Narzissmus und Alter/Demenz

Von: , Frage gestellt am Mo, 20. Apr 2009

Hallo miteinander,

meine Mutter ist vermutlich ein Narziss. Ich weiß, Laien können nicht diagnostizieren, aber ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit dem Thema, und alles, was ich jemals darüber gelesen habe, beschreibt erschreckend genau meine Mutter. Nehmt das also bitte so als "Beschreibung".

Sie ist Mitte 60, hat keine Berufsausbildung, hat sehr früh geheiratet und als "Grundstock" von ihren Eltern ein erhebliches Vermögen erhalten. Mein Vater hat sich selbständig gemacht und war ein sehr erfolgreicher Unternehmer. Dadurch kam es, dass sie nie in ihrem Leben gearbeitet hat, sondern der Typ "Zahnarztgattin" war. Sie dirigierte das Hauspersonal und kaufte Boutiquen leer. Zu Geschäftsessen durfte sie dann als Beiwerk mit und glänzte mit ihren "originellen" und "frechen" Beiträgen. Geldsorgen gab es nicht, alles war immer vom allerfeinsten.

Freunde oder auch nur nette Bekanntschaften hatten meine Eltern nie. Alle Kontakte, die meine Mutter jemals hatte, waren Menschen, die finanziell von ihr abhängig waren - die Putzfrauen, die Angestellten meines Vaters, Mieter. Daher hat auch nie jemand ihr Contra gegeben, alle haben immer brav genickt.

Nun beobachte ich seit einiger Zeit - ich kann gar nicht genau sagen, seit wann - dass meine Mutter immer seltsamer wird. Erstmals gesteht mein Vater auch ganz vorsichtig und mit allerlei "Erklärungen" (Schlafmangel, Stress ????), dass meine Mutter teilweise vergißt, über welches Thema man gerade spricht, immer mal wieder abwesend wirkt und teilweise nachts ruhelos ist. Ich bemerke, dass ihre Weltsicht nicht mehr nur "eigenwillig" ist, sondern immer mehr abdriftet. Nun mag ich ja emotional vorbelastet sein, aber auch mein Mann (wir sind seit 24 Jahren zusammen, er kennt sie also gut) findet nun einiges nicht mehr im grünen Bereich.

Gleichzeitig finde ich, dass sie immer aggressiver wird. An Ostern waren wir zusammen im Restaurant, und mein Vater hat mehrmals ganz verzweifelt das Thema gewechselt und uns wilde Grimassen gezeigt, weil sie sich plötzlich und unerwartet aufgeregt hat und immer lauter wurde. Dabei ging es übrigens um total harmlose Sachen (wie z.B., ob wir nahe genug am Fenster sitzen).

Mein Mann und ich haben uns immer bemüht, ein wenigstens ordentliches Verhältnis zu erhalten. Als die Kinder geboren sind, haben wir immer wieder angeboten, dass meine Eltern uns besuchen können, oder mal spazierengehen oder eben Dinge, die andere Großeltern mit ihren Enkeln erleben. Betreuung war nie ein Thema, zumal meine Mutter anfangs nicht einmal mit "Oma" angesprochen werden wollte - wirkt "alt". Aber wir konnten es ihr nie rechtmachen. Sie wollte immer bestimmen, wann wir zu kommen hatten, und zwar niemals ein oder zwei Tage vorher, sondern "nachher" (Fahrtzeit ca. 15 Minuten). Wenn dann ein Kind gerade Mittagschlaf hielt, war das sofort wieder ein Zeichen, dass WIR unfelxibel sind. Sie hat mich einmal sogar telefonisch angemacht, dass ich "immer" stille, wenn sie anruft - kann ja wohl nicht sein, man könnte ja auch mal auf SIE Rücksicht nehmen.

Das ist auch heute noch so, die Kinder sind zwischen 9 und 14, und kürzlich war sie beleidigt, dass wir sie nicht so an ihrem Geburtstag besuchen konnten, wie es ihr passte. Die Kinder hatten teilweise Mittagschule, das passte nicht in ihren Zeitplan, da sollten wir dann lieber nicht kommen. Muss man nicht verstehen, denke ich.

