‚Lösung = Schlüßel/ Problem = Türschloß‘
Lieber Ralf,
" Problem talks creates problems, solution talk creates solutions!"
Es gibt eine „Lösungsorienteierte Kurztherapie“, welche etwa ab Mitte der siebziger Jahre am Brief Family Therapy Center in Milwaukee, USA, von Steve de Shazer et al. entwickelt wurde.
Kernaussage ist die Vorstellung, es sei ein großer Irrtum der Psychotherapie, zu vermuten, daß zwischen einem Problem und seiner Lösung ein Zusammenhang bestehe. Im Gegenteil, es zeige sich, „daß der Prozeß der Lösung sich von Fall zu Fall stärker ähnelt als die Probleme, denen die Intervention jeweils gilt“ (de Shazer, 1989b, S.12).
Berühmt geworden ist die Metapher des Türschlosses:
"Die Klagen, mit denen Klienten zum Therapeuten kommen, sind wie Türschlösser, hinter denen ein befriedigendes Leben wartet. Die Klienten haben alles versucht…aber die Tür ist immer noch verschlossen; sie halten ihre Situation also für jenseits der Lösungsmöglichkeit. Häufig hat dieser Schluß immer weiter gehende Bemühungen zur Folge:
Nun versuchen sie herauszufinden, warum das Türschloß so und nicht anders beschaffen ist oder warum es sich nicht öffnen läßt. Dabei dürfte es doch klar sein, daß man zu Lösungen mit Hilfe eines Schlüssels und nicht mit Hilfe eines Schlosses gelangt… Eine Intervention braucht nur in der Weise zu passen, daß die Lösung auftaucht. Es ist nicht nötig, daß sie (die Lösung) es an Komplexität mit dem „Schloß“ aufnehmen kann" (de Shazer).
Besonders bekannt geworden ist in diesem Zusammenhang die „Wunderfrage“. Sie ist eine Form, nach Ausnahmen zu fragen, die noch gar nicht passiert sind:
„Wenn das Problem durch ein Wunder plötzlich weg wäre: was würden Sie am Morgen danach als erstes machen? - und dann? Was würde Ihr Mann/Ihre Frau/Ihr Kind/Ihr Chef anders machen, woran würden sie es erkennen? Wie werden diese Menschen auf Ihr verändertes Verhalten verändert reagieren? Wer wäre davon am meißten überrascht? Und wenn dann nach dem „Wunder“ 2 Monate/ein halbes Jahr/ Fünf Jahre vergangen sind, wie würde Ihre Beziehungen sich dann verändert haben?“ (de Shazer).
Wichtig ist hier m.E. vor allem die Hausaufgabe, die ein Therapeut seinem Klienten zur nächsten Stunde mitgibt, z.B.:
„In der Zeit von jetzt bis zu unserm nächsten Treffen möchte ich, daß Sie genau beobachten, was in Ihrem Leben so bleiben soll, wie bisher“, „Machen sie etwas ganz anderes“ usf.
Die Hausaufgaben zeichnen sich oft durch Kreativität und Leichtigkeit aus, mit denen meißt verblüffend einfache Lösungen für scheinbar schwerwiegende Probleme gefunden werdeen. Dafür können auch Problemerklärungen herangezogen werden, die völlig abwegig sind, sofern sie nur dazu dienen, die Aufmerksamkeit auf neue Lösungswege zu richten. 
„Change your focus“, sozusagen!
Mein Problem ist nun, dass mir täglich
Probleme auf den Tisch gelegt werden, niemals Lösungsansätze.
Sollte ich da was falsch verstanden haben? Wer weiß was?
(Sollst Du Probleme anderer lösen oder willst Du eigene angehen? Falls das Letztere gelten sollte…