Wie geht man mit Wutanfällen (des Partners) um? Sie entstehen wegen Nichtigkeiten, wenn z. B. irgendwas umfällt, weil er ungeschickt war, oder bei Gesprächen mit Freunden, wenn irgendwas nicht so läuft, wie er es gerne hätte und und und… Bisher habe ich mich sehr ruhig verhalten und versucht,irgendwas zu sagen, was beruhigen könnte - ohne Erfolg.
Das ganze dauert eine Weile und hinterher tut es ihm Leid.
Sollte ich auch brüllen? Leider kann ich das nicht so gut und will es auch nicht.
Aber die Beziehung leidet (zumindest von meiner Seite aus) sehr darunter.
Hat jemand einen Tipp?
erica
Hallo Erika,
wenn dein Partner als erwachsene Mensch(!) unter solchen Anfällen leidet, dann muss er was dagegen tun, zumal es ihm jedesmal hinterher leid tut…
Du kannst da sehr wenig ausrichten, er muss das schon selber wollen und auch tun. Ich weiss nicht wie hoch deine Schmerzgrenze liegt, aber nur zu beschwichtigen ist ja auch nix. Ich würde auf deine Stelle das Ort des Geschehens sofort verlassen, du musst das ja nicht mitverfolgen, oder?
Wie macht er das im Berufsleben? Auch so ausflippen?
Er sollte vielleicht erstmal mit Entspannungsübungen versuchen (autogenes Training, Thai Chi oder Qi Gong)…wenn das nicht hilft, denke ich mir dass eine Psychotherapie vonnöten wäre.
Allein Reue zu zeigen hinterher reichts nicht, mit der Zeit wird er dich bestimmt vergraulen und für ihn selbst ist das ja auch nix.
Alles Gute und Gruss,
Maja
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Ich als Laie meine…
Hi erica,
ich, der Laie also, bin der Meinung, daß man nur aus einer gewissen Phantasielosigkeit heraus immer einen Sündenbock sucht.
Beispiel: Ich bin liberal eingestellt und daher der Meinung, daß man im Straßenverkehr auch das Recht hat, nicht immer die max. erlaubte Geschwindigkeit fahren zu müssen (z. B. Landstraße in schöner Gegend). Wenn ich’s aber mal eilig habe und vor mir einer kriecht, der nichts empfindliches geladen, keinen Fahrzeugschaden oder Angst vor kreuzenden Tieren hat, kann mich das trotzdem ärgern und intuitiv fange ich das Zetern an. Wie erklärt sich dieser Widerspruch? Ganz einfach: Natürlich ärgere ich mich, wenn meiner dringenden Erledigung etwas entgegensteht; mein langsamer Vordermann ist aber nicht schuldhaft dafür verantwortlich, es ist eben Zufall. Ergo: Seit ich mir derartige philosophische Gedanken gemacht habe, rege ich mich in solchen und ähnlichen Fällen nach wie vor auf, aber eben über das Schicksal, welches mir das eingebrockt hat. (Parth.: Im Straßenverkehr kommt übrigens noch hinzu, daß man i. d. R. keine Möglichkeit hat, untereinander zu kommunizieren und daher gezwungen ist, das Verhalten der anderen hinzunehmen).
Was hat das mit Deiner Frage zu tun? Schlage Deinem Partner doch mal vor, daß er bei seinem nächsten Anfall prüfen sollte, ob er sich nun wirklich über Dich, oder nicht doch schlicht über die Situation aufregt. Ich glaube mal, daß er vielleicht gerade besonders empfindlich und gereizt ist, ohne daß Du etwas damit zu tun hast und daß er es derzeit als eine Art Ventil sieht, wenn er sich übermäßig austobt. Ich könnte mir daher vorstellen, daß er das nächste Mal, wenn Du die Zahnpastatube nicht zugemacht hast, wieder ausflippt, dabei aber nicht auf Dich einschimpft sondern stattdessen einen Sandsack (ich hab’ auch einen, kaufhof, DM 39,90) eindrischt.
Kurz - es ist ambivalent: Nicht immer wenn man sich über etwas aufregt, ist die nächste damit zusammenhängede Person verantwortlich!!!
Bei mir klappt das Prima. Wenn man spazierengeht und es fängt unerwartet an zu regnen dann brüllt man ja auch nicht den nächsten Passanten an, der einen Schirm dabei hat?!?
Was meinst Du?