Mein Eindruck ist, dass ich irgendwie eine ständige Provokation für sie bin, weil ich wohl so lebe, wie sie nie gelebt hat. Wir haben ein liebevolles Verhältnis zu unseren Kindern, haben langjährige Freunde, verdienen eigentlich nicht schlecht . An diesem Punkt giftet sie gerne, denn wir kommen niemals an ihre ererbten Dimensionen heran, das geht nur mit Arbeit nicht. Deshalb lästert sie über unsere nicht standesgemäßen Möbel, sagt mir, dass ich dringend mal wieder Klamotten kaufen soll, und ähnliches. Über Freunde hat sie eine klare Meinung: die nutzen einen sowieso nur aus. Kinder sind heutzutage alle ungezogene Amokläufer, ihre eigenen Enkel sind ja nicht zum Geburtstag gekommen. Und so weiter.....

Es ist fast nicht mehr möglich, auch nur ein paar Minuten mit ihr zu reden, ohne dass sie ausfallend wird.

Seht ihr Anzeichen von Demenz ? Wird ihr Zustand gerade vor dem Hintergrund ihrer bisherigen schwierigen Art weiterhin und noch mehr in Richtung Aggressivität driften ?

Was kann ich tun, um mich und zunehmend auch meine Kinder vor ihr zu schützen ? Wir telefonieren ca. alle 2 Wochen und sehen uns ca. 4 x pro Jahr - eine weitere Reduzierung wäre eigentlich ein Kontaktabbruch.

Macht es irgend einen Sinn, ihr mal Contra zu geben ? Das hat ja bisher schon nicht geklappt, ihre Meinung ist immer richtig, und im Zweifelsfall bin ich sowieso nur die ungehorsame Tochter.

Kann ich meinen Vater irgendwie unterstützen ? Er ist komplett alleine, zu seiner Verwandtschaft besteht kaum Kontakt, dafür hat meine Mutter schon gesorgt. Ich weiß aber, dass meine Tante, seine Schwester, ihm sofort helfen würde, aber wenn sie ins Haus kommt, dreht meine Mutter durch.

Fällt euch sonst noch etwas ein ? Sorry, weil es so lang ist. Mir graut so sehr vor dem, was da noch kommt :-(

Viele Grüße
Insel

13 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
    Re: Narzissmus und Alter/Demenz

    Guten Tag Insel,

    ich möchte nicht mit dem Spruch kommen vom Esel, der aufs Eis geht, wenn es ihm viel zu wohl geht.

    Besteht die Möglichkeit, dass deine Mutter sich durch Krankheit oder Medikamentenmissbrauch so stark verändert hat? Geschah die Veränderung plötzlich oder nach und nach? Hat sich im Leben deiner Mutter etwas verändert? Ist der Vater mittlerweile in Pension? Unerwartete finanzielle Einbrüche, nachdem es so lange eigentlich fast schon zu gut ging?

    Wenn ich das richtig mitbekomme, meidet ihr ohnehin schon jeden "unnötigen" Kontakt zur Mutter, da könnt ihr euch kaum noch weniger blicken bzw. etwas von euch hören lassen. Zudem würde darunter der Vater leiden.

    Hast du die Möglichkeit, die Schwester des Vaters zu bitten, sich einmal direkt mit ihm in Verbindung zu setzen? Vielleicht eine Einladung an ihn (ohne die Mutter) aussprechen, dass der Mann mal von zu Hause fortkommt und offen mit seiner Schwester sprechen kann?

    Ob man einen Menschen, der es praktisch von klein an gewöhnt ist, dass sich die Welt um ihn dreht, noch dazu bringen kann, ein anderes Verhalten an den Tag zu legen, glaube ich nicht so recht. Ihr werdet für euch so leben müssen, dass die Mutter möglichst wenig Möglichkeit hat, euer Leben negativ zu beeinflussen. Ich denke da auch an die Kinder, denn die dürfen da erst gar nicht mit reingezogen werden. Die Oma ist zwar die Oma - aber niemand, dessen Launen man sich zu beugen hat.

