Gewissenskonflikt

Von: , Frage gestellt am Mo, 11. Dez 2000

Hi,
Zwar hab ich schon jeden in meinem bekanntenkreis damit vollgelabert, weiss auch, dass ich die Entscheidung allein treffen muss, aber ich wollte trotzdem nochmal Eure Meinungen hören...Folgendes Problem: Ich habe einen ziemlich reichen, überaus geizigen Vater, der seit 23 Jahren mit einer überaus geldgierigen, und auch nach meiner ansicht unehrlichen Frau zusammen ist. Meine Mutter ist vor 3 Jahren sehr plötzlich an einem Aneurysma gestorben-ich liebte sie über alles.
bei der Heirat machten meine Eltern ein Testament auf Gegenseitigkeit, welches meine Mutter vor ihrem Tod noch zu meinen Gunsten ändern wollte, wie ich von einer tante weiss-dazu kam es jedoch nicht mehr. Es geht um ein Haus in einer stadt mit unglaublich hohen Grundstückspreisen-Nähe FFM.
In den nächsten Tagen wird also nun das haus meiner Kindheit verkauft...meine Mutter arbeitete immer u.a. auch dafür, weil sie wollte, dass ich das haus bekomme.
Nun, mein vater hat mir nicht einmal ein angebot gemacht, mir wenigstens einen anteil zu geben. Er behauptet, das Haus für 750.000DM verkauft zu haben-was ich auch nicht glaube, da müsste er ja blöd sein, aber egal. Ich habe rechtlich die Möglichkeit, einen Pflichtteil einzuklagen, der sich jedoch nur auf 80.000 DM
belaufen würde, wenn ich bis spätestens März die Klage einreiche.
Das Verhältnis zu ihm ist nicht besonders gut, aber ich liebe ihn irgendwo und habe auch eine kleine Tochter, es ist nicht leicht, den eigenen vater zu verklagen, aber er belügt mich und beleidigt meine Intelligenz-ebenso seine Freundin.
Der einzige, der nicht sagt, klage, ist mein Partner, meine anderen bekannten, sagen, tu es, er verarscht dich die ganze Zeit...Vor allem: Wenn ich an meine Ma denke, sie würde sich im Grab herumdrehen, werde ich sehr wütend auf meinen Vater...
Was würdet ihr tun?

6 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
    Zum Anwalt gehen

    Hi,
    geh zu einem (Fach-) Anwalt und laß dich beraten. Zumindest eine Erstberatung sollte drin sein. Dann weisst du zumindest soviel, dass du eine Basis für deine Entscheidung hast. So wie du das geschildert hast, erscheint mir der Trick deines Vaters juristisch nicht ganz wasserdicht. Faktoren, über die du dich informieren solltest: Wie groß ist der Pflichtteil wirklich? Bestehen weitere Ansprüche, wenn das Haus unter Wert verkauft wird? Wie sind die Erfolgsaussichten einer gerichtlichen Auseinandersetzung?
    Dann kennst du alle Faktoren, die du in die Waagschale werfen mußt, um eine für dich tragbare Entscheidung zu treffen.

    Also: Erst informieren, dann entscheiden.

    Ciao Rossi

    • Antwort von nach 2 Stunden hilfreich
      Re: Zum Anwalt gehen

      Alternativ solltest Du die Frage hier noch einmal unter der
      Rubrik 'Recht' formulieren. Ich denke, dort ist sie besser
      aufgehoben!

      Gruß
      Tommes [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
    Re: Gewissenskonflikt

    Um es gleich vorweg zu nehmen, es ict in jedem Fall Deine eigene Entscheidung, was Du tust oder nicht tust.
    Wobei ich persönlich die Variante, gegen seinen eigenen Vater zu klagen, nicht so besonders gut finde.

    Juristisch gesehen hat Dein Vater recht, falls der Kaufpreis richtig angegeben ist. Deiner Mutter gehörte das halbe Haus, davon die Hälfte für die Kinder, also ein viertel und das Pflichteil ist davon wiederum die Hälfte. Aber genaueres kann Dir da nur ein Anwalt sagen. Eine Beratung kann da schon sinnvoll sein, weil ja im Testament auch noch andere Festlegungen getroffen sein könnten.

    Aber so, wie es jetzt aussieht, ist das Haus erst mal weg. Das bekommst Du nicht wieder, auch nicht per Anwalt oder Gericht. Ob Du Dich nun mit Deinem Vater wirklich vor Gericht streiten willst, ist Deine Entscheidung.


    Gernot Geyer


  3. Antwort von nach 9 Stunden 5 hilfreich
    Re: Gewissenskonflikt

    Hi Christin,

    ich habe Dein Schreiben 5 mal gelesen... aus gutem Grund.
    Unmittelbar würde man als Außenstehender sicher die Meinung haben, daß sich mindestens eine Rechtsberatung empfiehlt, mindestens um Schritte einzuleiten, damit Du Einsicht in die Verkaufsverträge bekommst, da Du ja allen Grund hast, an den Angaben des Vaters zu zweifeln.

    Ich entnehme aber Deinem Schreiben, daß es Dir hauptsächlich um eine Entscheidung Deiner Gewissensfrage geht, und nicht ausschließlich um die jurstische Empfehlung und Beratung.

