Der Sinn von Konfliktbewältigung
Von: , Frage gestellt am Fr, 9. Mär 2001
Hi,
mich interessiert von Euch als Laien und als Profis, worin Ihr den Sinn von Konfliktbewältigung bzw. -lösung seht?
Danke,
Romana
Hi,
mich interessiert von Euch als Laien und als Profis, worin Ihr den Sinn von Konfliktbewältigung bzw. -lösung seht?
Danke,
Romana
Hi Romana,
das fällt mir so auf die Schnelle ein.
Konflikte entstehen zum Beispiel dann, wenn mindestens Zwei sich über ein Ziel oder über die Wege zu einem gemeinsamen Ziel nicht einigen können.
- sie hauen (verbal oder körperlich) sich, bis einer auf dem Boden liegt, Hierachie spielt eine Rolle
- sie argumentieren, erklären ihre Überlegungen
Konflikte haben auch etwas mit Aggressionen zu tun. Nun kommt es wohl an, wie sie eingesetzt werden.
Konflikte sind so unvermeidbar, wie jede Panne. Aber können konstruktiv sein, wenn sie Fragen aufwerfen, die die Lösung eines Problems verbessern helfen.
Wenn ein Konflikt von einer Person dazu genutzt wird, um sich durch aggressives Verhalten eine gehobene Position in einer Gemeinschaft zu verschaffen, dann wird der Konflikt nicht der Sache sondern der Person wegen ausgetragen. Dann sollte man darauf achten, ob oder wo Schaden entstehen kann.
Viele Grüße
grilla
Hi Grilla,
danke, ich hoffe, es werden noch viele Meinungen hierzu eingehen. Mir geht es primär nicht um die Hintergründe, wodurch Konflikte entstehen, sondern um die Frage, was sind mögliche An-Reize, sie lösen zu wollen oder was ist der Sinn, Konflikte zu lösen.
Sicherlich versuchen Menschen in sogenannten Konfliktsituationen öfter oder sogar oft den anderen Menschen auf die eigene Seite zu ziehen und von der eigenen Meinung bzw. Wahrheit zu überzeugen. Lösungen liegen in Kompromissen oder in ganz neuen Wegen, die beide Seiten womöglich noch nicht betrachtet haben. Beiden Seiten ist gerecht zu werden.
Doch was ist der Sinn dies zu wollen und zu tun? Scheinbar einfache Frage, doch die Antwort finde ich gar nicht so einfach.
Romana
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Hi Romana,
nach "kurzem" nachdenken, fällt mir allerdings auch nicht gleich was ein. Aber natürlich dann doch, wenn auch sehr einfach: Um sich und den anderen das Leben erträglicher zu gestalten. Denn wer möchte schon unentwegt zwischen unlösbaren Konflikten leben ? Auf die Schnelle bedeutet dies für mich allerdings auch: sich anpassen, nachgeben, es jemandem recht machen wollen. Komisch nicht ?
Der Sinn ? Konflikte, sind ausgesprochenen zermürbend und keiner möchte sie. Es sei denn es handelt sich um einen sehr streitsüchtigen Menschen. Da jeder von uns ein bisschen harmoniesüchtig ist, sollte man also diese lösen.
Wichtig sicher auch innerhalb einer Beziehung. Ohne Konfliktlösung würde es wohl sehr bald überhaupt keine "Paare" mehr geben.
Hoffe Du kannst damit was anfangen. Meinung eines Laien.
Gruß Uschi
Hi Romana,
nach "kurzem" nachdenken, fällt mir allerdings auch nicht
gleich was ein. Aber natürlich dann doch, wenn auch sehr
einfach: Um sich und den anderen das Leben erträglicher zu
gestalten. Denn wer möchte schon unentwegt zwischen unlösbaren
Konflikten leben ? Auf die Schnelle bedeutet dies für mich
allerdings auch: sich anpassen, nachgeben, es jemandem recht
machen wollen. Komisch nicht ?
Gar nicht komisch. :-)
Der Sinn ? Konflikte, sind ausgesprochenen zermürbend und
keiner möchte sie. Es sei denn es handelt sich um einen sehr
streitsüchtigen Menschen. Da jeder von uns ein bisschen
harmoniesüchtig ist, sollte man also diese lösen.
Ist das Nichtlösen bzw. Ausweichen bei Konflikten letztendlich nicht viel Zermürbender?
