Psychotherapie

Von: , Frage gestellt am Di, 8. Aug 2006

Hallo,

ich möchte eine Psychotherapie machen (u.a. um wieder voll arbeitsfähig zu werden).

Leider sieht es so aus, dass alle Therapeuten, mit denen ich Kontakt hatte, monatelange Wartelisten haben. Ich habe auch den Infodienst der KV angerufen, um freie Plätze in Erfahrung zu bringen - leider ohne Ergebnis.

Was kann ich denn nun tun? Es kann doch nicht sein, dass ich jetzt mind. sechs Monate in der Luft hänge, oder? Es geht schließlich auch um meine Existenz, wenn ich nicht arbeiten kann.

Sehe ich es eigentlich richtig, dass es besser ist, sich einen Psychologischen Psychotherapeuten zu suchen als einen Ärztlichen Psychotherapeuten? Zwei der Ärztlichen Psychotherapeuten in meiner Liste sind mir nämlich als Frauenarzt bzw. Allgemeinmediziner bekannt.

Ich bin dankbar für jeden Tipp!

Liebe Grüße,
Gwen

13 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Psychotherapie

    Hallo,

    Das mit der langen Wartezeit ist, meines Wissens nach, normal - zumal auch immer irgendwo nach Dringlichkeit gegangen wird. Es mag um Deine Existenz in Sachen Geld/"ein Auskommen haben" gehen, aber da sind auch viele Leute, die sich oder anderen ohne schnelle Unterstützung etwas antun. Habe ein wenig Verständnis, es geht teilweise sogar sehr dringlichen Fällen so.
    Manchmal hilft aber auch mehrmaliges Nachfragen. Sehe ich es eigentlich richtig, dass es besser ist, sich einen
    Psychologischen Psychotherapeuten zu suchen als einen
    Ärztlichen Psychotherapeuten? Zwei der Ärztlichen
    Psychotherapeuten in meiner Liste sind mir nämlich als
    Frauenarzt bzw. Allgemeinmediziner bekannt.
    Ein Psychologischer Psychotherapeut ist immer ein Diplom-Psychologe mit Weiterbildung zum Therapeuten, der ärztliche Psychotherapeut ist ein Mediziner mit Weiterbildung zum Psychotherapeuten.

    Mücke

  2. Antwort von nach 2 Stunden 3 hilfreich
    Re: Psychotherapie

    Hallo, Was kann ich denn nun tun? Es kann doch nicht sein, dass ich
    jetzt mind. sechs Monate in der Luft hänge, oder?
    in solchen Fällen kannst Du Dir alternativ einen zur Psychotherapie zugelassenen Behandler suchen, der nicht die Kassenzulassung hat. Falls Du bei diesem eher einen Therapieplatz bekommen kannst, stellst Du vor Antritt dieser Therapie einen Antrag auf Kostenübernahme bei Deiner Krankenkasse. Begründung: überlange Wartezeiten bei Kassentherapeuten, Therapie aber kurzfristiger notwendig, daher Ausweichen; Belege beifügen, daß Du keinen Therapieplatz bei einem Kassentherapeuten gefunden hast. Abwarten, was die Kasse dazu sagt. Sehe ich es eigentlich richtig, dass es besser ist, sich einen
    Psychologischen Psychotherapeuten zu suchen als einen
    Ärztlichen Psychotherapeuten? Zwei der Ärztlichen
    Psychotherapeuten in meiner Liste sind mir nämlich als
    Frauenarzt bzw. Allgemeinmediziner bekannt.
    Ja, das kann vorkommen. Nach dem Medizinstudium kann man als Arzt eine Psychotherapieausbildung machen. Psychologische Kenntnisse, wie sie bei Diplom-Psychologen erwartet werden können, sind keine Voraussetzung dafür.

    Beste Grüße,

    Oliver Walter

    • Antwort von nach 3 Stunden 2 hilfreich
      Re^2: Psych. Psychotherapeut vs. Arzt

      Hallo,

      noch ein paar Hinweise zum Psychologischen Psychotherapeuten und zum Arzt mit Zusatzbezeichnung "Psychotherapie":

      Ärzte konnten nach der alten Weiterbildungsordnung die Zusatzbezeichnung "Psychotherapie" erwerben. Bei dieser Ausbildung handelt es sich nicht um die Facharztausbildung zum Psychiater. Deshalb konnten Gynäkologen, Internisten usw. die Weiterbildung "Psychotherapie" machen und Psychotherapie anbieten.

