Kinder und wirklichkeit

in einem fachbuch heißt es:"…Bilder stehen für das Kind in einer anderen Korrespondenz zur Wirklichkeit als für den Erwachsenen: Stehen in der Wirklichkeit zwei Gegenstände aufeinander und werden sie genauso abgemalt, entsprechen sich Realität und Abbildung. Nimmt man nun den einen Gegenstand vom anderen und stellt beide nebeneinander, glaubt das Kind, auch auf dem Bild stünden die Gegenstände nun nebeneinander. Das Bild, so denkt das Kind nämlich, verändere sich mit der Realität…"

irgendwie habe ich so meine zweifel, aber der autor gibt auch kein alter an. könnt ihr damit konform gehen?

grüße von, francesca

Das Ganze muß wohl in einer sehr frühen Entwicklungsstufe stattfinden. Spätestens dann, wenn Kinder selbst anfangen zu malen, also mit 3 oder 4 Jahren kann das unmöglich stimmen. Wie könnte ein Kind sonst zum Beispiel einen Blumenstrauß malen, den es nicht sieht? oder ein Bild von Papa im Auto, wenn der doch neben ihm steht? Ich glaube ein Kind in dem Alter kann sehr wohl zwischen Bild und Realität unterscheiden, zum Beispiel beim Anschauen von Fotografien vom letzten Urlaub oder so.
Was natürlich bei Kleinkindern vorgeht, kann anders sein. Aber das ist auch schwer zu testen , solange diese noch nicht in Lage sind, sich klar zu äußern.

irgendwie habe ich so meine zweifel, aber der autor gibt auch
kein alter an. könnt ihr damit konform gehen?

grüße von, francesca

Ich kenne die Literatur dazu nicht gut genug, schätze aber, daß hier von Kindern unter vier Jahren die Rede ist. Dieses Phänomen entsteht dadurch, daß Kinder in diesem Alter zwar schon verstehen, daß ein Bild die Wirklichkeit repräsentiert, es ihnen aber nicht verständlich ist, daß das Bild nicht den AKTUELLEN Zustand der Wirklichkeit, sondern einen VERGANGENEN Zustand repräsentiert. Für sie ist es also okay anzunehmen, daß das Bild „aktualisiert“ wird, wenn man mit den Gegenständen manipuliert. Beispiel: ein Glas Milch und das Bild dieses Glases. Ich zeige dem Kind das Glas (voll) und das Bild des Glases (auch voll). Das Bild zeigt jetzt zwar den aktuellen Zustand des Glases, ist aber bereits zu einem früheren Zeitpunkt aufgenommen worden. Jetzt trinke ich das Glas aus und frage das Kind, was auf dem Bild zu sehen ist. Antwort: „Das Glas“ Frage: und ist das Glas leer oder voll? Antwort: „Das Glas ist leer“. Das Kind geht also davon aus, daß auch jetzt das Bild den aktuellen Zustand des Glases zeigen müßte.

Gruß
Michael