    Sprich doch am besten selber mal mit deiner Tante über das Problem. Vielleicht weiß sie eine Lösung.

    Liebe Grüße
    Hagazussa

    • Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Narzissmus und Alter/Demenz

      Hallo Hagazussa,

      danke für deine Antwort.

      Eine körperliche Krankheit scheidet bei meiner Mutter eigentlich aus, sie geht bei jedem Niesen zum Arzt. Veränderungen gab es lediglich dahingehend, dass mein Vater nur noch zum Spaß arbeitet. Finanziell ist alles bestens, davon kann man nur träumen. Wenn ich das richtig mitbekomme, meidet ihr ohnehin schon
      jeden "unnötigen" Kontakt zur Mutter, da könnt ihr euch kaum
      noch weniger blicken bzw. etwas von euch hören lassen. Zudem
      würde darunter der Vater leiden.
      Stimmt genau. Mein Vater hat eigentlich nur noch zu mir Kontakt, mein jüngerer, alleinstehender Bruder hat sich auch weitgehend zurückgezogen.
      Hast du die Möglichkeit, die Schwester des Vaters zu bitten,
      sich einmal direkt mit ihm in Verbindung zu setzen? Vielleicht
      eine Einladung an ihn (ohne die Mutter) aussprechen, dass der
      Mann mal von zu Hause fortkommt und offen mit seiner Schwester
      sprechen kann?
      Mein Vater "darf" nicht mit meiner Tante reden, wenn, dann telefonieren sie nur heimlich. Alleine aus dem Haus gehen geht auch nicht offiziell, wenn, dann muss er geschäftliche Termine vorschieben. Meine Tante ist schon ganz verzweifelt deshalb. Hört sich alles ziemlich krank an, ich weiß, ist aber so.
      Ob man einen Menschen, der es praktisch von klein an gewöhnt
      ist, dass sich die Welt um ihn dreht, noch dazu bringen kann,
      ein anderes Verhalten an den Tag zu legen, glaube ich nicht so
      recht. Ihr werdet für euch so leben müssen, dass die Mutter
      möglichst wenig Möglichkeit hat, euer Leben negativ zu
      beeinflussen. Ich denke da auch an die Kinder, denn die dürfen
      da erst gar nicht mit reingezogen werden. Die Oma ist zwar die
      Oma - aber niemand, dessen Launen man sich zu beugen hat.
      Hast wohl recht *seufz*. Die Kinder waren schon irritiert, als sie sie wegen des Nichtbesuchs am Geburtstag angegangen ist, dabei können sie ja nichts für ihren Stundenplan, und SIE wollte sich dem nicht "unterordnen".

      Ich sehe trotzdem viele Probleme kommen, denn noch ist sie "nur" komisch, aber sie verändert sich gerade so schnell, dass man mit allem rechnen muss :-(

      Viele Grüße
      Insel

      • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Narzissmus und Alter/Demenz

        Guten Morgen!
        Klingt ziemlich schwierig die Sache mit deiner Mutter. Die Ursache für ihr derzeitiges Verhalten liegt sehr viel früher begründet. Interresant wäre es mal, das Verhältnis deiner Mutter zur Ihrer Mutter zu durchleuchten. Man findet da ganz gute Anhaltspunkte für die momentane Situation.
        Die Dominanz deiner Mutter hat eure ganze Familie geprägt. Den Kontaktmangel habt ihr als Lebensstrategie gewählt. Anscheinend ist das auch euer Punkt der Unzufriedenheit.
        Einen Vorschlag hätte ich zu machen, den ich selber ganz erfolgreich bei meiner eigenen Familiengeschichte durchgeführt habe.
        Ich habe eine Familienaufstellung über mehrere einschneidende Ereignisse machen lassen.
        Die Erkenntnis daraus hat mich in meiner persönlichen Entwicklung sehr weit gebracht. Ich seheh mache Dinge bei mir und meinen Eltern viel klarer und verständlicher.
        Gruß

        • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Narzissmus und Alter/Demenz

          Guten Morgen,

          ich wollte nochmals auf den Gesundheitszustand der Mutter zurückkommen. Wenn die Veränderungen plötzlich und sehr schnell eingetreten sind, kann eine Erkrankung nicht ausgeschlossen werden. Besteht u. U. die Möglichkeit, dass sie einen leichten Schlaganfall hatte, der unbemerkt blieb? Wer wegen jedem Wehwechen zum Arzt läuft, spricht womöglich nicht über ernstere Sachen oder solche, die nicht in sein Weltbild passen. Die Mutter ist es gewöhnt, dass sich alles nach ihren Wünschen richtet, was nicht reinpasst, wird ignoriert. Da sollte vielleicht einmal der Vater selber mit dem Arzt sprechen; der ist womöglich ahnungslos, weil seine Patientin ihn bewusst oder unbewusst anschummelt.

          Liebe Grüße
          Hagazussa

        • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Narzissmus und Alter/Demenz

          Hallo,

          danke für deine Antwort. Interresant wäre es mal, das Verhältnis deiner
          Mutter zur Ihrer Mutter zu durchleuchten. Man findet da ganz
          gute Anhaltspunkte für die momentane Situation.
          Die Dominanz deiner Mutter hat eure ganze Familie geprägt. Den
          Kontaktmangel habt ihr als Lebensstrategie gewählt.
          Anscheinend ist das auch euer Punkt der Unzufriedenheit.
          Mir geht es hier mehr um die Frage, ob eine Demenz vorliegen könnte und wie dies sich bei einem so schwierigen Menschen auswirken könnte. Letzten Ende möchte ich meinen Vater nicht alleine lassen mit dem Problem und meine Kinder vor ihr schützen.

          Viele Grüße,
          Insel

  2. Antwort von nach 23 Stunden 4 hilfreich
    Re: Narzissmus und Alter/Demenz

    Hallo, meine Mutter ist vermutlich ein Narziss. Ich weiß, Laien
    können nicht diagnostizieren, aber ich beschäftige mich seit
    vielen Jahren mit dem Thema, und alles, was ich jemals darüber
    gelesen habe, beschreibt erschreckend genau meine Mutter.
    Naja, es ist in der Regel auch so, dass "Laien" sich mit Diagnosen schwer tun, und zwar aus folgendem Grund: Ihnen fehlt der praktische Einblick.

    Lesen bildet zwar, aber es macht einen Unterschied nur in einem Buch über etwas zu lesen oder eine narzistische Persönlichkeitsstörung einmal "in Echt" zu erleben. Zudem ist die Anwendung objektiver Kriterien innerhalb der Diagnostik ebenfalls etwas, was i.d.R. nur Experten anwenden können. Dies fehlt bei Dir ja völlig - weswegen ich vorsichtig wäre vorschnell zu einem Etikett zu greifen.

    Zu der Symptomschilderung: Nun beobachte ich seit einiger Zeit - ich kann gar nicht genau
    sagen, seit wann - dass meine Mutter immer seltsamer wird.
    Erstmals gesteht mein Vater auch ganz vorsichtig und mit
    allerlei "Erklärungen" (Schlafmangel, Stress ????), dass meine
    Mutter teilweise vergißt, über welches Thema man gerade
    spricht, immer mal wieder abwesend wirkt und teilweise nachts
    ruhelos ist. Ich bemerke, dass ihre Weltsicht nicht mehr nur
    "eigenwillig" ist, sondern immer mehr abdriftet. Nun mag ich
    ja emotional vorbelastet sein, aber auch mein Mann (wir sind
    seit 24 Jahren zusammen, er kennt sie also gut) findet nun
    einiges nicht mehr im grünen Bereich.
    Dafür kann es ganz unterschiedliche Erklärungen geben.

