Unterschied Mensch - Tier

Wodurch unterscheidet sich - in psychologischer Hinsicht - der Mensch vom Tier?

Ich habe nicht mehr allzuviel in Erinnerung - ist ja auch schon wieder 20 Jahre her.

Ich weiß nur noch:

  • Fähigkeit zum abstrakten Denken
  • Sprache
  • Kulturfähigkeiten
  • Selbst-Bewusstsein
  • Lernen aus Einsicht
  • Zeit-Perspektive
  • Gewissen
  • Intelligenz
  • Emotionale Bindungsfähigkeit über die Brutpflege hinaus

Aber ich denke, da gab es noch einiges mehr. Wie z.B. Töten aus Lust, Schamgefühl (was in der Folge zur Bekleidung führte - und ich meine nicht nur Kälteschutz!), sowie alle Tätigkeiten, die über Lebenserhaltung/Arterhaltung hinausgehen (Hobbies).

wer weiss was?

Danke im Voraus!

Hanna

P:S: Das Lehrwerk hieß „Entwicklungspsychologie“ und war von Schenk-Danzinger. Ist aber wahrscheinlich nicht von Bedeutung, weil die gesuchten Unterschiede sicher in mehreren Lehrbüchern mit nicht allzugroßen Abweichungen beschrieben werden.

Einer fällt mir noch ein: Die Feinmotorik. Tiere haben nur eine sehr unterentwickelte Feinmotorik. Daß Menschenaffen den Menschen so ähnlich sind, wird auch vornehmlich daran festgemacht, daß ihre Feinmotorik (für Tiere) sehr ausgereift ist. Es gibt sogar Forscher, die die Entwicklung rationalen Verstandes an der Feinmotorik festmachen.

Gruß Nike

Wodurch unterscheidet sich - in
psychologischer Hinsicht - der Mensch vom
Tier?

Meinst Du Eigenschaften und Fähigkeiten, die bei ALLEN anderen Tieren ÜBERHAUPT nicht vorhanden sind, oder bloß schwächer ausgeprägt sind?

Bei unseren nächsten Verwandten, den anderen großen Menschenaffen, würde ich allenfalls quantitative, aber nur wenig qualitative Unterschiede zum Menschen vermuten.

1 Fähigkeit zum abstrakten Denken
2 Sprache
3 Kulturfähigkeiten
4 Selbst-Bewusstsein
5 Lernen aus Einsicht
6 Zeit-Perspektive
7 Gewissen
8 Intelligenz
9 Emotionale Bindungsfähigkeit über die
Brutpflege hinaus

Insbesondere die Punkte 3, 4, 5, 6 (Definitionsfrage), 8 und 9 halte ich für nicht haltbar (wenn es eben um „nicht vorhanden“ geht, nicht nur um eine schwächere Ausprägung)

Aber ich denke, da gab es noch einiges
mehr. Wie z.B. Töten aus Lust,
Schamgefühl (was in der Folge zur
Bekleidung führte - und ich meine nicht
nur Kälteschutz!), sowie alle
Tätigkeiten, die über
Lebenserhaltung/Arterhaltung hinausgehen
(Hobbies).

Auch da hätte ich meine Zweifel: viele andere Tiere spielen auch oder machen mehr Beute, als sie fressen können. Liegen dem nun bestimmte genetische Verhaltensprogramme zugrunde, oder Freude am Spiel- bzw. an der Jagd? Und: muß man darin überhaupt einen Gegensatz sehen?

Gruß
Michael

Insbesondere die Punkte 3, 4, 5, 6
(Definitionsfrage), 8 und 9 halte ich für
nicht haltbar (wenn es eben um „nicht
vorhanden“ geht, nicht nur um eine
schwächere Ausprägung)

Punkt 3 Kulturfähigkeit
Ist bekannt, ob und wann bzw. in welcher Form Primaten eine Schrift entwickelt haben? Diese auch lesen? Und darüberhinaus rechnen?

Punkt 4 Selbst-Bewusstsein
Mir ist nicht bekannt, wie das Fehlen desselben nachgewiesen wurde. Da muss ich passen.

Punkt 5 Lernen aus Einsicht
Tiere lernen immer noch nach Zufall/Irrtum (Erfolg/Misserfolg). Deshalb bietet sich ja auch das System Belohnung/Bestrafung zur Dressur an. Welches Tier gehorcht schon aus Einsicht?

Punkt 6 Zeit-Perspektive
Tiere planen nicht für die Zukunft, ihr Handeln (auch das in die Zukunft gerichtete) ist instinktgesteuert.