Wichtig sicher auch innerhalb einer Beziehung. Ohne
Konfliktlösung würde es wohl sehr bald überhaupt keine "Paare"
mehr geben.
Konflikte gibt es nicht nur in Partnerschaften und die wird es sicherlich immer geben in der einen oder anderen Form. :-)
Hoffe Du kannst damit was anfangen. Meinung eines Laien.
Danke Dir.
Gruß Uschi
Hi Uschi,
ich erlebe es eher so, daß Menschen oft ihren Ärger, ihre Wut, ihre Enttäuschungen herunerschlucken, zumeist Frauen, und dann wenn es ihnen reicht, sie explodieren, den anderen dafür verantwortlich machen, und dann beendet sich die Beziehung. Mir scheint, viele Menschen wissen oft gar nicht wie sie ihre Konflikte lösen können.
Ciao,
Romana
hi romana,
auch ich habe lediglich buchwissen - bin also ein laie.
aber mich hat bei meiner letzten erwachsenenfortbildung eine aussage unserer dozentin nachdenklich gemacht:
wir mögen nur das, was wir kennen und was uns nützt. und dem entsprechend handeln wir. wenn wir jemanden nicht leiden können oder wenn wir aus jemanden keinen nutzen ziehen können, ist unsere haltung in einem konflikt wesentlich härter.
ich habe noch die erfahrung gemacht, dass wenn ich jemanden um rat frage, der ratgebende erst einmal den weg aufzeigt, den er selbst einschlagen würde, also nicht überprüft, ob ich den überhaupt gehen kann (er würde um sich hauen - ich bin aber friedfertig).
in schnell entstandenen konfliktsituationen habe ich noch nie erlebt, dass irgendjemand nach kompromissen sucht. meist handelt jeder spontan, so wie er es gewohnt ist konflikte zu lösen. ist das problem komplexer, so dass kalkül unvermeidbar wird, dann erst wird argumentiert und geplant, vorallem dann, wenn eine konfliktsituation von einzelnen nicht gelöst werden kann. bis dahin kämpft doch jeder für sich.
ist sinn und anreiz für eine konfliktlösung nicht das gleiche - zumindest ähnlich?
es gibt menschen, die kein problem damit haben eine unterschwellige bereitschaft für auseinandersetzungen zu ignorieren. handlungsbedarf besteht für diese menschen dann, wenn seine gruppe nicht mehr das ziel mit anstrebt, wie er.
ich kenne einen filialleiter, dem ist es egal, dass seine angestellten mit den ständigen überstunden nicht klar kommen. wenn einzelne dauernd krank machen, werden sie rausgemobbt. ich bin gespannt, wann der aufstand kommt. aber so wie es aussieht, läuft dies weiter wie bisher. der filialleiter ist an einem kompromiss nicht interessiert, weil dies für ihn ein unnötiges ideal ist (was schert ihn das wohlergehen seiner angestellten), er mit dem bild als jedermanns feind kein problem hat, und sein ziel (kostengünstig hohe umsätze erwirtschaften) ohne hohe personalverluste immer erreicht.
grilla
hi romana,
Hi Grilla,
auch ich habe lediglich buchwissen - bin also ein laie.
aber mich hat bei meiner letzten erwachsenenfortbildung eine
aussage unserer dozentin nachdenklich gemacht:
wir mögen nur das, was wir kennen und was uns nützt. und dem
entsprechend handeln wir. wenn wir jemanden nicht leiden
können oder wenn wir aus jemanden keinen nutzen ziehen können,
ist unsere haltung in einem konflikt wesentlich härter.
Ein Spruch sagt: "Den Wert eines Menschen erkennen wir auch daran, wie er mit Menschen umgeht, die ihm nichts nützen." oder so ähnlich...
Ja, die Aussage kenne ich und sicherlich kann man nicht immer und alles hinterfragen, auch wenn ich es doch geneigt bin immer wieder zu versuchen. Interessant wäre es doch mal zu wissen, was macht andere Menschen uns unsympathisch, weshalb können wir sie nicht leiden? Nur weil sie uns fremd sind? Oder ganz im Gegenteil? Regen sie uns teils nur deshalb auf, weil wir uns in ihnen wiedererkennen oder weil wir einen anderen, gegensätzlichen Aspekt derselben Sache z.B. ausleben?
ich habe noch die erfahrung gemacht, dass wenn ich jemanden um
rat frage, der ratgebende erst einmal den weg aufzeigt, den er
selbst einschlagen würde, also nicht überprüft, ob ich den
überhaupt gehen kann (er würde um sich hauen - ich bin aber
friedfertig).
