Autoaggression

Von: , Frage gestellt am Mo, 26. Mär 2001

Hallo,

ich beschäftige mich privat mit Selbstmord und Selbstverstümmelung und möchte nun aus diesem Grunde einen Zeitungsartikel für die Schülerzeitung schreiben. Undzwar mit dem Schwerpunkt Autoaggression, weil ich denke, wer nicht selbst betroffen ist, weiß gar nicht, dass es sowas gibt und selbst, wenn man darunter leidet weiß man oftmals nicht bescheid. Dies bedarf dringender Aufklärung. Und da gerade das Jugendalter das anfälligste dafür ist, denke ich müsste man mal über sowas schreiben und nicht immer alles tot schweigen.
Nur, ich habe das Problem und weiß nicht recht wie ich meinen Artikel aufbauen soll. Was wichtig zu erwähnen wäre, was abschrecken könnte usw.
Sollte ich persönliche Berichte aus dem Netz einbauen? Soll ich erstmal mir die Fachbegriffe aussparen, mit es für jungendliche besser rüber kommt? Könnte ich die, die schon in dieser Krise stecken, durch einen zu emotionalen bericht oder artikel in eine noch größere krise treiben? Wer kann mir helfen die Sache möglichst mit viel takt gefühl, aber so wie sie nun mal ist zu erleutern?

Vielen Dank im Vorraus
Gruß Hanna

12 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 56 Minuten hilfreich
    Re: Autoaggression

    Eine gute Idee, denke ich. Wenn Du einfach nur "kritische" Leser suchst, die Deinen Artikel durchsehen, bevor er veröffentlicht wird: ich bin gerne dazu bereit. Schick ihn mir einfach zu, wenn Du magst. Ja, ich denke, Du solltest darauf verzichten, zu viele Fachbegriffe zu verwenden - zum Verständnis sind diese häufig völlig unnötig. Ja, ich denke, Du solltest auch auf persönliche Berichte zurückgreifen, weil diese die Problematik den Lesern wirklich näher bringen: die Berichte können auch ruhig aus dem Netz stammen - solche Berichte sind ja nicht privat, sondern "veröffentlicht" (gegebenenfalls solltest Du auf die Quellen - in diesem Fall die URLs - hinweisen)

    Gruß
    Michael

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Autoaggression

      Huhu! Ja, ich denke,
      Du solltest auch auf persönliche Berichte zurückgreifen, weil
      diese die Problematik den Lesern wirklich näher bringen: die
      Berichte können auch ruhig aus dem Netz stammen - solche
      Berichte sind ja nicht privat, sondern "veröffentlicht"
      (gegebenenfalls solltest Du auf die Quellen - in diesem Fall
      die URLs - hinweisen)
      Da muss ich aber doch mal widersprechen, wenn ich auf meiner HP etwas schreibe, ist das trotzdem etwas privates, und ich möchte gerade bei solch heiklen Themen explizit gefragt werden, ob eine Veröffentlichung woanders ok ist.
      Denn, ein Text für sich ist wieder ganz anders im Zusammenhang, und gerade Leute, die sich selbst verletzten, sind, soweit ich selbst feststellen konnte, extrem sensibel. Da kann alles mögliche eine neue Verletzung auslösen.

      Übrigens würde ich mir überlegen, bei einem solchen Bericht bei den "Reizwörtern" die Vokale durch Sternchen zu ersetzen. Ist gängige Praxis, so wird verhindert, das alleine das Lesen eine neue Verletzung auslöst.

      Liebe Grüsse
      Bine *die im übrigen auch fürs probelesen zur verfügung steht :-)*

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re^3: Autoaggression

        Hallo Bine,

        ich habe meine Berichte ja nicht von privaten Homepages, sondern aus Foren und ich denke diese Erzählungen können das Problem viel besser deutlich machen als ein neutraler Text, wobei ich mir jetzt nicht mehr so sicher bin, ob das so eine gute Idee mit dem Artikel war. Da auf unsere Schule ja auch 10 Jährige gehen, die damit glaub ich gar nichts anfangen können.Und meist können außenstehende auch überhaupt nicht verstehen, sie können sich einfach nicht in die Lage hineinversetzen.
        Schreiben tu ich den Artikel aber auf jeden Fall mal und wens interessiert, dem zeig ich ihn auch vorher

