frage zum gedaechtnis

Von: , Frage gestellt am Sa, 19. Mai 2001

hallo ihr psychologen!

folgendes ist mir schon oefters passiert: ich habe passwoerter
oder codes vergessen, aber kaum sitze ich am computer oder stehe
am geldautomaten kann ich es tippen.

einmal war sogar etwas ganz interessantes: es gibt ein
uralt-programm fuer dos, works, das ich einmal benutzen musste,
um an daten zu kommen. die maus ging nicht. alle funktionen
werden mit tastenkombinationen ausgefuehrt. ich sass ratlos da -
ich hatte alles vergessen! ich scrollte also planlos durch die
zeilen, fand einen tippfehler und meine haende machten ploetzlich
alles von selbst: editieren, loeschen, speichern, zackzack!
nachher wusste ich nicht mehr, was ich grade getippt hatte!

was war das? eine art motorisches gedaechtnis? das unbewusste?

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: frage zum gedaechtnis

    Könnte etwas mit Mneomonik zu tun haben, das heißt Daten werden mit Gegenständen oder Dingen assoziert, basiert auf dem zusammenspiel der beiden Gehirnhälften, in der linken sitzt das Logische Denken etc. in der Rechten das Assoziative, Bildhafte Denken etc.

    Sprich Dein Gehirn assoziert den Bankautomaten mit Deiner Geheimzahl und setzt die Neuronen in Gang um selbige Geheimzahl auszuspucken, dass selbe war wohl beim PC der Fall.

    Ist eine sehr gute Methode um sein Gedächtnis zu verbessern !. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 3 Stunden 5 hilfreich
    Re: prozedurales Gedaechtnis

    Hallo ich habe passwoerter vergessen, aber kaum sitze ich am computer, kann ich es tippen.
    was war das? eine art motorisches gedaechtnis? das unbewusste?
    Genau richtig.

    Für diese Erlebnisse ist das prozedurale Gedächtnis zuständig, in dem Handlungsabläufe gespeichert sind. Da sind nicht die Zahlen der Codenummer abgespeichert, sondern die Bewegungsabläufe, d.h., an einer anderen Tastatur (Telefon vs. Rechner) gehts schief.

    Zu Beginn eines Lernprozesses muß man noch jeden Schritt einzeln bewußt steuern (in den Rückspiegel sehen, Blinker betätigen, Handbremse lösen, Gas geben, Kupplung loslassen). Beim häufigen Wiederholen findet einerseits eine Zusammenfassung statt (chunking), das spart Speicherplatz ("Losfahrn"). Außerdem läufts allmählich ohne bewußte Zuwendung ab, automatisch, dadurch wird der Geist frei für anderes, z.B. für die Überlegung, welche Strecke man wegen des Staus wählen sollte.

    Im Ergebnis kann nur noch der gesamte Prozeß abgespult werden (wer sich in einer Gedichtsstrophe verhaspelt, fängt wieder von vorn an) und auch nicht bewußt drauf geachtet werden (wer beim Klavierspielen drauf achten will, welche Finger er benutzt, verspielt sich sofort.

    Der Info-Abruf funktioniert als bedingter Reflex: wenn die Tastatur da ist oder die Fehlerkorrektur-Situation auftaucht, gehts.

    Tschuess, Sven.

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: prozedurales Gedaechtnis

      sven,

      danke schoen fuer diese ausfuerhliche und spannende antwort.

      darf ich weiterbohren?

      ist es diese art von gedaechtnis, die uns fundamentale dinge wie
      gehen, schreiben, schwimmen usw. zu lernen ermoeglicht?

      stimmt es, dass man gewisse dinge in einem bestimmten alter
      lernen muss, weil es spaeter nie mehr zum perfekten,
      reibungslosen, natuerlichen ablauf kommen kann? ich denke an
      analphabeten, deren haende nie geschrieben haben, oder aber
      starmusiker, die schon als vierjaehrige spielen lernten.

      ps: der sternchenlink ist bei mir verschwunden. ich wollte dir
      eigentlich eins geben...

      • Antwort von nach 2 Tagen 2 hilfreich
        Re^3: Gedächtnis, Sehen lernen - Gehirnentwicklung

        Hallo! Ist es diese Art von Gedaechtnis, die uns fundamentale Dinge
        wie Gehen, Schreiben, Schwimmen usw. zu lernen ermoeglicht?
        Ja. Mit der einschränkenden Bemerkung, daß unser Gedächtnis nicht so schön in Einzelabteilungen gegliedert ist, wie das die Modelle vorgaukeln. Gerade beim Schreiben brauchen wir ja nicht nur die Bewegungsabläufe sondern gleichzeitig auch das Wissen über die Bedeutung dessen, was wir schreiben. Das ist dann das semantische Gedächtnis, in dem Worte mit ihrer zugehörigen Bedeutung abgespeichert sind. Natürlich brauchen wir auch das Kurzzeitgedächtnis beim Schreiben, damit wir einen Moment lang verfügbar halten können, was wir schreiben wollen. Aber der Begriff stammt wieder aus einem anderen Modell (Langzeit-Kurzzeit-Ultrakurzzeit-M.), das andere Phänomene menschlichen Gedächtnisses behandelt. Stimmt es, dass man gewisse Dinge in einem bestimmten Alter
        lernen muss, weil es spaeter nie mehr zum perfekten,
        reibungslosen, natuerlichen Ablauf kommen kann? ich denke an
        Analphabeten, deren Haende nie geschrieben haben, oder aber
        Starmusiker, die schon als Vierjaehrige spielen lernten.
        Ja.
        Zum Zeitpunkt der Geburt sind zwar bereits alle Nervenzellen im Gehirn vorhanden, aber deren Verbindungen untereinander (bis zu 1000 Synapsen je Zelle) nur zum Teil. In dem Buch von F. Vester "Denken, Lernen, Vergessen" ist das gut dargestellt. Innerhalb von 3 Monaten werden enorm viele Verbindungen hergestellt, was nicht heißt, das die Entwicklung nicht auch später weitergeht. Ein Beispiel kenne ich genauer: unser Stereosehen.
        Damit es zustande kommt, müssen die Informationen beider Augen zusammengeführt werden. Das passiert richtig hardwaremäßig, die Nervenfasern der korrespondierenden Netzhautareale treffen sich in der Sehrinde, im Hinterkopf. Aus den Differenzen zwischen den Abbildungen aus dem linken und rechten Auge bastelt unser Gehirn dann den schönen räumlichen Eindruck. (Zwar gibt es auch andere Möglichkeiten, 3D zu erzeugen, z.B. anhand von Überschneidungen, aber die wirken nicht so beeindruckend plastisch.)
        Bei Kindern, die schielen, wo also in jedem Auge ganz andere Dinge der Umgebung abgebildet werden, kann diese Art räumlichen Sehens nicht entstehen. Das Gehirn schaltet früher oder später eines der beiden Augen ab. Wenn erst nach einem Alter von ca. 7 Jahren das Schielen beseitigt wird, lernt das abgeschaltete Auge nicht mehr, scharf zu sehen und auch das räumliche Sehen ist eingeschränkt, was z.B. beim Einparken Schwierigkeiten bereitet, wie mir eine Kollegin bestätigte.

        Nach diesem Prinzip kann man auch die anderen sensiblen Phasen von Lernen (z.B. Sprache) erklären. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es noch andere Gründe gibt.

        Zum Weiterlesen kann ich das kleine Taschenbuch von Vester empfehlen.

        Tschuess, Sven.

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