    Wenn ich mir dazu eine kleine Hilfestellung erlauben darf?

    Du könntest mit Dir selbst zurate gehen, ob Du mit eine Klage zögerst,
    a. weil es DEIN Vater ist, der beklagt wird, oder
    b. weil Du einem vermuteten ethischen Grundsatz(?) folgst, daß MAN nicht gegen seinen eigenen Vater klagen solle

    Ich geh mal davon aus, daß Dir der kleine Unterschied einsichtig ist...

    Im Falle (a.) hättest Du dann ausschließlich Dein Verhältnis zu Deinem Vater zu überdenken, wozu auch sein Verhalten Dir gegenüber in die Waagschale fallen sollte. Zusätzlich zu dem Verdacht, daß Du vielleicht betrogen wirst. Letzteres würde, da Du es selbst nicht prüfen kannst, möglicherweise sogar eine moralische Pflicht erkennen lassen: nicht weil DU betrogen wirst, sondern weil JEMAND betrogen wird. Deine tiefe Beziehung zu Deiner Mutter sollte hier ebenfalls in die Waage fallen: Es könnte sein, daß Du stellvertretend für sie, zumindest aber in ihrem Sinne und in ihrem Interesse, die Klage führen SOLLTEST.

    Im Falle (b.) könnten andere Dir behilflich sein: Einen allgemeinen ethischen Grundsatz, daß niemand gegen seinen Vater klagen solle, gibt es nicht, und mir ist auch keine Kultur bekannt, in der es einen solchen gibt.

    Nach der gründlichen Lektüre Deines Schreibens hätte ich allerdings ein paar Überlegungen für Dich, aus denen folgen könnte, daß Du sogar klagen MUSST! Und dies nicht NUR aus moralischen Gründen, sondern auch aus juristischen. In Deinen Ausführungen stehen Dinge, die solche Überlegungen notwendig machen !!! Diese Überlegungen kann ich Dir nicht hier öffentlich darlegen.

    Ich habe auch noch einige Frage zum Aneurysma-Tad deiner Mutter, die ich Dir ebenfalls nicht hier stellen kann....

    Bitte setz Dich mit mir persönlich in Verbindung... es scheint mir dringlich!

    Mit freundlichem Gruß
    M.G.

  4. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Gefühl und Verstand

    Hallo Christin,

    wenn ich solch eine Entscheidung zu treffen hätte, würde ich mir erst einmal alle Fakten besorgen: Welche Möglichkeiten gibt es seinen Willen durchzusetzen, welche Nachteile können für mich entstehen, ist mir den Kraft- und Zeitaufwand wert....
    Solch eine Überprüfung löst ja noch keine ungewollte Lawine aus. Und dann würde ich aus dem Bauch raus entscheiden, und mir Mühe dabei geben, sie auch zu akzeptieren.
    Wenn Du in etwa ein Ausmaß Deiner Entscheidung vor Augen hast, dann kannst du nichts verkehrt machen.
    grilla

  5. Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
    Re: Gewissenskonflikt

    Moin Christin,
    Ich kann Dir nur bei einen kleinen Problem helfen.
    Man kann doch zu diesem öffentlichen Amt gehen.... wie heißt das nochmal? Dieses Grundstücksamt. Da kann man vollkommen legal einsehen, wem welches Grundstück gehört. Ob der Besitzer es nur vermietet oder tatsächlich verkauft hat. Hi,
    Zwar hab ich schon jeden in meinem bekanntenkreis damit
    vollgelabert, weiss auch, dass ich die Entscheidung allein
    treffen muss, aber ich wollte trotzdem nochmal Eure Meinungen
    hören...Folgendes Problem: Ich habe einen ziemlich reichen,
    überaus geizigen Vater, der seit 23 Jahren mit einer überaus
    geldgierigen, und auch nach meiner ansicht unehrlichen Frau
    zusammen ist. Meine Mutter ist vor 3 Jahren sehr plötzlich an
    einem Aneurysma gestorben-ich liebte sie über alles.
    bei der Heirat machten meine Eltern ein Testament auf
    Gegenseitigkeit, welches meine Mutter vor ihrem Tod noch zu
    meinen Gunsten ändern wollte, wie ich von einer tante
    weiss-dazu kam es jedoch nicht mehr. Es geht um ein Haus in
    einer stadt mit unglaublich hohen Grundstückspreisen-Nähe FFM.
    In den nächsten Tagen wird also nun das haus meiner Kindheit
    verkauft...meine Mutter arbeitete immer u.a. auch dafür, weil
    sie wollte, dass ich das haus bekomme.
    Nun, mein vater hat mir nicht einmal ein angebot gemacht, mir
    wenigstens einen anteil zu geben. Er behauptet, das Haus für
    750.000DM verkauft zu haben-was ich auch nicht glaube, da
    müsste er ja blöd sein, aber egal. Ich habe rechtlich die
    Möglichkeit, einen Pflichtteil einzuklagen, der sich jedoch
    nur auf 80.000 DM
    belaufen würde, wenn ich bis spätestens März die Klage
    einreiche.

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