Magen-Op und Psyche

Von: , Frage gestellt am Sa, 4. Feb 2012

Liebe Wissende,

immer häufiger werden in jüngster Zeit mitunter recht massiv operative Eingriffe bei schwer- und schwerst-Übergewichtigen als vermeintliches Allheilmittel beworben (Stichwort: Magenband, Schlauchmagen, Magen-Bypass).

Was passiert (psychisch) nach einer solchen OP bei Menschen, deren Übergewicht psychosomatisch bedingt war, die also das Essen quasi als Ventil genutzt haben?

Sind diese Ursachen mit der OP quasi wegoperiert oder wie gehen die Betroffenen damit um, dass das alte (bekannte) Ventil nicht mehr "funktioniert"? Suchen die (unbewusst) eine Ersatz-Sucht? Gibt es (wie ich meine bei vielen trockenen Alkoholikern extremen Tabak- und/oder Kaffeekonsum beobachten zu können) primäre Ersatz-Süchte? Gibt es dazu überhaupt Studien oder Erkenntnisse - oder will man die gar nicht genau wissen, um die Werbeerfolge für die OPs nicht zu gefährden?

28 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einem Tag 2 hilfreich
    Re: Magen-Op und Psyche

    Ich weiß ja nicht, wo du massive Werbung für die o.g. Eingriffe gesehen hast.
    In seriösen Medien werden diese Operationen als das dargestellt, was sie sind: der letzte Ausweg aus einer gesundheitlich sehr prekären Situation, die unbehandelt gravierende Folgen hätte - und auch nur, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden.

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Magen-Op und Psyche

      Hallo,



      da das nicht mein Thema war und ist, können wir den Bewerbungsaspekt als meinen persönlichen Eindruck betrachten.

      Ansonsten stimme ich Dir zu, auch wenn mein Gefühl sich verstärkt, dass viele Betroffene (nicht zuletzt dank Mundpropaganda) die OP als "Wunderlösung" betrachten, bei der sie selbst nichts tun müssen . . .

      Meine UP-Frage bezieht sich allerdings darauf, was mit Operierten passiert, denen das Ausleben ihrer bisherigen Esssucht operativ unmöglich gemacht wurde: "Verschwinden" die Ursachen und Auslöser der bisherigen Esssucht mit der OP einfach so . . .

  2. Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
    Re: Magen-Op und Psyche

    Moin,
    Obesitas ist kein 'psychisches' Problem - bzw. das Aushalten davon wahrscheinlich schon. Sondern eine Krankheit mit unterschiedlichen Ursachen.
    Es fängt schon damit an, dass fast alle Menschen eine Neigung zur Fettleibigkeit haben. Denn in unserer Entwicklung war es notwendig Reserven anzulegen. 365 Tage im Jahr Schlemmen war fast nie drin. Ausserdem wurde früher wesentlich mehr an Kalorien ausgegeben.
    Dann ist bei vielen eine familiäre Komponente zu beobachten und neuere Ergebnisse zeigen auch noch, dass die Epigenetk eine Rolle spielt.

    Mit der gleichen Berechtigung kann man fragen, was passiert mit Menschen an deren Übergewicht nichts getan wird? Wie fühlen die sich 'psychisch'? Ich kenne einige - die sagen alle 'schei..e'.
    Von den Problemen bei den Gelenken, Herz/Kreislauf,... ganz zu schweigen. Wer fett ist wird auch oft auch noch als 'schwach', 'keine Disziplin' und 'blöd' angesehen. Und nichts ist oft falscher als das.

    Wer sich so einer OP unterziehen muss sollte natürlich auch in unterschiedlichen Richtungen begleitet werden. Z.B. eine Ernährungsberatung erhalten und warum nicht auch mit Psychologen reden. Soviel ich weiß haben viele Leute das eh schon hinter sich.
    ...lux

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Magen-Op und Psyche

      Hallo pollux, Wer sich so einer OP unterziehen muss sollte natürlich auch in
      unterschiedlichen Richtungen begleitet werden. Z.B. eine
      Ernährungsberatung erhalten und warum nicht auch mit
      Psychologen reden. Soviel ich weiß haben viele Leute das eh
      schon hinter sich.
      danke für Deinen Beitrag - in der Tat setzen Krankenkassen i. d. R. VOR der Kostenübernahme andere Massnahmen voraus.

