Ärger wegen Krankheit?

Hallo Experten,

bei „Lust und Liebe“ passt es nicht und bei „Frauen und Feminismus“ traue ich mich nicht - also hier:

Hat jemand eine Idee zu Folgendem?

Jedesmal, wenn ich irgendein Wehwehchen habe, reagiert meine Frau, als hätte ich einen schlimmen Fehler gemacht, für den ich mich besser ständig entschuldigen sollte: Sie ist extrem gereizt, ranzt mich an, etc. Sobald es mir wieder gut geht, ist auch die Stimmung wieder gut.

Wohlgemerkt: ich bin kein wehleidiger Typ, der bei einer Erkältung den Exitus nahen sieht und auf sterbenden Schwan macht. Bin sowieso nur sehr selten krank und selbst wenn, bemühe ich mich es mir - ihr gegenüber - nicht anmerken zu lassen. Geht halt nicht immer: Rasierschnitte bluten nunmal und bei „kl. Zehe vs. Türrahmen“ würden auch Buddha die Gesichtszüge entgleisen.

Gestern hatte ich z.B. nur eine Magenverstimmung und musste ständig „rennen“. Prompt ging es wieder los mit dem (einseitigen) Streit - ab und zu unterbrochen von Mitleidsbekundigungen ala "…mein aaaaarmer kleiner " (ich bin einen Kopf größer als sie und fast doppelt so schwer!), die ich eher für ein sterbendes Zwergkaninchen erwarten würde.

Hat das irgendeinen psychologischen Hintergrund, oder sollte ich das unter „Frauen - das letzte Rätsel des Universums!“ verbuchen?

Gruß und t.i.a.
Stefan

nur so eine Idee…

Hallo Stefan,

bin nun leider keine Expertin, aber mir sind bei Deiner Schilderung so ein paar Gedanken durch den Kopf gegangen… Ob die jetzt allerdings auf Deinen Fall zutreffen, weiß ich natürlich nicht!

Also: Zuersteinmal gute Besserung für Dich „Magenverstimmten“ *g*

Nun zu Deiner Frage meine Gegenfrage: Kann es vielleicht sein, dass sich Deine Frau in ihrem Alltagsleben ziemlich gefordert bis überfordert fühlt? Das kann schon mal passieren, dass manche Frauen sich so fühlen, ohne dass vielleicht ein Außenstehender ihren Alltag unbedingt als so anstrengend klassifizieren würde, wie sie selber das u.U. tut…

Wenn es nun so sein sollte (!!!), wie ich es oben beschrieben habe, dann stellst Du als kranker Ehemann praktisch eine weitere Aufgabe, Verantwortlichkeit etc. für Deine Frau dar, die ja schon so mit ihren Aufgaben, die sie so jeden Tag hat, ziemlich „am Ende“ ist. Auf der einen Seite hat sie ja wohl wirklich Mitleid mit Dir und versucht Dich mit Koseworten etc. zu trösten. Also im Prinzip will sie auch nur Gutes für Dich! (Auch wenn es Dich ggf. ziemlich nervt)

Aber auf der anderen Seite sieht sie eben auch, dass sie an diesem Deinen Krankehietstag noch „eine Sorge“ mehr hat zu ihren sonstigen Pflichten, so z.B. Haushalt, Beruf, die kranke Mutter besuchen, den Wochenendeinkauf planen, den lieben Kinderlein die Sorgen abnehmen, der Freundin beim Umzug helfen… (Das sind alles nur Beispiele, das muss natürlich nicht bei Euch so sein!) Und irgendwann „platzt ihr dann der Kragen“, leider dann bei demjenigen, den sie wahrscheinlich am meisten mag: bei Dir! Das ist zwar schwer ungerecht :wink:, aber es passiert halt! Und dass sie sich für ihre heftigen Reaktionen Dir gegenüber „schämt“ merkt man ja schon, wenn sie Dich anschließend mit Koseworten überschüttet.

Wie gesagt, ich weiß nicht, ob das so bei Dir ist. Ich erlebe manchmal so etwas ähnliches bei meiner Schwester, die ihren Mann in Krankheitstagen auch nicht gerade nett behandelt, und bei ihr liegt das echt an ihrer persönlich so empfundenen Überforderung.

