Abnabelung von den Eltern

Hallo Experten,

wir wollen einen „Gesprächsabend“ mit obigem Thema machen. Nicht gerade hardcore-Psycho, aber schon über NUR Plaudern hinausgehend.
Ich denke, daß einige provozierende Thesen ganz gut wären, um das Gespräch in Gang zu halten, mir fallen aber nicht genug ein (und am 03.03 ist’s so weit)
Der Teilnehmerkreis sind „normale“ Leute zwischen 28 und 48, die sich halt fragen (wollen/sollen), ob sie sich wirklich schon total von den Eltern gelöst haben, bzw ob man das überhaupt machen kann und woran man die vollendete Abnabelung erkennen kann.

Schon mal Dank für’s Gedanken machen

eljot

http://www.neander-regiert-de

Hallo Eljot,

ich glaube, daß bei Deinen Überlegungen zwei Dinge gewaltig durcheinandergeraten: nämlich die Abnabelung und die Lösung von den Eltern. Meines Erachtens sind es zwei paar Schuhe, obwohl die Grenze fließend ist. Natürlich kann man sich niemals - zumindest in dem sogenannten ‚Normalfall‘ - von seinen Eltern ‚lösen‘.

Es ist wohl aber ein Unterschied, ob ich mit 18, 19, 20 das elterliche Nest verlasse und meine Mom ab und an zu Rate ziehe oder ob ich mit 45 immer im ‚Hotel Mama‘ wohne und mir von der Geschäftsleitung (= Mama) tagtäglich Krawatte & Unterwäsche vorschreiben lasse.

Vielleicht wäre es für Euch eine Herausforderung, erst einmal zu definieren, was denn nun ‚Abnabeln‘ und was ‚Lösen‘ ist. Wir haben es mal im Freundeskreis diskutiert, mit dem Ergebnis, daß wir uns um 7:00 Uhr morgens ergebnislos vertagt haben.:smile:

So long

Tessa

Hallo Tessa,

ich glaube, daß bei Deinen Überlegungen zwei Dinge gewaltig
durcheinandergeraten: nämlich die Abnabelung und die Lösung
von den Eltern.

Haste Recht. Ich meine eigentlich den vermutlich kontinuierlichen Prozeß des „sich definitiv nichts mehr hineinreden lassens“ inklusive der Überwindung der Spezialform „jetzt mache ich gerade das Gegenteil“. Das Nest haben alle verlassen, aber es gibt unterschiedliche Standpunkte über z.B.
Darf man sich von seiner Mutter ein Jacket kaufen lassen, obwohl man das nicht für nötig hält.

Vielleicht wäre es für Euch eine Herausforderung, erst einmal
zu definieren, was denn nun ‚Abnabeln‘ und was ‚Lösen‘ ist.

Ja, wollen wir, und dazu sammle ich möglichst „extreme“ Standpunkte.

eljot

‚Extrem‘?
Extreme Standpunkte suchst Du? Die Frage ist, was extrem ist.

Der Abnabelungsprozeß zwischen meiner Mutter und mir war bisweilen vielleicht extrem. Weil wir beide sehr impulsiv und vielleicht eben „extrem“ sind.

Der erste Standpunkt, den ich da für Dich hätte: Eltern müssen sich ebenso abnabeln wie Kinder. Für beide ist es schwer, aber beide müssen es schaffen.

Zweiter Standpunkt: Wenn es psychisch schwer fällt, können faktische Tricks helfen, sich zu zwingen. Meine Mutter hat mich, als ich mit 18 Abi gemacht habe, mehr oder weniger gedrängt, für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Das hat sehr geholfen. Uns beiden.

Wenn man jetzt tatsächlich ein Elternteil hat, daß es partout nicht versteht, müssen imho manchmal auch krasse Ansagen sein, zum Beispiel: „Nein, kauf mir bitte NIE wieder irgend etwas zum Anziehen, ich suche mir das lieber selbst aus!“

Dritter Standpunkt: Ich habe festgestellt, daß sich beim Abnabelungsprozeß manchmal, nach einiger Zeit, die Rollen vertauschen. Meine Mama und ich haben ein super Verhältnis, das wir uns in einem längeren Prozeß aufgebaut haben. Mittlerweile stelle ich fest, daß oft ich diejenige bin, die mittlerweile sagt: „Achte auf Dich, denk an dieses und jenes“ etc.