    Natürlich eben einfach was da steht, nämlich erst einmal "Stress" (der entsteht ja nicht nur durch Über- sondern auch Unterforderung).

    Als nächstes fallen natürlich depressive Symptome ins Auge - wobei hier die Schnittmenge zu demenziellen Erkrankungen sehr groß ist und nur eine umfangreiche neuropsychologische Untersuchung sicher zwischen beidem trennen kann.

    Vielleicht wäre für Deine Mutter ein Besuch bei einem Neurologen angezeigt - wobei die Schlafstörungen doch ein guter Aufhänger sind, falls sie sich scheut zum Arzt zu gehen.

    Was aber doch auch ins Auge fällt: Dadurch
    kam es, dass sie nie in ihrem Leben gearbeitet hat, sondern
    der Typ "Zahnarztgattin" war. Sie dirigierte das Hauspersonal
    und kaufte Boutiquen leer.
    Daher hat
    auch nie jemand ihr Contra gegeben, alle haben immer brav
    genickt.
    Mein Eindruck ist, dass ich irgendwie eine ständige
    Provokation für sie bin, weil ich wohl so lebe, wie sie nie
    gelebt hat.
    Das Verhältnis Mutter-Tochter kann auch immer ein ganz besonders schwieriges sein.

    Gerade in höher gebildeten Schichten kann es ein großes Problem werden, wenn Frauen sich nur dem Haushalt gewidmet haben. Dort wo bei vielen Menschen erst bei Renteneintritt sich plötzlich ein Loch auftun kann, beginnt dies hier schon zu dem Zeitpunkt, wo die Kinder aus dem Haus sind.

    Wenn Du als Tochter auch noch einen ganz anderen Weg als Deine Mutter gehst, so ist das zusätzlich für sie erst einmal schwierig zu verstehen - vor allem wenn es von den persönlichen Wünschen abweichen sollte, die sie selber für Dich hatte.

    Eine Sinnfrage kann sich auftun, und wenn zusätzlich noch nie eine Veranlassung zur Übernahme von persönlicher Verantwortung außerhalb der Kindeserziehung bestanden hat (weil genügend Geld dagewesen ist) und es andere Dinge (sinnvolle Aufgaben), welche unser Selbstbild ausmachen oder stärken, ebenfalls nie vorhanden gewesen sind, so ist eine Entwicklung wie Du sie schreibst doch nicht unverständlich?

    Das einzige Projekt "Kindererziehung" ist nicht so gelaufen wie man sich das vorgestellt hat (läuft es nie, wenn man sich denn eine Vorstellung davon macht, wie der kleine Mensch später einmal werden soll bzw. zu werden hat...), und andere Projekte (z.B. gesellschaftliches, kulturelles oder gemeinnütziges Engagement) gibt es nicht.