        Gruß Hanna

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          dochdochdoch

          Hi Hanna! wobei ich mir jetzt nicht mehr so sicher bin, ob das so eine
          gute Idee mit dem Artikel war. Da auf unsere Schule ja auch 10
          Jährige gehen, die damit glaub ich gar nichts anfangen
          können.Und meist können außenstehende auch überhaupt nicht
          verstehen, sie können sich einfach nicht in die Lage
          hineinversetzen.
          Warum sollte das keine gute Idee sein? Das Problem gibt es und es sind nicht wenige Jugendliche direkt (also selbst) oder indirekt (durch ihre Freundinnen oder Freunde) betrifft. In einer Schülerzeitung kann (genauso wenig wie in anderen Zeitungen auch) jeder Artikel jeden Leser ansprechen. Insbesondere aufgrund der so unterschiedlichen Altersgruppen, mit denen Du es da zu tun hast. Wenn die jüngeren LeserInnen nix damit anzufangen wissen - egal, Deine Zielgruppe wären die etwas
          älteren. Beim Schreiben solltest Du dann aber auf all zu drastische Schilderungen verzichten (das solltest Du wohl sowieso), wenn es auch so junge (Mit-) Leser gibt. Und was "verstehen" und "hineinversetzen" angeht: Dein Artikel wird einen Beitrag dazu leisten, <b<daß Deine Leser mehr Verständnis für die Situation der Betroffenen gewinnen.

          Gruß
          Michael

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re^4: Autoaggression

          Hallo Johanna! ich habe meine Berichte ja nicht von privaten Homepages,
          sondern aus Foren und ich denke diese Erzählungen können das
          Problem viel besser deutlich machen als ein neutraler Text,
          wobei ich mir jetzt nicht mehr so sicher bin, ob das so eine
          gute Idee mit dem Artikel war. Da auf unsere Schule ja auch 10
          Jährige gehen, die damit glaub ich gar nichts anfangen
          können.Und meist können außenstehende auch überhaupt nicht
          verstehen, sie können sich einfach nicht in die Lage
          hineinversetzen.
          In die Lage kann sich keiner reinversetzen, denke ich. Bin selbst Betroffene, allerdings in kleinerem Masse. Aber in die Leute, die mit Rasierklingen etc. rangehen, kann ich mich überhaupt nicht reinversetzen. Ich denke, das muss auch gar nicht sein. Aber es gibt halt doch viele, die sich selbst verletzten, und vielleicht bei ihren Freunden alles als harmlos abtun. So ein Text kann dann helfen, dass der eine erkennt, er hat ein Problem, und der andere sieht, dass er helfen kann, bzw. dass er nicht helfen kann.
          Vielleicht würde da auch eine Liste helfen, die zeigt, wie man mit solchen Leuten umgeht. Wenn Du möchtest, such ich Dir mal eine. Da steht zwar viel zu viel drin, aber man kann ja kürzen und die wichtigsten Sachen rausnehmen, z.B. dass die Freunde sich davon nicht auffressen lassen sollen, wenn ihre Hilfe auf Ablehnung stösst etc. Schreiben tu ich den Artikel aber auf jeden Fall mal und wens
          interessiert, dem zeig ich ihn auch vorher
          Interessiert mich sehr! :-)

          Liebe Grüsse und viel Erfolg
          Bine :-)

          • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
            Autoaggression

            Hallo Bine, In die Lage kann sich keiner reinversetzen, denke ich. Bin
            selbst Betroffene, allerdings in kleinerem Masse.
            Ich interessiere mich ja auch nicht ohne Grund für dieses Thema, in kleinerem Maße bin ich auch schon betroffen, könnte mir aber durchaus vorstelen, dass es auch noch viel schlimmer kommen kann, daher gehe ich das Problem aktiv an. Das es dir so geht, liegt doch sicher auch daran, dass du probleme hast, versuchst du denn auch diese zu lösen, damit es dir nicht noch schlechter geht? Ich denke, nähmlich so richtig anfangen sich crass mir rasierklinge oder so zu verletzen tut man erst, wenn die seele völlig tot ist und das kann schneller gehen als man denkt. Ich wünsche dir da nur alles gute.
            Ich würde mich freuen, wenn du mir mal die Liste schickst, wo Verhaltensregeln drauf stehen? Und weißt du vielleciht auch noch ein paar Links, wo sich mit diesem Thema beschäftigt wird? Ich kenne noch nicht all zu viele Seiten.

