblick eines geliebten Menschen) läßt
    unser Herz schneller klopfen, das Blut steigt in die Wangen. Wir
    nehmen diese körperlichen Veränderungen in uns wahr. Zusammen mit der
    Wahrnehmung der Situation (da vorne kommt Oma Liesl) interpretieren
    wir das nun als "Freude" und lächeln. Es ist übrigens so, dass wir
    ohne die körperliche Reaktion auch die Emotion nicht hätten - hättest
    Du das gedacht?

    Warum sind nun manche Menschen emotionaler als andere? Da könntest Du
    genauso fragen, warum manche Menschen schlauer sind als andere ...
    Vielleicht reagieren sie einfach nur sensibler auf die Vorgänge in
    ihrem Inneren? Denn, wie gesagt, wenn wir nicht wahrnehmen, was in
    uns vorgeht, dann reagieren wir auch nicht entsprechend ... So kann
    z.B. Neugierde die Angst "austricksen". Konzentriert man sich stärker
    auf das, was um einen herum passiert, dann sinkt auch die Angst.

    Die Schnittmenge unserer Gedanken ist, denke ich, größer als uns lieb
    ist. So arbeiten übrigens auch die sog. "Mental-Magier", die
    "Gedanken lesen" können ... Woran denkt man so den Tag über? Was
    gibt's zu essen, ich muss mal, Mann bin ich müde, ich will Sex, mir
    ist kalt, wo habe ich die Fernbedienung hingelegt ... Ich denke mal,
    nur ein kleiner Teil ist wirklich individuell und unterschiedlich.

    Puh, das war anstrengend! Ich hoffe mal, ich habe nicht totalen
    Blödsinn verzapft ... aber das Vordiplom ist 'ne Weile her ...

    Emotionsgeladene Grüße von
    Sibylle aus M [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Wie entstehen Gedanken?

      Danke für diese ausführliche Interpretation, die schon die nächste Frage aufwirft:

      Wenn die Schnittmenge so groß ist, tun dann auch alle das Gleiche ?
      Wie wird die Entscheidung getroffen, ja oder nein ( bei vielen auch vielleicht) zu sagen ?
      Beispiel: Ich bekomme ein Signal, dass ich austreten muss....da gehe ich doch nicht immer sofort, oder?

      oder: Ich habe Hunger... selbst unter der Vorraussetzung, dass ich einen vollen Kühlschrank habe, werden doch von vielen verschiedenen Menschen unterschiedlichste Entscheidungen getroffen, ob gegessen wird oder nicht.
      Warum bedeutet also Hunger nicht gleich immer Essen und Harndrang nicht Austreten.
      Es sind doch grundlegende Bedürfnisse, die nicht befriedigt werden, aber immerhin eine gewisse Zeit ohne Mangelerscheinung.

      Vielen Dank fürs "Gedankenmachen"

      Greeting Exn.





      Hallo exnunc,
      Du stellst vielleicht schwere Fragen ... mein alter
      Mathelehrer hat
      immer gesagt, es ist mathematisch ausgeschlossen, dass wir
      Menschen
      unser Gehirn jemals voll und ganz verstehen: man kann aus
      einer
      Teilmenge nicht die Gesamtmenge abbilden!

      Aber ich will mal versuchen, was ich noch an Wissen aus meinem
      Grundstudium zusammenkratzen kann.

      Gedanken entstehen, wenn im Gehirn ein Neuron nach dem anderen
      feuert
      ... Dabei sind die Verbindungen zwischen den einzelnen
      Neuronen umso
      stärker, je öfter sie benutzt werden. Deswegen ist es wohl so
      schwierig, ausserhalb der "bekannten Pfade" zu denken ...
      Auslöser
      kann dabei vieles sein: etwas, das man sieht / hört / riecht /
      schmeckt / fühlt, oder ein anderer Gedanke, oder ein Signal
      aus
      unserem Inneren (Schmerz, Hunger, Blase voll etc.). Frag mich
      jetzt
      nicht, warum wir träumen ...

