Meine wahnsinnige Nachbarin

Von: , Frage gestellt am Mi, 31. Jan 2001

Ich (bzw meine Nachbarin) habe ein Problem, und weiss nicht, an wen ich mich da wenden kann. Seit einem Jahr wohne ich in meiner Wohnung, und "uber mir wohnt eine "altere Frau, die irgendwie Schizophren oder Paranoid oder beides (oder was weiss ich) ist. Wie ich von meiner Vormieterin weiss, ist sie wohl ver"uckt geworden, als ihr Mann gestorben ist. Das "aussert sich darin, dass sie in einer unglaublichen Lautst"arke und einer mir v"ollig fremden Agressivit"at Leute anschreit, die definitiv nicht da sind. Das Haus ist nicht "uberm"assig hellh"orig, aber manchmal hat man das Gef"uhl, sie steht direkt neben einem, so laut kann sie sein. Der Sermon ist eigentlich immer der gleiche (''Hau ab, Du Sau! Du verbl"odete Verbrechersau! Ich weiss, wer Ihr seid - Bolschewiken!!...'' und so weiter, gerne auch mal vier, f"unf Stunden am St"uck. Eine ziemlich lange Zeit tat mir das leid, und da ich eigentlich sowieso den ganzen Tag arbeite, habe ich ihre Ausf"alle irgendwie hingenommen. Seit zwei Monaten aber steigert sich das, und f"angt an, mir richtig auf die Nerven zu gehen. Seit einiger Zeit hat sie auch keine Hemmungen mehr, Nachts so rumzuschreien, vorgestern von sage und schreibe 00.00 Uhr bis 4.20 (da habe ich das letzte Mal auf die Uhr geguckt, und bin dann wohl doch noch eingeschlafen). Im Prinzip habe ich einen gesegneten Schlaf, aber irgendwie ist das doch zu arg. Meine Vormieterin ist mal zu ihr hochgegangen, um sich zu beschweren, was dazu gef"uhrt hat, dass sie ihr vorgeworfen hat, sie w"urde immer nachts unsichtbar in die Wohnung kommen, den Fernseher raustragen, und dann tags"uber heimlich wieder hinstellen.

Also, reden kann man mit ihr offensichtlich nicht. Was kann man denn da machen? Nach fast f"unf Stunden im Bett Rumw"alzen und mir Geschrei "uber Verbrechers"aue und Bolschewiken Anh"oren war ich schon kurz davor, die Polizei zu holen, aber das hat ja auch keinen Sinn. Wer ist denn f"ur sowas zust"andig? Gibt es "uberhaupt irgendetwas, was ich tun k"onnte, oder muss ich mich halt mit meiner durchgeknallten Nachbarin abfinden? Was, wenn die irgendwann mal die unsichtbaren Bolschewiken in ihrer Wohnung mit dem Gasherd in die Luft jagen will?
Meine Geduld hat halt irgendwie auch mal ein Ende, ich weiss, es ist was anderes, wenn Leute zu laut Musik h"oren, oder dauernd Feten feiern - sie ist ja nunmal krank, und kann nicht wirklich was daf"ur, trotzdem geht es mir zunehmend auf die Nerven, und ganz ungef"ahrlich ist es ja vielleicht auch nicht?

7 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 57 Minuten 1 hilfreich
    Re: Meine wahnsinnige Nachbarin


    Hallo,

    was ich hier sage ist sicherlich nicht besonders psychologisch fundiert...! Ich denke aber ganz sinnvoll ist es, wenn Du Dich zuallererst einmal auch an den Vermierter wendest, damit ggf. etwas unternommen werden kann. Wenn Du z.B. im sozialen Wohnungsbau bei einer Wohnungsbaugesellschaft wohnst, dann gibt es dort häufig Mieterbetreuer, die sich damit beschäftigen. Bei unserer Wohnungsbaugesellschaft, bei der ich wohne, gibt es dafür Sozialpädagogen etc., die dann auch weiter raten können, was zu tun ist. Wichtig ist ja (bei allem Mitleid für Deine Nachbarin!), dass Du da auch wirklich normal wohnen kannst. Wenn Du nachts nicht mehr schlafen kannst, dann ist das ja alles schon recht heftig!

