Trendtat Suizid?

Von: , Frage gestellt am Fr, 8. Sep 2006

Hi,

ich würde gerne mal wissen ob es einen neuen Trend zum Suizid gibt oder ob mich das täuscht. IMHO ist es ja schon fast gesellschaftsfähig geworden sich selbst zu töten um diesem oder jenem, besonders der eigen Verantwortung aus dem Weg zu gehen. In meinen Erinnerungen kenne ich Suizid eigentlich nur von Nazigrößen die wirklich Menscheitsverbrechen begangen haben oder von psychisch Kranken bei denen rationale Gedanken gestört sein können wie z.B. Depressiven.

Aus "näherer" Vergangenheit fallen mir aber Leute ein wie:
Barschel (vermutlich): "Gesicht verloren"
Hanelore Kohl: "körperliche" Krankheit
Jürgen Möllemann (ziemlich sicher) : Witschaftsverbrechen (also kein Kapitalverbrechen was ich eher verstehen würde)
74-Jährigen Fleischhändler (Gammelfleisch): Witschaftsverbrechen
Wolfgang Priklopil: Entführer
... usw

Diese Leute waren alle mehr oder weniger bei "klarem Verstand" und (vermutlich) nicht seelisch krank. Aber wenn's ihnen zu blöd wird bringen die sich schnell mal um und irgendwie scheint sich keiner daran zu stören. Bin ich da der einzige? Was meint ihr?


Viele Grüße,
J~

20 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 29 Minuten 1 hilfreich
    Re: Trendtat Suizid?

    Hi,
    Kuckuck. Wolfgang Priklopil: Entführer
    ... usw

    Diese Leute waren alle mehr oder weniger bei "klarem Verstand"
    und (vermutlich) nicht seelisch krank. Aber wenn's ihnen zu
    blöd wird bringen die sich schnell mal um und irgendwie
    scheint sich keiner daran zu stören. Bin ich da der einzige?
    Was meint ihr?
    Auch wenn es hart klingen mag: Nein, stört mich absolut nicht.

    Grüße
    Joshua

    • Antwort von nach 36 Minuten 1 hilfreich
      Re^2: Trendtat Suizid?

      Hi, Wolfgang Priklopil: Entführer
      Auch wenn es hart klingen mag: Nein, stört mich absolut nicht.
      also grade bei dem stört es mich am meisten von all meinen Beispielen. Grade weil es ein "ganz persönliches" Opfer gab welches zum Verarbeiten und zum "Antworten finden" sicher noch einen Täter hätte gebrauchen können. Die Rachegefühle der Öffentlichkeit sind hier IMHO ziemlich unwichtig.


      Viele Grüße,
      J~

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Trendtat Suizid?

        Hi, Wolfgang Priklopil: Entführer
        Auch wenn es hart klingen mag: Nein, stört mich absolut nicht.
        also grade bei dem stört es mich am meisten von all meinen
        Beispielen.
        Hmm, ich dachte da genau das Gegenteil, so spontan zumindest. Dachte mir, gut, daß ich nicht durch die Medien mitbekomme, wie der Täter jahrelang auf Staatskosten therapiert wird und das Opfer irgendwann (nachdem genügend Geld mit ihm gemacht wurde, es sein Buch geschrieben hat, womöglich noch die Geschichte verfilmt wurde etc.) seinem Schicksal überlassen bleibt, sprich Selbstmord, sorry Suizid, begeht, zu Drogen greift usw. Die Rachegefühle der
        Öffentlichkeit sind hier IMHO ziemlich unwichtig.
        A propos Rache, ich hätte den Gammelfleischhändler gerne ein paar Wochen mit seinem Gammelfleisch gefüttert;-)

        Gruß,
        Christiane

  2. Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
    Re: Trendtat Suizid?

    Erinnerung...

    in meiner Erinnerung gibt es drei Suizide meiner Geschwister.

    Und dabei bin ich dankbar, dass inzwischen von "Suizid" und nicht von "Selbstmord"(Verbrechen) gesprochen wird.

    Die Selbsttötung ist ein Lösungsweg. Die Lösung von Schwierigkeiten. Ich sehe keinen anderen Weg, die Probleme zu lösen. Diese dunkle Seite unseres Selbst, können wird nicht nachfühlen, bis wir uns persönlich in dieser unlösbar scheinenden Situation befinden.

    Für die die zurückbleiben bleibt die Wut, der Hass - du hast dich nicht auseinandergesetzt, hast dich nicht gestellt, dich nicht bekannt. Du hast dich mir nicht anvertraut.

    Und der Vorwurf - was hätte ich tun können um es zu verhindern.

    Nein, es ist keine Modeerscheinung. Es passiert Tag für Tag. Nur jetzt im Moment werdet ihr aufmerksam, weil es Personen sind, die im Medienmittelpunkt stehen. Dann wirds interessant.

    Statistiken steigen. Mehr Männer als Frauen. Im Frühling mehr als im Herbst. Die Ungarn führen national. Die Zahnärzte vom Beruf her.