Hm…das sind alle Standpunkte, die mir momentan so einfallen. Hoffe, das hilft Dir ein wenig…

meine Mutter hat sich von mir nicht abnabeln wollen. Eigentlich hatte sie immer die stille Hoffnung gehabt, dass sie unter meine Fittiche kriechen könnte, wenn sie mal alt ist. Aber da ist kein Platz mehr. Wir haben handfeste Existenzsorgen, ich habe zur Zeit 2 Stellen und eine Ausbildung zu bewältigen. Das Wohlergehen meiner Kinder ist eines meiner Hauptinteressen.
Vor einigen Wochen bin ich bei einem ihrer Besuche psychisch zusammengesackt. Eigentlich wollte ich das gar nicht. Aber mir war so elend zu mute. Da hat sie zum ersten Mal mich als eigenständige und begrenzt belastbare Person wahrgenommen. Das hat sehr gut getan. Ich brauchte da keinen Retter der Nation, sondern nur selbstlose Anteilnahme. So ist der Knopf zwischen uns aufgegangen, und ich atme zum ersten Mal seit ich denken bei meiner Mutter durch.
viele Grüße
grilla

Hi, Grilla,
das war ja zum 1. mal für dich n Erfolg gegenüber deiner Mutter.
Man braucht vor den Eltern nicht den starken spielen, wenn du Gefühle zeigst, merkt deine Mum, daß du es ehrlich meinst. Aber Grenzen kannst du trotzdem setzen, die sie akzept. muß, du mußt ihr das nur klar sagen, ( ist gar nicht so einfach, was ?)
Tschüß

Loslösung
Hallo eljot

Nicht gerade hardcore-Psycho, aber schon über NUR Plaudern
hinausgehend.

Was biite ist „hardcore“-Psycho? ROTFL

Ich denke, daß einige provozierende Thesen ganz gut
wären, um das Gespräch in Gang zu halten, mir fallen aber
nicht genug ein (und am 03.03 ist’s so weit)

…zst dann wahrscheinlich schon dicke Luft bei euch jetzt… aber ich hätte Dir und Euch vorgeschlagen, doch Thesen zu vertreten, die ihr zu vertreten im Stande seid: Solche Thesen sind dann nämlich fast immer provozierend. Wenn du dir hier von anderen Thesen vorschlagen läßt, die diese anderen für „provokativ“ halten, glaubst du dann was anderes zu erreichen als ein Plauderstündchen?

Der Teilnehmerkreis sind „normale“ Leute zwischen 28 und 48,
die sich halt fragen (wollen/sollen), ob sie sich wirklich
schon total von den Eltern gelöst haben, bzw ob man das
überhaupt machen kann und woran man die vollendete Abnabelung
erkennen kann.

zum Unterschied von Loslösung und Abnabelung hat Dir TessaVance alles gesagt. Eine Frage wäre ja auch, ob (nach vollzogener Abnabelung, die vom Begriff her ein Problem der Eltern/Mütter ist und nicht eines der Konder) eine Loslösung überhaupt nötig ist :smile:))

Viel Spaß beim Plaudern

Anthra

Und?
wie war die diskussion? hat’s was gebracht?

Hallo Nike,
Hallo TippgeberInnen

Danke erst mal für die Mühe … und herausgekommen ist natürlich nicht die finale Lösung aller Abnabelungsprobleme.

Wir haben sehr schnell den Kern gefunden, daß es im „normalen“ Ablauf des Erwachsenwerdens sowieso zu einer mehr oder minder tiefgehenden seelischen Trennung von den Eltern kommt. Der Kern des Problems war dann (zumindest in unserer Runde) jeweils der Partner, dem das nicht weit genug ging, bzw. der bei Anzeichen von Abneigung auf der „Schwiegerseite“ eine größere Distanzierung/eindeutigere Parteinahme forderet.

Es mag Zufall sein, aber Männer scheinen da weniger Probleme zu haben (von wegen „böse Schwiegermutter“).

Also wenn ich unsere Runde zusammenfasse :
Männer sehen das alles nicht so eng, finden „Sticheleien“ nicht sooo schlimm und wollen auch nicht so gerne darüber reden.
Frauen fordern ein klares (notfalls lautes) Wort des Sohnes gegenüber seinen Eltern, wenn von dieser Seite Mißbilligung in irgendeiner Art kommt, sind aber viel stärker mit ihren Eltern verbunden; sie halten sich für besser „abgenabelt“ und interpretieren den trotzdem engeren Zusammenhalt als normales „sich kümmern um“.

Grüße
eljot

Ich werde immer Kind meiner Eltern bleiben und bin stolz darauf, sie in ihrem „hohen Alter“ (73) noch um Rat fragen zu können und auch hilfreiche Antworten zu bekommen.

„Je älter man wird, um so lederner wird die Nabelschnur“ Zitat meiner Schwester.
Gruß Marion