    Das kann dann doch dann eine bittere Bilanz sein. Gleichzeitig finde ich, dass sie immer aggressiver wird. An
    Ostern waren wir zusammen im Restaurant, und mein Vater hat
    mehrmals ganz verzweifelt das Thema gewechselt und uns wilde
    Grimassen gezeigt, weil sie sich plötzlich und unerwartet
    aufgeregt hat und immer lauter wurde. Dabei ging es übrigens
    um total harmlose Sachen (wie z.B., ob wir nahe genug am
    Fenster sitzen).
    Vielleicht fühlt sie sich nicht gesehen? Die "harmlosen Sachen" sind vielleicht diejenigen Sachen, um die sie sich in der Hauptsache immer für andere ihr Leben lang gekümmert hatte? Mein Mann und ich haben uns immer bemüht, ein wenigstens
    ordentliches Verhältnis zu erhalten. Als die Kinder geboren
    sind, haben wir immer wieder angeboten, dass meine Eltern uns
    besuchen können, oder mal spazierengehen oder eben Dinge, die
    andere Großeltern mit ihren Enkeln erleben. Betreuung war nie
    ein Thema, zumal meine Mutter anfangs nicht einmal mit "Oma"
    angesprochen werden wollte - wirkt "alt". Aber wir konnten es
    ihr nie rechtmachen. Sie wollte immer bestimmen, wann wir zu
    kommen hatten, und zwar niemals ein oder zwei Tage vorher,
    sondern "nachher" (Fahrtzeit ca. 15 Minuten). Wenn dann ein
    Kind gerade Mittagschlaf hielt, war das sofort wieder ein
    Zeichen, dass WIR unfelxibel sind. Sie hat mich einmal sogar
    telefonisch angemacht, dass ich "immer" stille, wenn sie
    anruft - kann ja wohl nicht sein, man könnte ja auch mal auf
    SIE Rücksicht nehmen.
    Alle haben einen Terminkalender, Deine Mutter vielleicht einen mit nicht so wirklich großen Verpflichtungen. Vielleicht fühlt sie sich nicht Ernst genommen? Das ist auch heute noch so, die Kinder sind zwischen 9 und 14,
    und kürzlich war sie beleidigt, dass wir sie nicht so an ihrem
    Geburtstag besuchen konnten, wie es ihr passte. Die Kinder
    hatten teilweise Mittagschule, das passte nicht in ihren
    Zeitplan, da sollten wir dann lieber nicht kommen. Muss man
    nicht verstehen, denke ich.
    Naja, sie zeigt doch, dass sie auch einen Zeitplan hat. Und wenn den schon niemand anders ernst nehmen kann (mir würde es auch schwer fallen), so macht sie das eben. Wir haben ein liebevolles Verhältnis zu unseren
    Kindern, haben langjährige Freunde, verdienen eigentlich nicht
    schlecht . An diesem Punkt giftet sie gerne, denn wir kommen
    niemals an ihre ererbten Dimensionen heran, das geht nur mit
    Arbeit nicht.
    Wenn sie giftet, dann ist sie hier getroffen (s.o.). Vielleicht ist ihre Bilanz ja, dass sie nie an Deine Dimensionen herangekommen ist (Kinder, Freunde, Ausbildung, Beruf etc). Deshalb lästert sie über unsere nicht
    standesgemäßen Möbel, sagt mir, dass ich dringend mal wieder
    Klamotten kaufen soll, und ähnliches. Über Freunde hat sie
    eine klare Meinung: die nutzen einen sowieso nur aus. Kinder
    sind heutzutage alle ungezogene Amokläufer, ihre eigenen Enkel
    sind ja nicht zum Geburtstag gekommen. Und so weiter.....
    Mit Deinem Erfolg wankt ihr Weltbild. Wie soll sie dieses Dilemma anders lösen? Das ist doch eine günstige Strategie, Eueren Besuch zu ihrem Geburtstag zu verhindern und Euch hinterher den schwarzen Peter zuzuschanzen. Es ist fast nicht mehr möglich, auch nur ein paar Minuten mit
    ihr zu reden, ohne dass sie ausfallend wird.

    Seht ihr Anzeichen von Demenz ? Wird ihr Zustand gerade vor
    dem Hintergrund ihrer bisherigen schwierigen Art weiterhin und
    noch mehr in Richtung Aggressivität driften ?
    In erster Linie sehe ich ein ungeklärtes Familienverhältnis mit tief sitzender Unzufriedenheit vor allem auf der einen Seite.

    Vielleicht sollte hier einmal ein offenes Gespräch gesucht werden. Leider ist ein weiteres Problem, welches sich in der ungünstigen Konstellation in den Verhältnissen Deiner Mutter zeigen kann, nicht selten ein wenig offenes Verhältnis zu seiner Umwelt, sprich: über Probleme spricht man nicht. Was kann ich tun, um mich und zunehmend auch meine Kinder vor
    ihr zu schützen ? Wir telefonieren ca. alle 2 Wochen und sehen
    uns ca. 4 x pro Jahr - eine weitere Reduzierung wäre
    eigentlich ein Kontaktabbruch.
    Eine Abklärung durch einen Arzt bezüglich der geschilderten möglichen Symptomatik wäre sinnvoll. Eine Persönlichkeitsstörung kann vorliegen, hat in diesem Falle dann mit Sicherheit eine ungünstige Prognose. Falls Leidensdruck bei Deiner Mutter besteht, kann eine Psychotherapie hilfreich sein.