      Die ärztliche Weiterbildung "Psychotherapie" umfaßte bis 2004/05:

      140 Stunden Theorie, Methoden, Diagnostik
      150 Behandlungsstunden
      40 Stunden Supervision
      150 Stunden Selbsterfahrung in Einzelsitzungen oder
      140 Stunden Selbsterfahrung in Gruppensitzungen
      80-100 Stunden Zweitverfahren
      70 Stunden Balint-Gruppe

      Zum Vergleich: Die Ausbildungsordnung für den Psychologischen Psychotherapeuten (Verhaltenstherapie oder Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) sah damals vor

      600 Stunden Theorie, Methoden, Diagnostik
      400 oder 600 Behandlungsstunden
      100 oder 120 Stunden Supervision
      100 oder 250 Stunden Selbsterfahrung
      20 oder 6 Stunden Fallberichte

      Beste Grüße,

      Oliver Walter

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: Psych. Psychotherapeut vs. Arzt

        Hallo,

        was unterscheidet einen Facharzt für Psychiatrie von einem Psych. Psychotherapeuten? Bei wem wäre man besser aufgehoben?

        Danke und Gruß
        Miriam

        • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
          Re^4: Psych. Psychotherapeut vs. Arzt

          Hallo, Miriam, was unterscheidet einen Facharzt für Psychiatrie von einem
          Psych. Psychotherapeuten?
          ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie hat Medizin studiert und danach eine fünfjährige Weiterbildung mit Schwerpunkt Psychiatrie und Psychotherapie (4 Jahre, davon 3 Jahre stationär) gemacht. Daneben hat er Kenntnisse in Neurologie (1 Jahr) erworben. In dieser Zeit hat er sich umfangreiche Kenntnisse in den medizinischen Aspekten von psychischen Störungen, ihrer Diagnostik (auch körperbezogene Untersuchungen) und ihrer Behandlung (mit Medikamenten) angeeignet. Der psychotherapeutische Teil der Ausbildung umfaßte nach der alten Weiterbildungsordnung (bis 2004/05):

          100 Stunden Theorie, Methoden, Diagnostik
          120 Behandlungsstunden im Erstverfahren
          80-100 Stunden Zweitverfahren
          140 Stunden Selbsterfahrung in der Gruppe oder 150 Stunden in Einzelsitzungen
          70 Stunden Balint-Gruppe
          80 Stunden Fallberichte.

          Der psychologische Psychotherapeut hat Psychologie studiert und anschließend eine Ausbildung zum Psychotherapeuten gemacht (mindestens 3 Jahre). Den zeitlichen Rahmen habe ich ein Posting drüber ja schon genannt. Die medizinischen Aspekte spielen in dieser Ausbildung eine deutlich geringere Rolle als die psychologischen. Bei wem wäre man besser aufgehoben?
          Für die Beantwortung der Frage kommt es darauf an, welche Störung vorliegt und welchen beruflichen Schwerpunkt der Arzt / Therapeut gesetzt hat.

          Vereinfacht gesagt: Der Psychiater kann auch schwere psychische Störungen (Schizophrenie, manische Depression, schwere Depression) behandeln und Medikamente verschreiben. Der psychologische Psychotherapeut darf keine Medikamente verschreiben, kann aber auch Psychotherapie als ein Behandlungsbestandteil bei schweren psychischen Störungen durchführen. Letzteres wird in Kliniken eher der Fall sein als in der niedergelassenen Praxis.

          Beste Grüße,

          Oliver Walter

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: Psych. Psychotherapeut vs. Arzt

            Hallo,

            danke für die ausführliche Antwort. Bei wem wäre man besser aufgehoben?
            Für die Beantwortung der Frage kommt es darauf an, welche
            Störung vorliegt und welchen beruflichen Schwerpunkt der Arzt
            / Therapeut gesetzt hat.

            Vereinfacht gesagt: Der Psychiater kann auch schwere
            psychische Störungen (Schizophrenie, manische Depression,
            schwere Depression) behandeln und Medikamente verschreiben.
            Der psychologische Psychotherapeut darf keine Medikamente
            verschreiben, kann aber auch Psychotherapie als ein
            Behandlungsbestandteil bei schweren psychischen Störungen
            durchführen. Letzteres wird in Kliniken eher der Fall sein als
            in der niedergelassenen Praxis.
            Konkret geht es um meine Mutter, die an Depressionen leidet (siehe Beitrag weiter unten), sie ist bei einer Fachärztin für Psychiatrie in Behandlung. Deiner Erklärung nach wäre sie bei ihr in besseren Händen als bei einem Psych. Psychotherapeuten, da sie auch Medikamente bekommt und die Dosierungen ja hin und wieder geändert werden müssen.
            Meiner Meinung nach kommt bei dieser Ärztin der therapeutische Aspekt zu kurz, als Laie stelle ich mir vor dass so ein Gespräch - je nach Krankheitsbild und Verfassung des Patienten - sich mindestens im Bereich 30-60 Minuten bewegen sollte.
            Da ich auch schon gewisse Zeit im Wartezimmer der Ärztin verbracht habe habe ich festgestellt dass die Behandlungszeit oft deutlich niedriger ist.
            Würde es dann vielleicht Sinn machen zusätzlich einen Psych. Psychotherapeuten aufzusuchen um den Behandlungsschwerpunkt ein bisschen zu verlagern? (da der Zustand meiner Mutter derzeit nicht der beste ist, hat sie auch schon über eine erneute stationäre Einweisung nachgedacht).