Ein kleiner Buchtipp, der auch mir und meinem Freund seeeehr geholfen hat, um die Rätsel der Psyche des jeweils anderen Geschlechts etwas besser zu verstehen :

John Gray: Männer sind anders. Frauen auch.
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/344216107X/o/q…

Dir viele Grüße und hoffentlich kommst Du als „Magenverstimmter“ bals aus der Zwiebackzeit heraus!

Anne

P.S. Was heißt t.i.a.???

Jedesmal, wenn ich irgendein Wehwehchen habe, reagiert meine
Frau, als hätte ich einen schlimmen Fehler gemacht, für den
ich mich besser ständig entschuldigen sollte: Sie ist extrem
gereizt, ranzt mich an, etc. Sobald es mir wieder gut geht,
ist auch die Stimmung wieder gut.

lieber stefan,
es klingt für mich (verhaltenstherapeutin) so, als ob dich die reaktionen deiner frau verletzen und ärgern.
ich empfehle, ihr das zu sagen und offen auszudrücken, dass du dich da z.b. abgewertet, kleingemacht, lächerlich gemacht fühlst und du dich darüber ärgerst.
wenn du das schaffst, solltest du dabei vorwürfe wie " du redest mich dann immer so aggressiv an; du reagierst dann so gereizt" vermeiden, sondern nur von deinen gefühlen dabei sprechen.
also: nicht: DU tust dies und das sondern:
ICH fühle mich so und so
vielleicht erklärt sie dir dann, was in ihr vorgeht oder macht sich mal gedanken darüber.
alles gute und nur mut!
andrea
vielleicht

Also: Zuersteinmal gute Besserung für Dich „Magenverstimmten“
*g*

Danke, war nur Strohfeuer - heute morgen war alles wieder gut.

Nun zu Deiner Frage meine Gegenfrage: Kann es vielleicht sein,
dass sich Deine Frau in ihrem Alltagsleben ziemlich gefordert
bis überfordert fühlt? Das kann schon mal passieren, dass
manche Frauen sich so fühlen, ohne dass vielleicht ein
Außenstehender ihren Alltag unbedingt als so anstrengend
klassifizieren würde, wie sie selber das u.U. tut…

Wenn es nun so sein sollte (!!!), wie ich es oben beschrieben
habe, dann stellst Du als kranker Ehemann praktisch eine
weitere Aufgabe, Verantwortlichkeit etc. für Deine Frau dar,
die ja schon so mit ihren Aufgaben, die sie so jeden Tag hat,
ziemlich „am Ende“ ist.

Eigentlich habe ich sie schon soweit es eben geht entlastet: Wir sind Dinks, Kinder fallen also weg, Kochen und Wäsche mache im Haushalt ich, den Rest zusammen; Beruf - nun ich will nicht das Klischee vom Beamten (ist sie nämlich) aufwärmen, aber ich sach’ einfach mal dass ich mehr Belastung in meinem Job in der EDV-Branche habe.

Ansonsten kann ich deiner Argumentation schon folgen, aber: Wenn ich 'nen verdorbenen Magen habe, bin ich ja nicht auf Pflege angewiesen. Ebensowenig bei den von mir angeführten Rasierschnitten und gestauchten Zehen. Es wird also zu keiner Zeit die reale Arbeitsbelastung erhöht. Wenn ich jetzt bettlägerig gewesen wäre…

Ein kleiner Buchtipp, der auch mir und meinem Freund seeeehr
geholfen hat, um die Rätsel der Psyche des jeweils anderen
Geschlechts etwas besser zu verstehen :

John Gray: Männer sind anders. Frauen auch.
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/344216107X/o/q…

Werde ich mir mal anschauen. Danke für den Tipp.

Dir viele Grüße und hoffentlich kommst Du als
„Magenverstimmter“ bals aus der Zwiebackzeit heraus!

Ach was - einen Tag garnichts gegessen und schon hatte es sich. Jetzt überlege ich schon wieder, mit welchem Junk-Food ich mich heute mittag vergiften werde. Von Zwieback und Tee würde ich wahrscheinlich WIRKLICH krank!

P.S. Was heißt t.i.a.???

