Psychotherapeutenausbildung an Akademien

Hallo!

Als Opfer der ZVS bin ich leider verhindert, mein Wunschfach Psychologie zu studieren. Zu spät bin ich auf den Beruf des Logopäden aufmerksam geworden. Jetzt studiere ich Pädagogik (auf M.A.).
Mir ist bekannt, daß Psychologen und Ärzte über ein mehrjähriges, praxisorientiertes Weiterbildungsstudium „Psychologischer Psychotherapeut“ werden können, Pädagogen können immerhin noch „Kinder- und Jugendpsychotherapeut“ werden. Diese Studien sind aber immens teuer - unter 20000 DM läuft meines Wissens gar nichts.

Nun bin ich aber auf die Möglichkeit gestoßen, an sog. Akademien Psychologische Weiterbildungsmaßnahmen (in Form von Fernlehrgängen) ergreifen zu können. So bietet die ALH (www.alh-akademie.de) Weiterbildungen zum „Psychologischen Berater ALH“ und sogar zum „Psychotherapeuten“ an. Diese Ausbildung zum Psychotherapeuten entspricht dabei nicht oben genannter Ausbildung. Ein Studium ist keine Voraussetzung (es reicht z.B. die vorhergehende Ausbildung zum Psychologischen Berater ALH). Über die ZFU hat die Akademie eine staatliche Zulassung.

Nun frage ich mich aber: Wieviel taugt dieser Lehrgang tatsächlich, was ist der Unterschied zu den Abschlüssen an Hochschulen (s.o.)? Was kann ich mit diesem Abschluß hinterher anfangen? Hätte ich eine Chance z.B. in Krankenhäusern oder psychiatrischen Anstalten eine Anstellung zu finden? Wie kann man überhaupt therapieren, wenn man nicht analysieren kann (Zitat aus der Beschreibung des Lehrgangs: „Der Lehrgang bildet nicht zum Psychoanalytiker aus, …“)?

Kann man sich auf so etwas einlassen? Offenbar wird die Ausbildung (Kosten übrigens unter 3000 DM inklusive mehrtägigen Präsenz-Intensivkurs und Lehrmaterialien) - die übrigens 12 Monate dauern soll (bei 1-2 Stunden Arbeitszeit pro Tag) - nicht vom Arbeisamt gefördert bzw. man kann sie wohl irgendwie steuerlich absetzen, wenn es eine Weiterbildung in einem bereits ausgeübten Beruf ist.

Ich hoffe, mir kann jemand dabei helfen.

Seliador

Hallo, Seliador…
die geschichte, nun sagen wir, ich rate dir, sie sehr zu hinterfragen, das sieht „gepusht“ aus…

…zum psychotherapeuten können sie nicht ausbilden, weil dieser begriff (berufsstand) mit dem neuen psychotherapeutengesetz (1.1.99) gesetzlich geschützt ist und einer genauen ausbildungsordnung unterliegt; um diesen titel tragen zu können braucht es eine dort vorgeschriebene ausbildung, jeder andere würde sich sogar strafbar machen, wenn er diesen titel trägt

…du hast recht, ohne kenntnis von krankheiten und fehlverarbeitungen kann man nicht therapieren und um therapieren zu können…hm… ja… drück mal einem chirurgen ein skalpell in die hand, ob er gleich operieren kann

…ich habe das gefühl, daß du dort teuer (für das ergebnis) im schnellkurs oberflächlich durch psychologisches terrain gejagt wirst (die psychotherapeutischen fachausbildungungen liegen übrigens mindestens beim dopplten des von dir vermuteten wertes, wenn nicht sogar des dreifachen… und dauern etliche jahre und sind an sehr viele leistungsnachweise, z.b. auch mindestens 1 jahr stationäre psychiatrie, einige hundert theoretische stunden und eine menge supervidierter therapien gebunden)

…mein tip, wende dich mal an den BDP - Berufsverband Deutscher Psychologen —> http://www.bdp-verband.org/ und bringe da dein anliegen noch einmal vor, vielleicht kann man dir dort sachkompetenter zu deinem berufswunsch verhelfen; ich weiß, daß es psychologische berater gibt und auch ausbildungen dazu, m. wissens aber über mindestens 2 jahre, nur wo, kann ich dir leider nicht sagen, aber vielleicht bekommst du dort eine genauere auskunft

freundliche grüße
monika

Hallo!

Als Opfer der ZVS bin ich leider verhindert, mein Wunschfach
Psychologie zu studieren. Zu spät bin ich auf den Beruf des
Logopäden aufmerksam geworden. Jetzt studiere ich Pädagogik
(auf M.A.).
Mir ist bekannt, daß Psychologen und Ärzte über ein
mehrjähriges, praxisorientiertes Weiterbildungsstudium
„Psychologischer Psychotherapeut“ werden können, Pädagogen
können immerhin noch „Kinder- und Jugendpsychotherapeut“
werden. Diese Studien sind aber immens teuer - unter 20000 DM
läuft meines Wissens gar nichts.