Ich finde das auch verständlich, denn so verschieden die Menschen sind, so individuell sind auch ihre Wege. Wenn jemand Rat sucht, so sollte dieser zumeist immer schnell erfolgen.
Jeder muß lernen seinen eigenen Weg zu finden, denn so individuell wie die Menschen und Situationen, so individuell sind da auch die Wege. Und da viele Menschen meines Erachtens Konflikten selbst aus dem Weg gehen bzw. nicht sooft zu Lösungen kommen, die allen Beteiligten gerecht werden, können sie auch schlechter ratschlagen. Einen Weg zu finden, kann auch sehr zeitaufwendig sein, und hier bedarf es schon einer sehr hingebungsvollen bzw. liebevollen Person, die einem hilft diesen Weg zu finden, oder es handelt sich hier um eine professionelle Hilfe. Folglich ist es doch sehr verständlich, daß die Leute von sich selbst ausgehen, denn sich selbst kennen sie ja noch am besten.
in schnell entstandenen konfliktsituationen habe ich noch nie
erlebt, dass irgendjemand nach kompromissen sucht. meist
handelt jeder spontan, so wie er es gewohnt ist konflikte zu
lösen. ist das problem komplexer, so dass kalkül unvermeidbar
wird, dann erst wird argumentiert und geplant, vorallem dann,
wenn eine konfliktsituation von einzelnen nicht gelöst werden
kann. bis dahin kämpft doch jeder für sich.
Hm. Ja, sicherlich sagt man sich manches, das man dann hinterher bedauert, was oft aus anderen, nicht gelösten Konflikten, aus einer z.B. unterschiedlichen Denke herrührt. Doch man hat auch die Möglichkeit, nachdem man sich vielleicht Unschönes an den Kopf geworfen hat oder eine frustrierende Auseinandersetzung geführt hat, wo jeder nur versucht hat, den anderen auf die eigene Seite zu ziehen und Recht zu behalten, auch mal die Argumente des anderen neutral anzusehen.
Konfliktlösung hat für mich etwas mit (Weiter-)Entwicklung zu tun, sprich durch die Konfrontation können ganz neue Möglichkeiten entstehen, an die man selbst vorher oder auch der andere noch gar nicht gedacht hat.
Fiktives Beispiel: gemeinsamer Urlaub
A will nach Italien, B will nach Skandinavien
Was tun?
Trennen?
Getrennter Urlaub
Tun was A will
Tun was B will
Einmal nach Italien und einmal nach Skandinavien fahren
In ein drittes Land fahren, wo Sonnenbaden und Skifahren gleichermaßen möglich ist?
ist sinn und anreiz für eine konfliktlösung nicht das gleiche
- zumindest ähnlich?
Ähnlich ja, doch dasselbe finde ich nicht.
es gibt menschen, die kein problem damit haben eine
unterschwellige bereitschaft für auseinandersetzungen zu
ignorieren. handlungsbedarf besteht für diese menschen dann,
wenn seine gruppe nicht mehr das ziel mit anstrebt, wie er.
ich kenne einen filialleiter, dem ist es egal, dass seine
angestellten mit den ständigen überstunden nicht klar kommen.
wenn einzelne dauernd krank machen, werden sie rausgemobbt.
ich bin gespannt, wann der aufstand kommt. aber so wie es
aussieht, läuft dies weiter wie bisher. der filialleiter ist
an einem kompromiss nicht interessiert, weil dies für ihn ein
unnötiges ideal ist (was schert ihn das wohlergehen seiner
angestellten), er mit dem bild als jedermanns feind kein
problem hat, und sein ziel (kostengünstig hohe umsätze
erwirtschaften) ohne hohe personalverluste immer erreicht.