    Hilft dass???

    jederman

    • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Trendtat Suizid?

      Hi, Die Selbsttötung ist ein Lösungsweg. Die Lösung von
      Schwierigkeiten. Ich sehe keinen anderen Weg, die Probleme zu
      lösen. Diese dunkle Seite unseres Selbst, können wird nicht
      nachfühlen, bis wir uns persönlich in dieser unlösbar
      scheinenden Situation befinden.
      was du schreibst klingt sehr in sich gekehrt. Hoffnungslos. Irrational verzweifelt. Dem Leben nichts mehr abgewinnen könnend. Depressiv.
      Meinst du ein Möllemann war so jemand? Es geht mir hier grade nicht um eine seelische Verzweiflungstat, nicht um das nicht mehr Leben wollen an sich.

      Leute wie Möllemann und Frau Kohl sind ganz sicher nicht Opfer ihrer Gefühle, sondern flüchten aktiv und selbst gesteuert. Bei diesem Priklopil bin ich mir nicht ganz sicher. Sehr depressiv wirkt seine Tat nicht auf mich. Bei dem Gammelfleischhändler ebenso. Der hätte mit seinen 74Jahren doch wahrscheinlich nicht mal in den Knast gemusst, der Entführer sicher auch nicht grade ewig.

      Für alle hätte es irgendwie weitergehen können. Zwar mit einer mehr oder weniger großen Lebenslast, aber die haben andere auch zu tragen. Stattdessen haben die einfach kein "Bock" sich anzustrengen und geben sich die "Kugel".

      Was mich hier auch irgendwie stört, ist die allgemeine Akzeptanz in der Gesellschaft. Da kommen dann auch so Sprüche wie "ist mir doch egal, der hat's auch nicht besser verdient". Dabei ist das verachtenswert und keineswegs "gerecht".

      Warum soll außerdem der Suizid eines Politikers akzeptabel sein, der des psychisch Kranken aber nicht?


      Nein, es ist keine Modeerscheinung. Es passiert Tag für Tag.
      Nur jetzt im Moment werdet ihr aufmerksam, weil es Personen
      sind, die im Medienmittelpunkt stehen. Dann wirds interessant.
      Eben, die interessieren mich hier auch speziell weil ich das noch weniger verstehen kann,,,


      Viele Grüße,
      J~

      • Antwort von nach 16 Stunden 5 hilfreich
        Re^3: Suizid


        was du schreibst klingt sehr in sich gekehrt. Hoffnungslos.
        Irrational verzweifelt. Dem Leben nichts mehr abgewinnen
        könnend. Depressiv.
        Meinst du ein Möllemann war so jemand? Es geht mir hier grade
        nicht um eine seelische Verzweiflungstat, nicht um das nicht
        mehr Leben wollen an sich.
        die seele, die psyche spielt doch die wesentliche rolle -
        das auszuklammern halte ich für tragisch.
        Leute wie Möllemann und Frau Kohl sind ganz sicher nicht Opfer
        ihrer Gefühle, sondern flüchten aktiv und selbst gesteuert.
        wer sagt, dass sie sich als opfer ihrer gefühle fühlten?
        nach flucht sieht es für überlebende aus, aber wissen wissen wir
        nüscht. denn dazu müsste man ja vergleichen können.... Bei diesem Priklopil bin ich mir nicht ganz sicher. Sehr
        depressiv wirkt seine Tat nicht auf mich. Bei dem
        Gammelfleischhändler ebenso. Der hätte mit seinen 74Jahren
        doch wahrscheinlich nicht mal in den Knast gemusst, der
        Entführer sicher auch nicht grade ewig.
        reine spekulation was du das schreibst - woher willst du wissen, ob er in den knast gemusst hätte oder nicht und woher willst du wissen ob das bei seiner entscheidung überhaupt eine rolle gespielt hat?
        du gehst mit deinen gedanken daran und klammerst div. möglichkeiten aus. - was kann ein mensch fühlen in so einer lage - scham, schuld, und vieles mehr - hoffnungslosigkeit aber sicherlich auch nicht wenig.
        Für alle hätte es irgendwie weitergehen können.
        das irgendwie mag für deinen geschmack ausreichend sein - offensichtlich aber nicht für sie.

        Zwar mit einer mehr oder weniger großen Lebenslast, aber die haben andere
        auch zu tragen.
        was der eine kann, kann der andere nunmal nicht. sowie der eine
        die eine art schmerz besser ertragen kann als der andere.
        sowie bei einer person ein und der gleiche "vorfall" andere auswirkungen hat als beim anderen. menschen sind ja keine maschinen
        und eben auch keine kopien.