Nun bin ich aber auf die Möglichkeit gestoßen, an sog.
Akademien Psychologische Weiterbildungsmaßnahmen (in Form von
Fernlehrgängen) ergreifen zu können. So bietet die ALH
(www.alh-akademie.de) Weiterbildungen zum „Psychologischen
Berater ALH“ und sogar zum „Psychotherapeuten“ an. Diese
Ausbildung zum Psychotherapeuten entspricht dabei nicht oben
genannter Ausbildung. Ein Studium ist keine Voraussetzung (es
reicht z.B. die vorhergehende Ausbildung zum Psychologischen
Berater ALH). Über die ZFU hat die Akademie eine staatliche
Zulassung.

Nun frage ich mich aber: Wieviel taugt dieser Lehrgang
tatsächlich, was ist der Unterschied zu den Abschlüssen an
Hochschulen (s.o.)? Was kann ich mit diesem Abschluß hinterher
anfangen? Hätte ich eine Chance z.B. in Krankenhäusern oder
psychiatrischen Anstalten eine Anstellung zu finden? Wie kann
man überhaupt therapieren, wenn man nicht analysieren kann
(Zitat aus der Beschreibung des Lehrgangs: „Der Lehrgang
bildet nicht zum Psychoanalytiker aus, …“)?

Kann man sich auf so etwas einlassen? Offenbar wird die
Ausbildung (Kosten übrigens unter 3000 DM inklusive
mehrtägigen Präsenz-Intensivkurs und Lehrmaterialien) - die
übrigens 12 Monate dauern soll (bei 1-2 Stunden Arbeitszeit
pro Tag) - nicht vom Arbeisamt gefördert bzw. man kann sie
wohl irgendwie steuerlich absetzen, wenn es eine Weiterbildung
in einem bereits ausgeübten Beruf ist.

Ich hoffe, mir kann jemand dabei helfen.

Seliador

Hallo Seliador,

hier einige Worte zum schwierigen „Quereinstieg“ in die Psychotherpie. Ich habe die von mir weiter unten angesprochene Prüfung selbst abgelegt und kann nur sagen sie ist schwierig, aber machbar:

Zum rechtlichen: Psychologischer Berater kann sich jeder nennen und auch direkt eine Praxis eröffnen, theoretisch ohne jegliche Ausbildung. Therapieren darf der Psychologische Berater jedoch nicht, nur beraten. Die Grenzen sind jedoch machmal fließend.

Hinter der von Ihnen angesprochenen Ausbildung zum Psychotherapeuten steckt die auf Psychotherapie eingeschränkte Heilpraktikerprüfung des Gesundheitsamtes. Die Prüfung darf jeder über 25 ohne jegliche Vorbildung ablegen und kostet zwischen 500 und 1000 Mark. Sie teilt sich in schrftliche- und mündliche Prüfung vor dem Amtsarzt und ist äußerst schwer (Psychiatrie GK3, theoretische Psychologie, Psychotherapie, Recht, Krisenmanagememt, etc.). Durchfallquote: 90 - 95 Prozent !!!
Danach hat man die gesetzliche Berechtigung zu therapieren, darf sich jedoch nicht Psychotherapeut nennen, aber zum Beispiel Heilpraktiker für Psychotherapie oder Praxis für Gesprächstherapie oder ähnlich. Kassenabrechnung ist nur mit wenigen privaten Kassen möglich. Auch die Zusammenarbeit mit Ärzten ist nicht möglich.
Um die vorherige Prüfungsvorbereitung bzw.die Therapeutenausbildung muß man sich selbst kümmern. Die ALH bietet übrigens die preiswerteste Vorbereitung, ist jedoch nicht zu empfehlen. Ich ließ mich in der professionellen Sozialarbeit e.V. ausbilden, ist aber ebenfalls nicht empfehlenswert. Autodidaktisch schafft diese Prüfung wohl niemand. Sehr gut soll die teure und 2-3 jährige Ausbildung der Paracelsus-Schulen sein. Auch Thalamusschulen sind je nach Region empfehlenswert (und preiswerter).
Ich persönlich biete übrigens Hypnose-Workshops und mehrtägige Crash-Kurse für kurz vor der Prüfung an (keine komplette Prüfungsvorbereitung !).

Ich hoffe mit dieser Information etwas geholfen zu haben.

Herzliche Grüße und viel Erfolg

Michael Funk

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Hi Seliador,

unter Umständen könntest Du auch Psychologie an der Fernuni Hagen studieren?!