Punkt 8 Intelligenz
Stimme ich zu, dass dieser Punkt umstritten ist. Biologie-Lehrer schwärmen von den intelligenten Tieren, während Psychologie-Lehrer den Tieren wieder die Intelligenz absprechen. Tatsache soll sein, dass auch der beste Primat nicht über den geistigen Level eines 4jährigen Menschen hinaus"trainiert" werden kann.

Punkt 9 Bindungsfähigkeit über die Brutpflege hinaus
Habe ich auch nicht selber überprüft, muss mich da auf glaubwürdige Behauptungen von Psychologen verlassen.

Insgesamt war die Aussage des Artikels in dem erwähnten Buch eher in Richtung qualitativ.

Auch da hätte ich meine Zweifel: viele
andere Tiere spielen auch oder machen
mehr Beute, als sie fressen können.
Liegen dem nun bestimmte genetische
Verhaltensprogramme zugrunde, oder Freude
am Spiel- bzw. an der Jagd?

Die spielerische Jagd ist Training. Zählt daher zur Lebenserhaltung.

Und: muß man
darin überhaupt einen Gegensatz sehen?

Nun, darüber könnte man jetzt stundenlang streiten, will ich aber nicht.

Gruß

Hanna

Insbesondere die Punkte 3, 4, 5, 6
(Definitionsfrage), 8 und 9 halte ich für
nicht haltbar (wenn es eben um „nicht
vorhanden“ geht, nicht nur um eine
schwächere Ausprägung)

Punkt 3 Kulturfähigkeit
Ist bekannt, ob und wann bzw. in welcher
Form Primaten eine Schrift entwickelt
haben? Diese auch lesen? Und
darüberhinaus rechnen?

Aber hallo, das ist jetzt ganz unnötige Polemik: gegen „weniger ausgeprägt“ sage ich doch gar nichts. Ich denke da an die Weitergabe von nicht genetisch bestimmten Verhaltensweisen an nachfolgende Generationen - so etwas wie „Traditionsbildung“. So etwas gibt es nachweislich bei anderen Primaten auch (und bei Blaumeisen :smile:))))

Punkt 4 Selbst-Bewusstsein
Mir ist nicht bekannt, wie das Fehlen
desselben nachgewiesen wurde. Da muss ich
passen.

Wenn man die Fähigkeit, sich selbst im Spiegel zu erkennen (als ein von anderen verschiedenes Individuum) als Indikator für Selbstbewußtsein zuläßt: die gibt es auch bei anderen Tieren (z.B. bei anderen Menschenaffen)

Punkt 5 Lernen aus Einsicht
Tiere lernen immer noch nach
Zufall/Irrtum (Erfolg/Misserfolg).
Deshalb bietet sich ja auch das System
Belohnung/Bestrafung zur Dressur an.
Welches Tier gehorcht schon aus Einsicht?

Ein Klassiker dazu: Köhler, W. (1917) Intelligenzprüfung an Menschenaffen.

Punkt 6 Zeit-Perspektive
Tiere planen nicht für die Zukunft, ihr
Handeln (auch das in die Zukunft
gerichtete) ist instinktgesteuert.

Woran sieht man das?

Tatsache soll
sein, dass auch der beste Primat nicht
über den geistigen Level eines 4jährigen
Menschen hinaus"trainiert" werden kann.

Ein quantitativer Unterschied, sage ich doch.

Punkt 9 Bindungsfähigkeit über die
Brutpflege hinaus
Habe ich auch nicht selber überprüft,
muss mich da auf glaubwürdige
Behauptungen von Psychologen verlassen.

Darauf würde ich mich jetzt nicht verlassen; ich kenne da Psychologen, von denen würde ich nicht mal einen Gebrauchtwagen kaufen… (Tschuldigung, das war nur ein blöder Scherz, aber ich darf das, weil ich selbst zu dieser ehrenwerten Gesellschaft gehöre)

Im Ernst: für Menschenaffen gilt das ganz sicher NICHT, und, wenn man den Berichten glauben darf, auch für eine ganze Reihe anderer Spezies.

Insgesamt war die Aussage des Artikels in
dem erwähnten Buch eher in Richtung
qualitativ.

Ah, so, naja, diese Ansicht teile ich nicht. Aber ich habe leider auch kein Buch zu dem Thema geschrieben :wink:

Die spielerische Jagd ist Training. Zählt
daher zur Lebenserhaltung.