      Zu den Emotionen muss erst mal geklärt werden: was ist eine
      Emotion
      eigentlich? Früher dachte man, "wir weinen, weil wir traurig
      sind".
      Bis ein kluger Kopf daherkam und frech behauptete "wir sind
      traurig,
      weil wir weinen!". Heute ist die allgemeine Auffassung, dass
      Emotionen entstehen, weil zwei Faktoren zusammenkommen. Eine
      bestimmte Situation (z.B. der Anblick eines geliebten
      Menschen) läßt
      unser Herz schneller klopfen, das Blut steigt in die Wangen.
      Wir
      nehmen diese körperlichen Veränderungen in uns wahr. Zusammen
      mit der
      Wahrnehmung der Situation (da vorne kommt Oma Liesl)
      interpretieren
      wir das nun als "Freude" und lächeln. Es ist übrigens so, dass
      wir
      ohne die körperliche Reaktion auch die Emotion nicht hätten -
      hättest
      Du das gedacht?

      Warum sind nun manche Menschen emotionaler als andere? Da
      könntest Du
      genauso fragen, warum manche Menschen schlauer sind als andere
      ...
      Vielleicht reagieren sie einfach nur sensibler auf die
      Vorgänge in
      ihrem Inneren? Denn, wie gesagt, wenn wir nicht wahrnehmen,
      was in
      uns vorgeht, dann reagieren wir auch nicht entsprechend ... So
      kann
      z.B. Neugierde die Angst "austricksen". Konzentriert man sich
      stärker
      auf das, was um einen herum passiert, dann sinkt auch die
      Angst.

      Die Schnittmenge unserer Gedanken ist, denke ich, größer als
      uns lieb
      ist. So arbeiten übrigens auch die sog. "Mental-Magier", die
      "Gedanken lesen" können ... Woran denkt man so den Tag über?
      Was
      gibt's zu essen, ich muss mal, Mann bin ich müde, ich will
      Sex, mir
      ist kalt, wo habe ich die Fernbedienung hingelegt ... Ich
      denke mal,
      nur ein kleiner Teil ist wirklich individuell und
      unterschiedlich.

      Puh, das war anstrengend! Ich hoffe mal, ich habe nicht
      totalen
      Blödsinn verzapft ... aber das Vordiplom ist 'ne Weile her ...

      Emotionsgeladene Grüße von
      Sibylle aus M Hallo,

      mich interessiert brennend die Frage, wie Gedanken entstehen?
      Sicher meist durch äußere Einflüsse, Emptionen etc. aber wo
      kommen die her und warum sind manche Menschen emotionaler, als
      andere?

      Wie groß ist die Schnittmenge der Gedanken unserer
      Bevölkerung?

      Viele Grüße exn.

      • Antwort von nach 20 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Wie entstehen Gedanken?

        Auch wenn die Schnittmenge gross ist, gibt es unglaublich viele Möglichkeiten, weil es viele weitere Faktoren gibt. Nehmen wir das Beispiel mit dem Essen:
        Es gibt den Gedanken "Hunger", aber dann kommen "Standartgedanken" dazu, die man wahrscheinlich nicht einmal bewust wahrnimmt, z.b.
        1. wir essen gemeinsam um 18 Uhr
        2. eigentlich muss ich abnehmen
        3. noch schnell das hier fertig machen
        4. ich bin zu faul
        5. "Nasche nicht vor dem Essen!"
        usw.

        Dann ist es eine mathematische Rechnung: wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass 2 Menschen mit x Gedanken, Erziehungszwängen, vorzügen ..., zum gleichen Ergebnis kommen, nämlich zu essen?


        gruss ich

        • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Wie entstehen Gedanken?

          Hallo ich,

          Da wir nicht wissen, wieviele Gedanken wir haben ist x nicht definiert und dies ließe sich wol mit unserem Verständnis nicht amthematisch darstellen, auch wenn dies ein eizvoller Gedanke ist, oder?
          Lassen sich Gedanken messen? Wenn ja, in welcher Einheit?

          Greeting
          Exn.

          Auch wenn die Schnittmenge gross ist, gibt es unglaublich viele Möglichkeiten, weil es viele weitere Faktoren gibt.
          Nehmen wir das Beispiel mit dem Essen:
          Es gibt den Gedanken "Hunger", aber dann kommen
          "Standartgedanken" dazu, die man wahrscheinlich nicht einmal
          bewust wahrnimmt, z.b.
          1. wir essen gemeinsam um 18 Uhr
          2. eigentlich muss ich abnehmen
          3. noch schnell das hier fertig machen
          4. ich bin zu faul
          5. "Nasche nicht vor dem Essen!"
          usw.