    Ein offenes Gespräch ist mit Sicherheit sinnvoll. Wenn es nicht möglich ist, dann muss Du entscheiden: ist es erträglich die Launen Deiner Mutter mitzumachen oder distanzierst Du Dich? Ein Kontakt wird in der vorliegenden Konstellation u.U. unmöglich werden, darauf solltest Du vorbereitet sein.

    Lieben Gruß & alles Gute,
    Patrick

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Narzissmus und Alter/Demenz

      hallo insel,

      meine meinung ist da vielleicht ein bisschen radikal, aber wie wäre es denn mal mit ein bisschen egoismus ?
      ich meine damit :
      was wünscht DU dir von deiner mutter?
      warum hälst du kontakt zu ihr?

      diagnostik von persönlichkeitsstörungen funktioniert größtenteils über die gegenübertragung. das heißt: wenn du dich auf das konzentrierst, was du gegenüber deiner mutter fühlst, kommst du automatisch der wahrheit über deine mutter näher.

      ich rede jetzt ins blaue, weil ich dich nicht kenne.
      WENN deine mutter narzisstisch ist, dann hat sie ein größenselbst (per definitionem).
      wenn du also die tochter einer narzisstin bist, dann stellt sich die frage, ob du dich von dem größenselbst (="ich bin so genial. ich bin die große herrscherin") und dem entwerteten selbst (= "ich bin grottendoof. ich hab noch nicht mal was gearbeitet, das muss ja heißen, dass ich nichts kann") deiner mutter abgelöst hast.
      das kannst du überprüfen, indem du dich fragst, ob du dazu neigst, deine mutter als nur doof oder insgeheim als genial zu betrachten (was schwer ist, weil spätestens da die abwehr schaltet).
      das ziel ist also ein integriertes bild von deiner mutter als eine frau mit guten und schlechten eigenschaften.
      narzissten hilft man nämlich, indem man ein deutlich weniger gespaltenes bild von ihnen hat, als sie es von sich selbst haben. das impliziert, dass man bei sich selbst anfangen muss:
      was bewunderst du an deiner mutter ? wo entwertest du sie ?
      mit anderen worten : wo machst du mit deiner mutter das , was deine mutter mit sich selbst macht ?

      dein name verrät, du bist eine insel. vielleicht reicht es auch zur lösung des problems, zu überlegen, wen du auf deine insel einladen willst.
      man muss niemandem helfen, nur weil er die eigene mutter ist. diese freiheit sollte man sich schenken.

      liebe grüße
      femme_revoltee

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Falscher Ansprechpartner...

        Hallo,

        das Verhältnis zu meiner Mutter ist sehr gut. Narzistische Tendenzen kann ich keine erkennen.

        Von projektiven Verfahren zur Psychodiagnostik halte ich leider nicht ganz so viel - da ich schon viel in dem Bereich gearbeitet habe, stehen mir hier zudem ganz andere Möglichkeiten einer objektivierbaren Diagnostik zur Verfügung.

        Aber vielleicht meintest Du mich auch gar nicht?

        Lieben Gruß
        Patrick

        P.S.: Niemand ist eine Insel. Aber mein Name ist nicht "Nobody"...

        • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
          Re: Falscher Ansprechpartner...

          nein, ich meinte nicht dich. ich hab nur einen einschub zu weit gepostet. tschuldigung für die verwirrung.
          ich meinte die frau mit dem namen "insel", deshalb auch der inselsatz.

          und zu dem satz über diagnostik und objektivität sag ich besser nichts, sonst können wir wahrscheinlich gleich n ganz neues thema aufmachen ;-)



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