Haben wir Sex, weil es uns Spaß macht, oder weil es der Arterhaltung dient?

Gruß
Michael

Also ehrlich, ich will mich keineswegs mit Dir herumstreiten.

Ich dachte, bei diesen Behauptungen gehe es um allgemein anerkannte Erkenntnisse der Psychologie und muss erkennen, dass ich mich da ganz schön in ein Wespennest gesetzt habe.

Vielleicht waren die erwähnten Ausführungen auch nur die unbewiesene Privatmeinung der Autorin?

Ich kann keine der getroffenen Aussagen bestätigen, weil ich keiner einzigen Testreihe beigewohnt habe, niemals ein Experiment miterlebt habe, nie auch nur eine einzige Forschung angestellt habe.

Ich bin nicht bereit, mich für diese Behauptungen jetzt steinigen zu lassen. Ich habe sie ja nicht aufgestellt. Ich habe zitiert, was ich gelernt habe. Wohl könntest Du mir zur Last legen, ich hätte mich anderweitig erkundigen können, bevor ich mit derart gewagten Behauptungen an die Öffentlichkeit gehe. Aber wofür gibt es denn das FF, wenn ich dann gar nicht fragen darf: „wer weiss was?“

Gruß

Hanna

Liebe Hanna,

jetzt muß ich mich aber ganz doll anstrengen, damit aus einem kleinen Mißverständnis nicht ein großes wird!

Zunächst mal:

Ich bin nicht bereit, mich für diese
Behauptungen jetzt steinigen zu lassen.

Das hatte ich ganz bestimmt nicht vor; wer selbst vor dem Monitor sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!

Ich habe sie ja nicht aufgestellt. Ich
habe zitiert, was ich gelernt habe. Wohl
könntest Du mir zur Last legen, ich hätte
mich anderweitig erkundigen können, bevor
ich mit derart gewagten Behauptungen an
die Öffentlichkeit gehe.

Wenn das so geklungen hat, als wollte ich Dir irgend was zur Last legen, dann möchte ich mich dafür entschuldigen. Als mildernde Umstände bitte ich Dich zu berücksichtigen, daß es für einen Wissenschaftler völlig normal ist, die Theorien, Ideen, Schlußfolgerungen anderer Wissenschaftler in Frage zu stellen, sei es, weil er aufgrund der eigenen Auseinandersetzung mit der jeweiligen Thematik zu einer anderen Schlußfolgerung gekommen ist, sei es, weil er einfach nicht nachvollziehen kann, wie der andere seine Auffassung begründet. Daß diese Punkte zum Thema „was unterscheidet Mensch und Tier?“ durchaus von einigen Autoren vertreten werden (bzw. wurden) ist mir bekannt; ich teile nur nicht deren Einschätzung. Einen so radikaler Anthropozentrismus, wie er aus einer solchen Aufzählung qualitativer Unterschiede zwischen unserer Spezies und allen anderen spricht, halte ich für eher weltanschaulich motiviert, als für wissenschaftlich fundiert.

Aber wofür gibt
es denn das FF, wenn ich dann gar nicht
fragen darf: „wer weiss was?“

Sehe ich auch so, und ich habe mich angesprochen gefühlt. Du darfst fragen, und ich darf antworten, dachte ich. Nachdem ich jetzt aber noch mal Dein Ausgangs-Posting gelesen habe, sehe ich ein, daß Du ja ausdrücklich nach einer Erweiterung der Liste qualitativer Unterschiede gefragt hattest, und nicht um eine Stellungnahme dazu, ob die aufgelisteten Punkte tatsächlich zutreffen. Sorry!

Gruß
Michael

Hanna, ich denke, so hat Michael das gar nicht gemeint. Eine gute Diskussion darf auch mal ein bißchen hitziger sein, solange sie nicht gemein wird - und das sind wir hier doch nicht. :smile:

Was die umstrittenen Behauptungen betrifft, ist es ähnlich wie mit der Homosexualitäts-Diskussion weiter unten: Es gibt Forscher, die dieses, und andere, die jenes behaupten. Die Autorin Deines Buches behauptete eben dieses. Dennoch stimme ich mit Michael überein, daß viele der in dem Buch getroffenen Aussagen eher quantitativ, nicht aber qualitativ zutreffen. Es gibt Tiere, die eine Lebenslange Bindung eingehen und diese auch dann beibehalten, wenn es dem Erhalt der Art nichts mehr nützt oder sogar schadet. Beispiele von einigen Tierarten zeigen, daß diese Partner zum Beispiel auch zusammenbleiben, wenn einer von den beiden krank wird, und diesen dann „pflegen“, obwohl es instinkitv mehr Sinn machen würde, sich einen gesunden Partner zu suchen. Bei Ratten habe ich diese Liebe - und nur so konnte man es nennen - tatsächlich miterlebt.