Du zeichnest ein Bild, von dem zu klären wäre, was seine Eigeneinschätzung dazu ist. Ist er so? Ist er gegebenenfalls nur in seinem beruflichen Umfeld so? Selbst wenn er so (geworden) ist, was hat dazu geführt, daß er meint so handeln zu müssen? Gibt es hier keine Art von Betriebspsychologen bzw. was ist mit einem Coaching? Es könnte doch jemand mal vorschlagen, daß für innerbetriebliche Konflikte ein Supervisor oder was auch immer herangeholt wird, mit dem Augenmerk auf mehr Leistung / zufriedenere Mitarbeiter. Wenn ihm die Zufriedenheit der Menschen vielleicht zunächst auch nicht vordergründig wichtig sein mag, der Umsatz sicherlich. Möglicherweise kann man über den Umsatz der Firma und anderen Punkten zu seiner eigenen persönlichen Zufriedenheit und der Zufriedenheit der Mitarbeiter kommen.
Ciao,
Romana
grilla
Hallo Romana,
Interessant wäre es doch mal zu
wissen, was macht andere Menschen uns unsympathisch, weshalb
können wir sie nicht leiden? Nur weil sie uns fremd sind? Oder
ganz im Gegenteil? Regen sie uns teils nur deshalb auf, weil
wir uns in ihnen wiedererkennen oder weil wir einen anderen,
gegensätzlichen Aspekt derselben Sache z.B. ausleben?
Ich persönlich kenne beides. Ich mag Menschen nicht, deren Marotten den meinen von ungeliebter Sorte gleichen. Ich komme z.B. mit Chaos schlecht zurecht, und nehme immer erst einmal Abstand zu vermeindlichen Chaoten. In beiden Fällen ertappe ich mich dabei, wesentlich später nach einem Bekanntwerden.
Einen Weg (für einen Rat) zu finden, kann
auch sehr zeitaufwendig sein, und hier bedarf es schon einer
sehr hingebungsvollen bzw. liebevollen Person, die einem hilft
diesen Weg zu finden, oder es handelt sich hier um eine
professionelle Hilfe. Folglich ist es doch sehr verständlich,
daß die Leute von sich selbst ausgehen, denn sich selbst
kennen sie ja noch am besten.
Nun zwischen Egozentrik und Hingebung ist noch ordentlich Platz. Manchmal reicht es, dem anderen nur zuzuhören und passende Fragen zu stellen (ich denke an das Buch von Thomas Gordon - Familienkonferrenz).
Sicherlich sagt man sich manches, das man dann
hinterher bedauert, was oft aus anderen, nicht gelösten
Konflikten, aus einer z.B. unterschiedlichen Denke herrührt.
Doch man hat auch die Möglichkeit, nachdem man sich vielleicht
Unschönes an den Kopf geworfen hat oder eine frustrierende
Auseinandersetzung geführt hat, wo jeder nur versucht hat, den
anderen auf die eigene Seite zu ziehen und Recht zu behalten,
auch mal die Argumente des anderen neutral anzusehen.
wie oben, glaube ich daran, dass bei Meinungsverschiedenheiten es hilfreich ist, für sich zu überprüfen, warum der andere diese seine Meinung vertritt. Dann überlege ich, warum ich diese Meinung nicht vertreten will. Dann habe ich zwei Ziele vor Augen, und kann nach Kompromissen suchen. Schnell verschossene Unfreundlichkeiten sind von unserem Reptiliengehirn ausgelöst worden (dagegen bin ich auch nicht gefeit ;-), eine Entschuldigung spricht sich genauso einfach aus wie eine Unfreundlichkeit). Bevor ich aber eine neutrale Position beziehen kann, ist Nüchternheit dafür die Voraussetzung, sprich ich muß weg von meiner Position und einer eventuellen Verärgerung - Gefühlsarmut ist gefragt. In Konflikten spielen aber Emotionen eine große Rolle, die ihre Daseinsberechtigung haben - aber nur bis zu einem bestimmten Grad, nämlich bis Ärgergefühle destruktiv werden.
Konfliktlösung hat für mich etwas mit (Weiter-)Entwicklung zu
tun, sprich durch die Konfrontation können ganz neue
Möglichkeiten entstehen, an die man selbst vorher oder auch
der andere noch gar nicht gedacht hat.
Mal ein paar ketzerische Fragen: Braucht es bei jeder Auseinandersetzung immer eine Zufriedenheit für alle? Ist das nicht unnatürlich? Tut einem Gruppengefüge oder einer Partnerschaft ein gelegentliches Ungleichgewicht nicht auch gut? Umgekehrt, besteht bei einer ständigen Harmonie nicht die Gefahr dass jemand durch Aggression bewußt Dynamik schaffen will?
angestellten mit den ständigen überstunden nicht klar kommen.
wenn einzelne dauernd krank machen, werden sie rausgemobbt.
ich bin gespannt, wann der aufstand kommt. aber so wie es
aussieht, läuft dies weiter wie bisher. der filialleiter ist
an einem kompromiss nicht interessiert.
