Hi Lila,
klar, daß Du da in ein heftiges Problem eingewickelt worden bist. Da es Dir eilig ist, versuche ich Dir gerade mal auf die Schnelle ein feedback zu geben als jemand, der mit Situationen wie der Deinigen einigermaßen vertraut ist. Gerade deshalb aber wiederstrebt es mir, einfach "Tips" zu liefern, denn es gibt keine von der Persönlichkeit der Beteilgten unabhängigen, also abstrakten "Rezepte" dafür. Da ich u.a. mit der Ausbildung von anonymen Telefonhelfern betraut bin, könnte ich Dir vielleicht doch das eine oder andere mit auf den Weg geben. Dies würde aber genauere Kenntnisse voraussetzen, wie IM DETAIL sich eure Gespräche bisher abspielten, z.B. mit welchem Wortlaut genau sie ihre Situation darstellt, und wie Du Deinerseits auf bestimmte Aüßerungen von ihr bisher reagiert hast. Wenn Du Dir diese Mühe machen willst, sprich mich gerne per Mail an....
Nur ad hoc vielleicht doch dies: versuche nicht, psychotherapeutische Ferndiagnosen zu machen, zumal Du ja wahrscheinlich keine Therapeutin bist, und schon gar nicht im Kontext "borderline". Denn dabei handelt es sich um eine der therapeutisch und diagnostisch schwierigsten bzw. kompliziertesten Persönlichkeitsstörungen... auf die man auf gar keinen Fall aus den von Dir geschilderten Symptomen schließen darf und kann. Selbst wenn, würde Dir das ja auch nichts nützen.
Daß Deiner Gesprächspartnerin eine psychotherapeutische Betreuung sicher nützlich wäre, steht dabei ganz außer Zweifel, wie es Dir ja auch von anderen schon geschrieben wurde. Es ist aber ohne Schulung in Gesprächführung kaum möglich, jemanden mit Erfolg auf den Gedanken zu bringen, eine Therapie machen zu wollen (!), ohne gerade dadurch Widerstand dagegen zu erzeugen.
Daß ihre "Kollegin" sie von einer klinischen Betreuung regelrecht abgehalten hat (vorsicht! woher weißt du, ob das wahr ist?), ist sicher eine Katastrophe, aber auch verzeihlich, denn mit dem Psychologiestudium ist man ja noch lange kein Psychotherapeut.
Was Du aber vielleicht gemerkt hast: Du bist von Deiner Gesprächspartnerin in ihre Lebensproblematik involiert worden und zwar so, daß Du systematisch in Spannung und Atem gehalten wirst, in diesem Fall sogar durch Terminankündigungen (sogar für einen Ausweichtermin ist schon gesorgt!). Damit ist auf KEINEN Fall gemeint, daß diese SuizidDROHUNG nicht auch eine tatsächliche SuizidGEFAHR bedeuten kann. Es soll nur darauf aufmerksam machen, daß sie das (als solches bekannte) Merkmal zeigt, andere in eine nervenaufreibende Beschäftigung mit der eigenen Lebensproblematik hineinzutreiben und in eine emotionale Achterbahn, noch zusätzlich unter der Randbedingung, daß diese (die Fremden) keinerlei Möglichkeiten haben, irgendwie handelnd einzugreifen - sie WEISS ja, daß Du sie nicht real erreichen kannst, wenn sie nicht will!!
Ich stimme Dir zu, daß Du ihr Vetrauen mißbrauchen würdest, wenn Du ihre Anonymität mit Gewalt aufdecken würdest. Dieses Vertrauen in Dich als (anonyme) Gersprächspartnerin ist ganz gewiß für sie wichtiger (und vielleicht heilsamer), als ggf. von Dir manuell "gerettet" zu werden.
Statt "Tips" für Dich also lieber einige Fragen:
Wie reagiert sie (wortlautmäßig) auf dein Angebot, daß Du sie gerne real kennnenlernen möchtest?
Wie reagiert sie, wenn Du ihr offen (!) sagst, was in Dir (wirklich !) vorgeht, z.B. daß es Dich traurig machen würde, wenn.... oder daß es unerträglich für Dich sei, Dich sogar wütend mache ((!? Frage von mir an Dich: macht es Dich etwa nicht wütend?)), nicht handeln zu können...
Viele sagten Dir ja schon: verhindern kannst Du es in Deiner Position nicht, falls sie es tun will. Es ist ggf. schwer für Dich, allerdings wirst Du es wohl auch nicht erfahren, denn selbst wenn Du nichts mehr von ihr hören würdest, bedeutete das noch lange nicht, daß sie es getan hat. Es ist mutig von Dir und es ehrt Dich, in dieses Lebensspiel eingewickelt zu bleiben...
Allerdings KÖNNTE es auch sein, daß ein angemessener Zornesausbruch von Dir (es IST eine Art von Erpressung, vergiß das nicht!) deiner Gesprächspartnerin (momentan) auf die Beine hilft. Aber, wie gesagt, es käme auf die Details Eurer bisherigen Gespräche an, die ich nicht kenne...
Auf jeden Fall sollte es ein freier ENTSCHLUSS von Dir sein, ihre Gesprächspartnerin zu bleiben, sonst reibst Du Dich auf dabei... denn: Eure Mail- und Telefonbeziehung KANN noch Jahre dauern !! Mitleid (vor allem, wenn Du Dich unfreiwillig hineingeZOGEN fühlst) hilft ihr auf keinen Fall (das ist schlicht ein Erfahrungswert)....
Zum Schluss: wenn Du möchtest.. und vor allem, wenn etwas hier mißverständlich war... setz Dich gerne per Mail mit mir in Verbindung...
herzliche Grüße
M.G.