Angst vor Vorträgen

Von: , Frage gestellt am Mo, 18. Okt 1999

Hallo
Immer wenn ich einen Vortrag halten muss oder vor vielen Leuten etwas sagen soll, bekomme ich Herzklopfen, es wird mir fast schwarz, mir fällt nichts ein und ich stottere. Das ist ein echtes Problem für mich und ich möchte es in den Griff bekommen! Wer rät mir was zu tun?
Gruss Robert

19 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 48 Minuten hilfreich
    Re: Angst vor Vorträgen


    Hi Robert,

    ich hatte das vor ein paar Jahren auch ganz krass. Wieso sich das dann gegeben hat, kann ich so genau gar nicht sagen.
    Aber ein paar Tipps kann ich dir trotzdem geben.

    1. (Kognitive) Verhaltenstherapie.
    Die Erfolge sind im allgemeinen sehr gut und rasch und normalerweise bezahlts die Kasse.

    2. Im Prinzip kannst du's auch alleine machen: (a) In die unangenehmen Situationen reingehen und drinbleiben. Die Angst kann nicht die ganze Zeit auf hohem Niveau bleiben und geht nach einiger Zeit (wahrscheinlich so zehn Minuten) von alleine runter. Das ist hart, aber wenn du das ein/zwei Wochen jeden Tag machst bist du höchtstwahrscheinlich geheilt.
    Das verkehrteste ist, sich auf dem Höhepunkt der Angst aus der Situation zurück zu ziehen. (b) Während dieser Zeit, sollte dein Ziel nicht sein, einen coolen Vortrag zu liefern. Im Gegenteil, es geht ja darum sich der Angst und der Blamage auszusetzen. Du solltest Dir sagen, ich geh da jetzt rein und mach mich zum Idioten und stotter eher noch absichtlich ein bißchen mehr: Ein, zwei Wochen richtig durchs Feuer laufen.

    3. Die softe Tour: Du fragst deinen Hausarzt, ob er dir Beta-Blocker verschreibt (evtl. auf Privat-Rezept, dass du sie bezahlst und sie nicht sein Budget belasten). Die nimmst du dann drei, vier Stunden bevor du einen Vortrag hälst.
    Beta-Blocker nehmen dir nicht (direkt) die Angst, aber mildern körperliche Symptome (Herzrasen)- das ist schon ne Menge. Die Dinger sind harmlos und haben auch kein Suchtpotential.

    Das ist natürlich genau das Gegenteil zu dem oben beschriebenen Weg.
    Ich fand es aber damals sehr erleichternd, die Dinger zu besitzen, um dann entscheiden zu können, ob ich sie nehme oder nicht, und eventuell freiwillig so ne unangenehme Situation durchzustehen.

    • Antwort von nach 13 Stunden hilfreich
      Re^2: Angst vor Vorträgen

      Hallo Paul, Die Dinger sind harmlos ...
      vorsichtig formuliert wuerde ich diese Behauptung als verantwortungslos bezeichnen.

      Ciao
      Gernot

      • Antwort von nach 15 Stunden hilfreich
        Re^3: Angst vor Vorträgen

        Na Gernot, dann sei doch mal weniger vorsichtig und laß uns an deinem Wissen teilhaben, was BBs so schrecklich macht.

        BTW: Vor ein paar Jahren hatte ich leichte paroxysmale Tachykardien. (Nichts mit Redeangst, einfach so). Ich hätte es gar nicht bemerkt, wenn ich nicht den Pulsmesser vom Joggen angelassen hätte.
        Ich war dann beim Karidiologen, der sagte die Tachykardien seien völlig unschädlich, aber ob ich trotzdem einen BB haben wolle. Ich fragte wieso ich die nehmen sollte, wenn die Ts nicht behandlungsbedürftigt seien. Der Tenor war dann: schadet nichts, wenn ihnen die Ts unangenehm sind, nehmen Sie halt die BBs, wenn nicht lassen Sie es.
        Ich habe dann noch meinen Hausarzt gefragt und zwei andere Ärzte: mit dem gleichen Ergebnis. And notice: Wir reden hier von einer Empfehlung zur täglichen, nicht absehrbar begrenzten Einnahmen und nicht singulär vor einem Vortrag.