Auch bei kulturellen Dingen sind Forscher sich uneins. Einige Primatenarten haben eine Sprache, die in ihrer Komplexität der unseren gleichkommt. Und Delphinen wird schon lange ein soziales Gefüge zugesprochen, das das der Menschen noch übertreffen soll (aber auch hier, wie so oft, sind sich die Wissenschaftler nicht einig).

Ich denke, daß auf diesem Gebiet vieles auch noch sehr unerforscht ist, und wenn wir uns der Komplexität der Tierseelen bewußt wären (und das sind wir nicht), würden wir Menschen vorsichtiger mit ihnen umgehen. Denn nur, weil sie anders sind, heißt das nicht, daß sie weniger wert sind.

Aber das hast Du natürlich nicht behauptet. Das weiß ich auch (nicht daß wieder ein Mißverständnis aufkommt). Mir war nur danach, es an dieser Stelle noch einmal loszuwerden. :smile:

Mit lieben Grüßen,
Nike

Okay,okay, hab vielleicht überreagiert.

Aber es ist nun mal so, dass mir, seit ich im FF Stammgast bin, meine mangelnde Bildung immer mehr und mehr bewusst wird und ich immer mehr darunter leide *schluchz*

Mich macht so wütend, dass ich nicht mitdiskutieren kann, ja, mir nicht einmal eine eigene Meinung bilden kann, weil ich viiiiiiel zu wenig weiß über die Materie *heul*

Und deshalb hab ich überreagiert. Ich konnte den Standpunkt des Lehrbuches weder überzeugend be- noch widerlegen. Was also sollte ich tun?

So, Herr Psychologe, und jetzt darfst du mich mal trösten.

Gruß

Hanna

*diesichimmerwiederminderwertigfühltwenndieandernallesbesserkönnenundwissen*

*diesichimmerwiederminderwertigfühltwenndieandernallesbesserkönnenundwissen*

Soviel, wie ich nicht weiß, kannst Du gar nicht nicht wissen. Und Gedichte schreiben kann ich auch nicht!

M.

Hanna, ich denke, so hat Michael das gar
nicht gemeint.

Nike, meine Seele liegt vor Dir, wie ein aufgeschlagenes Buch; DU verstehst mich :smile:)

Ich denke, daß auf diesem Gebiet vieles
auch noch sehr unerforscht ist, und wenn
wir uns der Komplexität der Tierseelen
bewußt wären (und das sind wir nicht),
würden wir Menschen vorsichtiger mit
ihnen umgehen. Denn nur, weil sie anders
sind, heißt das nicht, daß sie weniger
wert sind.

D’accord. Und WIE SEHR sie anders sind, ist eine Frage des Maßstabs. In den letzten Jahren geht es mir verstärkt so, daß ich die Ähnlichkeiten sehe. Alle großen Menschenaffen sind sich sehr, sehr ähnlich: im Aussehen, im Verhalten, im Erbgut. Viel, viel ähnlicher, als sie irgendeinem anderen Tier sind.

Gruß
Michael

Soviel, wie ich nicht weiß, kannst Du gar
nicht nicht wissen. Und Gedichte
schreiben kann ich auch nicht!

Danke

*mirdieTränenausdenAugenwisch*

Jetzt gehts mir schon viel besser.

Ich wollte ja eigentlich nur meine klitzekleine Bildung ein wenig auffrischen. Und das ist dann so in die Hosen gegangen. *snief*

Aber jetzt habe ich gleich eine andere Anfrage, ich mache ein neues Posting, werde aber nicht mehr so leichtsinnig sein, eine Behauptung aufzustellen. Ich bin da ein bisserl sensibel, wenn jemand meine Äußerungen in der Luft zerreißt. Das nehm ich viel zu leicht persönlich.

Danke nochmal für deine Stellungnahme. Wenngleich du meine Anfrage nicht hast befriedigend beantworten können, hast du doch zur Erweiterung meines Horizonts beigetragen. Ich wußte ja noch nicht mal, dass diese Behauptungen angefochten werden!

Jetzt hab ich doch wieder was dazugelernt.

Danke nochmal!

Hanna