            Ich weiß es ist schwer einen Fall aus der Ferne zu beurteilen, aber vielleicht kannst du mir ein wenig Hilfestellung geben.

            Danke und Gruß
            Miriam

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^6: Psych. Psychotherapeut vs. Arzt

              Hallo, Miriam, Konkret geht es um meine Mutter, die an Depressionen leidet
              (siehe Beitrag weiter unten), sie ist bei einer Fachärztin für
              Psychiatrie in Behandlung. Deiner Erklärung nach wäre sie bei
              ihr in besseren Händen als bei einem Psych. Psychotherapeuten,
              bei Depression ist eine Psychiaterin nicht unbedingt die bessere Alternative. Es hängt von mehreren Dingen ab, u.a. vom Schweregrad, ob eine psychiatrische Behandlung notwendig ist. In leichteren Fällen "reicht" eine angemessene Psychotherapie. Vorher sollten die medizinischen Aspekte abgeklärt sein.
              Die Kombination mit Medikamenten ist oft sinnvoll. Daher bietet sich eine "Parallelbehandlung" an: Psychotherapie beim Psychotherapeuten, die medikamentöse Behandlung beim Psychiater. Würde es dann vielleicht Sinn machen zusätzlich einen Psych.
              Psychotherapeuten aufzusuchen um den Behandlungsschwerpunkt
              ein bisschen zu verlagern?
              Prinzipiell ja.

              (da der Zustand meiner Mutter derzeit nicht der beste ist, hat sie auch schon über eine
              erneute stationäre Einweisung nachgedacht).
              Was für Deine Mutter angemessen ist, läßt sich nur vor Ort klären. Prinzipiell kann / wird die stationäre Behandlung auf beiden Standbeinen der modernen Depressionstherapie - Medikamente und Psychotherapie - stehen. Ich weiß es ist schwer einen Fall aus der Ferne zu beurteilen,
              aber vielleicht kannst du mir ein wenig Hilfestellung geben.
              Klar. Deshalb habe ich hier nur versuchen können, einige allgemeine Prinzipien der Depressionstherapie zu erläutern, wie sie dem aktuellen Stand in Psychiatrie und Psychotherapie entspricht. Weitere Infos dazu findest Du auf dieser Seite

              http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychologie/Psy...

              Beste Grüße,

              Oliver Walter

            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Re^7: Psych. Psychotherapeut vs. Arzt

              Hallo, Klar. Deshalb habe ich hier nur versuchen können, einige
              allgemeine Prinzipien der Depressionstherapie zu erläutern,
              wie sie dem aktuellen Stand in Psychiatrie und Psychotherapie
              entspricht. Weitere Infos dazu findest Du auf dieser Seite

              http://www.verhaltenswissenschaft.de/Psychologie/Psy...
              Danke für den Link, hab mich ein bisschen reingelesen und auch Auszüge ausgedruckt und meiner Mutter zum Lesen gegegen, vielleicht schaut sie in einer ruhigen Minute mal rein.
              Bisher hat sie sich leider zu wenig mit ihrer Krankheit beschäftigt, nach der ersten stationären Therapie war das Thema wohl irgendwie für sie gegessen, sie dachte wahrscheinlich mit den Medikamenten allein ist es getan.

              Ihre Ärztin hat gestern übrigens einen Antrag für eine erneute stationäre Behandlung gestellt.

              Danke nochmal und Gruß
              Miriam

  3. Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
    Re: Psychotherapie

    Hi,

    ich glaube, dass das lange Suchen, verbunden mit den vielen Gefühlen (warum hilft mir denn keiner, mir geht es doch so schlecht, etc.) schon Bestandteil der Behandlung ist <Sarkasmus Modus aus>

    Spass bei Seite, auch ich denke du wirst nicht umhin kommen deinen Ärzteradius zu erweitern und im Telefonbuch und Internet zu suchen, es gleich eher einem Glückspiel einen Termin für ein Vorgespräch zu bekommen. Denn selbst wenn einer sagt, er hätte noch Termine, muss es ja nicht heißen das ihr euch grün seit.

    Was du machen kannst, ist eine Ambulante Therapie. Die Voraussetzungen sind ähnlich die einer normalen Therapie und deine Arbeitsfähigkeit wird, wenn du glück hast, auch etwas schneller wiederhergestellt sein.

    Also vielleicht ist das ja auch noch eine Alternative.

    Viele Grüsse und Viel Glück beim Suchen
    Me



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