Trauer um jemanden, den man nicht kennt

Von: , Frage gestellt am Mi, 3. Jan 2001

Hallo, hab da mal ne Frage:

was kann es zu bedeuten haben, wenn man viel über einen Menschen nachdenken und z.T sogar trauern muß, obwohl man ihn gar nicht kennengelernt hat.

Also konkreter: mein einziger Onkel mütterlicherseits ist kurz nach meiner Geburt im Alter von 18 Jahren um´s Leben gekommen.
Meine Mutter hat mich danach oft umhergereicht, da sie sich um ihre Mutter gekümmert hat und somit für sich selbst keine Zeit zu trauern gehabt. Es wurde/wird nie viel darüber gesprochen. Anders als bei anderen verstorbenen Familienmitgliedern habe ich hier von Zeit zu Zeit oft das Bedürfnis viel über ihn zu erfahren und bedaure es sehr, daß ich ihn nicht kennenlernen konnte.

Kann es sein, daß ich für meine Mutter trauere, weil sie ´s nicht konnte...gibt´s sowas oder was könnte dahinter stecken (oder ist das gar nicht so ungewöhnlich?)
Ich würd mich freuen, wenn da jemandem was zu einfällt!
Gruß, shockscrew

6 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
    Re: Trauer um jemanden, den man nicht kennt

    Hi,
    Meine Meinung dazu ist, dass es an der fehlenden Kommunikation lag. Der Verstorbene wurde im wahrsten Sinne des Wortes "totgeschwiegen". Das lässt dann den Spielraum für die Phantasie, wenn man nach dem Tod einer Person nicht mit menschen darüber reden kann, die der Person ebenfalls nahestanden, ist es fast nicht möglich, Abschied zu nehmen. Ich habe es selbst so erlebt und bei einem Freund von mir ebenfalls. Ich glaube nicht, dass Du für deine Mutter trauerst, obwohl es ihr sehr schwer gefallen sein muss, all das in sich zu versenken, es ist die Phantasie, die dich dazu bringt, dich mit diesem Onkel zu beschäftigen, es ist absolut nichts ungewöhnliches. Auch wenn Du noch ein Baby warst, er war Dein Onkel und er sollte auch jetzt noch Gesprächsthema sein, wenn auch ganz am Rande. Es wäre gut, wenn Du dich über ihn informieren könntest, obwohl du sicher Angst hast, bei anderen alte Wunden aufzureissen...falls diese Wunden überhaupt je heilen konnten. Dieses musst Du mit dir vereinbaren.
    LG, Christin. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
      Re^2: Trauer um jemanden, den man nicht kennt

      So etwas kann auch , wie im anderen posting schon angedeutet, sich gar nicht unbedingt auf die reale Person beziehen, sondern auf deiner Vorstellung davon - oder, was dieser Onkel "hätte sein können", wenn er eben nicht so früh verstorben wäre. Es würde mich nicht überraschen, wenn du sehr viel von eigenen Enttäuschungen / Wünschen in einen Zusammenhang mit diesem Onkel bringst.

  2. Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
    Re: Trauer um jemanden, den man nicht kennt

    Hallo schockscrew,
    Das ein Kind für einen Elternteil die Trauer übernimmt, klar sowas gibts.
    Darüber kannst du nachlesen in Bücher über Systemische Verstrickungen von Bert Hellinger.
    Allerdings ist das hier nicht der richtige Ort, das herauszufinden.
    Bei Fragen kannst du mir gerne ein mail senden.
    Viele Grüße
    grey

  3. Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
    Re: Trauer um jemanden, den man nicht kennt

    Hallo shockscrew,
    Trauer kann sich sehr vielfältig äußern. Es ist - wie schon gesagt wurde -nicht ungewöhnlich, dass Trauer 'übertragen' wird. Mir kam allerdings bei deinem posting ein ganz anderer Gedanke: Was ist eigentlich mit dir als Baby geschehen? Du hast in einer Zeit, als Du existenziell von deiner Mutter abhängig warst, erfahren müssen, dass sie dich herumgereicht hat. Kann deine Traurigkeit sich vielleicht auch auf diesen Verlust beziehen? Eine Muter, die nie da war, kann wirklich ganz schön traurig machen. Wenn dir danach ist, kannst du mir gerne mailen.
    Lieben Gruß
    Mechthild

  4. Antwort von nach 5 Tagen hilfreich
    Re: Trauer um jemanden, den man nicht kennt

    Hallo ihr Lieben,
    vielen Dank für Eure Antworten. Ich denke, ich habe jetzt einige Ansätze und werde mich mal ´n bißchen mehr damit beschäftigen. Ist nicht so, daß mich das beeinträchtigt, aber kommt halt ab und an etwas stärker durch und eigentlich hab ich mir nie soviel dabei gedacht, bis mein Freund sagte, daß er es äußerst merkwürdig findet, um jemanden zu trauern /sich mit einem Verstorbenen zu beschäftigen, den man gar nicht kennt...und da hab ich mir dann doch mal Gedanken gemacht....
    macht´s gut,
    Gruß, Shockscrew

  5. Antwort von nach 14 Tagen hilfreich
    Re: Trauer um jemanden, den man nicht kennt

    kann gut sein!
    - mamma verdrängt ihre trauer
    - du empfängst das
    - du trauerst
    Lösung: sage mamma jedesmal wenn du trauerst , das du trauerst!
    das löst das problem innert wochen!100 pro!

    Bugleba

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