Du zeichnest ein Bild, von dem zu klären wäre, was seine
Eigeneinschätzung dazu ist. Ist er so? Ist er gegebenenfalls
nur in seinem beruflichen Umfeld so? Selbst wenn er so
(geworden) ist, was hat dazu geführt, daß er meint so handeln
zu müssen?
Dieser Mann ist es gewohnt sich durchzusetzen. Hat wohl als Erwachsener bisher keine Kompromisse eingehen müssen - zumindest mit seinen Untergebenen. Ich bin ebenfalls einmal mit ihm zusammengerasselt. Das ist wirklich eine harte Nuss. Absolut desinteressiert an Belange anderer. Um einen verbalen Zweikampf kommt man nicht herum.
Gibt es hier keine Art von Betriebspsychologen bzw.
was ist mit einem Coaching? Es könnte doch jemand mal
vorschlagen, daß für innerbetriebliche Konflikte ein
Supervisor oder was auch immer herangeholt wird, mit dem
Augenmerk auf mehr Leistung / zufriedenere Mitarbeiter. Wenn
ihm die Zufriedenheit der Menschen vielleicht zunächst auch
nicht vordergründig wichtig sein mag, der Umsatz sicherlich.
Möglicherweise kann man über den Umsatz der Firma und anderen
Punkten zu seiner eigenen persönlichen Zufriedenheit und der
Zufriedenheit der Mitarbeiter kommen.
Die hohe Kündigungsrate in der Firma spricht für sich. Trotzdem hat die Firmenleitung bisher darin keinen Anlaß gesehen, für mehr Wohlergehen der Mitarbeiter zu sorgen.
Romana, so bitter es ist, es gibt Firmen, denen ist das seelische Wohlergehen von Menschen absolut egal. Und solange keine Untergebenen (bewußte Wortwahl) sich wehren, und alle Untergebenen unfähig sind sich gemeinsam gegen diese Arbeitsbedingungen wehren, wird es keinen Konflikt mit der Firmenleitung geben, geschweige denn Supervisionen.
ciao e a presto ;-)))
grilla
Hallo Romana,
Hi Grilla,
bin gerade im Negativ-Streß und von daher sichelich nicht so doll offen für dieses Thema, gleichwohl es mich immer wieder und dazu auch sehr interessiert.
Interessant wäre es doch mal zu
wissen, was macht andere Menschen uns unsympathisch, weshalb
können wir sie nicht leiden? Nur weil sie uns fremd sind? Oder
ganz im Gegenteil? Regen sie uns teils nur deshalb auf, weil
wir uns in ihnen wiedererkennen oder weil wir einen anderen,
gegensätzlichen Aspekt derselben Sache z.B. ausleben?
Ich persönlich kenne beides. Ich mag Menschen nicht, deren
Marotten den meinen von ungeliebter Sorte gleichen. Ich komme
z.B. mit Chaos schlecht zurecht, und nehme immer erst einmal
Abstand zu vermeindlichen Chaoten. In beiden Fällen ertappe
ich mich dabei, wesentlich später nach einem Bekanntwerden.
Es kommt darauf an, wie man seinen eigenen Aspekten bei anderen begegnet.
Einen Weg (für einen Rat) zu finden, kann
auch sehr zeitaufwendig sein, und hier bedarf es schon einer
sehr hingebungsvollen bzw. liebevollen Person, die einem hilft
diesen Weg zu finden, oder es handelt sich hier um eine
professionelle Hilfe. Folglich ist es doch sehr verständlich,
daß die Leute von sich selbst ausgehen, denn sich selbst
kennen sie ja noch am besten.
Nun zwischen Egozentrik und Hingebung ist noch ordentlich
Platz. Manchmal reicht es, dem anderen nur zuzuhören und
passende Fragen zu stellen (ich denke an das Buch von Thomas
Gordon - Familienkonferrenz).