Grüße
R o b.
deine kräfte
hi erika,
erstmal herzliches beileid- kann mir vorstellen, wie du dich fühlst, ich hatte auch mal eine cholerische partnerin.
ich seh das auch so wie maja. das entscheidende wort in diesem zusammenhang ist die schmerzensgrenze (DEINE!).
du merkst es ja selbst: allein schon bei sowas mehr oder weniger „unbeteiligt“ dabei sitzen zu müssen ist sehr anstrengend. ich würde an deiner stelle genau abchecken, was du noch aushältst und was nicht. und dann: klare grenzen setzen! (sonst endest du als fußabtreter)
mach dir eins sehr bewußt: dass hinterher reue kommt, ändert absolut nichts an der tatsache, dass du erstmal (kräftemässig) „draufzahlst“ und es macht auch nichts ungeschehen. grundsätzlich hat niemand das recht, willkürlich auf anderer leute nerven rumzutreten. und wenn das derjenige tut, der im nächsten moment vorgibt, dich zu lieben, ist das ein vertrauensbruch! (und leider kein geringer, finde ich)
das soll jetzt nicht heißen, dass du ihm immer kräftig kontra geben sollst. ganz im gegenteil: du solltest ihm auf deine art vermitteln, was du noch mitmachst. den vorschlag von maja, im zweifelsfall den raum zu verlassen, halte ich für eine gute zwischenlösung.
ich hoffe, dass ihr das noch in den griff kriegt, ohne dass du sagen musst „beim nächsten mal mach ich schluss“ (aber das solltest du letzten endes tun und auch durchziehen, wenn nix anderes hilft).
kraft wünscht
bernd
Hi erica,
So wie du das beschreibst, scheint es sich bei deinem Freund um narzißtische Wutanfälle zu handeln, welche aus Kränkungen heraus entstehen, die ihn sehr persönlich treffen.
Aber, wie bereits an anderer Stelle erwähnt, müßte sich dein Freund darum Gedanken machen - nicht du!
Leidet er unter diesen Wutanfällen? Dann sollte er sich auftun sich um sich und seine Bedürfnisse zu kümmern.
MfG Harald
danke für die Antworten, ich werde mit ihm nochmal drüber reden, denn er hat inzwischen selbst erwähnt, dass er wohl eine Therapie braucht
erica
Hallo Erika,
ich neige zu ähnlichem Verhalten wie Dein Partner. Meinen Ausführungen möchte ich voranstellen, daß ich auch der Meinung bin, daß keiner das Recht hat so mit anderen auf Dauer umzugehen. Mir ist klar, daß das Verhalten Grund falsch ist.
Aber wie kommt es immer wieder zu solchem verhalten? Wie immer sind das Zusammenspiel mehrere Aspekte dafür ausschlaggebend, meine ich. Zum einen ist in fast allen Fällen ein erblicher Anteil (Charakterausbildung) vorhanden. Weiterhin wirken Umweltaspekte (Streß) immer Verstärkern bzw. entspannend mit.
Ich nehme an, daß es auf Arbeit eher selten ( nie ) zu solchen Ausbrüchen kommt und somit der Streit meist verlagert ( nach Hause) ist (ähnlich wie ein Dampfkessel muß der Druck irgendwann raus und dann ist der Grund zweitrangig). Dazu kommt noch eine Fehleinschätzung der eigenen Bedeutung (d.h. man engagiert sich innerlich immer als würde es um die Existenz gehen und reagiert damit sehr oft unverhältnismäßig) die Unverhältnismäßigkeit wird immer erst zu spät erkannt daraus folgt auch die anschließende Reue. Meine Konsequenz: Dieses Verhalten wird sich ( ähnlich wie eine Sucht) nie abstellen lassen nur kontrollieren. Es wird immer wieder mal zu überzogenen Reaktionen kommen. Um dies möglichst selten zuzulassen sind für mich folgende Dinge wichtig, - regelmäßige körperliche Anstrengungen -ein Deeskalations- Programm (Ziel sollte sein das Tempo aus der Konfliktzuspitzung zu nehmen)(z.b. durch Fragen nach der Bedeutung des Sachverhaltes) ein verlassen des Streitortes sollte eigentlich nur eine Notbremse entsprechen. Dabei handelt es sich um einen Lernprozeß.
Diese Verhalten hat "eigentlich " nichts mit einer Mißachtung anderer Personen zu tun als vielmehr mit dem Scheitern an seinen eigenen Ansprüchen und der daraus folgenden Hilflosigkeit, denn meistens soll immer alles besonders gut werden, und dann wird es auch nur normal wie bei jedem andern auch.
Gruß bodo