T hanks i n a dvance. Es lebe der Abküfi! *grins*

Gruß
Stefan

noch ne Idee
Hallo Stefan,
so eine ähnliche Idee wie die von der Anne ist mir auch gekommen.
Unsere Nachbarin hat an ihren Mann ziemlich angepaßt. Als ihr Mann ins Krankenhaus mußte, stand ihr Tagesablauf still. Sie hat nur noch darauf gewartet, bis er heimgekommen ist.
So extrem ist es sich bei Euch nicht. Vielleicht ist es ja für Dich interessant mal zu beobachten, in wie weit Deine Frau von Deinem Wohl und Wehe mit ihren Stimmungen abhängig ist. Ich kann mir nämlich vorstellen, dass wenn Du mal down bist, sie mit schlechter Stimmung nachzieht, unbemerkt, nicht gravierend.
Vielleicht hat sie das so bei sich Zuhause erlebt. Manche Väter können Herren über die Stimmung der Familie sein (mein Vater ist so!). Bei mir geht heute noch eine Alarmglocke an, wenn mein Mann krank wird. Aber er ist nicht wie mein Vater, so stelle ich die Glocke schnell wieder ab. Über diese Konditionierung ärgere ich mich, es ist so wie es ist.
Nur kann ich Dir aus eigener Erfahrung raten, darüber mit Deiner Frau zu sprechen - bei guter Stimmung natürlich :wink:))
viele Grüße
grilla

Hallo Andrea,

lieber stefan,
es klingt für mich (verhaltenstherapeutin) so, als ob dich die
reaktionen deiner frau verletzen und ärgern.

Na klar ärgert mich das. Ich arbeite sozusagen in einem Piranha-Becken und muss im Beruf ständig Panzer und Maske tragen (bildlich gesprochen!). Wenn ich aber auch zu Hause keinerlei Schwäche mehr zeigen darf, zehrt das an der Substanz!

ich empfehle, ihr das zu sagen und offen auszudrücken, dass du
dich da z.b. abgewertet, kleingemacht, lächerlich gemacht
fühlst und du dich darüber ärgerst.
wenn du das schaffst, solltest du dabei vorwürfe wie " du
redest mich dann immer so aggressiv an; du reagierst dann so
gereizt" vermeiden, sondern nur von deinen gefühlen dabei
sprechen.
also: nicht: DU tust dies und das sondern:
ICH fühle mich so und so
vielleicht erklärt sie dir dann, was in ihr vorgeht oder macht
sich mal gedanken darüber.

Hmmmm, eigentlich halte ich alles Negative (auch Kritik) von meiner Frau fern. Wenn sie mich gerne anblaffen möchte - ok, ich hab’ ein breites Kreuz (auch wenn es im gewissen Gegensatz zu meinen obigen Ausführungen steht). Es wäre nur sehr hilfreich für mich den Grund für die Reaktion zu verstehen. Dann müsste ich mich nicht mehr selber emotional engagieren, sondern könnte mir sagen „Aha, jetzt kommt die Reaktion X weil Ursache Y“. (Wenn ich statische Aufladung verstehe, ärgere ich mich auch nicht mehr, wenn ich an der Türklinke eine gehuscht bekommen)

Gruß und Danke
Stefan

Hi, diese korrigierte Haltung kranken Männern gegenüber macht dich gleich noch sympathischer, ich glaube, von dem Zeitopunkt an, wo du dich geändert hattest, ging das verhältnis mit deinen Mann gliech besser. oder nicht ?
So ne Vater- Tochter .- Beziehung kann einem ganz schön zu schafen machen, wenn man die nicht unter die Füße kriegt,
Tschüß

Was sind Dinks?

Nur so aus Neugier…

Sylvia

Ich kann’s nicht lassen…
mit den Abkürzungen: Dual Income No Kids = DINK. Auch so ein Modewort wie Yupie.

Gruß
Stefan

Nur so aus Neugier…

Sylvia

lieber stefan,

Na klar ärgert mich das. Ich arbeite sozusagen in einem
Piranha-Becken und muss im Beruf ständig Panzer und Maske
tragen (bildlich gesprochen!). Wenn ich aber auch zu Hause
keinerlei Schwäche mehr zeigen darf, zehrt das an der
Substanz!

  • klingt ganz schön stressig, die berufliche situation, im job extreme selbstkontrolle, daheim fallenlassen - fürchte, dass das als konzept nicht dauerhaft funktionieren kann.