Das Buch habe ich schon vor sehr, sehr langer Zeit mal gelesen. Langzeitgedächtnis entstauben... :-)
Sicherlich sagt man sich manches, das man dann
hinterher bedauert, was oft aus anderen, nicht gelösten
Konflikten, aus einer z.B. unterschiedlichen Denke herrührt.
Doch man hat auch die Möglichkeit, nachdem man sich vielleicht
Unschönes an den Kopf geworfen hat oder eine frustrierende
Auseinandersetzung geführt hat, wo jeder nur versucht hat, den
anderen auf die eigene Seite zu ziehen und Recht zu behalten,
auch mal die Argumente des anderen neutral anzusehen.
wie oben, glaube ich daran, dass bei Meinungsverschiedenheiten
es hilfreich ist, für sich zu überprüfen, warum der andere
diese seine Meinung vertritt. Dann überlege ich, warum ich
diese Meinung nicht vertreten will. Dann habe ich zwei Ziele
vor Augen, und kann nach Kompromissen suchen. Schnell
verschossene Unfreundlichkeiten sind von unserem
Reptiliengehirn ausgelöst worden (dagegen bin ich auch nicht
gefeit ;-), eine Entschuldigung spricht sich genauso einfach
aus wie eine Unfreundlichkeit). Bevor ich aber eine neutrale
Position beziehen kann, ist Nüchternheit dafür die
Voraussetzung, sprich ich muß weg von meiner Position und
einer eventuellen Verärgerung - Gefühlsarmut ist gefragt. In
Konflikten spielen aber Emotionen eine große Rolle, die ihre
Daseinsberechtigung haben - aber nur bis zu einem bestimmten
Grad, nämlich bis Ärgergefühle destruktiv werden.
Gefühlsarmut... dieses Wort mag ich nicht unterschreiben. Ich denke, wer bei sich ist und zu dem steht, andere in ihrem Anderssein auch sein lassen kann, kann durchaus auch seine Einstellungen und Wahrheiten gefühlsreich erleben. Ich stimme Dir im Großen und Ganzen zu.
Konfliktlösung hat für mich etwas mit (Weiter-)Entwicklung zu
tun, sprich durch die Konfrontation können ganz neue
Möglichkeiten entstehen, an die man selbst vorher oder auch
der andere noch gar nicht gedacht hat.
Mal ein paar ketzerische Fragen: Braucht es bei jeder
Auseinandersetzung immer eine Zufriedenheit für alle?
Nein, natürlich nicht, dennoch sollte es für alle eine gewisse Ausgewogenheit geben, in Form von Lösungen, Kompromissen oder daß jeder mal den Eindruck hat, unzufrieden mit der Nicht-Lösung zu sein.
Ist das
nicht unnatürlich?
Nein, natürlich nicht. Ich bin nur etwas idealistisch.
Tut einem Gruppengefüge oder einer
Partnerschaft ein gelegentliches Ungleichgewicht nicht auch
gut?
Sicher, das kann ja auch bereichern bzw. hier greifen andere Punkte, einen Menschen so zu nehmen und zu mögen wie er ist und nicht nur wie er den von uns favorisierten und für gut befundenen Eigenschaften entspricht. Doch wie sehr können wir das?
Umgekehrt, besteht bei einer ständigen Harmonie nicht die
Gefahr dass jemand durch Aggression bewußt Dynamik schaffen
will?
Ständige Harmonie ist eine Utopie. Doch was ist Scheinharmonie und wo beginnt echte Harmonie?
Tja, das ist so eine Sache hier mit dem Forum und theoretischen Ansätzen, die sich teils schnell erschöpfen, wenigstens für mich, mangels eines praktischen Beispiels. Denn so individuell die Menschen und Umstände sind, so sind auch die Lösungen und die Hintergründe.
angestellten mit den ständigen überstunden nicht klar kommen.
wenn einzelne dauernd krank machen, werden sie rausgemobbt.
ich bin gespannt, wann der aufstand kommt. aber so wie es
aussieht, läuft dies weiter wie bisher. der filialleiter ist
an einem kompromiss nicht interessiert.
Du zeichnest ein Bild, von dem zu klären wäre, was seine
Eigeneinschätzung dazu ist. Ist er so? Ist er gegebenenfalls
nur in seinem beruflichen Umfeld so? Selbst wenn er so
(geworden) ist, was hat dazu geführt, daß er meint so handeln
zu müssen?
