Hallo,
ich habe eine Frage zur Tiefenwahrnehmung. Ich gehe mal davon aus, dass einigen das „AMESsche Fenster“ etwas sagt. Für ein Experiment im Fach Allgemeine Psychologie habe ich die Fähigkeit die Pendelbewegung (des Fensters) mit beiden Augen sehen zu können (Hypothese: Die Entfernung zum Objekt hat einen positiven Einfluß auf die Fähigkeit das Phänomen mit beiden Augen betrachten zu können) untersucht und dabei die Entfernung zum Objekt variiert. Die Hypothese hat sich bestätigt. Leider hapert es jetzt ein bißchen mit der theoretischen Erklärung. Kann mir jemand auf die Spünge helfen und mir ein zwei/drei Stichworte zur Erklärung geben?
Meine Vermutung war/ist, das sich der Sehwinkel (?) bei der Entfernung so ändert, dass das Objekt nicht mehr (so) räumlich gesehen wird, sondern das es eher so ist, als würde man mit einem Auge das Objekt betrachten. Meine Fragen lauten: Ist dem so? Und wenn ja, wie kann ich das weniger stümperhaft ausdrücken?
Vielen Dank
Susanna Schreiner
Hallo,
ich habe eine Frage zur Tiefenwahrnehmung. Ich gehe mal davon
aus, dass einigen das „AMESsche Fenster“ etwas sagt. Für ein
Experiment im Fach Allgemeine Psychologie habe ich die
Fähigkeit die Pendelbewegung (des Fensters) mit beiden Augen
sehen zu können (Hypothese: Die Entfernung zum Objekt hat
einen positiven Einfluß auf die Fähigkeit das Phänomen mit
beiden Augen betrachten zu können) untersucht und dabei die
Entfernung zum Objekt variiert. Die Hypothese hat sich
bestätigt. Leider hapert es jetzt ein bißchen mit der
theoretischen Erklärung. Kann mir jemand auf die Spünge helfen
und mir ein zwei/drei Stichworte zur Erklärung geben?
Also… was wir wahrnehmen beim Vor- und Zurückbewegen eines Objektes ist seine Größenänderung im Vergleich zu einem unbewegten Bezugsobjekt (meist dem Hintergrund). Je weiter das bewegte Objekt vom Beobachter entfernt ist, desto geringer ist die relative Größenänderung. Ab einer gewissen Entferung wird dieser Unterschied so klein, das er von den Augen nicht mehr wahrgenommen wird, d.h. das Objekt schein still zu stehen.
Deine Erklärung stimmt also…
Meine Vermutung war/ist, das sich der Sehwinkel (?) bei
der Entfernung so ändert, dass das Objekt nicht mehr (so)
räumlich gesehen wird, sondern das es eher so ist, als würde
man mit einem Auge das Objekt betrachten. Meine Fragen
lauten: Ist dem so? Und wenn ja, wie kann ich das weniger
stümperhaft ausdrücken?
Vielen Dank
Susanna Schreiner
Hi Florian, danke für Deine schnelle Antwort!
Eine Frage habe ich da aber noch…
Also… was wir wahrnehmen beim Vor- und Zurückbewegen eines
Objektes ist seine Größenänderung im Vergleich zu einem
unbewegten Bezugsobjekt (meist dem Hintergrund). Je weiter das
bewegte Objekt vom Beobachter entfernt ist, desto geringer ist
die relative Größenänderung.
ok
Ab einer gewissen Entferung wird
dieser Unterschied so klein, das er von den Augen nicht mehr
wahrgenommen wird, d.h. das Objekt schein still zu stehen.
Aber es scheint ja nicht still zu stehen. Vielmehr ist aus der (realen) Drehbewegung ein Hin- und Herpendeln geworden. Liegt das eventuell dann einfach an der Trapezform des Fensters? Ich habe das ganze auch mal mit einem rechteckigem Stück Pappe probiert. Auch hier konnte ich eine Pendelbewegung wahrnehmen, allerdings sehr viel schwächer.
Wenn ich Dich richtig verstehe : Du untersuchst den Effekt, dass aus einiger Entfernung eine Bewegung, welche dreidimensional verläuft ( z.B. das Fenster, welches in Richtung des Beobachters hin aufgeklappt wird ) flächiger und eindimensionaler erscheint, als bei der Betrachtung aus kleinerer Entfernung ?
Wenn ich Dich so richtig verstanden habe, so ist die Erklärung die folgende :
Dreidimensionale Wahrnehmung beruht auf der Fähigkeit des Gehirnes, zwei Bilder, welche von den Augen aufgenommen werden, miteinander zu vergleichen.
Dem Gehirn ist der Abstand der beiden Augen ( „Kameras“ ) durch Erfahrungswerte bekannt und ist im „Auswertungsprogramm“ des Gehirns automatisch richtig vorhanden.
Nun hat man zwei Einzelbilder und das Gehirn kann nun aus der Differenz der beiden Bilder welche durch die sog. Parallaxenverschiebung entsteht die Entfernungen der einzelnen Bildelemente zum Beobachter berechnen. Diese Berechnungen, welche in jeder Sekunde für jede Sichtwahrnehmung erfolgen werden den einzelnen Bildelementen zugeordnet und es entsteht im Gehirn eine intuitive Wahrnehmung für die dreidimensionale Anordnung der optisch wahrgenommenen Objekte.
Ist der Beobachter jedoch von dem beobachteten Gegenstant (Fenster) relativ weit entferns, so gleichen sich die mit den verschiedenen Augen wahrgenommenen Bilder mit zunehmendem Abstand immer weiter an, da der Einfluss der Parallaxenverschiebung auf die wahrgenommene Bildinformation mit zunehmendem Abstand immer weiter gegen Null geht. Dieser Effekt steigert sich bis zu dem Punkt, an dem die Auflösung des Auges zu gering wird, um einen Unterschied zwischen den beiden Bildern noch erkennen zu können. Ab diesem Punkt kann kein Entfernungsunterschied mehr zwischen den in weiter Entfernung wahrgenommenen Einzelelementen des Gesamtbildes mehr im Gehirn „berechnet“ werden. Da diese Entfernungsinformation für das Gehirn jedoch nun fehlt, bzw. nicht mehr unterscheidbar von der Entfernungsinformation der Umgebung des wahrgenommen Objektes ist, KANN den einzelnen Objekten kein individuell unterschiedlicher Abstand mehr zugeordnet werden. Deshalb erscheinen in einiger Entfernung wahrgenommene Objekte flächig - die einzelnen Abstände werden als gleich empfunden. Man nimmt also nur noch die zweidimensionale Projektion dreidimensionaler Gegenstände und Bewegungen wahr.
Die zweidimensionale Projektion einer Rotationsbewegung (des Fensters) jedoch ist eine sinusförmige Schwingung (Pendelbewegung).
Ich hoffe, dass Du das gemeint hattest.
Gruss,
Jürgen
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Hallo Jürgen,
Du hast zwar meine Frage nicht so verstanden (ich kann das Phänomen leider nicht besser beschreiben) wie ich sie gemeint habe, aber die Erklärung ist perfekt und passt trotzdem ganz genau. Super vielen Dank, Susanna