Re^5: Magen-Op und Psyche
auch wenn ich Deine Beschreibung von Esssucht nicht ganz teile . . .
Welche Beschreibung von 'Essucht' habe ich denn gegeben. soweit ich weiß bislang keine. Du gehst davon aus, dass alle adipösen Menschen eine 'Esssucht' haben und das ist falsch.
Sofern ich Dich richtig verstehe, gehst Du allerdings davon
aus, dass bei allen, für die so eine OP "zu Recht" machen
lassen, danach "die Welt in Ordnung ist".
ich denke, dass nur ein kleiner Prozentsatz der stark übergewichtigen Menschen stark übergewichtig sind, weil sie an einer 'Esssucht' (nach der Def. von 'Sucht' - sich ständige gedankliche und emotionale mit dem Thema 'Essen' beschäftigen) leiden.
Übergewicht ist zum großen Teil ein Problem der Industrieländer. Zu wenig Kalorienausgabe bei zu viel Kalorienaufnahme. Interessant ist, dass bei Studien kein Zusammenhang zwischen BMI und den zugeführten Kalorien gefunden werden konnte, sondern die Art der Nahrung eine große Rolle spielt: zu viel und das falsche Fett, zu wenig Vitamine und Mineralstoffe. Wichtigste Ursachen bleiben aber: zu viel rein, zu wenig raus. Und das wird von vielen Faktoren begünstigt und unterscheidet sich sicher in jedem Fall: Sitzende Arbeit, Auto, Fahrstuhl, kein Sport, Langeweile,...
... und klar, wird es auch Leute geben bei denen Essen eine Ersatzbefriedigung darstellt. Es aber darauf reduzieren zu wollen greift zu kurz. Z.B. ist der soziale Status und das Bildungsniveau ein sehr guter Weiser: Je höher der Schulabschluss, desto niedriger der BMI.
Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Leute mit einer höheren Schulbildung weniger emotionale Probleme hätten.
Und nein, ich gehe nicht davon aus, dass für Leute, die die OP 'zurecht' machen lassen 'die Welt danach in Ordnung ist'. Aber ich denke, dass es eine legitime Form ist, den Teufelskreislauf zu durchbrechen. Sehr fettleibige Menschen sind oft nicht mehr in der Lage ihr Übergewicht allein durch normale Diäten in den Griff zu bekommen.
..Eine andere sog. Ersatzsucht schließt Du demnach aus?
ich schließe gar nichts aus. Aber: erst mal musst du 'Sucht' definieren. Sucht als 'Abhängigkeitssyndrom' von z.B. Substanzen ist ebenfalls kein monokausales Phänomen. Inzwischen ist klar, das viele Faktoren eine Rolle spielen - angefangen bei genetischen Komponenten bis zu gesellschaftlichen.
Wobei die 'Esssucht' eine Sonderstellung einnimmt. Das 'Suchtmittel' - Nahrung kann man im Gegensatz zu anderen Suchtstoffen wie Alk oder Drogen nicht meiden.
Klar, bei Menschen die eine Suchtneigung haben, kann eine Sucht die nächste ablösen. Aber es kann einen Unterschied machen, ob eine 'Sucht' gesellschaftlich anerkannt ist oder auf Ablehnung stößt. So könnte z.B. eine 'Sportsucht' stellvertretend etabliert werden. Dann wäre die Frage - wie hoch ist der Leidensdruck beim einen und beim anderen.
Der Titel deines Fadens ist "Magen-OP und Psyche"
Mein Eindruck ist, du möchtest gerne hören, dass alle fetten Menschen esssüchtig sind: Das ist nicht so.
Dann stellst du dir vor, dass danach eine andere Sucht die des Essens ablöst. Das kann passieren, ist aber eher nicht der Fall. Psychologische- und Ernährungsberatung sind sicher wichtig, nicht nur für den Erfolg einer Magenband-OP - sondern auch für den Erfolg anderer Maßnahmen zur Reduktion des Körpergewichts.