      Mir ging/geht es allerdings konkret um das Hinterher: Die Betroffenen verlieren z. Tl. massiv an Gewicht, was an sich schon beträchtliche Veränderungen im Leben/Alltag nach sich zieht; Was aber tun jene Menschen, deren bisherige Esssucht (vgl. Alkohol- oder andere Drogen) von heute auf morgen nicht mehr "funktioniert"?

      "Brauchen" die als Dünnere die Sucht per se nicht mehr, weil mit dem Abnahmen deren Ursache "automatisch" wegoperiert ist? Was konkret passiert mit den Faktoren (Auslösern), die vorher zum Übergewicht geführt haben?

      • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
        Re^3: Magen-Op und Psyche

        ich kenne etliche fettleibig Menschen, die an einer Studie zu Schichtarbeit teil genommen haben. Sie haben den Teufelskreislauf beschrieben in dem sie sich befinden.

        Die Fettleibigkeit hatte bei keiner dieser Personen direkte 'Esssucht' Hintergründe (oder nicht mehr).
        Die Fettleibigkeit hatte sich eher verselbständigt und war zum 'Problem in sich geworden'.
        Bei Frauen lag der Anfang z.B. oft bei den Schwangerschaften. Vielleicht schon von Jugend an leicht pummelig, aber nichts dramatisches. Dann bei der ersten Schwangerschaft gut zugelegt, nicht mehr weg bekommen. Diät, Abgenommen, aber Essgewohnheiten nicht umgestellt, nach kurzer Zeit wieder mehr zugenommen als abgenommen. Zweite Schwangerschaft. Wieder zugelegt. Frust, Diät, teils gute Abnahme, aber wiederum keine Umstellung der Essgewohnheiten. Wieder mehr Zunahme als Abnahme...Frust, jetzt ist eh alle egal.
        Bei Männern war es oft das Bier und die Liebe zu fettem Essen, wenig Bewegung, keine Diäten, aber ab der Heirat ein 'sich gehen lassen'

        Ich denke, die von dir angesprochene 'Esssucht' ist eher ein kleiner Prozentsatz, der auch noch unterteilt werden muss, 'Quartalsfresser', Bullemiker,...
        Vieles ist auch noch Gewohnheit. Zu schnell, zu viel, zu unbedacht.
        Also ich denke, mit entsprechender Begleitung hat ein Magenband nach reiflicher Überlegung durchaus seine Berechtigung. Ohne Ernährungsumstellung hat aber auch ein Magenband keinen Sinn. Süßigkeiten und Getränke 'rutschen' einfach durch.
        Kein Allheilmittel also, aber ein Option.

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^4: Magen-Op und Psyche

          Hallo pollux,

          danke für Deine Ausführungen, auch wenn ich Deine Beschreibung von Esssucht nicht ganz teile . . .

          Sofern ich Dich richtig verstehe, gehst Du allerdings davon aus, dass bei allen, für die so eine OP "zu Recht" machen lassen, danach "die Welt in Ordnung ist". Eine andere sog. Ersatzsucht schließt Du demnach aus?

          • Antwort von nach 2 Tagen 2 hilfreich
            Re^5: Magen-Op und Psyche

            auch wenn ich Deine Beschreibung von Esssucht nicht ganz teile . . .
            Welche Beschreibung von 'Essucht' habe ich denn gegeben. soweit ich weiß bislang keine. Du gehst davon aus, dass alle adipösen Menschen eine 'Esssucht' haben und das ist falsch. Sofern ich Dich richtig verstehe, gehst Du allerdings davon
            aus, dass bei allen, für die so eine OP "zu Recht" machen
            lassen, danach "die Welt in Ordnung ist".
            ich denke, dass nur ein kleiner Prozentsatz der stark übergewichtigen Menschen stark übergewichtig sind, weil sie an einer 'Esssucht' (nach der Def. von 'Sucht' - sich ständige gedankliche und emotionale mit dem Thema 'Essen' beschäftigen) leiden.

