Hi,
sicherlich ist das von Euch vielen bekannt, daß wenn man in Urlaub fährt, z.B. die Pflanzen in Obhut eine Nachbarn, Freundes, Bekannten… gibt. So tat ich dies auch. Nach meiner Rückkehr plante ich einen längeren Auslandsaufenthalt und besprach mit dem Pfleger meiner Pflanzen, diese bei ihm für ein paar Monate lassen zu können.
Zwischenzeitlich fragt er mal zwar nach, ob ich die Pflanzen wieder haben wolle. Auch erwähnte er einerseits, daß manche Pflanzen kaputt gegangen seien bzw. viele Blätter verloren hätten. Doch als ich konkret nachfragte, verneinte er stets, den Pflanzen ginge es sehr gut, er habe sie sogar umgetopft und was ich für tolle riesig gewachsenen Pflanzen zurückbekommen sollte. Ich habe ihn sicherlich mehrfach gefragt, ob es den Pflanzen wirklich gut ginge, einfach aufgrund seiner immer wieder kehrenden Andeutungen…
Als ich mal beiläufig auf die Pflanzen zu sprechen kam, stellte sich raus, daß ein neuer Baum für 200,-- DM nur noch 9 Blätter haben sollte. Ich war geschockt. Sofort wollte ich meine Pflanzen wieder haben, doch das sollte noch ca. 3 - 4 Wochen dauern, bis ich die letzten vertrockneten Zweige vor die Tür gestellt bekam.
Als wir später drüber sprachen, meinte er, er hätte von mir schwach gefunden, daß ich nicht einfach gesagt habe, egal wie die Pflanzen aussehen, er solle sie vorbeibringen und dann schauen wir, was man am besten draus machen kann. Er wollte sie nicht zurückbringen, weil er hatte immer noch gehofft, sie würden sich erholen. Er meinte, in meiner Stimme hätte Wut gelegen, hätte ich nach den Pflanzen mich erkundigt.
Mag sein, daß in meiner Stimme auch mal Wut bzw. Angst lag, doch meines Erachtens sicherlich nicht nur. Ich für meinen Teil konnte nicht nachvollziehen, wie jemand ca. über 30 Pflanzen nahezu alle kaputt gehen lassen kann, mir dann einen Topf Papyrus ohne Papyrus bringt und meint, der wird schon wieder, er kenne sich mit Pflanzen halt nicht so aus bzw. mir einen vertrockneten Baum hinstellt und meint, der treibe gerade viele Blätter…
Er nahm die vertrockneten Pflanzen wieder mit sich nach Hause und versucht sie angeblich zum Wachsen zu bringen. Soviel „Magisches Denken“?
Sicherlich waren wir beide konfliktscheu. Ich wollte wohl anhand seiner Andeutungen nicht glauben, daß er die Pflege entweder nicht so ernst nahm bzw. damit schlichtweg überfordert war und er hatte wohl Angst vor meinem Ärger bzw. wollte ja „gut“ sein. Dies ging leider zu Lasten von vielen Pflanzen.
Als ich ein paar Leuten die Erfahrung erzählte, schockierte mich etwas deren Reaktion, die meinten, ich solle den Kontakt zu diesem Menschen abbrechen. Nun, das mag meines Erachtens der einfachste Weg sein, doch sicherlich nicht der Beste. Jeder ist auch mal ein Arschloch bzw. jeder macht Fehler. Sicherlich mangelt es hier an einer gewissen Reife. Natürlich ist hier ein Unterschied, ob mal etwas spontan aus der Situation heraus geschieht oder ob sich etwas - so wie hier - über Monate entwickelt. Sicherlich wird sich mein Kontakt zu diesem Menschen auch etwas verändern bzw. ich habe ihn nun eben auch auf eine Weise kennengelernt, wo ich etwas Abstand suche.
Nun habe ich für hunderte von Mark Pflanzen verloren. Teils hing ich an manchen Pflanzen sehr, da sie teils Geschenke waren bzw. mit bestimmten Ereignissen, z.B. erste eigene Wohnung, zusammenhingen. Manche Pflanzen hatte ich schon 14 Jahre. Ich fühle mich momentan um ein Stück meines Lebens beraubt.
Meinen Ärger drückte ich in einen Gespräch mit ihm aus, wonach es mir auch besser ging. Davor war ich maßlos verspannt. Dennoch merke ich, mir fehlt was… Ich kann das nicht so genau benennen, doch ein (wesentlicher) Teil scheint zu sein, daß er, sobald ich Frust bezüglich Pflanzen zeige bzw. äußere, er sofort sich zurückzieht. Das kommt bei mir so an, als würde er sagen, ich habe zwar einen Fehler gemacht, aber nun gut, und wenn Du hier knatschig ein Gesicht ziehst, dann ziehe ich mich solange zurück, bis Du wieder gut drauf bist. Das kann ich bedingt verstehen und gleichzeitig fühle ich mich auch von ihm (aus meiner Sicht verständlicherweise) im Stich gelassen. Denn die Trauer wird halt noch eine Weile, ein paar Wochen oder Monate dauern. Mag sein, daß ich sogar in Jahren immer wieder mal mit einem traurigen Gefühl an diese Situation denken werde. So bin ich nun mal. Und das ist okay für mich. Damit kritisiere ich ihn ja nicht mehr.
Ich wünsche mir, daß er mich in der Situation in der ich momentan bin, traurig und auch noch ärgerlich, auch aushält. Hier geht es mir darum, daß er auch aushalten kann was er durch sein Fehlverhalten ausgelöst hat. Hier geht es nicht um Tadelung, sondern daß er nun auch die Konsequenzen ertragen bzw. erfühlen können sollte. Überdies vermittelt mir sein Rückzug das Gefühl mangelnder Verantwortung.
Wie würdet Ihr in solch einer Situation reagieren?
Ciao,
Romana (gehe jetzt ins Brett Pflanzen und kümmere mich um neue Pflanzen)