            Vielen Dank und lieben Gruß Hanna

            • Antwort von nach 8 Tagen hilfreich
              Re: Autoaggression

              Hallo Johanna!


              Nein, ich glaube nicht, dass der Grad der Verletzung in Zusammenhang mit der Verwendung von den "Verletzungsmitteln" steht.
              Ich selbst war (bin?) auch autoaggressiv, und manchmal ist es sogar ein Zeichen dafür, dass sich eine innere Wunde stärker löst, wenn man "härtere" Methoden (Glasscherben z.B.) verwendet. Ein Schmerz kann auch sehr tief sitzen, nur lässt er sich noch nicht so schnell durch Autoaggression "nach außen tragen". Ich habe mal an einem Vortrag über das Thema teilgenommen und sehe das "Ritzen" inzwischen nicht mehr nur negativ. Es kann helfen, nicht ganz durchzudrehen. Und immerhin öffnet es ja auch im übertragenen Sinne Wunden. Also kann ich bei mir nicht bestätigen, dass der innere Schmerz kleiner war, je kleiner der äußere war. Verstehst Du, was ich meine? (ich habe das Gefühl, mich da noch nicht so deutlich genug ausgedrückt zu haben!)

              Ich habe mich wegen schlimmen Dingen schon weniger stark geritzt als wegen eher "kleinen" seelischen Angelegenheiten. Vielleicht grade deswegen, weil die großen Dinge einfach sehr tief sitzen.


              Und weil Du denkst, die SchülerInnen in der 5. würden das noch nicht so begreifen: Ich glaube, das müssen sie im ganzen Maße auch noch nicht so. Freilich ist das noch nicht das Thema, das sie so nachvollziehen können wie jemand, der älter ist. Erfahrungsgemäß ritzen sich Menschen auch noch nicht mit 10, obwohl ich auch andere Fälle kenne. Wer es versteht, wird es verstehen, und die anderen- naja, es ist eine Schülerzeitung, da wird nie jede/r alles nachvollziehen können, was geschrieben wird. Geht ja auch gar nicht.

              Ich finde es auf jeden Fall gut, dass Du Dich damit beschäftigst. Wichtig ist mir jetzt auch, dass bei Dir rüberkommt, dass Autoaggression auch positive Aspekte mit sich bringt, nämlich, nicht ganz durchzudrehen.

              Ich schau mal nach, vielleicht find ich dann noch den Literaturtip, den ich mal bekommen hab. Versprechen kann ich das nicht, aber ich versuchs mal.


              Heidi

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Oeffentlichkeit

        Hi Bine, Da muss ich aber doch mal widersprechen, wenn ich auf meiner
        HP etwas schreibe, ist das trotzdem etwas privates, und ich
        möchte gerade bei solch heiklen Themen explizit gefragt
        werden, ob eine Veröffentlichung woanders ok ist.
        Na, das kann ich aber gar nicht haben, wenn mir jemand widerspricht! Wo kommen wir denn da hin! Skandal!

        ;-)

        Nee, im Ernst: klar, solche Berichte sind schon in einem gewissen Sinne "privat", aber im Internet sind sie sowas von öffentlich: es muß sich doch Jede(r) darüber klar sein, ob er nun hier in einem Forum postet oder seinen Lebenslauf auf seiner Homepage veröffentlicht, zumindest potentiell eine riesige Leserschaft hat. Wie das rechtlich aussieht, ob Du also gefragt werden mußt, bevor jemand solche Berichte journalistisch verwerten darf, weiß ich nicht. Da es sich aber um allgemein zugängliche Quellen handelt und da hier ja keine Urheberrechte berührt werden, sollte die Sache zumindest formal okay sein. Ich sehe also keine Probleme darin

        - im Netz verfügbare (Fach-) Texte von Institutionen oder Einzelpersonen zu verwerten (wissenschaftlich oder journalistisch) bei Angabe der Quelle aus der man zitiert

        - im Netz verfügbare persönliche Fallbeispiele (soweit sie aus allgemein zugänglichen Seiten stammen) zu verwenden, wenn eine Anonymisierung der betroffenen Personen stattfindet. In diesem Fall würde ich keine Quelle angeben (also nicht: "Michael Niepel aus Bielefeld berichtet, daß er mit dem Leben überhaupt nicht zurecht kommt [http://www.michaelniepel.de/meintraurigesleben/alles...)

        Gruß
        Michael



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