            Übergewicht ist zum großen Teil ein Problem der Industrieländer. Zu wenig Kalorienausgabe bei zu viel Kalorienaufnahme. Interessant ist, dass bei Studien kein Zusammenhang zwischen BMI und den zugeführten Kalorien gefunden werden konnte, sondern die Art der Nahrung eine große Rolle spielt: zu viel und das falsche Fett, zu wenig Vitamine und Mineralstoffe. Wichtigste Ursachen bleiben aber: zu viel rein, zu wenig raus. Und das wird von vielen Faktoren begünstigt und unterscheidet sich sicher in jedem Fall: Sitzende Arbeit, Auto, Fahrstuhl, kein Sport, Langeweile,...
            ... und klar, wird es auch Leute geben bei denen Essen eine Ersatzbefriedigung darstellt. Es aber darauf reduzieren zu wollen greift zu kurz. Z.B. ist der soziale Status und das Bildungsniveau ein sehr guter Weiser: Je höher der Schulabschluss, desto niedriger der BMI.
            Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Leute mit einer höheren Schulbildung weniger emotionale Probleme hätten.

            Und nein, ich gehe nicht davon aus, dass für Leute, die die OP 'zurecht' machen lassen 'die Welt danach in Ordnung ist'. Aber ich denke, dass es eine legitime Form ist, den Teufelskreislauf zu durchbrechen. Sehr fettleibige Menschen sind oft nicht mehr in der Lage ihr Übergewicht allein durch normale Diäten in den Griff zu bekommen. ..Eine andere sog. Ersatzsucht schließt Du demnach aus?
            ich schließe gar nichts aus. Aber: erst mal musst du 'Sucht' definieren. Sucht als 'Abhängigkeitssyndrom' von z.B. Substanzen ist ebenfalls kein monokausales Phänomen. Inzwischen ist klar, das viele Faktoren eine Rolle spielen - angefangen bei genetischen Komponenten bis zu gesellschaftlichen.
            Wobei die 'Esssucht' eine Sonderstellung einnimmt. Das 'Suchtmittel' - Nahrung kann man im Gegensatz zu anderen Suchtstoffen wie Alk oder Drogen nicht meiden.

            Klar, bei Menschen die eine Suchtneigung haben, kann eine Sucht die nächste ablösen. Aber es kann einen Unterschied machen, ob eine 'Sucht' gesellschaftlich anerkannt ist oder auf Ablehnung stößt. So könnte z.B. eine 'Sportsucht' stellvertretend etabliert werden. Dann wäre die Frage - wie hoch ist der Leidensdruck beim einen und beim anderen.

            Der Titel deines Fadens ist "Magen-OP und Psyche"
            Mein Eindruck ist, du möchtest gerne hören, dass alle fetten Menschen esssüchtig sind: Das ist nicht so.
            Dann stellst du dir vor, dass danach eine andere Sucht die des Essens ablöst. Das kann passieren, ist aber eher nicht der Fall. Psychologische- und Ernährungsberatung sind sicher wichtig, nicht nur für den Erfolg einer Magenband-OP - sondern auch für den Erfolg anderer Maßnahmen zur Reduktion des Körpergewichts.

        • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
          Wie heisst die erwähnte Studie

          Hallo pollux, ich kenne etliche fettleibig Menschen, die an einer Studie zu
          Schichtarbeit teil genommen haben.
          magst Du mir (uns) bitte mitteilen, wie die Studie heisst bzw. wo man sie findet/einsehen kann und ggf. in wessen Auftrag sie erstellt wurde?

          • Antwort von nach 2 Tagen 1 hilfreich
            Re: Wie heisst die erwähnte Studie

            Ich bin ja ein großer Fan von Quellen :)- in dem Fall muss ich passen - 'not published jet' - ja, noch nicht mal abgeschlossen - Forschung gefördert von NWO, Volkswagenstiftung und noch ein paar anderen Clubs.
            Und die findet auch nicht 'im Auftrag' statt. Wie stellst du dir Wissenschaftliche Forschung eigentlich vor, frag ich mich.
            Ausserdem geht es dabei nicht direkt um Fettleibigkeit, sondern um 'shift-work-related health problems, chronotypes and light-regimes' und da ist Obesitas nur ein Aspekt.
            Wenn du dich einlesen willst: <a href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=shift%20work..."> - bekommst du zumindest die abstracts.
            Ausserdem wirst du einiges an Fachliteratur finden, wenn du diese Stichwörter in Google verwendest.



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