          Dann ist es eine mathematische Rechnung: wie hoch ist die
          Wahrscheinlichkeit, dass 2 Menschen mit x Gedanken,
          Erziehungszwängen, vorzügen ..., zum gleichen Ergebnis kommen,
          nämlich zu essen?


          gruss ich

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: Wie entstehen Gedanken?

        Hallo exnunc,

        Entscheidugnspsychologie ist eine ganz eigene Sparte. Es ist gar
        nicht so einfach zu sagen, warum wir uns für das eine oder andere
        entscheiden ... oft ist es so, dass wir die Argumente dafür und
        dagegen abwägen, und dann das unserer Meinung nach beste tun. Sind
        beide Alternativen gleich gut oder gleich schlecht (zum Beispiel zwei
        mal das gleiche Auto in verschiedenen Farben), entscheidet oft eine
        Kleinigkeit, die uns in eine bestimmte Richtung "schubst". Haben wir
        die Entscheidung getroffen, wird die nicht gewählte Alternative dann
        "abgewertet", nach dem Motto "das grüne Auto sieht sowieso aus wie
        ein Frosch" (oder auch "die Trauben sind mir viel zu sauer") bzw. die
        gewählte Alternative "aufgewertet", a la "das rote Auto ist viel
        sportlicher".
        Andererseits sind wir oft spontan, lassen uns von Emotionen leiten,
        vor allem beim Einkaufen. Wir entscheiden uns für das, das den
        höchsten Lustgewinn verspricht. =)
        Um zu Deiner Frage zurück zu kommen: Menschen haben ja nicht nur
        Gedanken, sondern auch einen Willen. Um zu einer Aktion zu führen,
        muss eine gewisse Absicht vorhanden sein. Nur weil mir meine Blase
        meldet "Achtung! Voll!", muss man ja nicht gleich gehen (z.B. wenn
        der Fernsehkrimi grad so spannend ist), da man den Schließmuskel
        willentlich kontrollieren kann. Wenn ich also muss, aber noch nicht
        will, kann ich meiner Blase (für eine Weile zumindest) meinen Willen
        "aufzwingen".

        Wenn Du Dich ernsthaft für Motivationspsychologie interessierst,
        empfehle ich Dir "Motivation und Handeln" von Heckhausen ISBN
        3540254617 . Ein sehr interessantes Buch! Oder ein Psychologiestudium
        ... ;)

        VG,
        Sibylle Danke für diese ausführliche Interpretation, die schon die
        nächste Frage aufwirft:

        Wenn die Schnittmenge so groß ist, tun dann auch alle das
        Gleiche ?
        Wie wird die Entscheidung getroffen, ja oder nein ( bei vielen
        auch vielleicht) zu sagen ?
        Beispiel: Ich bekomme ein Signal, dass ich austreten
        muss....da gehe ich doch nicht immer sofort, oder?

        oder: Ich habe Hunger... selbst unter der Vorraussetzung, dass
        ich einen vollen Kühlschrank habe, werden doch von vielen
        verschiedenen Menschen unterschiedlichste Entscheidungen
        getroffen, ob gegessen wird oder nicht.
        Warum bedeutet also Hunger nicht gleich immer Essen und
        Harndrang nicht Austreten.
        Es sind doch grundlegende Bedürfnisse, die nicht befriedigt
        werden, aber immerhin eine gewisse Zeit ohne
        Mangelerscheinung.

        Vielen Dank fürs "Gedankenmachen"

        Greeting Exn.

  2. Antwort von nach 5 Tagen 0 hilfreich
    Re: Wie entstehen Gedanken?

    Hallo,

    vor kurzem habe ich von dem Neurophysiologen Benjamin Libet gelesen, der anhand verschiedener Experimente die Willensprozesse im Gehirn nachwies, was die Voraussetzung dafür ist, zu instinktiven Wünschen Nein sagen zu können.
    vielleicht nützt diese Seite dir etwas?
    http://www.geist-oder-materie.de/Psychologie/Freier_...

    viele Grüße
    claren

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