    Aber ohne Nachfragen beim Vermieter hast Du wahrscheinlich nicht so besonders gute Chancen, dass sich das Ganze löst! Und wenn es ganz schlimm wird, dann würde ich doch einmal erwägen, die Polizei mal anzurufen, denn man weiß ja auch nicht, ob Deine Nachbarin mal so durchdreht, dass sie sich oder anderen mal etwas antut????


    Sonst könntest Du ja auch ggf. mal beim gerontopsyhatrischer Dienst in Deiner Stadt nachfragen??? Oder beim Sozialamt??

    Dir viel Glück!!!!!!!!!!!!!

    Anne

    • Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
      Re^2: Meine wahnsinnige Nachbarin

      Hi Gnlwth

      kann dem nur voll zustimmen was Anne schreibt... denn klar ist:
      was du beschreibst, ist dir als Mieterin unzumutbar. Du solltest also unbedingt den Vermieter davon in Kennnis setzen... Dann kann er ggf. seinerseits handeln und vor allem, wenn nichts geschieht, kannst du Mietminderung beantragen, und ihm damit etwas nachhelfen...

      Kaum anderes ist denkbar bei diesen Symptomen als daß hier psychiatrische Betreuung nötig ist... zumal, wenn die alte Dame sonst keine Verwandtschaft hat (diese könnte verpflichtet werden, sich drum zu kümmern), muß hier der Vermieter handeln...

      Es gibt auch die Möglichkeit, wenn das insbesondere nachts so abgeht wie du schreibst, daß du dich deinerseits mit einer Psychiatrischen Klinik in Verbindung setzt (Polizei weiß in der Regel auch, was man tun kann in solchen Fällen)

      Wie Anne schon sagte, es geschieht ja AUCH zum Schutz vor Schaden, den diese Frau anderen oder sich selbst zufügen könnte...(dies nur, falls dein moralisches Bewußtsein dich zögern läßt...)

      Gruß
      M.G.

  2. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Re: SPD

    Hallo,
    ich glaube, in jeder Stadt gibt es einen Sozialpsychiatrischen Dienst, eine Art Einsatzgruppe für Akutfälle.
    Die kann aber in so einem Fall konkret zwar auch nicht mehr machen, als zu versuchen, die Frau zu überzeugen, daß sie sich freiwillig in Behandlung begibt, und das würde zunächst einmal Klinik bedeuten.
    Zwangsmaßnahmen (die berüchtigte "Einlieferung in die Klapse") dürfen nur bei Eigen- oder Fremdgefährdung angeordnet werden.
    Zunächst ist aber bestimmt die Polizei die richtige Adresse, die benachrichtigen dann den SPD.
    Schwer zu entscheiden, ob der Frau geholfen werden muß... häufig haben Leute mit Psychosen eine lange Krankheitsgeschichte hinter sich und sind nicht mehr therapierbar. In so einem Falle muß man sich wirklich fragen, ob da so eine Ochsentour in der Psychiatrie mit Medikamenten usw. noch zumutbar ist, zumal diese Leute ja auch "klare Phasen" haben.
    Wenn es aber um eine altersbedingte Demenz geht, bleibt sicher nur der Weg in das Altersheim, Gerontopsychiatrische Station o.ä. .

    Wichtig ist aber, daß die zuständigen Stellen auf die Frau aufmerksam gemacht werden, so daß nach längerer Beobachtung des Falls mittel- oder langfristig etwas unternommen werden kann, sollte sie sich einmal nicht mehr selbst versorgen können.

    Unsere Nachbarn sind auch manchmal sehr laut (Suff): Ich habe mit Ohropax gute Erfahrungen gemacht. Und or allem: Nicht aufregen und sich ärgern, auch ds raubt den Schlaf.

  3. Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
    Re: Meine wahnsinnige Nachbarin

    Hallo Stephanie

    ich kenne ein ähnlich gelagertes Problem aus einem Mietshaus in meinem Bekanntenkreis (ältere Frau, die alleine lebt, Alkoholikerin ist und auch unter Wahnvorstellungen leidet und teilweise nächtelang "randaliert" etc.)