        Also komm rüber mit den Fakten, dann verklagen wir die kriminelle Bande.

        Generell: Es mir völlig schleierhaft, wie eine Empfehlung der Form "Frag deinen Arzt nach X" überhaupt 'verantwortungslos' sein kann, egal was X ist. Der Arzt hat dann ja auch noch ein Wörtchen mitzureden..

        Gruss Paul

        • Antwort von nach 20 Stunden hilfreich
          ja und nein...

          generell können beta-blocker abhängig machen, wie alle psychopharmaka. also sind sie nicht wirklich harmlos. leider sind die ärzte in diesem unserem lande nicht sehr genau, was beraturng betrifft, dafür sehr eifrig, was das verschreiben von medikamenten betrifft... aber da kannst du ja nun auch nichts für...

          liebe grüße, nike

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Re: ja und nein...

            Hi Nike (ist es [Neiki] oder [Ni:ke]?), generell können beta-blocker abhängig
            machen, wie alle psychopharmaka. also
            sind sie nicht wirklich harmlos.
            Beta-Blocker sind keine Psychopharmaka. Sie verhindern, daß Adrenalin oder Noradrenalin die ß-Rezeptoren (vornehmlich am Herzen aber auch z.B. in den Gefäßwänden) reizt. Sie mildern so körperliche Reaktionen (z.B.Beschleunigung des Herzschlags) die auch und typischerweise als Folge von Angst auftreten.
            BBs haben kein Suchtpotential in jedem vernüftigen Sinne des Wortes; z.B. Tölle 'Psychatrie' 10.Aufl., S.358: "Verglichen mit Tranquilizern wirkt sich vorteilhaft aus, dass Betarezptorenblocker...nicht zur Gewöhnung führen'.

            Viele Grüsse, Paul
            PS Um die naheliegensten Einwände vorwegzunehmen:

            Ja, wenn man dreißig von den Dingern schluckt, stirbt man und wenn man sie vorher nicht aus der Packung nimmt, kann man wahrscheinlich auch daran ersticken.

            Ja, grundsätzlich kann man von allem abhängig werden, von Aspirin bis Internet, also auch von BBs.

            Ja, wenn man Asthma hat, könnte es schlimmer werden und wenn man sie lange nimmt, sollte man sie nicht abrupt absetzen..pff

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              Re^2: ja und nein...

              ok, du hast gewonnen. du kennst dich besser aus als ich :-). trotzdem bleibe ich dabei, daß ich bei einem problem wie dem oben beschriebenen lieber keine beta-blocker einsetzen würde, sondern versuchen würde, es erst einmal so in den griff zu bekommen.

              das sollte man ohnehin, bevor man zu medikamenten greift. oder nicht?

              grüße, nike

            • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
              Re^3: ja und nein...

              Hallo Meisenbetoererin,

              lass Dich doch nicht so schnell verunsichern!
              Paul kocht auch nur mit Wasser.

              Liebe Gruesse
              Gernot

            • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
              Re^4: ja und nein...

              Hallo Gernot, lass Dich doch nicht so schnell
              verunsichern!
              Paul kocht auch nur mit Wasser.
              weiß ich doch. :-) Aber ich bin nicht in der Lage, ihm auf wissenschaftlicher Ebene zu widersprechen, also gebe ich das zu. Trotzdem blieb und bleibe ich bei meinem Statement, daß man bei BBs, ebenso wie bei anderen Medikamtenten, immer erst mal schauen sollte, ob man nicht auch ohne sie klar kommt. Denn in den meisten Fällen ist das der bessere Weg.

              Lieben Gruß,
              Nike

            • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
              Re^4: ja und nein...

              (...)

              *Paul, der heldenhaft der offensichtlichen Einladung zu einem Wortspiel mit ‘Paul’, ‘Gernot’,‘Wasser kochen’ und ‘heißer Luft’ widersteht*



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