Im Sommer 1996 rief ich beim hiesigen Gesundheitsamt an und wollte Ausbildungsstätten für das erfahren, was Du nun auch eventuell machen möchtest. Aus wettberwerbsrechtlichen Gründen erfuhr ich hierzu nichts. Allerdings war ich etwas geschockt als die Frau am Telefon meinte, ich könne mich auch selbst auf die Prüfungen vorbereiten. Im Prinzip kann jeder Laie die Literaturempfehlungen durcharbeiten, voran GK3 oder auch „Psychosomatik“ von Klußmann (kann Dir gerne die Liste zukommen lassen, sind so an die 14 Bücher mit denen es man 100prozentig schaffen soll :smile:), die Prüfung machen und auch bestehen. Durchfallquote ist meines Wissens eher 80 - 85 % hier in Bayern, doch auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und natürlich immer noch viel zu hoch. Die Leute werden meiner Meinung nach viel zu wenig darauf vorbereitet.

Allein hier gibt es diverse Institute die diese Ausbildung-en anbieten. Sie sprießen wie Pilze aus dem Boden. Nun, Meinungen können sehr auseinander gehen. Folglich empfehle ich Dir mal die Ausbildungsstätten (vorort) anzusehen und jeweils neben einem Fragekatalog an die Schulleitung auch ein bis mehrere Probestunden bei unterschiedlichen Dozenten zu machen.

Mit dem Titel „Heilpraktiker für Psychotherapie“ z.B. darfst Du dann Therapie ausüben, wobei meiner Erfahrung nach Du in der Ausbildung selbst eher nur das lernst, was Du nicht darfst. :smile: Das heißt, weitere Fortbildungsmaßnahmen, z.B. in Transaktionsanalyse, Hypnose oder wie auch immer Du arbeiten möchtest, sind unbedingt anzuraten.

1996 im Herbst kostete die 30monatige Ausbildung bei Paracelsus bei Vorauszahlung „nur“ 11.000,-- DM. Selbstverständlich kommen noch diverse Kosten für Literatur hinzu. Ich habe sicherlich mindestens 20.000,-- DM inklusive Literatur ausgegeben.

Aus meiner Sicht wurde manches Wissen vermittelt, das mir bereits als Laie bekannt war. Bei komplexen Themen, z.B. Psychosomatik, wurden 6 Abende anberaumt. Das ist natürlich viel zu wenig. Und ich denke, die Literaturtipps hätte man auch günstiger bekommen können.

Überdies hat Paracelsus ein Rotationsverfahren, sprich Du kannst jederzeit einsteigen. Das hat zwar zunächst den Vorteil von Flexibilität. Doch Du stellst somit auch schnell fest, daß die Bindung zwischen den Leuten nicht so groß ist. Manche sind blutige Anfänger, andere stehen wieder kurz vor der Prüfung und alle sind in einem Raum mit jeweils sehr unterschiedlichem Know How.

Zwischenzeitlich bietet Paracelsus hier auch einen 1-Jahres-Kurs, Vollzeit an. Die Dozentin, bei der ich nun gerne auch TA machen möchte, meinte, hier sei ein ganz anderer Zusammenhalt und das Lernen würde so auch viel mehr Spaß machen mit den Leuten. Sie seien motivierter. In so einem offenen Rotationsprinzip kann man einfach rein bzw. auch wieder raus. Keinerlei echter Zusammen-Halt. Hier bedarf es schon sehr viel Selbstdisziplin oder man spart sich das Geld gleich und lernt a, selbst und macht nach der Prüfung vor dem Gesundheitsamt, wobei es hier auch Unterschiede gibt, b, eine Ausbildung in der Methode mit der man arbeiten möchte. So würde ich es wenigstens heute machen.

Thalamus hat bei uns nun geschlossen. Ein Gespräch hatte ich dort auch mal. Doch auf Osho-Meditationen in der Ausbildung hatte ich persönlich keine Lust. :smile:

Durch’s Studium hast Du sicherlich einiges an Wissen, sodaß Du auch die Prüfung vor dem Gesundheitsamt durch Selbständiges Lernen schaffen könntest. Gleichzeitig waren bei uns mal drei Ärzte, die bereits zweimal in der Prüfung durchgefallen waren. Die Prüfung ist sicherlich nicht einfach, nicht mal für Leute vom Fach, doch sie ist auch kein Hausfrauen-Studium wie manche Ärzte oder Psychologen es beschreiben.

Allerdings hast Du hier derzeit nur wenig Möglichkeiten über Kasse abzurechnen. Doch ich gehe davon aus, daß sich in der Hinsicht in den nächsten Jahren einiges noch verändern wird.

Wenn Du magst, suche ich Dir mal die Literaturliste raus, mit der Du angeblich 100prozentig die Prüfung vor dem Gesundheitsamt schaffen sollst. :smile:

Ciao,
Romana

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