    Als ich dein Posting las, hab ich mal bei meinem Bekannten nachgefragt (der auch hauptsächlich das Problem der Ruhestörung hat).

    Das Posting von Stephan und der Hinweis auf den Sozialpsychatrischen Dienst ist schonmal gut. Der Vermieter kann hingegen wenig machen (mit einer Kündigung würde er schwerlich durchkommen). Ob du mit einer Mietminderung durchkämst ist ebenfalls zweifelhaft (und würde ja dein Problem eigentlich nicht lösen). Solange nicht EINDEUTIG geklärt ist, ob diese Frau für sich oder ihre Umwelt eine tatsächliche Gefahr ist, kann auch keine Zwangsmaßnahme erfolgen (zumal in so einem Fall nöchstens ein vorübergehender Aufenthalt in bsw. einer Klinik erfolgen kann). Alle anderen Maßnahmen (z.B. Aufenthalt in einer betreuten Wohngruppe für psychisch Kranke o.ä.) können jedoch nur mit dem Einverständnis der Frau erfolgen. Hier könnte vielleicht der SPD versuchen, Einfluß zu nehmen.

    ABER: Alle diese Maßnahmen sind extrem langwierig. Im Falle meines Bekannten zieht sich das Problem schon seit 15 Jahren hin (wobei die Frau vorrübergehend zwar immer mal wieder in einer Klinik war, was aber auf lange Sicht nichts geändert hat).

    Sein Ratschlag lautet also: Entweder arrangiere dich mit der Ruhestörung (z.B. durch Oropax), oder mach dich auf einen langen Weg gefasst, in dem auch dein Engagement gefordert ist (z.B. durch Einschalten des SPD etc.) oder (und das war seine Meinung: Such dir einfach eine neue Wohnung.

    Gruss
    Marion

    • Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
      Re^2: Meine wahnsinnige Nachbarin


      Hallo Marion,

      Auch jetzt wieder: ich habe wenig Ahnung von der Psychologie der ganzen Sache... Aber: Stephanie hat durchaus die Möglichkeit, dass Die Nachbarin aus der Wohnung ausziehen müsste, wenn das denn wirklich das Ziel sein sollte. Das ist ja zumindestens fraglich und nicht in jedem Fall der beste Weg! Das ist schon klar!

      Aber nur als kleiner Hinweis: Wenn es denn darum gehen sollte, dass die Nachbarin ausziehen sollte, muss man sich unbedingt an den Vermieter wenden!!!

      Dazu nötig ist, dass man sich bei dem beschwert über den Lärm. Der Vermieter schreibt dann an die laute Mietpartei, dass es Beschwerden gab. Wenn der Lärm nicht aufhört, dann kann man sich wiederum beim Vermieter melden,der daraufhin eine Abmahnung an die entsprechende Mietpartei versendet. Wenn es dann wieder zu Ruhestörungen kommt, wieder beim Vermieter melden, und dann kommt (meist) die Kündigung. Manchmal geht es dann noch vor Gericht, aber dort hat man nicht so ganz schlechte Chancen, dass die laute Mietpartei wirklich gehen muss.

      Wir hatten hier einen ähnlichen Fall im Haus, der laute Mieter war zwar nicht psychisch krank, aber so minderbegabt (richtiges Wort???), dass er sogar einen eigenen Sozialarbeiter für sich hatte. Also dieser junge Mensch war echt ganz schön arm dran: kein Job, viel Alkohol etc. und hat uns allen hier im Haus die Nächte zur Hölle gemacht, weil er sich dann zum Musik-Hören bei voller Lautstärke (!!!) nachts um 4 (!!!!!!) mit seinen Kumpels traf und nach genügend "Tässchen Pils" flogen dann anschließned Möbel durch das Zimmer oder die Beteiligten schlugen sich etc. Echt ziemlich heftig.

