Re: Riecht mir nach Burnout
Hallo Christian !
Das ganze hoert sich irgendwie nach Burnout an, was ja in sozialen Berufen nicht so selten ist. Ich vermute, dass Du irgendwann sehr motiviert warst und vor allem das Beduerfnis hattest anderen zu helfen. Menschen, die sich in solchen Berufen vor allem auch emotional engagieren, haben jedenfalls die besten Chancen, auszubrennen: die Arbeit satt haben, am Ende keinen emotionalen Bezug zum "Objekt" seiner Arbeit + evtl., psychosomatische Symptome.
So weit ich als wissenschaftlich taetiger Psychologe (allerdings in einem arbeitspsychologischen Forschungsprojekt beschaeftigt) etwas dazu sagen kann, hat das in starkem Masse etwas mit einem Mangel an Reziprozitaet zu tun: D.h., fuer das, was Du emotional und allgemein in die Arbeit investierst, bekommst Du subjektiv aus Deiner Sicht keine aequivalente Rueckmeldung. Hier ist nicht die finanzielle Entlohnung gemeint, sondern allgemein das, was Du Dir vorher erhofft hast. Vielleicht hast Du vorher irgendwie das Ziel gehabt, diesen Menschen in der Psychiatrie staerker zu helfen, als es Dir letztlich moeglich ist.
Ich will Dir an dieser Stelle keine beruflichen Perspektiven aufzeigen (ich weiss auch nicht, was Du fuer eine Ausbildung hast), moechte Dich aber vor allem darauf hinweisen, Dir erst einmal zu ueberlegen, was Du eigentlich in Deiner bisherigen Arbeit erreichen wolltest. Idealismus ist sicherlich in jeder Arbeit irgendwo notwendig, zuviel davon schadet aber der eigenen psychischen Gesundheit.
Zufriedenheit kannst Du erreichen, indem Du entweder die objektiven Gegebenheiten soweit aenderst, dass sie Dich zufriedenstellen oder aber indem Du Dein eigenes Anspruchsniveau veraenderst. Bei psychiatrischen Patienten oder auch in anderen Bereichen (Pflege von totkranken oder senilen Patienten) muss man sich schon klarmachen, dass das was man an Rueckmeldung von den Patienten bekommen kann, relativ gering ist. Vielleicht muss man auch nur ein wenig danach suchen.
Gruss Psycho