Antwort von
nach 19 Tagen
hilfreich
Re^4: Denkarten...
Hallo Gernot,
ich kenne das Problem auch. Es liegt einfach daran, daß es
mitunter mehrere Lösungswege zum Ziel gibt.
Genau so ist es. Das kann ich aus meiner Unterrichtserfahrung nur bestätigen.
Dann passiert es
mir oft, daß ich durch logisches Denken zwar auch hinkomme,
aber eben nicht auf dem "üblichen" Wege.
Genau. Ein richtig "guter" Lehrer sollte sich darum immer bemühen, möglichst viele verschiedene Wege aufzuzeigen und jedem Schüler so auf "seinem" eigenen Lösungsweg unterstützen und weiterhelfen. Dies ist für einen Lehrer aber auch ganz schön anstrengend: Er kann ja nur weiterhelfen, wenn er den vermutlich vom Schüler eingeschlagenen Weg erahnen kann. (Meistens hakt's ja irgendwo und der Lösungsweg ist noch nicht fertig zu Ende gedacht).
Ich habe dadurch schon in meiner Schul-, Lehr- und Studienzeit
meine Lehrer total aus dem Konzept gebracht, weil ich mitunter
völlig andere Varianten hatte, als die in ihren Lehrbüchern.
Aber genau so sammelt doch ein vielseitiger Lehrer im Laufe der Jahre viele verschiedene Lösungswege und -Gedanken. Und immer wieder bestätigt sich: auf die besten und elegantesten Lösungen wäre man als Lehrer mit seiner eigenen, eingefahrenen Denkweise niemals gekommen - die besten Ideen stammen meist von Schülern.
Wenn der Lehrer gut war, hat er erst mich in Ruhe angehört und
dann seinen Weg aufgezeigt.
Na ja. Ich zeige vielleicht der ganzen Klasse noch einen anderen Weg. Würde aber niemandem meinen Lösungsweg aufzwingen!
Wenn nicht, hatte ich meist
schlechtere Noten...
Das passiert häufig Leuten mit ausgeprägtem logischen
Denkvermögen. Die sind (ohne mich jetzt rühmen zu wollen) in
der Lage, sich Zusammenhänge aus ihrem Wissen heraus selbst
abzuleiten, ohne an den angelernten Erklärungen zu kleben.
Das wiederum (s.o.) ist vollkommen richtig. Allerdings ist es für einen Lehrer ungeheuer schwer bei den überfüllten Klassen dieses Denken zu fördern. Dies ist nur dann möglich, wenn im Unterricht Platz und Zeit geschaffen wird, in der jeder Schüler versucht eine Aufgabe wirklich selbstständig zu lösen. Genau diese Zeit ist aber bei den heutigen Lehrplänen in keinsterweise mehr gegeben. Außerdem muß der Lehrer dann, während die Schüler versuchen die Aufgabe zu lösen, permanent durch die Klasse wandern und (s.o.) jedem Schüler "seinen eigenen" Tipp zur weiteren Lösung geben. Das ist bei Klassen mit über 30 Schülern nahezu unmöglich und ungeheuer zeitraubend. Außerdem müssen die Schüler zunächst schon mal soviel Selbstsicherheit ("Ich kann das", "das was ich rechne ist richtig") gewonnen haben, daß sie sich überhaupt daran wagen eine Aufgabe selbstständig zu lösen.
Auswendiglernern passiert so was nicht, die kennen nur ihr
erlerntes Schema. Das ist nebenbei mein NAchteil, ich kann
nicht ausendiglernen. Ich muß den Zusammenhang begreifen,
warum und wieso etwas so und nicht anders ist, sonst vergesse
ich das Ganze gleich wieder.
Ohne genau dieses Denken hätte ich mein Mathe-Studium nie gepackt! Wenn man etwas begriffen hat, muß man ja auch viel weniger lernen. (Schätze mal: Aufwand mindestens um 1/3 reduziert)
Mit freudlichen Grüßen
Helga