eine wirklich interessante und wichtige Frage!
Sie fällt - andersherum gestellt - eigentlich zusammen mit der Frage: wann bist Du ein guter Gesprächspartner...
Die meisten haben den Eindruck, sie seien schon dann interessante Gesprächspartner, wenn sie viel zu erzählen haben. Sie denken nicht daran, daß sie dadurch bestenfalls interessante Erzähler sind, die VORAUSSETZEN, daß der Andere ein guter Zuhörer ist *schmunzel* (der überdies zufällig für das Erzählte auch Interesse entgegenbringt)
Und damit sind wir beim Thema: wenn Du Leute fragst, ob sie Zuhören für etwas Aktives oder Passives halten, wirst Du fast immer die Antwort bekommen, zuhören heiße, passiv zu sein. Sie meinen damit, was Dir hier ja auch einige schon zurecht geantwortet haben: dem Anderen rein physikalisch Zeit zum sprechen einräumen, ihn "aus"-reden lassen... natürlich ist das eine Bedingung, aber es ist lediglich eine Mindestbedingung.
Aber das ist ganz und gar falsch. Ich würde "zuhören" übersetzen mit: "Interesse entgegenbringen" - und das tut man nicht durch rein akustisches Schweigen! Im Gegenteil: feedback in Form von (Verständnis-)Rückfragen gehören da ebenso dazu wie Mimiken und Gesten, die dem Anderen Aufmerksamkeit signalisieren...
Daß das Fragen (nicht die bloße Neugier natürlich) entscheidend für das wirkliche Interesse am Anderen ist, ist nicht allgemein bekannt. Vielmehr scheint eine Art Panik erlebt zu werden, dadurch die aktive Gesprächführung abzugeben, ebenso wie durch das besagte einfache Redenlassen. Als ob nach dem Motto geredet wird, Reden sei Macht oder Fragen sei Zeichen von Neugier oder Unwissenheit.... aber das Gegenteil ist wahr: Wer zuzuhören und zu fragen versteht, der "führt" erst wirklich das Gespräch...
Die spezielle Gesprächsform, die ich für Gesprächspartner entwickelt habe, die sich in Krisen- oder Konfliktsituationen befinden, heißt dem entsprechend übrigens "Gespräche unter vier Ohren".... :-)
Grüße
M.G.