Warum spricht man mit dem Mörder seines Kindes?

Hi zusammen,

ich wusste nicht, wie ich den Titel besser hätte formulieren können. Aber ich frage mich seit einem sehr bewegenden Beitrag im TV etwas, auf das ich keine Antwort finde. Es ging um jemanden, der eine Frau bei einem Raubüberfall erschossen hatte und nun in der Todeszelle sitzt (diese Diskussion mal völlig aussen vor gelassen). Das bewegende für mich war, dass mal aus Sicht des Mörders und mal aus Sicht der Mutter der Getöteten berichtet wurde. Die vielen Aussagen der beiden (im Original mit Untertiteln) erzeugten eine sehr seltsame Stimmung. Das allein war schon bedrückend. Aber am bedrückensten war das Gespräch, welches die Mutter mit dem Mörder führte und was sie danach sagte. Es muss ein ungeheuerlicher Stress für sie gewesen sein.

Ich frage mich deshalb, was einen Menschen dazu bringt sich so einem gealtigen psychischen Stress auszusetzen. Weiter unten habe ich ja gefragt wie ein Trauma definiert wird. Auch dazu habe ich mir Gedanken gemacht. Ist es (für mich paradoxerweise) sogar hilfreich zur Traumabewältigung sich dem Auslöser dieses Traumas auszusetzen? Ist es sinnvoll? Wird es zur Traumabehandlung eingesetzt? Was bewirkt es im Menschen? Fühlt man sich danach vielleicht „besser“ oder einen Schritt weiter auf dem Weg zur Bewältigung? Und unter welchem Aspekt sehen solche die Angehörigen die Strafe (in diesem Fall den Tod)? Was wäre, wenn es diese entgültige Strafe nicht geben würde?

Sorry für die vielen Fragezeichen, aber es ist eben einfach aus mir rausgesprudelt.

Freue mich auf die Antworten

S.

Beispiel aus anderer Kultur, Exkurs
…leider habe ich die Quelle dieses Beispiels nicht mehr parat.

Berichtet wurde von einem Stamm (evtl. Amazonasgebiet), nach dessen Gesetzen Mord am Sohn einer Familie wie folgt geahndet wird: Der Mörder muß den Verlust des Sohnes wiedergutmachen / ersetzen, indem er die Stelle des Ermordeten einnimmt (Die Quote an Morden liegt übrigens bei diesem Stamm niedrig)

Mit anderen Worten: In einem streng geregelten Ritual legt er seine eigene Identität vollkommen ab und nimmt die des Ermordeten an, trägt dessen Namen, wohnt in dessen Behausung, tritt diese Stelle mit allen Rechten und Pflichten an. Er verliert allen Bezug zu seinem früheren Leben und muß den Verlust eines Menschen auf eine sehr handfeste Weise ersetzen: durch sich selbst.

Im Zusammenhang mit Deiner Überlegung als Gedankenanregung sicherlich eine interessante Variante.