Hallo!
Mich beschäftigt eine Frage aus dem Bereich der Arbeitspsychologie. Und zwar geht es um die Beschaffenheit motivierender Aufgabenstellung, und insbesondere um die „Ganzheitlichkeit“ einer Aufgabe.
Wann ist eine Aufgabe ganzheitlich?
Wenn Planung, Ausführung und Kontrolle beim Ausführenden liegen? Wie ist das mit Arbeit in einer Arbeitsgruppe beispielsweise bei der FAhrzeugmontage? Einer verlegt elektrische Leitungen im Fahrzeug, der andere tackern den Himmel unters Dach, wenn der mit den Leitungen fertig ist. Ganzheitlich?
Der mit dem Himmel muss ja auch planen, wie er das Teil verlegt , macht es und sieht zum Schluss nach, ob alles richtig ist.
Ist so was also schon eine „ganzheitliche Aufgabe“?
Oder wäre in dem Beispiel die gesamte Aufgabe der Arbeitsgruppe die ganzheitliche Aufgabe und die einzelnen Mitglieder führen nur Teilaufgaben aus?
Fragen über Fragen, ich hoffe, mir kann jemand eine Antwort darauf geben.
Danke im Voraus!!!
Krischan
Das Ganze und die Teile
Hi Krischan
abgesehen davon, daß es nicht so ganz das richtige Forum sein könnte (aber ist ja jetzt egal) und auch davon, daß ich „ganzheitlich“ (gemeinsam mit „innovativ“) zu den Siegern im Preis um die UNworte des letzten Jahrzehnts halte, jetzt mal zur Sache:
Ganzheitlich ist nicht eine Bezeichnung für eine einzelne Aufgabe bzw. für eine einzelne Arbeitsplatzstruktur, sondern für eine Arbeitsweise.
Was damit eigentlich gemeint ist, wird sofort deutlich, wenn du unter einem „Ganzen“ verstehst: das Ganze UND alle seine Teile (klar, daß das eine rekursive Definition ist, aber nur so macht es Sinn).
Wenn zum Beispiel eine Gruppe von Arbeitern A(1)…A(n) ein Objekt zusammenbaut und jeder Einzelne einen Teil des Objektes (so war ja auch dein Beispiel), dann bedeutet nicht-ganzheitlich, daß jeder nur für sein Teil und den damit zusamenhängenden Arbeitsprozess verantwortlich ist. Eine weiteres Mitglied der Gruppe A(0) müßte dann für Fragen der Koordination der einzelnen Arbeitsprozesse (Reihenfolge, Timing, Matrerialbeschaffung…) verantwortlich zeichnen. In diesem Fall ist also der Blick aufs Ganze A(0) getrennt von dem Blick aufs Detail A(1)…A(n). Hier arbeitet also auch A(0) NICHT ganzheitlich. A(0) versteht von den Problemen und Anforderungen des Teilprozesses nichts, und die Arbeiter am Detail verstehen nicht, wofür ihr Teilbereich eigentlich gut ist.
Das Problem entsteht, wenn es eine Störung im Arbeitsablauf gibt. Ein Zulieferer streikt, ein Gewindebohrer bricht ab oder was auch immer… Dann zeigt sich nämlich, daß mit der beschreibung oben das „Ganze“ nicht korrekt beschrieben ist, oder besser: nicht vollständig. Denn nun hängt das Gelingen der bewältigung der „Krise“ davon ab, ob 1. die beteiligten schnell untereinander Kommunikationswege (die also noch nicht vorgesehen waren) improvisieren können, und ferner, ob 2. überhaupt Ideen zur Krisenbewältigung entwickelt werden können. Aber bisher war weder für 1. noch für 2. einer der Beteilgten zuständig und kundig, weder A(0), noch die Einzelnen…
Bei einer echten ganzheitlichen Arbeitsstruktur bzw. Arbeitsweise sind aber alle A(1)…A(n) sowohl für die KOORDINATION ihrer eigenen Arbeit mit der des jeweiligen Anschlußprozesses zuständig (welcher Handgriff geht dem meinigen voraus und welcher folgt auf ihn) als auch für die Einordnung des einzelnen Arbeitsganges in das Ganze des Objektes, und zwar so, daß jeder Kenntnis hat über die Anforderungen am Nachbar-Arbeitsplatz und der Arbeitsplatz A(0) ebenfalls über die einzelnen Arbeitsplätze (wobei nicht unbedingt jeder auch die Arbeit des anderen übernehmen können muß, was aber oprimal wäre.
Auf diese Weise wird eigentlich erst aus der Arbeitsgruppe ein Team. Bei diesem Team wären bei dieser Konzeption die Kommunikationswege als auch der Ideenfundus, aus dem ad-hoc-Lösungen zu suchen sind, im Falle einer Krise bereits vorbereitet.
Das ist, was ich dir auf die Schnelle dazu sagen kann…
Grüße
M.G.
Dank dir!
Das bringt mich ein gutes Stück weiter!
Gruss
Krischan