Dieser Mann ist es gewohnt sich durchzusetzen. Hat wohl als
Erwachsener bisher keine Kompromisse eingehen müssen -
zumindest mit seinen Untergebenen. Ich bin ebenfalls einmal
mit ihm zusammengerasselt. Das ist wirklich eine harte Nuss.
Absolut desinteressiert an Belange anderer. Um einen verbalen
Zweikampf kommt man nicht herum.
Hast Du schon mal ihm klar gesagt, was Du über ihn denkst?
Gibt es hier keine Art von Betriebspsychologen bzw.
was ist mit einem Coaching? Es könnte doch jemand mal
vorschlagen, daß für innerbetriebliche Konflikte ein
Supervisor oder was auch immer herangeholt wird, mit dem
Augenmerk auf mehr Leistung / zufriedenere Mitarbeiter. Wenn
ihm die Zufriedenheit der Menschen vielleicht zunächst auch
nicht vordergründig wichtig sein mag, der Umsatz sicherlich.
Möglicherweise kann man über den Umsatz der Firma und anderen
Punkten zu seiner eigenen persönlichen Zufriedenheit und der
Zufriedenheit der Mitarbeiter kommen.
Die hohe Kündigungsrate in der Firma spricht für sich.
Trotzdem hat die Firmenleitung bisher darin keinen Anlaß
gesehen, für mehr Wohlergehen der Mitarbeiter zu sorgen.
Romana, so bitter es ist, es gibt Firmen, denen ist das
seelische Wohlergehen von Menschen absolut egal. Und solange
keine Untergebenen (bewußte Wortwahl) sich wehren, und alle
Untergebenen unfähig sind sich gemeinsam gegen diese
Arbeitsbedingungen wehren, wird es keinen Konflikt mit der
Firmenleitung geben, geschweige denn Supervisionen.
Ich stimme Dir hier sehr ungern zu, muß es leider tun. Dennoch sehe ich in der Gesellschaft kleine und doch mehr werdende Änderungen. Banal, daß es nun nicht mehr Krankheitskasse, sondern als Werbegag Gesundheitskasse heißt. Einmal schrieb ich hier von einem Firmenchef, der seinen Mitarbeitern ca. 2 Massagen pro Woche bezahlt, die allerdings der alte Gesundheitsminister weigerte sich als Prophylaxe zu übernehmen, es würden nur Krankeitsbehandlungen bezahlt werden, und bei diesem Firmenchef sind ein Großteil der Krankmeldungen zurückgegangen. Jetzt zahlt er die Behandlungen selbst, weil es ihn immer noch günstiger als Krankmeldungen kommt.
Unlängst kam ein Bericht über Hypertonie, wo bei einem Patienten herausgefunden wurde, daß er nur am Arbeitsplatzt gefährlich hohen Blutdruck bedingt durch Arbeitsstreß hätte. Was ja wohl bekannt ist, daß man es nicht merkt, im Gegenteil, man fühlt sich richtiggehend geputscht, man lechzt mach dem Streß... Sie zeigten dann noch so ein paar Streck- und Dehnübungen, die ausdrücken sollten, das Problem sei an der Wurzel - und zwar am Arbeitsplatz - anzupacken. Ich denke, in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wird sich im Gesundheitsbereich sehr viel verändern. Die Menschen werden sicherlich zunehmend selbstverantwortlicher werden, siehe auch Lebensmittel. (Mein tägliches Gift gib mir heute). Du kannst es hinnehmen und den Dir dadurch entstehenden Ärger und Streß möglichst abprallen lassen bzw. verdrängen, was vielleicht am Schädlichsten ist. Du wechselst die Arbeitsstelle oder Du überlegst Dir wie und in welchem Rahmen Du (eventuell mit Kollegen zusammen) gegen diesen Typen vorgehen kannst.
Gibt es hier nicht widerum einen Vorgesetzten bzw. wie wäre es mal mit einer offenen Konfrontation? Wenn Du das möchtest, könntest Du ja Dich mit einer Jobalternative im Vorfeld absichern.
Ich habe seit 2 Monaten ständig mehr oder weniger Kopfschmerzen. Diese Globuli....
Finito per oggi,
Romana
ciao e a presto ;-)))
grilla
Hi, was du hier unten anführst, nennt man agressive Profilneurose, triffst du im öffentlichen Dienst häufig an, da dort keiner weglaufen kann und sich der Neurotiker so richtig ausleben kann.
Tschüß