        Stattdessen haben die einfach kein "Bock" sich anzustrengen und geben sich die "Kugel".
        du machst es dir einfach - stülpst deine wertmassstäbe über und
        behauptest denen ginge es um null bock....wenig einfühlsam und
        deshalb aus meiner sicht wenig aussichtsreich im ansatz nachvoll-
        ziehen zu können.
        ich habe selbst nie nur ansatzweise todessehnsüchte gehabt,
        kann aber manchen menschen ob seiner verzweiflung verstehen - auch wenn ich in der gleichen lage evtl gar nicht so verzweifelt gewesen wäre.
        das aber berechtigt mich nicht seine gefühle in frage zu stellen.
        das machst du nämlich aus meiner sicht.
        wenig hilfreich für menschen in der situation.
        Was mich hier auch irgendwie stört, ist die allgemeine
        Akzeptanz in der Gesellschaft. Da kommen dann auch so Sprüche
        wie "ist mir doch egal, der hat's auch nicht besser verdient".
        Dabei ist das verachtenswert und keineswegs "gerecht".
        2 paar schuhe die du in einen topf wirfst - akzeptanz hat nichts mit gleichgültigkeit zu tun und du mischt beides hier.
        wenn man aufhört die gefühle des anderen anzuerkennen ist alles vorbei. von daher hat jeder mensch ein recht auf seine gefühle und in letzter instanz auch ein recht auf seine ablebenswünsche.

        wer das nicht respekiert hat meiner ansicht nach ein eigenes problem das er überträgt.

        was du übrigens nun verachtenswert findest ist mir nicht ganz klar - die gleichgültigkeit (kälte) mancher menschen oder aber die entscheidung von freiwillig verstorbenen?

        im ersteren fall ist jene verrohung (wenns denn keine schutzbehauptung ist) nat. ungut - doch zeigt deine bewertung ja auch eine deutliche abwertung und soooo gross ist für mich pers. der unterschied da nicht.
        würde "es" die "lebensmüden" betreffen, würde es für mich auf dich ein kaltes licht werfen. das dessen: seid so wie ich euch haben will, lebt meine wertvorstellungen und geht mit dem leben um wie ich.
        (wobei du ja selbst nicht wissen kannst ob nicht auch du unter bestimmten umständen todessehnsüchte bekommen würdest)
        Warum soll außerdem der Suizid eines Politikers akzeptabel
        sein, der des psychisch Kranken aber nicht?
        wer sagt das denn?
        LG
        nina

  3. Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
    Re: Trendtat Suizid?

    Hi J~,
    ich würde gerne mal wissen ob es einen neuen Trend zum Suizid
    gibt oder ob mich das täuscht.
    es täuscht!
    Z.B. wurde durch Goethes Roman 'Die Leiden des jungen Werthers' eine wahre Flut von Selbstmorden ausgelöst, die sogar einen psychologischen Fachbegriff geprägt hat, den Werter Effekt
    http://de.wikipedia.org/wiki/Werther-Effekt IMHO ist es ja schon fast
    gesellschaftsfähig geworden sich selbst zu töten um diesem
    oder jenem, besonders der eigen Verantwortung aus dem Weg zu
    gehen.
    Auch das gab es früher schon, sogar ausgeprägter.
    Ging ein Kaufmann so richtig bankrott, sodaß er keine Chance hatte aus dem Schlamasel wieder herauszukommen, rehabilitierte er sich und vor allem seine Familie mit seinem Selbstmord.
    Auch sittliche und andere schwerwiegende Vergehen konnten mit einem Selbstmord getilgt werden.

    Also nichts neues unter der Sonne.

    Gandalf

    • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Trendtat Suizid?

      Hi, http://de.wikipedia.org/wiki/Werther-Effekt
      interessant, kannte ich in dieser Art und Weise noch nicht. Aber vielleicht ist es genau das, was ich meine. Durch den "öffentlichen" Suizid von z.B. Frau Kohl ist dieser "Weg" sicher in vielen gesellschaftlichen Kreisen salonfähig gemacht worden. Wer eine schwere Krankheit hat mit der er nicht fertig wird nimmt sich selbst das Leben. "Die Kohl" hat das schließlich auch so gemacht und "alle" hatten Verständnis (ich übrigens nicht) kann da als Argument dienen. Auch das gab es früher schon, sogar ausgeprägter.
      Ging ein Kaufmann so richtig bankrott, sodaß er keine Chance
      hatte aus dem Schlamasel wieder herauszukommen, rehabilitierte
      er sich und vor allem seine Familie mit seinem Selbstmord.
      Auch sittliche und andere schwerwiegende Vergehen konnten mit
      einem Selbstmord getilgt werden.
      Nunja, aber heute sind wir ja "zivilisiert" und die Sippenhaft ist abgeschafft... Sollten eigentlich andere Voraussetzungen sein.


      Nachtgrüße,
      J~

      • Antwort von nach 8 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Trendtat Suizid?

        Hi, Nunja, aber heute sind wir ja "zivilisiert" und die Sippenhaft
        ist abgeschafft... Sollten eigentlich andere Voraussetzungen
        sein.
        Wieso zivilisierter?
        Das ist noch keine hundert Jahre her.
        Und Sippenhaft - ja, die gibt es zum Glück nicht mehr so ausgeprägt, wenn sie auch nicht völlig vergessen ist.

        Gandalf



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