      Weil wir anderen Mieter alle gerne hier wohnen bleiben wollten, haben wir dann gemeinsam (Tipp auch an Stefanie: Mit Mitmietern zusammentun!) das ganze Prozedere durchgemacht. Sprich:

      Beschwerdebriefe an Vermieter
      Beim Vermieter auf Abmahnung drängen
      Ganz wichtig: Eine Art Tagebuch führen, wann es zu Lärm kommt (Uhrzeit/Datum)
      Polizei kommen lassen
      Gerichtsprozess und dort als Zeuge auftreten

      Ich meine ja nicht, dass es unbedingt die allerbeste Lösung ist, die Frau aus der Wohnung zu schmeißen, aber so kann es doch einfach auch nicht weiter gehen. Und die Lösung, selbst die Wohnung zu verlassen, ist ja auch nicht unbedingt immer möglich, wenn es sich z.B. um eine mühsam und mit eigenen Mittel liebevoll restaurierte Eigentumswohnung handelt...

      Was ich nur mit diesem Posting darstellen wollte: Es gibt durchaus Möglichkeiten, sich gegen einen solchen Lärm zu wehren, ohne dass man selber gehen müsste. Das ganz normale Verfahren, wie man sich gegen zu laute (nicht psychisch kranke) Mitmieter wehrt, ist, meiner Meinung nach, durchaus in einem solchen schwierigen Fall "erlaubt"... Und ein solches Verfahren bringt (wie in meinem Fall) auch wirklich Erfolg: Unser Ex-Mieter ist ausgezogen und wird, glaube ich, wieder etwas stärker betreut (in einer Wohngruppe), so dass er jetzt auch nen Job gefunden hat - und wir können wieder durchschlafen!!!!

      Ach ja: Mietminderung bekamen wir übrigens auch zugesprochen! Also auch da ist man nicht machtlos.


      Hierzu ist aber der Weg zum Vermieter (inkl. Beschwerdebriefe) wirklich unumgänglich, damit man alle juristisch nötigen Schritte einhalten kann.

      Aber davon mal abgesehen: Der Weg zu entsprechenden Sozialpsychatrischen Stellen hilft sicher viel weiter!

      Ich glaube nur, dass man als Mieter immer das Recht hat, dass man nachts schlafen kann, ganz gleich, ob der laute Mieter nun psychisch krank oder minderbegabt oder "normal" ist. Ob man dieses Recht nun auf jeden Fall durchsetzen möchte (kostet manchmal auch viel Kraft...), ist natürlich eine ganz andere Frage.

      Nachdenkliche und liebe Grüße
      Anne

      • Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
        Danke an alle!

        Vielen Dank f"ur Eure Hinweise - ich denke, ich werde mich jetzt erstmal an meine Vermieterin wenden. Vielleicht haben sich ja auch schon andere Mieter beschwert.
        Ich m"ochte nat"urlich nicht ausziehen, aber das letzte, was ich will, ist die alte Frau aus ihrer Wohnung klagen. Ich dachte, es hilft vielleicht schon mal, wenn sich einer um sie k"ummert, der was von solchen Sachen versteht. Also, ein Sozialdienst, oder so - ich kann halt nicht bei irgendeinem Psychologen anrufen und sagen, er soll mal bei meiner Nachbarin vorbeischauen.
        Also, vielen Dank, auch der Hinweis mit dem SPD ist gut, mal sehen, jetzt geht's erstmal zur Vermieterin.

    • Antwort von nach 18 Tagen hilfreich
      Re^2: Meine wahnsinnige Nachbarin

      Ob du mit einer Mietminderung
      durchkämst ist ebenfalls zweifelhaft (und würde ja dein
      Problem eigentlich nicht lösen).
      Das ist das kleinste Problem. Den Vermieter auffordern, die Hausordnung und damit die gesetzlichen Ruhezeiten durchzusetzen. WEigert sich dieser oder bekommt er das Problem nicht in den Griff, Miete mindern. Tabellen zur Thematik gibt es sicherlich reichlich im Netz, aber vor allem auch beim örtlichen Mieterverein.

      HomerJ

      ... auch wenn dies erkanntermaßen nicht die Hauptproblematik ist.

Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!