Hmmmm, eigentlich halte ich alles Negative (auch Kritik) von
meiner Frau fern.
Dann müsste ich mich nicht mehr selber emotional engagieren,
sondern könnte mir sagen „Aha, jetzt kommt die Reaktion X weil
Ursache Y“.

  • leider! niemand, der einen job wie meinen seriös ausübt, kann so eine reaktion in „ferndiagnose“ beurteilen. ich glaube auch nicht, dass dich das von deinem ärger befreien würde.
    wäre einfach, aber so funktioniert das nicht.
    aus deinem statement spricht aber bereits einiger konfliktstoff, ich glaube dass neue lösungsstrategien eine überlegung wert wären.
    grüße
    andrea

Hallo Andrea,

  • klingt ganz schön stressig, die berufliche situation, im job
    extreme selbstkontrolle, daheim fallenlassen - fürchte, dass
    das als konzept nicht dauerhaft funktionieren kann.

Wieso nicht? Ich denke eigentlich, dass dies in den meisten Berufen der Normalzustand sein dürfte. Meines Wissens im asiatischen Raum sogar Lebenphilosophie.
Klar ist es stressig, aber auch das ist doch normal - schließlich kriegt man ja auch gutes Geld dafür. Eigentlich ist der Vergleich mit dem mittelalterlichen Ritter doch garnicht schlecht: Tagsüber kämpft er mit runtergelassenem Visier in seiner Rüstung und ist nach aussen nur Metall, abends ist er mit Menschen zusammen, denen er vertrauen kann und kann wieder er selber sein - macht sich verwundbar.

Was wären die Alternativen?

Im Beruf so zu sein wie daheim?
Um beim Beispiel zu bleiben: die Ritter sind auch nicht im Jogginganzug aufs Schlachtfeld gezogen. Leider ist imho in den meisten Firmen heutzutage „menscheln“ ein Luxus, den man sich nicht mehr leisten kann.

…oder auch im Privatleben immer auf der Hut sein?
Kann ja sein, dass ich da was falsch verstanden habe, aber eigentlich stelle ich mir unter Familie/Heim/Partner was anderes vor.

  • leider! niemand, der einen job wie meinen seriös ausübt,
    kann so eine reaktion in „ferndiagnose“ beurteilen. ich glaube
    auch nicht, dass dich das von deinem ärger befreien würde.
    wäre einfach, aber so funktioniert das nicht.

Schade - war aber einen Versuch wert.

aus deinem statement spricht aber bereits einiger
konfliktstoff, ich glaube dass neue lösungsstrategien eine
überlegung wert wären.

Konflikte und Lösungen habe ich im real life genug, die brauche ich nicht auch noch daheim - besonders da hier einige Lösungswege nicht in Frage kommen, die man im Job gerne anwendet. Zudem dürfte in meinem Fall (um aufs Ursprungsthema zurückzukommen) noch kein klassischer Konflikt vorliegen, da die eine Partei sich des Konfliktstoffes nicht bewusst ist. Ich habe auch das nichtausrottbare Vorurteil, dass Konfliktlösungen im partnerschaftlichen Bereich entweder fliegendes Geschirr bedeuten oder den Geruch von Birkenstock, Norwegerpulli und „Du, das müssen wir jetzt aber mal ausdiskutieren, Du!“ haben. ;-O

Muss allerdings gestehen, dass ich ziemlich blutiger Laie bin, da ich von Konflikt-Management grade soviel verstehen, um aufgebrachte Kunden zu beruhigen bzw. zerstrittene Projekt-Teams wieder an die Arbeit zu bekommen. :wink:

Im Privatleben bin ich so extrem harmoniebedürftig dass ich lieber weiterhin „schlucke“, als etwas zu riskieren. Ist eigentlich eine ganz simple Risiko-Nutzen-Kalkulation. Wenn sich da was anstaut, kann man es ja prima im Job als Agression umsetzen - ist in manchen Verhandlungen echt nützlich. *grins*

Als Fazit halte ich fest: Mein eigentliches Problem ist wohl nicht lösbar (zumindest nicht hier und so), aber zumindest war’s ein netter Gedankenaustausch.

Sorry, wenn meine Ansichten etwas extrem sind…

Gruß und Danke
Stefan

Dinks: die;
nur Mz. aus: Double income no kids
verheiratetes, doppelverdienendes Paar ohne Kinder

ciao, Stefan.

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